twomindscollide200pxMich auf eine neue Band einzulassen fällt mir oftmals eher schwer und deshalb überlasse ich dieses „Entdecken“ dann eher dem Zufall. Ein wenig leichter wird es, wenn man die Musiker kennt und mit ihrer Art Musik zu machen vertraut ist. So trug Sänger und Gitarrist Lias Schwarz seine neue Band TWO MINDS COLLIDE an mich heran. Ein wenig überrascht war ich schon, weil ich so gar nichts davon im digitalen Rauschen des Netzes vernahm. Konzentriert und ohne viel Aufsehen zu erregen haben die drei Freunde das Album „The Mean Mile“ im Studio Greywolf eingetütet. 
Die Musiker Lias und Pi sind quasi schon alte Hasen in der saarländischen Musikszene und ich habe die beiden mit UNCHAINED kennen gelernt. Die beiden waren auch bis zum Ende bei SPIELBANN aktiv, welche über regionale Beschränkungen hinaus Bekanntheit erlangte. Bassist Finch wäre mir bislang noch nicht bewusst aufgefallen.

Aber als kreativer Kopf rumsitzen und nichts machen ist einfach nicht drin, gerade wenn einem der fortschreitende Empathieverlust in der Gesellschaft als Thema unter den Nägeln brennt.

Das Synthie-Intro macht gleich zu Beginn deutlich, dass es im weiteren Verlauf des Albums eher düster zu Werke geht. Der erste Schritt zum Weg, der durch „The Mean Mile“ führt.

„Auf unserem ersten Album beschreiten wir gemeinsam die "MEAN MILE", den langen und beschwerlichen Weg, den wir alle gehen müssen, doch dessen Ende wir selbst bestimmen können. Dabei blicken wir in unsere Vergangenheit, die Zukunft und auf die Meilensteine unseres Lebens“, beschreiben TWO MINDS COLLIDE grob das Konzept des Albums.

Und tatsächlich wird man von „My Path“ zu „The Leader Left My Way“ geführt. Der kraftvolle Mix aus Dark Rock und Industrial Metal unterstreicht gut die Stimmung der Songs. Der hoffnungslos klingende Gesang täuscht jedoch nicht über die tanzbaren und mit schmissigen Hooklines ausgestattet Songs hinweg. Ziemlich schnell setzen sich diese als Ohrwurm im Hörgang fest. 
„Dead Lines“ hat beispielsweise einen wunderschönen Refrain. Wahnsinnig gut und hitverdächtig auch „You Need To Be The Enemy“ wo TWO MINDS COLLIDE fragen: „Wollen wir in der Vergangenheit leben und uns für all das Schlechte, das uns in unserem Leben widerfahren ist, rächen oder lassen wir sie hinter uns und blicken mit neuem Mut nach vorne?“
Es ist müßig hier jeden Song zu behandeln, denn ich kann nur schwer einzelne Stücke hervorheben, da das Album insgesamt perfekt am Stück hörbar ist und mich auf eine 50-minütige Realitätsflucht mitnimmt.

Wenn ich überhaupt etwas an dem gut produzierten Album kritisieren möchte, dann ist es der arg hölzerne Gesang von Lias Schwarz. Mir gefällt diese exakte Aussprache der Englischen Sprache nicht besonders, das klingt so nach Schule und Diktat. Ein wenig regionale Färbung schadet da nicht. Jedoch weiß ich, dass das bei vielen Synth/Gothic-Rock Bands aus Deutschland so ist und mir deren Musik daher selten schmeckt.
Vergleiche zu bekannten Bands heranzuziehen ist für mich eher schwierig, da ich diesen Musikstil meist zu unterkühlt und oft zu aufgesetzt empfinde, aber ich weiß auch nicht ob diese Vergleiche überhaupt immer sein müssen. Generell fehlt mir oft das rockige, nach vorne treibende Element bei Gothic-und Darkrock. Deshalb spricht mich die Mischung, die TWO MINDS COLLIDE hinbekommen, eher an. Einen Vergleich hab ich beim Hören dennoch im Kopf: die Dark-Rock Phase von PARADISE LOST, die mich maßgeblich beeindruckt hat.
TWO MINDS COLLIDE drücken dem Dark-Rock ihren eigenen Stempel auf. Natürlich sind die Zutaten bekannt, jedoch wenn man sich die Zeit nimmt die Songs wirken zu lassen, erkennt man wie vielschichtig und genial ausgetüftelt diese sind. Mit einem guten Schuss UNCHAINED und einer Prise SPIELBANN, hat man hier eine ordentlich gewürzte Mischung Musik, die einem thematisch beim Selbstreflektieren hilft und musikalisch ein starkes Signal gegen den unerträglichen Einheitsbrei darstellt. (Andreas)


Bewertung:

Andreas8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 50:15 min
Label: Record Jet
Veröffentlichungstermin: 07.04.2018

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