kjw bloodredsandmanIch kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, ob wir beim Neckbreaker Magazin schon jemals ein Hörspiel rezensiert haben. Dementsprechend stand zunächst einmal die Frage im Raum, in welche Kategorie das nun eigentlich fällt. Da „Blood Red Sandman“, welches übrigens bereits am 24.11.2017 veröffentlicht wurde, sich jedoch über zwei CDs erstreckt, denke ich, dass die Sache unter „CD-Reviews“ einigermaßen gut aufgehoben ist.

Ein Hörspiel hat wohl jeder in Deutschland aufgewachsene Mensch in seinem Leben schon gehört. War und ist das doch eine von Eltern immer wieder gern hergenommene Beschäftigungstherapie um die „lieben Kleinen“ zumindest für eine Weile zu beschäftigen. Zum Glück blieben mir in meiner Kindheit solche Auswüchse wie „Benjamin Blümchen“ oder „Bibi Blocksberg“ erspart. Meine erste Kassette war damals irgendeine Folge von „Jan Tenner“ sobald ich dann über die „Die ???“-Phase hinausgewachsen war, trat „John Sinclair“ auf den Plan.

Kim Jens Witzenleiter, der bisher eher für Comedy-Hörspiele wie die „Men In Green“-Reihe oder die Webserie „Susi Schaf“ bekannt ist, möchte mit „Blood Red Sandman“ nun also in der Sparte der Hörspiele für Erwachsene Fuß fassen. Hier kommt nun der „Blutrote Sandmann“ ins Spiel. Doch der Titel des Hörspiels führt ein wenig in die Irre. Wer nämlich dachte, dass die finnische Band LORDI, die ja immerhin einen Song mit dem gleichen Titel veröffentlichte, etwas mit dem Projekt zu tun hat, der sieht sich leider getäuscht. Zwar taucht der Song sogar am Ende der zweiten CD auf, das war es dann aber auch schon.

Wie schon in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“, deren Veröffentlichung bereits auf das Jahr 1816 datiert, ist der Sandmann hier einmal mehr nicht das nette Kerlchen aus unser aller Kindheit, dass die guten Träume bringt, sondern der Böse. Eine Interpretation, die sich auch aufgrund des Songs „Enter Sandman“ von METALLICA in den letzten Jahren in der Popkultur großer Beliebtheit erfreut.

Hier ist nun der „Blood Red Sandman“ ein 3000 Jahre alter Dämon und der Herrscher der Traumwelt, der sich in die Träume der Menschen schleicht, um ihnen ihre Seelen zu stehlen. Im Jahre 1047 ließ ein Mönch sein Leben, um den Sandmann in seinen ewigen Träumen gefangen zu halten. Fast eintausend Jahre später kann der Dämon sich befreien und meuchelt nun einige Teenager und verleitet einen Kommissar zum Selbstmord.

Ein Plot, wie er in dieser Form auch einem gewissen Kim Bendix Petersen, besser bekannt als KING DIAMOND, eingefallen sein könnte, obwohl dieser es wohl weitaus besser hinbekommen hätte. So hat die Handlung eher das Niveau eines Groschenromans aus der „John Sinclair“-Reihe.

Doch die schwache Story, die von der Idee her noch dazu in großen Teilen bei „Nightmare On Elm Street“ abgekupfert ist, ist hier noch lange nicht das einzige Problem. Nein, es hapert auch gewaltig an der Umsetzung. Zwar sind hier mit Sprechern wie dem Schauspieler Nikolai Will (Tod den Hippies), der Synchronsprecherin Chiara Haurand (Blutmond) und dem Trash-Country-Poet Ski-King durchaus keine unbekannten Sprecher am Start und die Nebenrollen sind unter anderem mit den deutschen Stimmen von Bart Simpson und Hillary Swank besetzt, während sich in kurzen Einspielern Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke die Ehre gibt, trotzdem erwischt man sich bereits nach wenigen Minuten bei dem Gedanken, dass die ganze Sache einfach nur grottenschlecht ist.

Dies liegt vor allem am Overacting der Sprecher. Man merkt deutlich, dass man hier versucht hat, etwas für junge Erwachsene zu kreieren beziehungsweise sich bei einer jugendlichen Hörerschaft anzubiedern. Durch die aufgesetzt wirkenden Dialoge der Hauptcharaktere wirkt die Sache jedoch sehr gestelzt. Mal ganz ehrlich, so redet kein Mensch im wahren Leben! Ganz schlimm wird es dann, wenn Andrew „Ski-King“ Witzke und Chiara Haurand „The Sound Of Silence“ zum Besten geben.

Neben einer Geschichte, die einem höchstens ein müdes Gähnen entlockt, hat man es hier also auch noch mit Sprechern zu tun, die agieren wie überambitionierte Mitglieder der Medien-AG irgendeiner Schule, die auf die Idee kamen ihr eigenes Hörspiel zu produzieren.

„Blood Red Sandman“ wird mit dem Motto „Horror für die Ohren“ beworben. Das ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Und nein, das meine ich alles andere als positiv. Bedenkt man, dass „Blood Red Sandman“ zunächst als Film geplant war, kann man froh sein, dass daraus nichts wurde. (Matthias)

Bewertung:

Matthias0,0 - / -

Anzahl der Songs: -
Spielzeit: 88:36 min
Label: Wolfy Office
Veröffentlichungstermin: 24.11.2017

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