vogelfrey inekstaseVOGELFREY habe ich vor Jahren zum ersten Mal auf dem Dong Open Air erlebt und fand sie wirklich gut. Einfach mal was anderes als der übliche Mittelalter-Metal, dazu eine schöne Portion Härte sowie eine ordentliche Prise Humor. Eine tolle Mischung. Das Album „12 Schritte zum Strick“ fand ich wirklich überzeugend und auch „Sturm und Klang“ gefiel mir gut, auch wenn sich dort schon abzeichnete, dass dem Humor immer mehr Raum gewährt wird.

„In Ekstase“ geht da jetzt noch einen Schritt weiter. Das drogenverherrlichende (*hust*) Album ist so dermaßen mit Humor überwürzt, dass es mir schon widersteht. Das beginnt schon beim Opener, dem man den Wortspieltitel „Chrystal Met“ gegeben hat, in dem es eine Werbeeinblendung zwecks Verkaufs eben jenes Metes gibt und der mit vielen Breaks und Skåls auskommt. Völlig unverfroren reimt man Met auf spät und ich bin mir auch nach dem x-ten Hören nicht sicher, ob der Song jetzt cool oder völlig Banane ist.

Und dann folgt schon der nächste Griff in die Wortspielkiste. Den „Mittelalter-Rockstar“ hat Devon Graves schon vor Jahren ausgepackt – und schon damals hat keiner gelacht (gut, weil’s keiner verstanden hat, aber egal). Da sich die Band und insbesondere Sänger Jannik in diesem Stück aber selber ganz schön auf die Schippe nehmen ist der Song dann aber doch ziemlich witzig. Und einen schönen Mitsingrefrain hat man ja auch reingebastelt.

Sehr gechillt gibt man sich bei der „Rauschpfeife“, bei dem Text vergleichsweise sparsam eingesetzt wird (dabei spielt man aber herrlich auf die „Kaperfahrt“ der Ärzte an – ja, ich hab‘ das gemerkt!). Oliver Sa Tyr von FAUN würde dieses Lied mit „Das nächste Stück ist ein drogenverherrlichendes Lied!“ ankündigen. Einen schönen Groove hat es ja, wird mir aber zu schnell langweilig.

Nach der Drogenverherrlichung ist es Zeit für die Gewaltverherrlichung und so folgt mit „Heiland“ ein richtig guter Song, der einen schönen religiösen Anstrich und viele religiöse Anspielungen hat. Gerade durch die stellenweise Brutalität, aber auch durch wunderschöne Melodien wirkt dieses Stück wirklich gut und ist mein persönlicher Favorit auf dem Album.

„Tanz für mich“ finde ich auf Platte etwas langweilig, könnte mir aber vorstellen, dass der Song live funktioniert. Der „Maskenball“ ist ein schönes, immer noch aktuelles Lied über die Oberen, das man als Mittelaltersong getarnt hat. Die „Berserkerwut“ begeistert mit hartem Gesang, fast schon growlt Jannik, dazu mal richtig harte Gitarren, das weiß zu gefallen. Schade, dass es nicht mehr davon gibt.

„Mondsucht“ ist ein sehr schöner, ruhiger Song, der vor allem durch den Gastgesang von Nadine Katharina Wollmarker eine deutliche Aufwertung erfährt. Dafür zeigt Jannik hier Schwächen. Im Duett klingt es jedoch wunderbar. Auch beim letzten Stück, dem „Abgesang“ zeigt er wieder Schwächen, der ruhige, cleane Gesang liegt ihm einfach nicht. Davon abgesehen ist das Stück aber ein schönes, ruhiges Lied, das sanft mit Akustikgitarre ausklingt.

Im Grunde ist „In Ekstase“ also kein schlechtes Album, mir fehlt nur etwas die Ausgewogenheit und die Einheit. Auf der einen Seite gibt es witzige Partysongs, auf der anderen wunderschöne sanfte Lieder. Dazwischen wenig und irgendwie passt es nicht recht zusammen, ergibt einfach kein rundes Bild. Die lustigen Songs funktionieren eigentlich auch nur beim ersten Hören und werden danach schnell langweilig. Da haben mir die Alben davor doch besser gefallen. (Anne)

 

Bewertung:

Anne7,0 7 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 46:01 min
Label: Metalville/Rough Trade
Veröffentlichungstermin: 29.09.2017

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