dirge almabalticaVon Zeit zu Zeit erfreuen die Franzosen die Post Metalgemeinde mit neuem Stoff, auch wenn deren Karriere nur auf Sparflamme brennt. Das Genre, in welchem sie sich eine eigene Nische geschaffen haben, hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen, was DIRGE nicht daran hindert, ihm weiterhin zu folgen. Drei Jahre sind seit dem letzten Output "Hyperion" nun auch wieder vergangen, und die Mannen um Gitarrist Stephane L. arbeiten an neuem Material. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, haben sie nun mit "Alma/Baltica" eine EP auf den Markt geworfen, die es nur als Vinyl und Download gibt. Da stellt sich die Frage, ob es nicht bessere gewesen wäre, die Ideen in den kommenden Longplayer einzubauen, oder ist er gar ein Ausblick darauf, interessant es die Veröffentlichung allemal.

Ihr letztes Output beschlossen unsere westlichen Nachbarn mit dem gewohnt überlangen "Remanentie", einer verhallten Klangcollage, bei der die ohnehin nur marginalen Songstrukturen noch weiter aufgelöst wurden. Nach dem Genuss der nun vorliegenden EP stellt sich die Frage, ob die Truppe in der Richtung weiter agieren will oder vielleicht einfach nur noch mehr solcher Gebilde auf Lager hatte. Da man in der letzten Dekade sehr dem eigenen Stil treu geblieben war, ist zu erwarten, dass das nächste Langeisen vielleicht unter dem Ballast dieser Klänge zu ruhig ausfallen würde, weswegen dieses Release Sinn macht, um jene Stücke den Fans zugänglich zu machen.

Schon die eine Hälfte des Titelstücks wird von einer sanft flirrenden Gitarre bestimmt, welche die Töne nur schemenhaft anschlägt, dabei immer wie Luft zu holen scheint, um sich in einem Meer aus Drones und Geräuschen zu wälzen. Rhythmusinstrumente finden fast gar nicht statt, ein paar kurze Drumschläge ein leichtes Sirren der Becken, mehr ist da nicht zu holen, während das Grundthema geisterhaft vor sich her mäandert. DIRGE spielen dabei so filigran, so intensiv, dass man die Veränderungen gar nicht bewusst wahrnimmt, welche der Song vollführt.
Etwas mehr pulsiert das folgende "Red Dawn Tibesti", es klopft, es puckert immer irgendwo tief im Untergrund oder doch nur im Unterbewusstsein? Die Synthies schweben im Raum umher wie in einer riesigen barocken Halle, was sich auch in der Klangfärbung bemerkbar macht, nichts scheint einen wirklich zu erreichen und dennoch ist man beeindruckt davon. Irgendwo baut sich dann ein kurzer Anschlag der Gitarre auf, doch der bricht nach kurzer Zeit wieder zusammen, als wäre er nie dagewesen, das Verlorene fesselt einen.

Mit herkömmlichen Musikformen ha das sehr wenig zu tun, selbst der Postbegriff reicht da nicht mehr aus, bei "Black Shore" kann man vielleicht Referenzen an die Minimal Music erkennen. Ein paar analoge Synthesizerschwaden unterlegen die monotonen cleanen Gitarrenanschläge, bei denen fast jeder Ton auf sich warten lässt. Selbst wenn sich ein zweites, helleres Motiv dazu gesellt, wird diese karge Tristheit nicht lichter, am Ende verschmelzen die beiden ineinander, wieder ohne Spuren zu hinterlassen. Noch doomiger kommt "Baltica (Sine Time Reoscillated)" daher, dessen unendliche Schwere fast nicht greifbar ist. Über fast sieben Minuten wird das zähe Riff durchgezogen, um den Boden für Wortfetzen und Soundscapes zu bereiten.

"Pure" gibt am Ende dann die reinen Drones, die sowohl von den sechs Saiten als auch den Tasten gespielt werden, Rhythmusinstrumentarium ist hier gar nicht mehr gefragt, wie ein Schleier legt sich der Song über alles, die Sinne verschwimmen komplett. "Alma/Baltica" ist ein völlig abgefahrenes Soundexperiment, welches selbst einen psychedelischen Rahmen sprengt. Irgendwie passiert auf dem Werk gar nichts, und genau das macht es so spannend, man sehnt den Sturm nach der Ruhe herbei, der jedoch nie kommt, was das Beklemmende bis zum Zerreißen steigert. Hier bleibt die Frage, was verstörender ist, ein herkömmliches DIRGE-Album oder das, was sich die Franzosen hier ausgedacht haben? (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 5
Spielzeit: 35:15 min
Label: Divison Records
Veröffentlichungstermin: 15.12.2017

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