Myles Kennedy Year Of The TigerAls großer Fan der Stimme von Gitarrist und Sänger MYLES KENNEDY dürfte es niemanden verwundern, dass ich ganz besonders auf sein erstes Solo-Album gespannt bin. Angekündigt ist „Year Of The Tiger“ schon lange, aufgrund der vielen Projekte und Bands des Ausnahmetalents hat sich die Platte jedoch mehrfach verschoben. Das ist angesichts des Erfolgs von ALTER BRIDGE und dem Zweitposten als Sänger bei SLASH kein Wunder.

Mit seinen Hauptbands hat dieses Album aber nur wenig gemeinsam. Fans der härteren Gangart sollten sich demnach gleich darauf einstellen, dass es sich hierbei um ein akustisches und ruhiges Album handelt. Wer also etwas im Stile von ALTER BRIDGE oder SLASH erwartet, wird enttäuscht sein, doch das war auch niemals der Anspruch von Myles. Der Amerikaner verarbeitet mit diesem Album den frühen Verlust seines Vaters. Myles war damals vier Jahre alt und jenes Jahr bezeichnet er als „Year Of The Tiger“. Eine traurige Geschichte, die den Songs der Platte noch mehr Tiefgang verleiht.

Die zwölf Stücke sind für jeden Fan von Akustik- und Songwriter-Musik eine regelrechte Offenbarung. MYLES KENNEDY spielt und singt wie ein junger Gott, dabei lässt er sich nicht von Genre-Grenzen einengen und zieht sein eigenes Ding durch. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber ich für meinen Teil bin extrem zufrieden damit. Die Songs sind abwechslungsreich, die Stimme und der Gesang unverwechselbar, und in den besten Momenten hat das Album sogar etwas vom dritten LED ZEPPELIN Album. Jene Platte, die zur Veröffentlichung böse verrissen wurde aufgrund des hohen Akustik-Anteils (dabei wurde bekanntlich ziemlich jede Platte von Zeppelin damals verrissen, Anm. d. R.).

Trotz der traurigen Hintergrund-Story sollte man aber kein trauriges Album erwarten. Viele der Songs sind eher fröhlicher Natur, man muss sich dazu lediglich das Titelstück selbst, „Mother“ oder „Devil On The Wall“ anhören. Letzteres animiert sogar zum freudigen Tanz. Unter die Haut gehen hingegen Nummern wie „Love Can Only Heal“, eine Ballade, die schlichtweg unglaublich ist, so viel Dynamik habe ich selten bei einem Song erlebt. Jeder Durchgang des Tracks ergreift mich aufs Neue und die Gänsehaut ist mir kein bisschen peinlich. Ganz ähnlich ist es bei dem Track „The Great Beyond“, dieser kommt sehr episch daher und die Stimme geht ordentlich in die Höhe. Das muntere „Songbird“ hingegen könnte glatt aus Jimmy Pages Feder stammen, mehr Folk und LED ZEPPELIN-Einfluss geht fast nicht.

Der Sound ist zeitgemäß und angenehm abgemischt, man spürt deutlich, dass das Label den Namen MYLES KENNEDY zu schätzen weiß. Das dürfte niemanden wundern, immerhin ist er Sänger der momentan auf der Erfolgswelle reitenden ALTER BRIDGE. Außerdem spielt er in SLASHs Solo-Band, die für Ende des Jahres ein weiteres Album angekündigt hat. Darüber hinaus wurde er bei Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham vorstellig, um über eine eventuelle LED ZEPPELIN-Tour zu sprechen. Es ist fast schon ulkig, dass dies nicht zustande kam, Myles nun aber einen ganz ähnlichen Weg wie Robert Plant einschlägt und ein Solo-Album veröffentlicht, das völlig abseits seines sonstigen Musikspektrums liegt.

Fans von ruhiger Rockmusik und Akustikgitarren kommen hier voll auf ihre Kosten. LED ZEPPELIN-Fans der „III“-Phase sollten hier ebenfalls die Ohren offenhalten. Wer jedoch ein Hard-Rock-Album in Form von ALTER BRIDGE oder SLASH FEAT. MYLES KENNEDY AND THE CONSPIRATORS erwartet, wird eher enttäuscht sein. Für mich ist „Year Of The Tiger“ schon jetzt ein Anwärter auf „Album des Jahres“ und ich bin gespannt wie es mit der Karriere von MYLES KENNEDY weitergeht. (Pascal)

Bewertung:

Pascal8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 50:40 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 09.03.2017

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