oceansofslumber thebanishedheartOCEANS OF SLUMBER ist auch eine jener Bands, die mir von Bekannten empfohlen wurde und die mich sofort angesprochen hat. Wenn ich solche Bands dann gleich gut finde, dann frage ich mich ja in der Regel immer, warum ich so lange gebraucht habe, um diese zu entdecken. Im Falle der Amerikaner ist das jedoch nicht allzu verwunderlich, denn die Band gibt es erst seit 2011. Das erste Album erschien dann 2013 und nun, fünf Jahre später, dürfen Fans sich schon über Album Nummer 3 freuen.

Und das hat es in sich. Wie soll man diese Musik beschreiben? Eine dunkle, düstere Mischung aus Doom, Rock, Djent. Darüber die Stimme der Sängerin Cammie Gilbert, soulig-warm, leicht Richtung Blues gehend. Und dazwischen auch gerne mal Blast Beats. Klingt ziemlich verquer, ist am Ende aber eine unglaublich harmonische Mischung, die da gefühlvoll aus den Boxen klingt. Auf der einen Seite federleicht, auf der anderen tonnenschwer, ist dieses Album ein Genuss von Anfang an.

Schon im Opener „The Decay Of Disregard“, der auf fast neun Minuten Länge kommt, zeigt die Band viele ihrer verschiedenen Facetten. Beim ruhigen Intro klingt man fast ein wenig nach BARREN EARTH, sehr sphärisch beginnt man nur mit Klavier und Synths, bis diese von der Gitarre abgelöst werden. Der Gesang setzt nahezu beiläufig ein, dominiert dann jedoch als Ruhepol den Song. Cammie Gilberts Stimme hat eine ungewöhnliche Klangfarbe, ist sehr eigenständig und passt damit perfekt zur Musik.

„Fleeting Vigilance“ wird von ihrem sanften Gesang eingeleitet und erstmals gibt es hier auch Growls zu hören. Wer diesen Kontrast bringt, hat bei mir ja sowieso fast immer einen Stein im Brett. Hier zeigen OCEANS OF SLUMBER auch, dass man auch einen im Grunde eher ruhigen Song richtig heavy gestalten kann. Und schon hier weiß ich, dass mir dieses Album gefällt. Auch wenn jetzt natürlich zum Beispiel das Spiel mit dem Gegensatz zwischen sanfter weiblicher Stimme und harten männlichen Growls beileibe keine neue Erfindung ist, so betreiben es die Amerikaner doch auf einem sehr hohen Niveau.

Und dazu kommt ja auch noch die Musik, die so schwer zu beschreiben ist, so facetten- und abwechslungsreich ist, minutenlang ruhig und atmosphärisch dahingleitet, nur um dann völlig zu eskalieren, wie z.B. in „At Dawn“. Avantgardistische, chaotische, beinahe schon surreale Soundlandschaften werden aufgebaut, alles begleitet von der wunderbaren Stimme Cammie Gilberts, die mal hell und glockenklar, mal soulig, mal düster-fatalistisch die Stücke veredelt.

Eines der besten Stücke des Albums ist der Titelsong „The Banished Heart“. Das Stück wird zunächst vom Gesang dominiert, wobei Cammie deutlich wie bisher noch nicht die vielen Facetten ihrer Stimme präsentiert. Und so ganz nebenbei zeigt der Song, dass ruhige Klavierparts, viele Synths und Blastbeats durchaus zusammen funktionieren können. Trotz mehr als neun Minuten Spielzeit wird „The Banished Heart“ niemals langweilig, es ist einer dieser Songs, in denen man sich völlig verlieren kann. Und dennoch ist es meiner Meinung nach nicht das allerbeste Stück der Platte.

Das haben sich OCEANS OF SLUMBER bis fast zum Schluss aufgehoben. „No Color, No Light“, das schon vorab mit einem sehenswerten Video veröffentlicht wurde, singt Cammie in einem wunderschönen Duett mit Tom Englund von EVERGREY. Die Stimmen der beiden harmonieren wirklich hervorragend miteinander und obwohl der Song über weite Strecken sehr ruhig ist, ist er dennoch gleichzeitig auch sehr heavy. Ein wunderbar düsterer Song, der vor allem von den Stimmen der beiden Sänger getragen wird.

„The Banished Heart“ ist ein Album, das voller Gegensätze steckt und dennoch überaus harmonisch klingt. Es vereint viele Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen - wahrscheinlich mag ich es gerade deshalb so. Es ist von Anfang bis Ende spannend, man weiß nie, was als nächstes passiert. Und so beschreibt der Überbegriff „progressiv“ die Scheibe am Ende vielleicht doch noch am besten, obwohl auch der irgendwie unpassend erscheint. Aber Musik, die einfach zu beschreiben wäre, wäre ja auch langweilig, oder? Auf jeden Fall zeigt die Band hier mit Nachdruck, auf welch hohem Niveau sie sich bewegt. Und deshalb sollte da jeder, der sich auch nur von einem der genannten Genres angesprochen fühlt, hier mal reinhören. Nein, eigentlich jeder, der auf atmosphärische Musik steht. Denn das hier, das ist große Kunst. (Anne)

Bewertung:

Anne9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 64:59 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 02.03.2018

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