epica thesolacesystemDie Niederländer von EPICA lebten gefühlt schon immer nach dem Motto „nicht kleckern, sondern klotzen“. Die letzten Studioalben waren allesamt abendfüllende Werke mit Spielzeiten weit über 60 Minuten und auch was die Livegigs angeht, versuchen EPICA von Zeit zu Zeit ganz spezielle Events zu organisieren, wie zum Beispiel das „Retrospect“ Konzert zum 10-jährigen Bandjubiläum. In diese Kategorie gehört auch diese EP namens „The Solace System“, deren sechs Songs es auf eine Spielzeit von etwa 30 Minuten bringen, andere Bands hätten da noch zwei weitere Songs dazu getan und damit ein vollwertiges Album gehabt und dieses entsprechend auch viel besser vermarkten können.

Zu den Niederländern würde so etwas inzwischen definitiv nicht mehr passen, wenn man an der Spitze des symphonischen Heavy Metals angekommen ist, muss man eben einiges liefern, um dort zu bleiben und quantitativ tun EPICA das hier definitiv.
Wenn ich nun „The Solace System“ einordnen soll, muss ich vielleicht als erstes einmal erwähnen, dass mich die letzten drei Studioalben der Band nicht mehr so zu 100% packen konnten, das letzte EPICA Album, das ich von vorne bis hinten klasse finde ist „Design Your Universe“ (2009), ansonsten hat die Band eben sowieso das Problem, dass man mit „The Phantom Agony“ (2003) und „Consign To Oblivion“ (2005) die eigene Messlatte so hoch gelegt hat, dass man dieses Niveau kaum mehr überbieten kann.

Von daher bin ich der Band vor allem aus dem Hintergrund des Respektes über die Jahre treu geblieben, denn ich finde es wirklich beeindruckend, dass man der eigenen Kommerzialisierung aus dem Wege gegangen ist, man liefert nach wir vor textlich wie musikalisch anspruchsvolles und forderndes Songmaterial ab, das zudem überwiegend richtig „Hard & Heavy“ ausfällt, EPICA sind definitiv keine Balladenband und viel näher am Progressive Metal als die meisten Bands, die sich diesem Genre selber zugehörig sehen.

Diese Einordnung ist insofern wichtig, weil EPICA auf dieser EP einerseits daran anknüpfen, was sie auf Alben wie „The Quantum Enigma“ und „The Holographic Principle“ fabriziert haben, man hat als Hörer nicht das Gefühl, dass „The Solace System“ für einen Neuanfang steht, sondern es scheint eher so zu sein, dass die Band einfach zu viele Songs hat, die es zu veröffentlichen gilt. Die Songs entstanden also bereits im letzten Jahr als die Band "The Holographic Principle" aufgenommen hatte.
Im gleichen Atemzug hat man jetzt aber auch nicht das Gefühl, dass es sich hier nur um B-Ware handelt, ganz im Gegenteil wirken alle sechs Songs insgesamt sogar strukturierter und nicht mehr ganz so überladen wie das Material der jüngeren Vergangenheit, abgesehen vom letzten Song „Decoded Poetry“ bewegen sich alle in einem angenehmen 3-Minuten bis 5-Minuten-Rahmen, Longtracks mit plus/minus 10 Minuten gibt es zum Glück nicht.

Dabei stechen vor allem das Titelstück sowie das sehr melodische „Wheel Of Destiny“ besonders positiv hervor, die wunderhübsche Ballade „Immortal Melancholy“ war auch bereits auf der Bonus-CD zum „The Holographic Principle“ Album drauf, soweit ich mich erinnere, auf so einen Mist wie „The Funky Algorithm“ verzichtet man Gott sei Dank ebenfalls.

Nein, man muss schon sagen, diese natürlich wieder einmal super produzierte Scheibe von EPICA ist in der Tat eine runde Sache, an der es nur wenig auszusetzen gibt. Am ehesten kann man noch kritisieren, dass es sich die Band in ihrer eigenen Nische inzwischen etwas zu sehr bequem gemacht hat, EPICA liefern hier genau das, was man erwarten konnte, für diejenigen, die der Ansicht sind, dass Stillstand Rückschritt bedeutet, ist das womöglich etwas zu wenig.
Außerdem sucht man irgendwie nach einem tieferen Sinn für diese Veröffentlichung, denn im Grunde hätte man sich die Songs auch fürs nächste Album aufsparen können, aber so fleißig wie Mark Jansen und seine Bandkollegen sind, gibt es da bestimmt bereits schon mehr, was man bereits vorbereitet hat.

Ansonsten trete ich dieser Band nach wie vor mit großem Respekt gegenüber, da das technische Niveau der Band, die Art und Weise Songs zu schreiben sowie die Gesangsleistung von Simone Simons höchst beeindruckend sind. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20168,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 6
Spielzeit: 29:55 min
Label: Nuclear Blast Records
Veröffentlichungstermin: 01.09.2017

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015