CHOOSING DEATHDas Schicksal der späten Geburt kann einen Musikfan schon mal aus der Fassung bringen. Auch wenn mir persönlich nur ein paar Jahre fehlen, so hätte ich doch gerne so manche Situation live miterlebt. Der Death Metal, der sich in den späten Achtziger entwickelte, breitete sich flächendeckend in den Neunzigern aus. Auch wenn man vielleicht das ein oder andere Ereignis tatsächlich miterleben konnte, so fehlen einem mitunter Anfang oder Ende einer Entwicklung. Aber darum gibt es Bücher, die diese Zeiten dokumentieren und für ewig festhalten.

"Choosing Death" ist eine Chronik für jeden Fan der härteren Musik, die mit reichlich Bildern, Interviews und Zeitzeugen die Geschichte des Death Metals sehr lebendig beschreibt und einen diese Zeit sehr eindrucksvoll und bildhaft wiedererleben lässt.

Was 2004 schon sehr informativ und umfangreich in den Bücherregalen stand, erscheint nun zwölf Jahre später in einer überarbeiteten Zweitfassung, mit noch mehr Bildern, Interviews und Beiträgen beteiligter Musiker und Musikliebhabern. Der Autor Albert Mudrian erkannte schon früh seine Liebe und Leidenschaft für die extreme Mucke und ist bis heute mit über 40 Lenzen immer noch mit ganzem Herzblut dabei. Die erweiterte Auflage von "Choosing Death" umfasst nun in quasi vollständigem Umfang die ersten Schritte der harten Musik bis hin zu ihrem Status Quo in der Welt der musischen Kunst.

Namhafte Autoren und Szenegrößen aus der damaligen und heutigen Zeit erzählen, wie sich Mitte der Achtziger aus dem Punk die Welle der rebellischen Auflehnung von England aus auf das Festland ausbreitete. Verantwortlich zeichneten sich die damaligen Helden wie DISCHARGE und Co., die zeigten, dass Punk manchmal einfach nicht deutlich und konsequent genug war, um eine Situation zu ändern. Der Drang zu extremeren und kompromissloseren Varianten führten zum Grindcore und dessen Ableger im Metalsektor.

Wichtige Vertreter wie NAPALM DEATH und TERRORIZER zeichneten sich verantwortlich, dass die derbe Mucke auch die USA erreicht und dort ebenso ein gewisses Eigenleben entwickelt. Aber auch das europäische Festland entwickelt in dieser Zeit einen sehr einflussreichen Stil als Wegbereiter für unzählige Bands, die zwar im Grundtenor die gleiche Motivation hatten, aber dennoch ihren eigenen Stempel aufdrückten. Zahlreiche Produzenten verschrieben sich diesem Stil und färbten die Szene maßgeblich mit, der Zuspruch und die Akzeptanz erwies sich in den zahlreichen, teils weltweiten Publikationen und Livepräsenzen.

Aber der Death Metal hatte es auch nicht immer leicht. So schlagartig wie diese Szene boomte, so schnell ging der Zuspruch auch wieder zurück, jedoch zum Glück nie soweit, dass ein komplettes Aussterben drohte. Dennoch zogen sich Majorlabels, die zuvor noch mit diesen Extrembands warben, mehr und mehr aus der Szene zurück und wandten sich neuen musikalischen Feldern zu. In der Dekade der Neunziger spielte sich demnach Anfang, Höhepunkt und drohendes Ende der Todesmetallszene ab. Neue Subgenres wurden entwickelt, aufgelöste Bands taten sich zu neuen Gruppen zusammen und reicherten die Szene mit neuen, teils unüberblickbaren Stilistiken an.

"Choosing Death" kann ich nur jedem Fan der haren Musik ans Herz legen, die 376 Seiten lassen sich nicht nur sehr angenehm lesen, sondern sind vollgestopft mit Informationen, so dass sich die damalige Zeit sehr authentisch nachleben lässt. Die Anekdoten von Musikern und ihren Begleitern sowie die teils seltenen und kultigen Fotos lassen einen nostalgischen Rückblick zu, der den Wehmut über eine bessere, ehrlichere Musikwelt aufkommen lässt, als diese Art von Kunst noch von Herzen kam und nicht durch die Musikindustrie und erfolgsgeile Musiker verseucht war. So sehr die digitale Welt auch Vorteile für die Szene bringen kann, so ist einfach damals vor 25 Jahren einfach alles ehrlicher und überschaubarer gewesen. Diese Lektüre ist als Nachschlagewerk auf jeden Fall zu empfehlen. (Jochen)

 

Bewertung:

Jochen9,0 9 / 10


Anzahl der Seiten: 376
ISBN: 978-3-940822-08-6
Verlag: I.P. Verlag / Iron Pages Books
Erscheinungstermin: 19.09.2016

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