wintersun theforestseasonsBei WINTERSUN ist man lange Wartezeiten ja gewohnt. Da macht es überhaupt nichts, dass seit „Time I“ auch schon wieder 5 Jahre ins Land gezogen sind. Ursprünglich war als Nachfolger ja mal „Time II“ gedacht, dieses Album wurde jedoch zurückgestellt, bis die Band endlich ihr eigenes Studio gebaut hat. Anscheinend konnte man dann aber doch nicht so lange untätig sein und hat stattdessen mit „The Forest Seasons“ ein weiteres Album eingeschoben.

Das enthält zwar nur vier Songs (es gibt ja auch nur vier Jahreszeiten) und erweckt damit zunächst einmal den Eindruck einer EP; schaut man jedoch auf die Songlängen wird schnell klar, dass es doch ein ganzes Album ist. Jedes Stück ist fast eine Viertelstunde lang, so dass man am Ende fast auf eine Stunde Spielzeit kommt. Und diese Stunde hat es in sich. „The Forest Seasons“ braucht eine Weile, es ist einfach zu komplex, um beim ersten Hören schon ein Urteil fällen zu können. Bei jedem neuen Hördurchgang fallen einem wieder neue Details auf und ich muss sagen: Je öfter ich das Album höre, desto besser gefällt es mir. In den letzten Tagen habe ich praktisch nichts anderes gehört; es wird einfach nie langweilig.

Das Album wird eingeleitet von Frühling, wie soll es auch anders sein, „Awaken From The Dark Slumber (Spring)“. Der steigt erst mal ziemlich ruhig und unauffällig, fast schon mystisch mit einigen Tiergeräuschen ein und bricht dann mit einem starkem Black-Metal-Einschlag, den man so nicht unbedingt von WINTERSUN erwartet hätte, über den Hörer herein. Trotzdem lassen sich aber immer noch die WINTERSUN-Trademarks erkennen, auch wenn sie eher im Hintergrund stehen bis sie dann doch wie die ergrünenden Pflanzen aus dem Boden hervorschießen. Und ich muss sagen: So gefallen mir die Finnen noch sehr viel besser als sowieso schon. „Awaken From The Dark Slumber“ ist ein wahnsinnig starker Einstieg in die Platte, und gerade die Black Metal-Elemente machen den Song zu meinem Favoriten auf dem Album. Das Stück ist einfach nur ein verdammt starker Song. Was soll da noch kommen?

Zunächst einmal der Sommer, „The Forest That Weeps (Summer)“, das auch wieder akustisch beginnt, um dann mit schönen fetten Black Metal-Anleihen richtig einzusteigen. Mit dem Groove erinnert man etwas an NAGLFAR, hat dann aber doch noch mehr Melodie und mehr Details drin. Sehr atmosphärisch, gleichzeitig aber auch richtig hart, mit Grooves, bei denen man kaum stillsitzen kann, erinnert das Stück nur noch im Refrain an WINTERSUN – und das steht den Finnen verdammt gut. Unterbrochen wird „The Forest That Weeps“ immer mal wieder von kurzen akustischen Etappen, die das Stück auflockern und eine leicht folkige Atmosphäre schaffen. Für den mächtigen Chor hat man das Who is Who der finnischen (und färöischen) Folkmetalszene eingeladen und kann sich bei ENSIFERUM, TURISAS, MOONSORROW und TÝR für die stimmgewaltige Mithilfe bedanken. Und plötzlich bin ich mir nicht mehr sicher, ob nicht vielleicht doch der Sommer mein Lieblingsstück auf dem Album ist.

Der Herbst trägt einen Titel, den ich dann doch eher dem Winter zugeordnet hätte. „Eternal Darkness (Autumn)“ hätte ich nun nicht mit dem Herbst assoziiert. Die Soundsamples, die das Stück einleiten, können diese Stimmung jedoch perfekt transportieren. Sehr dunkel und düster kommt der Song daher, nur langsam kämpfen sich Melodie und Harmonie an die Oberfläche. Wieder bewegt man sich deutlich Richtung Black Metal, auch das Drumming ist hier richtig hart und schnell, man hat das Gefühl, dass Kai Hahto sich bisher unterfordert gefühlt hat und hier jetzt einmal alles raus lässt. Dieses Stück nimmt den Hörer mit auf eine Reise, die brutal ist und auch wunderschön. Und ganz plötzlich endet. Für meinen Geschmack etwas zu plötzlich, aber das wäre dann auch einer der ganz wenigen Kritikpunkte an dieser Platte.

„Loneliness (Winter)“ kommt so leise daher, dass man förmlich die Eiskristalle in der Luft knistern hören und die klirrende Kälte spüren kann. Schwer und schleppend baut sich die Stimmung auf, Jari Mäenpääs Gesang klingt in den Cleanpassagen müde und abgekämpft, steigert sich dann aber zu epischen Ausmaßen. „Loneliness“ ist beileibe kein schlechter Song, für mich nach den drei starken Vorgängern aber dennoch das schwächste Stück auf diesem Album. Hauptsächlich, weil es doch einige Längen hat. Womit es dann aber wiederum ja genau das Thema Winter trifft.

Mit „The Forest Seasons“ ist WINTERSUN ein Schlag gelungen, der mich dann doch überrascht hat. „Time I“ war ja auch nicht schlecht, konnte mich aber nie so recht überzeugen. Aber „The Forest Seasons“ ist unheimlich stark, WINTERSUN erfinden sich teilweise neu, ohne dabei jedoch ihre Trademarks außer Acht zu lassen und erschaffen ein episches Meisterwerk. Auch handwerklich ist an diesem Album nichts auszusetzen, schon lange habe ich kein Album mehr gehört bei dem die einzelnen Elemente so perfekt ausbalanciert sind. Ja, die Drums stehen vielleicht manchmal einen Ticken zu sehr im Vordergrund, aber hallo? Wenn man Kai Hahto in der Band kann, kann man die Drums nicht in den Hintergrund mischen. Ich jedenfalls bin von diesem Album restlos begeistert und kann nur jedem empfehlen hier einmal reinzuhören. (Anne)

Bewertung:

Anne9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 4
Spielzeit: 54:01 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 21.07.2017

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