voodoocircle raisedonrockMit dem zweiten Album gelang dem Hard Rockprojekt von Saitenhexer Alex Beyrodt der Durchbruch, als man sich deutlich dem Blues zuwandte und streckenweise wie die Fortführung von DEEP PURPLE der Coverdale-Ära klang. Doch mit den folgenden Alben ritt man zu sehr die Coverdale-Schiene und orientierte sich allzu deutlich an dessen "1987"-Meisterwerk. Gerade "Whiskey Fingers" konnte nicht mehr so überzeugen, da auch die ansonsten als fähig bekannte Produktion von Alessandro DelVecchio hier nicht so zündete wie die Beyrodt/Sinner-Eigenproduktion zuvor. Sein Ausstieg wird aber eher daran gelegen haben, dass der Keyboarder bei Frontiers Records überbeschäftigt ist. Ohnehin ist mit dem neuen Drummer Francesco Jovino die Band personell fast identisch mit der von JORN, da tut frisches Blut gut. Da fiel der Weggang von Gründungsmitglied David Readman schon deutlicher ins Gewicht, doch man konnte sich mit Herbie Langhans, der bislang eher als Studiomusiker aufgefallen war, noch einmal aufraffen. Doch kann er auf "Raised On Rock" seinem Vorgänger das Wasser reichen?

Gleich zu Beginn schnellt wie schon bei den letzten beiden Scheiben sofort die Les Paul nach vorne und serviert uns einen John Sykes-Gedächtnislauf. So großartig „Bad Boys“ seinerzeit auch war, irgendwann ist der Witz erzählt, auch wenn diese Kompositionen sehr gut mit der kraftvollen Stimme von Langhans korrespondieren. Hier hat man noch eine Orgel darunter gelegt, während die Truppe beim ähnlich gelagerten „Ultimate Sin“ gänzlich auf die Power der sechs Saiten setzt.
Überhaupt sind die Tasteneinsätze etwas zurück gefahren worden, was auch daran liegt, dass aktuell kein Keyboarder im Line-Up steht. Diese Herangehensweise passt nicht nur zum Timbre des neuen Sängers, sondern auch zu den typischen melodisch treibenden Refrains, für welche die Formation bekannt ist. Hier können sie trotz allen Schielens nach England und den Staaten nicht ihre teutonische Herkunft verleugnen, müssen sie auch nicht, denn die Mischung stimmt.

Jene funktionierte auf dem Vorgänger nicht ganz so, was auch daran lag, dass man zu zahm agierte und die Eckpunkte wie Zugänglichkeit, Tiefgang sowie Härte nicht voll ausreizte. Hier wird wieder mutiger zu Werke gegangen, auch wenn man sich gerne mal in der Sicherheit des großen dreißig Jahre alten Vorbildes wiegt. Die Riffs pirschen in „Walk On the Line“ herrlich heran wie zu besten „Crying In The Rain“-Zeiten, nur mit mehr Hymnenfaktor. Und die Reminiszenz an „Is This Love“ stellt dieses Mal „Where Is The World We Loved“ mit akustischen Gitarren die gefühlvollste Ausarbeitung des Themas dar.

Eher an alte WHITESNAKE erinnert der Stampfer „Higher Love“, in welchem der bass von Mat Sinner schön pumpt. Das bluesige Feeling und die Talkbox lassen etwas an frühe GOTTHARD denken, aber beim Refrain weiß der Hörer wieder, wo er zuhause ist. In die selbe Kerbe schlägt auch der Rausschmeißer „Love Is An Ocean“, dessen ruhiger Beginn von wuchtigen Drums abgelöst wird, bevor es im Chorus melodischer zugeht. Noch melodischer fällt „Just Take My Heart“ aus, das mit einer fast poppigen Schlagseite daher kommt. Der Eindruck wird von ein paar Synthesizerspuren noch verstärkt, dennoch rockt die Nummer ordentlich.

Doch auch einige andere Helden haben den guten Alex beim Songwriting beeinflusst, im flirrenden „You Promised Me Heaven“ ist eindeutig Jimmy Page heraus zu hören. Dazu garniert er das Stück mit einem ruhigen Solo und in dem Bereich hat er auf „Raised On Rock“ seine besten Momente. Bluesige Licks und offene Akkorde prägen „Chase Me Away“, das auch mit einem weiten Refrain überzeugt. Ein wenig kann man da Ritchie Blackmore wittern, doch der scheint in „Dreamchaser“ deutlicher durch.
Feine atmosphärische Leads führen den Song und Gipfel später in einem für den Briten so typischen Zigeuner-Thema. Mit dem Lied kann sich auch der neue Sänger endgültig freischwimmen, kann er dessen Dynamik bestens tragen. Das gilt auch für „Unknown Stranger“, das flott nach vorne rockt und klingt als wäre Ronnie James Dio in den Achtzigern bei DEEP PURPLE eingestiegen, natürlich inklusive weiterer Blackmore-Momente.

Das Rad haben VOODOO CIRCLE sicher nicht neu erfunden, doch ihres dreht sich weiter mit Volldampf weiter. Mit einem bisher wenig Bekannten an der Sangesfront hat man den Verlust von Readman auffangen können. Wer über die allzu vielen Querverweise hinweg sehen kann, der kommt um dieses Werk nicht herum, da die Songs einfach nur so vom Kraft und Feeling strotzen. Der perfekte Hard Rockspagat macht einfach unumwunden Spaß und bekommt von Hansens Produktion noch einiges an Durchschlagskraft. Sicher die interessanteste Veröffentlichung seit „Broken Heart Syndrome“. (Pfälzer)



Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 50:54 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 09.02.2017

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