wirtz diefünftedimesnionMit Erwartungen ist das als Mensch und als Journalist bekanntlich immer so eine Sache. Als ich mehr oder weniger aus einer Mischung aus Zufall und Neugierde mir im Sommer 2015 das „Auf Die Plätze Fertig Los“ Album von Daniel Wirtz zur Kritik vorgenommen habe, hatte ich nie im Leben damit gerechnet, dass mir erstens das Album so gut gefallen würde und dass mich zweitens in den Folgejahren kaum ein anderer Musiker/Künstler so sehr prägen würde wie der Frankfurter Junge, der auch schon einige Höhen und einige Tiefen in den letzten 15 Jahren mitgemacht hat.

Auch wenn ich hierüber nicht genau Buch führe, dürfte sein 2009er „Erdling“ Album das meistgehörte der letzten beiden Jahre sein, in meinen Augen eines der besten und authentischsten deutschsprachigen Rockalben. Nun denn, getreu dem Motto, dass wir im Hier und Jetzt leben und dass man sich für das Vergangene nichts kaufen kann, steht nun für mich das fünfte Studioalbum von Daniel Wirtz zur Diskussion. Es trägt den Titel „Die Fünfte Dimension“, womit Daniel Wirtz ein Zitat aus seinem Titel „Wo Ich Steh“ widerlegt, in dem es heißt, „Dimensionen Gibt Es Drei“, das nur mal so am Rande.

Um auf die eingangs erwähnten Erwartungen zurückzukommen, dann ist es nun natürlich so, dass ich inzwischen mit ganz anderen Zielen an eine WIRTZ Veröffentlichung herangehe, positiv überrascht zu werden, ist logischerweise inzwischen deutlich schwieriger, dafür ist die Spannung im Vorfeld größer; umso mehr auch deshalb, weil Daniel Wirtz glaubhaft im Vorfeld darlegen konnte, dass er mit „Die Fünfte Dimension“ zum ersten Mal rundum zufrieden ist.

Das nehme ich ihm übrigens auch ab, denn der Sound und die Produktion ist wirklich ausgesprochen optimal geraten und auch die Themen, die Daniel Wirtz in seinen Songs setzt, wirken wie eine ausgewogene Mischung. Insgesamt präsentiert sich „Die Fünfte Dimension“ als etwas düsterer und nachdenklicher als sein Vorgänger, Spaßnummern wie „Freitag Abend“ und „Ich Weiß Es Nicht“ findet man 2017 nicht mehr. Das ist auch ausgesprochen gut so, textlich ist „Die Fünfte Dimension“ jedenfalls um einiges bedeutender und wichtiger als die diesjährige „Laune Der Natur“ von den TOTEN HOSEN, um einmal diesen Vergleich zu wagen.

Wirklich interessant und beeindruckend finde ich ganz grundsätzlich bei den Songs und Themen des Daniel Wirtz, dass man sich als Hörer in die Worte, die er schreibt und singt, hineinversetzen kann, dass man Emotionen mit den Songs verknüpft, selbst wenn man, wie in meinem Falle, das Gefühl hat, dass man in Sachen Persönlichkeit und Charakter zu 180 Grad im Gegensatz zum Hauptdarsteller steht. Es ist diese Ehrlichkeit, diese Authentizität, die den Unterschied macht und Daniel Wirtz damit auf eine Stufe zu zum Beispiel Justin Furstenfeld von BLUE OCTOBER stellt, die sich optisch mehr und mehr anzunähern scheinen.

Zurück zum fünften WIRTZ-Album, dann kann und muss man, vielleicht nicht direkt beim ersten Hördurchgang, aber spätestens nach einer Weile attestieren, dass die erste Hälfte des Albums keinerlei Anlass zur Kritik bieten kann. Das Titelstück als Opener tendiert in Richtung der „Akustik Voodoo“ Aufnahmen und stellt einige nachdenkenswerte Fragen. „Wer Wir Waren“ ist eines dieser typischen Songs, die den Blick rückwärts richten und dazu auffordern, niemals aufzugeben. „Das Verheissene Glück“ ist nicht nur ein interessanter Titel, sondern auch der erste der gesellschaftskritischen/politisch motivierten Texte auf diesem Album im Stile von „Meilenweit“ und „Gebrannte Kinder“ und als Song das erste große Highlight des Albums.

Bei der Hymne „Gib Mich Nicht Auf“ sowie bei der Ballade „Ich Bleibe Hier“ wird Daniel Wirtz wieder etwas persönlicher und präsentiert uns eine gewisse Zerrissenheit zwischen „stark sein“ und „Schwäche zeigen“. Unterbrochen werden diese beiden Songs von „Entdeckung Der Langsamkeit“, für jemanden wie mich, der sich 52 Wochen im Jahr sein Leben nach den zu erledigenden Verpflichtungen richtet, ein durchaus anzustrebendes Motto und ein besonders nachdenklicher Song. „Die Sonne weiß nichts vom Untergehen und darum schläft diese Welt auch nie. Doch man wird auf die Schnauze fallen, wenn man glaubt, man kann sein wie sie.“

Die zweite Hälfte von „Die Fünfte Dimension“ fällt dann nicht mehr ganz so stark aus wie die ausführlich vorgestellte erste Hälfte, wenngleich es mit „Moment Für Die Ewigkeit“, „Bilder Von Damals“ und „10 Jahre“, die grob gesagt alle einen Blick in die Vergangenheit werfen, auch weiterhin starke Songs gibt, die bestimmt auch live gespielt werden. „Bilder Von Damals“ (eine Beschreibung der Jugend) sowie „10 Jahre“ (ein Rückblick auf die unsicheren Zeiten, als Daniel Wirtz 2007/2008 mit dem „11 Zeugen“ Album einen Neuanfang wagte) sind eher persönlicher Natur, „Moment Für Die Ewigkeit“ mit seiner Kernzeile „Ja, Das ist der Moment wie gemacht für Die Ewigkeit. Ein Augenblick, der uns für immer eint. Das kurze Gefühl von Unsterblichkeit“ ist hingegen universeller einsetzbar und sicherlich ein zukünftiges Muss bei Livekonzerten.

Mit „Liebe“ und „Seelen“ gibt es dann noch zwei Songs, die irgendwie auch gut sind, mich irgendwie aber nicht so ansprechen wie das restliche Material, auch wenn „Seelen“ durchaus über einen interessanten Text verfügt und gerade bei dem Song „Liebe“ dürfte Daniel Wirtz vielen seiner Hörer, nun ja, aus der „Seele“ sprechen.

Was bis jetzt noch nicht so richtig zum Vorschein kam, ist dieser ironische Ansatz, den Daniel Wirtz in einigen seiner Songs nach außen trägt, und der auf „Die Fünfte Dimension“ nicht ganz so ausgeprägt ist wie in der Vergangenheit, man erinnere sich an Stücke wie „L.M.A.A.“, „Goldenes Kind“ oder „Wenn Du Willst“. Solange Daniel diese Ironie auf sich selbst bezieht, wirkt das Ganze eben authentisch und symphatisch, da fühle ich mich als Eigenironiker zu Hause. Bei „Weil Ich Dich Mag“, das eigentlich einen recht harmlosen Titel trägt, überträgt er diesen ironischen Gedanken aber ein Stück weit auf seinen Sohnemann und das wirkt anfangs schon etwas grenzwertig. Wenn man die Alben und die Musik von Daniel Wirtz kennt, dann kann man das entsprechend einordnen, aber für einen Außenstehenden mag eine Zeile wie „Das kannst du dir nur erlauben, weil ich dich mag. Warum, das weiß ich auch nicht wirklich – ehrlich gesagt. Ich kann mir das eigentlich nur damit erklären, dass ohne uns ein Wurm wie du nur Vogelfutter wär“ schon wie harter Tobak wirken.
„Weil Ich Dich Mag“ ist sicherlich eines der ungewöhnlicheren „Liebeslieder“ für einen bestimmten Menschen, ich bin gespannt, ob er das auch live spielen wird.

Damit habe ich alle 12 Songs vom neuen WIRTZ Album zumindest einmal kurz erwähnt, als weitere Musiker waren übrigens noch Mathias Hoffmann (Der Mann im Hintergrund), Jürgen Stiehle (DIE HAPPY) und Stephan Hinz (H-BLOCKX) maßgeblich mit involviert. Also alles Profis!

Versucht man „Die Fünfte Dimension“ nun einzuordnen, dann erinnert das Album wegen seiner Düsterkeit und Schwere mehr an „Erdling“ oder „Akustik Voodoo“ als an das Debüt oder den Vorgänger. Auch wenn ich wie erwähnt, ein, zwei Songs nicht ganz so stark finde, ordnet sich das neue WIRTZ-Werk qualitativ auf jeden Fall oben im oberen Drittel ein. Daniel Wirtz hat nicht dem Charme nachgegeben, mehr in Richtung Poprock zu gehen oder verstärkt leichte, zugängliche Songs zu schreiben, sondern „Die Fünfte Dimension“ braucht etwas, bis man sie als Hörer begriffen hat.
Ich weiß jedenfalls, dass mich auch dieses Album die nächsten Wochen, Monate und Jahre stetig begleiten wird und damit bin ich dann rundum zufrieden und die Wirtz-Fans werden es ebenso sein. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20169,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 48:00 min
Label: Wirtzmusic
Veröffentlichungstermin: 17.11.2017

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