damanek ontrackGuy Manning ist ein viel gereister in Sachen Prog, auch wenn er eher der Mann für die Hintergrundtöne ist. Ob bei THE TANGENT, UNITED PROGRESSIVE FRATERNITY oder seiner eigenen Band MANNING war bislang immer Qualität von dem geschmackvollen Künstler zu erwarten. Nun entschied er sich dafür, ein neues Projekt zu starten, und führte einige ebenso klangvolle Namen zusammen, die von früheren Arbeiten her kennt. Mit Bassist Dan Mash war er bei MASCHINE, der Formation um Ausnahmegitarrist Luke Machin, der einige Soli beisteuerte. Der dritte im Bandnamen DAMANEK enthaltene Musiker ist der deutsche Marek Arnold von TOXIC SMILE, der sich um die Blasinstrumente kümmert. Abgerundet wird die Truppe vom früheren UNITOPIA-Keyboarder Sean Timms, wobei auf dem Debüt "On Track" auch viele Gastmusiker zum Einsatz kommen.

Die bisherigen Betätigungsfelder scheinen bei den Songs natürlich immer wieder durch, wobei es Manning allerdings gelingt sich direkt eine eigene Identität zu schaffen. Am ehesten tendiert da natürlich zu den Canterbury-Proggern um Andy Tillison, speziell in "Oil Over Arabia" mit seinen durchaus typischen Gesangsharmonien. Daneben erinnert auch der Einsatz des perlenden Jazzpianos, welches über rockige Gitarren gelegt wurde an THE TANGENT, ebenso wie das sehr präsente Saxophon.
Doch es sind genau jene jazzigen Einsprengsel, die bei dem neuen Projekt viel stärker betont werden. Das ist insofern interessant, da man melodischer und weicher zu Werke geht. Gehen gerade jazzorientierte Progkünstler deutlich zum klassischen Symphonic oder zum Retro Prog, so nutzen DAMANEK den Neo Prog als Basis. Damit hat man einen ganz neuen Weg gefunden, vielleicht schon da gewesenes in einer völlig neuen Verpackung und mit bislang unbekannten Reibungspunkten zu präsentieren.

Etwas täuschen tut auch der Einstieg, der mit kernigen Prog Rockriffs und dezenten Abfahrten verhältnismäßig kraftvoll ausfällt. Spätestens mit der ersten Strophe von "Nanabohzo And The Rainbow" nimmt man das Tempo heraus, und reicht mit der Lässigkeit der Melodien fast in WISHBONE ASH-Lakonie. Timms darf sich wie auf der gesamten Scheibe an analogen Synthesizern austoben, während Stephen Dundon ein paar Flöten beisteuert, die zusammen eine einnehmende Atmosphäre erzeugen. Zwischendurch kommen ein paar orientalische Zitate zum Vorschein, die nach einer Spielwiese für Saxophon, Gitarrensolo und Piano noch einmal auftauchen. Durch die öfter repetierten Themen wirken die ungeheuer detailreichen Kompositionen wesentlich zugänglicher und nachvollziehbarer.

Beim folgenden "Long Time Shadow Fall" bringt man auch wieder etliche kleine Spielereien an den Start, die aber wunderbar miteinander harmonieren und stets im Fluss sind. Aus dem Synthesizerintro schälen sich jazzige Akustikgitarren des Masterminds heraus, die von einer coolen Rhythmik getragen werden. Vieles wird ganz dezent eingesetzt wie weitere Flöten, sowie Keyboardschleier und Leadfills, welche den Bogen zum Neo Prog am ehesten spannen. Eine pastorale Steigerung leitet zu einem kantigeren Part über, der rhythmisch weiterhin sehr akzentuiert ist und mit der Orgel streckenweise an frühe SANTANA denken lässt. Der Name ist ebenfalls nicht so weit weg, wenn sich Jazz und viele Leadgitarren paaren, das gilt auch für das soulige "Believer - Redeemer", in dem die Trompete von Arnold eine tragende Rolle einnimmt.

Anfangs setzen DAMANEK auf längere Stücke zwischen sechs und acht Minuten, die allesamt sehr verspielt sind, die unterschiedlichsten Trademarks durcheinander würfeln und nach mehrmaligem Hören ihren komplett eigenen Charakter offenbaren. Zwischendurch gibt es zwei kurze reduzierte Nummern, die das große Finale einläuten. "Big Parade" geht ganz tief in den Jazz und bietet interessante Verzweigungen wie Swing, Bossa oder Dixieland an, wobei ausgefallenes Instrumentarium wie Tuba und Klarinette verwendet werden. Dahin gegen stellt "Madison Blue" eine simple Pianoballade dar.
Der bereits angesprochene Schlusstrack "Dark Sun" kratzt dann an der Viertelstundegrenze und gibt den einzelnen Momenten noch mehr Raum, wodurch er zum konzentriertesten Stück reift. Dem Titel entsprechend agiert man auch weitaus düsterer, wobei die teils politischen Texte ohnehin nicht gerade optimistisch stimmen. Überraschend ist dabei die Nähe zum Solowerk des früheren MARILLION-Sängers FISH, der mit präsentem Bass und floydschen Soli öfter eine vergleichbare Atmosphäre zauberte.
Somit bildet der Song einen würdigen Abschluss für "On Track", bei dem wirklich alle in der Spur sind. Nur selten hat man derartige Könner erlebt, die sich voll entfalten können, dabei aber nie den Song aus dem Auge verlieren, genauso selten hat man Jazz so schön erleben dürfen. Das Songwriting von Manning liefert ihnen auch die richtige Bühne dafür, inspiriert die Mitmusiker, die ihr feines Händchen für Timing ebenso beweisen wie die warme Produktion. Großartiges Spätwerk eines weit gereisten! (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 54:16 min
Label: Giant Electric Pea
Veröffentlichungstermin: 16.06.2017

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