Fifthangel FifthangelKultbands gibt es viele, aber nur wenige verdienen diesen Namen wirklich, aus den Herren aus Seattle allerdings hätte so viel mehr werden. Auch wenn sie es nur auf zwei Alben brachten, werden sie heute in diversen Fankreisen gottgleich verehrt und die Auftritte auf dem Keep It True-Festival glichen Ritualen. In einer Zeit, in der Monte Connor noch nicht den New Metal erfand, um Amerika wieder etwas Relevanz in der Metalszene zu verleihen, hatten Roadrunner ein sehr gutes Händchen für tolle neue Acts. So nahmen sie Metaller von FIFTH ANGEL 1988 unter Vertrag, um mit ihnen ihr vielbeachtetes Debüt zu veröffentlichen, das ihren legendären Ruf begründete. Dabei war das Werk bereits zwei Jahre zuvor bei Shrapnel erschienen, ging da aber völlig unter, weil man diese Company mit seelenlosen Dudlern assoziierte. Nun wird die Scheibe im Zuge anderer Kultalben von Metal Blade neu aufgelegt.

Dabei war der Fünfer im Umfeld von METAL CHURCH, SANCTUARY oder HEIR APPARENT völlig anders sozialisiert, was sich in der starken US-Metalausrichtung bemerkbar machte. Schon der Opener „In Tha Fallout“ geht direkt nach vorne los, die Leads und Drums duellieren sich, bevor beide das Gaspedal durchrücken. Das IRON MAIDEN-affine Riff im Refrain deutet schon den Hang zu prägnanten Melodien an, und mit Ted Pilot haben sie einen Mann, der über ein überragendes Organ verfügt, um selbst im gestreckten Galopp noch blitzsauber zu intonieren.
Sein glockenklares, leicht melancholisches Timbre drückt dem gesamten Werk den Stempel auf, zumal es auch über genügend Kraft verfügt. Wenn dann das Tempo reduziert wird, bleibt auch genügend Raum, um die Phrasierungen perfekt auszureizen. Doch ein paar weitere schnelle Knaller werden dem Fan auch serviert, in „Call Out The Warning“ gibt es wieder feinste Leadarbeit zum Einstieg, DoubleBass in der Strophe und einen epischen Chorus, der dem Tyrant zu Ehre gereicht hätte. „In The Night“ überzeugt mit etwas düsteren Tönen und einem sehr dominanten Grundriff, welches auch mal Haken schlägt.

Großartig ist auch, dass sie mit derselben Power zu Werke gehen, wenn sie nicht bedingungslos nach vorne preschen, sondern auch schwere Riffwalzen in knallige Rocker verwandeln wie etwa beim programmatischen „Shout It Out“. Dessen fast schleppendes Tempo explodiert im Refrain mit Gangshouts zu einem Stadionrocker. Die Wunderwaffe, der dies mit seinen Arrangements möglich macht, heißt Ken Mary, und wurde im Anschluss heiß auf den Schlagzeugermarkt gehandelt. Was er da an Breaks rausballert, welche die Songs abheben lassen, klappt einen die Kinnlade runter.
Den Shuffle, den er im rockigen Titeltrack raushaut sucht seinesgleichen, da schnellt jede Faust nach oben. Das fiese an der Nummer ist, dass die Strophe zwischen all dem Orkan an Lead – und Drumfills eigentlich eher episch und sphärisch gehalten wird, um dann im Refrain wieder völlig steil zu gehen. Noch getragener präsentiert sich anschließend „Wings Of Destiny“, das mit „Hallowed Be Thy Name“-Gedächtnisglocken beginnt und zu Beginn dem Weg des Klassikers folgt. Im Chorus nehmen die Drums dann Dynamik auf und die Melodien von Pilot öffnen sich in ganz große Weiten.

Ähnlich ruhig beginnt der Schlussakkord „Fade To Flames“, bevor wieder gekonnt mit der Dynamik jongliert wird und die Nummer zum Up-Tempo-Rocker mutiert. Hier beweist der gute Ted, dass er auch ein paar hohe Screams beherrscht, seine Ausdruckspalette ist ebenso breit wie die der Kompositionen. Da geht es auch mal ruppig zur Sache wie in „Only The Strong Survive“, der deftige Ritt auf den Saiten zwischen Stampf und Attacke wird von Mary auch wieder genial akzentuiert. Dasselbe gelingt ihm beim an John Sykes gemahnenden Obertonquietschen von „Cry Out The Fools“, auch hier forciert er das Tempo mit wenigen Schlägen. Und im Refrain schwebt dann mit dem melancholischen Schmelz von Ted Pilot eine erhabene Schönheit herein.

Eine Schwachstelle an „Fifth Angel“ auszumachen ist nahezu unmöglich, mit Terry (SOUNDGARDEN, PANTERA, METAL CHURCH, DREAM THEATER) hat eine absolute Koryphäe Hand an die Produktion gelegt. Ihm gelingt die perfekte Balance zwischen griffigen Melodien und kantigen Power, die jeden Headbanger zufrieden stellt. Und die Gitarrenarbeit ist absolut überragend, nicht nur die knackigen Riffs reißen sofort mit, auch bei den Soli brillieren James Byrd und Ed Archer. Da wird das Grundthema adaptiert, um kurz danach die Finger über das Griffbrett turnen zu lassen, ohne den Song aus den Augen zu verlieren. Und jene Songs sind aus einem Guss, selten hat man eine so reife Anlage bei derartiger Frische vernommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Neuauflage ein paar Interessenten findet, jeder der traditionellen Metal mag, muss dieses Werk lieben. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer0,0 - / -


Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 37:39 min
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichungstermin: 18.05.2018

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