lazuli saison8Nach all den Jahren gelten die Franzosen immer noch als Geheimtipp, der sich vor allem bei den Kritikern viel Freunde gemacht hat. Der große Erfolg blieb bislang aus, wobei die Proggemeinde immer ein aufmerksames Auge auf LAZULI hat. Doch weder in ihrer Heimat, noch in den Hochburgen Deutschland und Niederlande gelang bisher der Durchbruch, auch wenn man schon durchaus prominente Supportslots für RIVERSIDE oder FISH ergattern konnte. Sieben Alben hat die Truppe um die Loenetti-Brüder bereits auf den Markt gebracht, die mich im Vorprogramm des ehemaligen MARILLION-Fronters so überzeugen konnte. Nun gibt mit "Saison 8" die Chance, mich auch auf Platte genauer mit der ungewöhnlichen Formation auseinanderzusetzen.

Ungewöhnlich deswegen, weil sie selbst für Progverhältnisse noch sehr ausgefallenes Instrumentarium auffährt, mit dem sie neue Klangfarben einbringen. So haben sie nicht nur ein Waldhorn und eine Marimba dabei, sondern mit der Léode ein eigenes Instrument selbst gebaut, auf dem auch ihr Sound basiert. Die Geschichte dahinter ist eher traurig, Claude Leonetti konnte nach einem Motorradunfall seine Hand nicht mehr benutzen, weswegen er zu der Erfindung gezwungen war, um weiter Musik machen zu können. Dessen sphärische Klangergebnisse kommen auf der neuen Scheibe noch besser zum Tragen, da die Truppe sich immer mehr von allzu progressiven Strukturen löst und sich viel mehr im Art Rock austobt. Schwierige Wechsel sucht man hier vergebens, stattdessen setzt man auf Soundlandschaften und Atmosphäre, die eher in die Richtung der neuen ANATHEMA gehen.

Nur ein paar verlorene Pianotöne leiten "J´Attends Un Printemps" ein, bevor Sänger Dominique Leonetti seine Stimme sanft anschwellen lässt, bevor er im Refrain von seinen Kollegen stimmige Unterstützung erfährt. Die Drums von Vincent Barnavol sind nun prominenter, steigern die Dynamik noch zusätzlich, ohne den Fluss zu stören, bevor am Ende wieder alles in den eröffnenden Tasten zerfließt. Ebenso spartanisch beginnt im Anschluss "Un Linceul De Brume", ein paar Schwaden schieben sich an vereinzelten Rhythmusspuren vorbei. Der Gesang taucht aus dem Nirgendwo auf, bevor zum Refrain hin ein E-Piano mit psychedelischer Färbung übernimmt. Doch plötzlich übernimmt das schwere Riff, welches sich bislang im Hintergrund hielt und sorgt gemeinsam mit ein paar hektischen Schlagzeugausbrüchen für den einzigen fordernden Moment auf "Saison 8".

Überhaupt ist das Werk recht düster gehalten, "Les Cotes" wirkt fast gespenstisch, die Marimba und das Piano klimpern um die Wette. Im Chorus wird es getragen, bevor sich die Stimmung in weiten Flächen auflöst. Ähnlich gelagert, wenn auch drückender ist "Chronique Canine", bei dem das Waldhorn auch wieder ein tragende Rolle einnimmt, aber auch ein paar Bassläufe, die an ihre früheren polnischen Tourgenossen erinnern. Gegen Ende haben die dunklen Flächen dann etwas von PINK FLOYD in der "Animals"-Phase.
Hier macht sich das Spiel der Léode am deutlichsten bemerkbar, dann wenn Lazuli entrückt abheben und sich in ihrem eigenen Kosmos treiben lassen. Floydsche Muster finden sich ebenso in der Coda von "Mes Amis, Mes Freres", in der Dominique Leonetti ein feines Gitarrensoli serviert. Das Stück ist noch das euphorischste der ganzen Scheibe, vor allem der Refrain rockt recht fordernd. Akustisch beginnend streift man hier den Alternative Rock, garniert ihn immer wieder mit Leads und kann so mehr Zugänglichkeit schaffen.

Da reicht auch nicht der balladeske Schlussakkord in Form von "Les 4 Morts Saisons" heran, der ähnlich versponnen wirkt wie viele Teile des Materials. Das ist vielleicht das zentrale Problem von "Saison 8" und vielleicht der gesamten Karriere der Franzosen. Aus ihrer großen Kunst Stimmungen zu erzeugen und ihrer genialen Musikalität, die sie vor allem auf der Bühne zeigen, gelingt es nicht, griffige Songs zu kreieren, die sich wirklich festsetzen. Es ist weniger das Instrumentarium, denn das erzeugt viele interessante Ideen und Atmosphären. Ein Problem sehe ich auch bei der etwas sperrigen französischen Sprache, die nur dann wirkt, wenn LAZULI im Chanson ihres Heimatlandes wildern wie in "De Deux Choses Lune". Schöne Kopfhörermusik zum Wegträumen, aber das Stigma des Geheimtipps wird die Band auch mit der Scheibe nicht loswerden. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 43:29 min
Label: L`Abeille Rôde
Veröffentlichungstermin: 20.03.2018

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