crematory oblivionDas sich der deutsche Gothic Metal-Vorreiter nicht unbedingt mit der Veränderung des Marktes abfinden kann oder will, hat man schon beim zwischenzeitlichen Split 2001 bemerkt. Natürlich ist die Truppe in einer Zeit groß geworden, in der man mit einem kleinen Hit wie "Tears Of Time" noch richtig Einheiten absetzen konnte. Doch der Kuchen will heute unter mehr Mündern aufgeteilt werden, da sind die Hallen eben nicht mehr voll, auch andere müssen das karge Brot essen. Erst kürzlich gab es eine öffentliche Ansprache in Bezug auf den geringen Vorverkauf der kommenden Tour, der in der Szene eher auf Unverständnis stieß. Dabei könnte es künstlerisch kaum besser laufen, den Austausch der halben Formation haben CREMATORY unbeschadet überstanden, und mit "Monument" das beste Album seit dem Comeback "Revolution" vorgelegt. Der Bandkern um die drei verbliebenen Gründungsmitglieder hat das Personal auf sechs erweitert und damit vieles richtig gemacht, kann man nun mit "Oblivion" noch einen draufsetzen, da sich die neuen noch besser einbringen konnten?

Erneut wurde die zuletzt eingeschlagene Richtung nicht ganz weiter verfolgt, wobei der Bruch nicht so signifikant ausfällt wie zwischen dem direkten Vorgänger und "Antiserum" zuvor. Vielmehr hat man zwar die Grundessenz, die etwas rockigere Herangehensweise beibehalten, doch schon im Intro "Expectation" fallen die orchestralen Arrangements auf. Für diese zeichnete sich Stefan Glass verantwortlich, der dieses Mal neben Dirk Riegner und Walter Stobbe den Produzenten Kristian Bonifer unterstützt hat. Und auch beim eigentlichen Opener "Salvation" sind diese Klänge sehr präsent, wobei die Staccatos und der hämmernde Bass stark an die schweizerischen Weggefährten SAMAEL erinnern.

Was eher negativ ins Gewicht fällt, sind die klaren Vocals, die wieder ein wenig aufgesetzt und überdreht wirken. Hier hatte man zuletzt mit Tosse Basler wesentlich stimmiger agiert, nun fällt der neue Mann wieder zurück in die späte Phase von Mathias Hechler, der seinen Posten vorher inne hatte. Gerade dann, wenn das Orchester die Grunts von Frontmann Felix vorantreibt wie im schnellen "Until The Dawn" oder dem neo-thrashigen "For All Of Us" stellt sich dieser Effekt ein. Hier wäre es besser gewesen, man hätte sich an der erdigeren Direktive von "Monument" orientiert, dann würden diese Parts überzeugender rüber kommen.

Dass man es kann, beweisen CREMATORY in "Cemetary Stillness", in welchem sich die beiden Sänger im Refrain gekonnt duellieren. Pianolinien und Synthieschwaden, die die thrashigen Riffs kontern sorgen ebenso für ein paar interessante Momente. Oder auch wenn Bridge und Chorus etwas ruhiger ausfallen wie in "Blessed", das schwer über das Keyboardorchester groovt. Was auf dem Vorläufer ebenfalls funktionierte, war diese dezente Gothic-Attitüde, die hier beim flirrenden "Revenge Is Mine" auftaucht, in dem Basler auch eine gute Figur macht.
Ähnlich gelagert sind auch "Wrong Day" und der Titeltrack, die mit einigen elektronischen Einflüssen aufwarten und von der Stimmung her an späte THEATRE OF TRAGEDY denken lassen, ebenfalls eine Band, die an der Entwicklung des Gothic Metal ihren Anteil hatte. Ersterer Track wird auch wieder von auf dem Album sehr präsenten Piano flankiert, während sich "Oblivion" mit einem weiten Refrain bemerkbar macht. Den gibt es auch im sphärischen "Stay With Me", das im Chorus zu einer richtigen Powerballade anschwillt, etwas womit sich Leadgitarrist Rolf Munkes auskennt.

Was man beim Gesang positiv anerkennen muss, ist, dass man nicht stumpf auf gegrunzte Strophen und Refrains mit Klargesang setzt, sondern hier sehr geschickt variiert, und somit jedem Song einen eigenen Charakter gibt. Der Grundcharakter von "Oblivion" ergibt sich eher wieder aus der Produktion mit den orchestraleren Synthesizern. Am Ende hat man dann noch mit dem schweren "Demon Inside" noch einen richtigen Brecher eingebaut, der an die Frühphase der Formation erinnert und in dem sich der gute Felix austoben kann. Die Scheibe hat vielleicht nicht ganz die Qualität des Vorgängers, auch wegen der angesprochenen Mängel, doch es zeigt, dass die neue Besetzung besser funktioniert als die alte auf den letzten Outputs. CREMATORY sind auf dem richtigen Weg, aber die Fans sollten doch eher wegen des neuen Albums auf die Konzerte kommen, anstatt des Aufrufes. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 54:11 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 13.04.2018

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