downwiththegypsies kassiopeiaEine der Überraschungen beim letztjährigen PsyKA-Festival in Karlsruhe waren zweifelsohne DOWN WITH THE GYPSIES. Die wilde Truppe rund um Sängerin/Gitarristin Gaba und Schlagzeuger Tom überzeugte von der erste Note an mit intensivem, sehr atmosphärischem Jam-Rock. Es ist etwas schwierig die Gemengelage aus verschiedenen Stilen zu beschrieben. Und so wird sich auch mein Review-Word-Jam dazu lesen. Fakt ist, dass so gut wie kein Instrument verschont bleibt. Der ungewöhnliche Bandname, dessen Ursprung ich leider schon wieder vergessen habe, ist nicht das einzige was bei DOWN WITH THE GYPSIES spannend wirkt.

Der Auftritt des PsyKA wurde teilweise auch als Mitschnitt über Bandcamp veröffentlicht. Von der ersten Minute an merkt man schon wo die Reise hingeht. Der starke Halleffekt über den Instrumenten spannt einen weiten Raum in dem sich Gabas kräftige, klare Stimme voll entfalten kann. Zusätzlich begleitet sie sich noch auf dem E-Piano selbst und wird von Bass, Schlagzeug und Querflöte unterstützt. Es ist mir wichtig nochmal einen Bogen zu dieser Veröffentlichung zu schlagen, damit man die Fortschritte bei der Aufnahme zum Debütalbum „Kassiopeia“ nachvollziehen kann. Normalerweise spielt es ja keine Rolle, welche Demos eine Band so veröffentlicht, jedoch sind die zuvor veröffentlichten Demos durchaus erwähnenswert, da ich damals schon dachte, das man das gut so lassen könnte. Alles was die Band auszeichnet wird deutlich und wird transportiert. Wie soll da eine oft sterile Studioaufnahme diese Stimmungen transportieren? Die feinen emotionalen Verästelungen, das Vibrato von Gabas Stimme könnte doch verloren gehen im Perfektionismuswahn. Nicht so bei DOWN WITH THE GYPSIES! Was man auf „Kassiopeia“ zu hören bekommt, ist eine perfekt eingefangene, optimierte Live-Atmosphäre. Alles klingt fluffig, federnd und transparent. Der Klang der Instrumente könnte nicht besser sein, die Stimme bohrt sich mit einem Mal bis in die hintersten Gänge der Hörschnecke im Ohr. Eine Meisterleistung von in der Szene bekannten Tontechnikerin Sabina Sloth!



Den Einstieg in „Kassiopeia“ findet man mit „Intro“ problemlos! Den Track als Intro abzutun, fällt mir schwer. Eher ist es ein Soundtrack mit schamanen-haftem Gesang oder einer gelungenen Vokalakrobatik. Dass nicht nur mit Musik experimentiert wird zeigt der Titel „Sky Full Of Cars“, eine herausragende Nummer mit Ohrwurm-Potential, welche quasi nahtlos an „Intro“ anschließt. Soundeffekte und Verkehrslärm untermalen und unterstreichen die Aussage des Songs. Womöglich ist da ja mal jemand nach einer durchzechten Nacht neben einer Strasse oder auf einem Parkplatz eingeschlafen. und werden ab und an mit einer sonoren männlichen Stimme unterstützt, was in Kombination die Wirkung sogar noch verstärkt.



„Icarus“ schwebt eine gute Zeitlang der 10 Minuten über dem Kopf des Hörers und endet als kräftige Krautrock-Nummer die auch mal an Musik wie OUGENWEIDE erinnert. Die Klänge des Organs bzw. wohl eher Synthesizers werden vom sphärisch klingendem klagendem Gesang getragen. Die teils gefühlvoll, mal lauthals mit voller Inbrunst vorgetragenen Texte in polnischer Sprache von Gaba gehen unter die Haut. Die verzerrte E-Gitarre sorgt für die rockige Stimmung.



„Jamonem“, als kurze knackige Nummer, könnte man ja beinahe schon als Hit bezeichnen. Danach „Alejandro“ mit der Pulp-Fiction-Note, es ist faszinierend! 

„Marsz“ zum Abschluss, als kauzig-krautige Jazznummer, empfinde ich als eine sagenhafte Gemengelage, Sie vereint nochmal alle zuvor gehörten Elemente zu einer Nummer, die auch als Cliffhanger für das kommende Album dienen könnte. Aber da mag ich nicht allzu viel orakeln, lassen wir die Mädels und Jungs mal einfach machen. Die Noise-Attacken als Rausschmeißer treiben mir regelmäßig die Tränen in die Augen!


Der Eingangs erwähnte Fortschritt liegt hier eindeutig darin, dass die schon bekannten Stücke nochmals in Form gebracht wurden und so nicht mehr ganz wie ein spontaner Jam wirken. Einfach mehr auf den Punkt, was den Songs auch live sicher zu mehr Fokus verhilft. Es steht der Band ja frei dennoch nach Lust und Laune damit zu experimentieren.


Wo die einen Krautrock rufen, behaupte ich, dass es sich bei DOWN WITH THE GYPSIES um eine Art europäischen SANTANA handelt! Das südamerikanische Feuer und die hypnotischen Percussions fehlen zwar, jedoch was noch nicht ist, kann ja noch werden. Von polnischer Sehnsucht, bis fast orientalischen Klängen findet man in dem atmosphärischen Psychrock was das Herz begehrt. Die erst in 2015 gegründete Band rekrutiert sich aktuell unter anderem aus dem ehemaligen ASTROKRAUT-Schlagzeuger Tom Schneckenhaus und SPACE DEBRIS-Bassist Mitja Besen, die mit Gaba, Gitarristin Melina und Philip an den Blasinstrumenten und der Percussion gemeinsame Sache machen. Wenn die Formation so weitermacht, orakele ich mal eine für Musikfans ergiebige Zukunft.



Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster des rasant über die krummen Schienen des aktuellen Musikbusiness rasenden Zuges und behaupte, dass DOWN WITH THE GYPSIES, mit ihrer Experimentierfreude und dem kaltschnäuzigen Vermengen von Stilen, die Zukunft der Musik in Europa darstellen. DOWN WITH THE GYPSIES stehen für den weit ausgesteckten Mittelfinger gegenüber dem gelackten Mainstream, und bieten eine Alternative, die den Musikhörer mit offenen Armen empfängt und mit der man es sich neben dem Kamin gemütlich machen kann. Noch besser kann man wohl das Motto „keine Schubladen, kein Korsett“ nicht darstellen. (Andreas)

Bewertung:

Andreas9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 6
Spielzeit: 43:43 min
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 17.07.2017

https://downwiththegypsies.bandcamp.com

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