prayingmantis gravityDieses Mal hat es bei weitem nicht so lange gedauert, noch nicht einmal drei Jahre nach "Legacy" gibt es neues Material von den Briten. Auf die letzten Studiooutputs mussten die Fans doppelt so lange warten. Was so ein verändertes Line-Up alles ausmacht, wenn die Musiker an einem Strang ziehen, und auch wieder regelmäßig auftreten. Dabei spielt es keine Rolle, dass die zwei Mitglieder, die beim Vorgänger ihren Einstand gaben, aus den Niederlanden stammen. Auch nach zahlreichen geschäftlichen und persönlichen Rückschlägen sind die NWOBHM-Recken weiter unverwüstlich, wovon "Gravity" erneut zeugen kann.

Zuerst einmal überraschen die alten Helden mit dem Opener, zu dem es auch ein Video gibt. Bislang lag ja immer eine gewisse Melancholie über den Stücken der Briten, doch hier holen sie mal den Partymodus raus. Das Ding rockt ohne Unterlass, die Leads haben eine starke IRON MAIDEN-Schlagseite, die man seit Debüt-Tagen nicht mehr gehört hat. Natürlich dürfen die Chöre als Untermalung zum Refrain nicht fehlen, doch hier brechen sie mal etwas aus dem üblichen Schema aus.
Das tun sie im folgenden "Mantis Anthem" ebenso, nur schlägt hier der Härtepegel in die komplett entgegengesetzte Richtung aus. Dabei ertappt man sich bei dem Gedanken, wie die britische Prägung aussehen könnte, wenn man mehr Keyboards verwenden würde und da käme nicht von ungefähr der Name MAGNUM in den Sinn. Tatsächlich ist die Art des Gebrauchs der Synthesizer den Pomprockern nicht unähnlich und bringt ein paar neue Facetten in en Sound, wenn auch die schwelgerische Ader leicht übertrieben wird.

Noch pompöser gestaltet sich "Ghost In The Past", in dem sich PRAYING MANTIS an ein paar Keyboardstreichern und Pianoklängen versuchen und durchaus eine gewisse düstere Seite offenbaren. Gelingt hier noch eine interessante Atmosphäre, so geht diese einem anderen von Tastenklängen getragenen Lied nach hinten los. Dass die Truppe auch mal gerne in den Kitschtopf langt ist bekannt, doch bei "Time Can Heal" ist das eindeutig zu viel des Guten.
Das ist selbst für ihre Verhältnisse zu seicht, so eine Anbiederung an den US-Markt braucht heute niemand mehr. Dass sie das aber auch beherrschen zeigen sie mit "Shadow Of Life", das ähnlich flott wie der Opener rockt, nur mit noch mehr Melodie und knalligeren Arrangements. Hier setzen sie ihre tollen mehrstimmigen Gesänge gekonnt ein, wenn nur in einem anderen Kontext, mit der zweiten Spaßnummer könnte man durchaus Stadien auf Temperatur bringen, das hat was von Sommer.

Der hält stimmungsmäßig auch in anderen Stücken Einzug, wenn auch im gewohnt getragenen Terrain. "Destiny In Motion" ist so ein Kandidat, dem ruhigen Beginn folgt ein eruptiver Chorus, welchem diese tiefe Sehnsucht innewohnt. Von den Leadgitarren geht es in die bandtypische Richtung, während das Solo recht gefühlvoll ausfällt. Bislang in ihrer Karriere wenig eingesetzte Akustikgitarren bestimmen das Bild von "The Last Summer", die mehrstimmigen Gesänge bringen die sehr schöne Nummer in Westcoast-Regionen.
Vom Feeling her ähnlich kommt "Foreign Affair" daher, nur deutlich britischer als das vorhergehende Lied, ein bisschen WISHBONE ASH scheint da durch. Überhaupt lassen PRAYING MANTIS auf der Scheibe die Siebziger ein paar Mal anklingen, den Rausschmeißer "Final Destination" zieren sogar dezente Progeinsprengsel. Dazu lässt der verspielte Basslauf im Titeltrack aufhorchen, auch wenn der Rest, insbesondere der Chorus Fans der Truppe sehr vertraut vorkommt.

Doch diese Momente sind rar gesät, einzig das hymnenhafte "39 Years" bietet genau das, wofür die Troy-Brüder und ihre Kollegen bekannt sind. Ähnlich wie auf "Sanctuary" versuchen sie ihren Horizont zu erweitern, kamen seinerzeit modernere Töne ins Spiel, so wendet man sich hier den eigenen Ursprüngen zu. Dies geschieht leider auch nicht konsequent und mutig genug, so manche Idee hätte weiter gedacht werden müssen. An Abwechslung mangelt es sicher nicht, dann schon eher an einer klaren Linie, die man vielleicht weiter beschreiten könnte. Aber gerade weil die Urheber auf "Gravity" zwischen all den unterschiedlichen Einflüssen an jeder Ecke durchscheinen, können ihre Fans gerne zugreifen. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 57:48 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 11.05.2018

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