Red Raven Chapter Two DigitHell

Fast genau drei Jahre ist es her, seit uns die lokalen Hard ´n´ Heavy-Helden RED RAVEN mit ihrem großartigen Debüt „Chapter One: The Principles“ eines der stärksten Debütalben überhaupt um die Ohren gehauen haben. Und nach dieser langen Zeit beehren sie uns nun endlich mit dem lange erwarteten Nachfolger „Chapter Two: DigitHell“. Nettes kleines Wortspiel, das sich die Herren da ausgedacht haben, ebenso wie die in binären Zahlen gehaltenen Songnummern auf der Rückseite der CD. Da ich damals vom Erstling absolut begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, endlich den Nachfolger in die Hände zu bekommen und auf Herz und Nieren zu testen – also verlieren wir keine Zeit und steigen gleich ein.

„Chapter Two: DigitHell“ beginnt mit balladesken Akustik-Klängen in Gestalt des nur 46 Sekunden langen Openers „A Perfect World“ – nach diesen 46 Sekunden merkt der Hörer dann, dass dieses „Intro“ eigentlich keines ist, sondern integraler Bestandteil des nahtlos anschließenden, saustarken „Collapse“, das mit seinem wütenden Stampfen direkt einen Tunnel in den Gehörgang zimmert, durch den sich die starke Hookline und der hervorragende Gesang direkt ins Gehirn fräsen können. Der Song zeigt außerdem auch gleich den neuen Kurs auf, den RED RAVEN auf ihrer zweiten Platte einschlagen: war „Chapter One: The Principles“ noch eine tiefe Verbeugung vor ganz klassischem Heavy Metal und Hardrock und verpasste einem das Gefühl einer Zeitreise in die Achtziger, hat man sich hier von den im besten Sinne altmodischen Songstrukturen des Erstlings weitgehend getrennt und lässt zunehmend modernere Klänge und progressive Elemente erkennen. Saustarke Auftaktnummer, die Herren!

Das Gaspedal wird auch mit dem folgenden „Dance With A Freak“ nah am Anschlag gehalten, das mit seinem beinharten Rockrhythmus weiter vorwärts prescht, im Chorus aber schöne Anklänge an klassischen, deutschen Heavy Metal der späten Achtziger und Neunziger durchscheinen lässt – schön, dass man sich also nicht ganz vom Oldschool-Metal verabschiedet hat. Im Anschluss setzt auch der waschechte Ohrwurm „Out Of Memory“ diesen Kurs weiter fort und begeistert mit einer eingängigen Melodie und einem tollen Refrain. Das folgende „Proud“ beginnt mit flamencoartigen Gitarrenklängen, die sich in der Songstruktur auch weiter fortsetzen, wenn die Nummer im Midtempo Fahrt aufnimmt – großartig gemacht!

Mit „On My Way“ betritt man dann zum ersten Mal balladeske Gefilde auf der Platte, auch hier wird es noch mal im allerbesten Sinne altmodisch, ohne unnötige Kapriolen lässt man den Song einfach so stehen mit nichts als den Elementen, die er absolut braucht. Im Anschluss folgt mit dem Titeltrack „DigitHell“ die längste und meiner Meinung nach auch beste Nummer der Platte, nach ruhigem Aufbau mit orientalisch anmutenden Klängen wird das Tempo angehoben und der Song explodiert in einer unverschämt eingängigen Melodie, über der mit Wucht die sehr kraftvolle Stimme des Sängers thront.

Zu meinem leichten Bedauern wird es danach mit „Running Out“ leider fast schon ein wenig zu altmodisch, der Song wirkt auf mich eher, als hätte er auf dem Vorgänger beheimatet sein müssen, lässt die Stärke des bisher gehörten Materials vermissen und kommt insgesamt leider etwas langweilig daher. Das folgende „Save Me“ ist mit seinem hektischen Rhythmus und fehlenden Mitsingqualitäten ebenfalls eher gewöhnungsbedürftig. Auch „The Best Man I Can Be“ kann mich nicht wirklich völlig überzeugen, der Song bringt zwar ordentlich Power mit, scheint aber nicht so recht zu wissen, wo er diese hinpacken soll – etwas schade, vor allem weil die Gesangsmelodie im Refrain ziemlich stark ist. „Unbreakable“ hingegen legt noch mal ordentlich zu, hier statten die Achtziger gepaart mit neueren, progressiveren Klängen noch mal einen Besuch ab, was sich fantastisch im hymnenhaften Chorus entlädt – hier zeigen RED RAVEN noch mal hammermäßige Qualitäten. Danach lässt man das Album mit „Until The End Of Time“ mit einer schönen und in diesem Fall positiv kitschigen Ballade ausklingen.

Handwerklich hat sich die gesamte Mannschaft, wie es nicht anders zu erwarten war, auf dem gleichen hohen Niveau gehalten, auf dem sie bereits beim Debüt agiert hat – beim Songwriting hat man noch eine ordentliche Schippe draufgelegt. Die Produktion von „Chapter Two: DigitHell“ ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, hier waren absolute Profis am Werk. Insgesamt ist „Chapter Two: DigitHell“ eine sehr gelungene Scheibe geworden, die gegenüber dem Vorgänger zwar ein bisschen Eingängigkeit vermissen lässt, aber dafür eine ordentliche Portion Fortschritt zugelegt hat. Man darf gespannt sein, wo sich RED RAVEN noch hin entwickeln und ob die nächste Platte wieder so eine Überraschung wird – mit den Jungs bleibt es immer spannend!


Bewertung:

Dennis8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 59:00 min
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 07.10.2017

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