Scott IanIch muss gestehen, dass ich nicht allzu viel von diesem Buch erwartet habe. Schließlich hat mich Scott Ian die letzten Jahre mit diversen Aussagen gegenüber der Presse eher enttäuscht. Mit seiner Spoken-Words-DVD "Swearing Words In Glasgow" konnte er bereits einiges gut machen, dank seiner Biografie nehme ich ihn nun als Mensch und Musiker wieder anders wahr, und auch ANTHRAX und das ganze Sänger-Fiasko sehe ich mit anderen Augen.

Vorab lässt sich schon mal sagen, dass eine Sache jedem Leser nach diesem Buch klar sein wird, sofern es das nicht bereits ist: Die Musikindustrie ist böse und tritt dir jederzeit hinten rein, egal was kommt. Und unter eben jenem Aspekt litten ANTHRAX ganz besonders. Davon berichtet Scott neben seinem eigenen Leben ganz ausführlich, und viele Entscheidungen bezüglich der Band ergeben im Nachgang mehr Sinn. Wozu zum Beispiel diese Reunion-Tour sein musste, obwohl die Band dadurch John Bush verlor. Doch all das ist nicht Hauptthema im Buch, schließlich sind dies die Phasen im Leben des Gitarristen, die ihm am Wenigsten Spaß bereitet haben. Ein ständiges Auf und Ab, durch welches er sich durchkämpfen musste. Die Sache mit Dan Nelson und dem Chaos um das letzte Studioalbum „Worship Music" lässt er sogar ganz aus und verweist auf das Internet. Scheinbar hängt ihm gerade diese Geschichte ebenso wie den Fans zum Hals raus. Ansonsten gibt sich der Gitarrist sehr authentisch und erzählt allerlei lustige Anekdoten aus seinem Leben. Beileibe nicht alles, das wäre auf 301 Seiten nicht möglich.

Das wirklich Schöne und Spannende daran ist, dass man in jeder Zeile die Begeisterung des Gitarristen spürt. Genau die, die man wohl als Musiker braucht, um durchzuhalten. Wirkliche Ausschweifungen der Marke MÖTLEY CRÜE sucht man in dem Buch vergebens, doch ein solches Leben hat Ian nicht gelebt. Er war stets verantwortungsbewusst, bis auf einige wenige Ausnahmen, von denen er auf sehr unterhaltsame Weise erzählt. Besonders interessant gestalten sich die Kapitel über die Frühzeit von ANTHRAX und S.O.D., ebenso wie die gemeinsamen Tourneen mit METALLICA und PANTERA. Leider erfährt man von der gemeinsamen Tour mit JUDAS PRIEST fast gar nichts, eine Sache, die mich persönlich sehr interessiert hätte. Durch das gesamte Buch zieht sich ein roter Faden, der zeigt, wie sich Scott Ian als Mensch entwickelt hat, und ebendies gibt der Biografie zusätzliche Authentizität. Darüber hinaus hat Scott Ian insgesamt ein sehr interessantes Leben geführt, und besonders Thrash-Metal-Fans kommen voll auf ihre Kosten, schließlich zählen viele Thrash-Metal-Größen zu den guten Freunden des Herrn, was einige lustige Anekdoten mit sich bringt.

Die Übersetzung ist ebenfalls richtig gut geworden und der Verlag hat sich hier viel Mühe gegeben. Der amerikanische Humor von Ian kommt weiterhin gut durch und viele englische Begriffe wurden passend beibehalten. So werden zum Beispiel diverse Comic-Titel nicht ins Deutsche übersetzt. Des Weiteren finden sich zwei Abschnitte mit Bildern aus dem Leben des ANTHRAX-Gitarristen. Etwas schade nur, dass der Comic zu den Erlebnissen mit MOTÖRHEAD-Frontwarze Lemmy nicht abgedruckt werden konnte.

Eine rundum gelungene Biografie, die sich super lesen lässt und Lust auf mehr macht. Scott Ian ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler und gibt viel Einblick in sein Leben und die Welt von ANTHRAX. Die Musikindustrie ist und bleibt dennoch ein Arschloch. Erst zum zweiten Mal habe ich das Gefühl, dass bei Weitem nicht alles erzählt wurde, und ich hoffe auf ein zweites Buch. Ein derartiges Gefühl hatte ich zuletzt bei „White Line Fever" von Lemmy, und das liegt schon einige Jahre zurück. Zugreifen, „He's The Man!". (Pascal)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Seiten: 301
ISBN: 978-3-943022-28-5
Verlag: Verlag Nicole Schmenk
Erscheinungstermin: 21.09.2015

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