rock actsteil-2Wie bringt man das Werk der größten Rockbands dieses Planeten einem interessierten Leser rüber, um sowohl Einsteigern eine Hilfe zu geben als auch Fans mit neuen Fakten zu überraschen? Wie nähert man sich all den Klassikern und einigen Ausfällen mit der größtmöglichen Sorgfalt? Dieser Aufgabe stellte sich das Team des Eclipsed-Magazins und verfasste mit "Rock - Das Gesamtwerk der Größten Rock-Acts im Check" ein Werk, welches auf dem in ihrer Print-Publikation vorhandenen Rubrik "Einkaufszettel" aufbaut. Es war keine Historie, sondern einfach nur ein riesiger Berg an Reviews und sonstigen Besprechungen des Backkataloges. Dieses Nachschlagewerk wurde von der Fachpresse und den Fans in höchsten Tönen gelobt, weswegen es nun einen zweiten Teil gibt. Auch weil der erste für manche nicht ganz vollständig war, aber das ist nahezu unmöglich, weil jeder andere Bands für sich als wichtig erachtet. Nun ergänzt die gerade erschienene nächste Auflage die bereits vorhandene.

So befinden sich einige Künstler in dieser Ausgabe die relevanter sind als im ersten Teil wie BRUCE SPRINGSTEEN, BOB DYLAN, MIKE OLDFIELD und natürlich den BEATLES Wobei immer noch die Frage offen ist, ob man die vielleicht größte Band aller Zeiten überhaupt unter Rock einsortieren kann. Vor allem in der zweiten Hälfte haben sich die Fab Four diesen Stempel redlich verdient. Für mich gehören sie klar dazu, weil ich eher ideologisch an die Sache heran gehe, als jetzt Tonfolgen zu sezieren.
Mit VAN DER GRAAF GENERATOR findet sich eine weniger populäre Band in dem Reigen. Doch wie schon bei KING CRIMSON und CAN in Teil 1 wird klar, dass der Fokus ein wenig mehr auf Prog liegt, was beim Eclipsed ja Standard und deswegen legitim ist. Auch ELOY als deutsche Band überraschen hier, da hätte ich eher die SCORPIONS genommen. Doch mit dem Thema scheint die Redaktion so ihre Probleme zu haben. So vermisst man die ein oder andere Hardrockband, die hier nur von RAINBOW vertreten sind oder AOR-Monster, von denen nur TOTO besprochen wird.

Nun werden die Kritiker auf den Plan treten, die hier wieder unterstellen, dass einige wenige anderen ihre Meinung aufdrücken wollen. Mit dem Vorwurf muss sich die Musikjournaille schon immer herum schlagen. Wenn ich mir die Einschätzung so anschaue, so deckt diese sich meistens mit meiner Ansicht. Natürlich würde ich wie jeder andere das ein oder andere Album höher oder tiefer einstufen, aber große Abweichungen gab es auch im Magazin noch nie. Nun sind das Eclisped und ich nicht der Nabel der Welt, doch je mehr man sich unter Fans herum hört, desto deutlicher wird, dass das Bild so von vielen unterschrieben werden würde. Würde man einen Schnitt vom Ranking vieler Personen ziehen, käme man hier auch ziemlich auf das Ergebnis.

Mir soll keiner erzählen, dass ein "Born Again" besser ist als "Vol. 4" oder "Masters Of Reality". So sehr einzelnen die Songs zusagen mögen, der Sound verhindert höhere Weihen. Das sieht sogar Sänger Ian Gillan so, der den Endmix beim ersten Hören prompt enttäuscht abschaltete. Mir ist bewusst, dass in Zeiten von Facebook und Twitter jede Meinung als richtig hingestellt wird, doch dieses unmoderierte Parolenschwenken lässt nur die Grenzen zwischen Wissen und Unwissen verschwimmen. Und wer dies nun als Höhepunkt der Demokratie hinstellt, der hat die nächste Diktatur schon mitverantwortet. Ich muss da eine Lanze für die Kollegen vom Eclipsed brechen, denn die Einschätzung der Redaktion halte ich für sehr objektiv, und das ist die Kunst dabei.

Einsortiert werden die kompletten Alben in folgende Kategorien: Kaufrausch (Sofort Zugreifen! Absolut unverzichtbar), Pflichtkauf (Bester Stoff! Prädikat: Besonders wertvoll), Qualitätskauf (Stark! Ohne gravierende Mängel!), Verlegenheitskauf (Umtausch nicht ausgeschlossen! Für Fans!) und Fehlkauf (Nur für Sammler!) Zu jedem Album gibt es ein Kurzreview, welche bei den Top-Alben ein bisschen umfangreicher ausfallen. In den jeweiligen Rubriken gibt es oft noch eine "... und außerdem"-Box, in der Compilations, Livescheiben, DVDs, Remixe u.ä. kurz angerissen werden.
Auf der ersten Doppelseite zu jeder Band gibt es eine kurze Einleitung, Wissenswertes wie die aktuelle sowie klassische Besetzung, frühere Mitglieder, Soloprojekte, die Zeit ihres Schaffens und ein paar Fakten für all diejenigen, die nicht genug wissen können. Dazu gesellt sich eine grobe Rangfolge der Veröffentlichungen, wobei nur die Studioalben genannt werden, während auch Livescheiben o.a. im Einkaufszettel gelistet werden. Unten findet sich eine Zeitlinie, die die wichtigsten Eckdaten aufweist und die Alben nach Datum und Qualität sortiert, dargestellt  wie eine Fieberkurve.

Zu den einzelnen Reviews kommt noch ein Kasten mit allen Infos, die man zu einem Album benötigt. Neben dem genauen Veröffentlichungsdatum und der Spielzeit werden alle Studios, Produzenten, Musiker und Covergestalter gelistet, die an dem Werk beteiligt waren. Interessant sind auch die Chartnotierungen aus den Staaten, Großbritannien und Deutschland, die zeigen, dass nicht jede Band zu jeder Zeit überall funktionierte. Dazu wird noch ein Tipp für die jeweils beste Remasterversion gegeben, was mir als Vinyl-Anhänger weniger wichtig ist.
Eine Handvoll Geekfacts dürfen natürlich auch nicht fehlen. Bei den Studioscheiben und den Livealben in der "Kaufrausch"-Kategorie werden zudem alle Songs einzeln auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Das ist jetzt sicherlich subjektiver als die gesamten Alben, zumal der Leser sich hier ohnehin über das komplette Werk informieren will. Interessanterweise sahnen da BLACK SABBATH die besten Noten ab, ihre Glanztaten weisen nur Neuner und Zehner auf.

Richtig unterhaltsam werden bei den vielen Zahlen und Fakten die zusammen getragenen Kommentare, einerseits von den Musikern selbst, andererseits von der Fachpresse. Was da so mancher späterer Klassiker abgewertet wurde, war schon haarsträubend, man erinnere sich mit Schaudern an den Abgesang auf "Physical Graffiti" im Musikexpress. Doch so waren damals die Zeiten, was nur ein Deut schwächer war als die absoluten Jahrhundertwerke, wurde gleich verrissen. Wie bitte schön hätten LED ZEPPELIN ihr viertes Album je übertreffen können?
Wenn die Rezensenten da schon gewusst hätten, durch welchen Wust an biederem Durchschnitt man sich heute quälen muss, um ein par Perlen zu entdecken, sie wären gnädiger gewesen. Dabei leisten sich vor allem die Branchenführer Musikexpress und Rolling Stone die größten Schoten. Aber genau das macht dieses Buch auch aus, dass eben nicht nur die Lobpreisungen abgedruckt werden. Man muss einfach den geschichtlichen Kontext sehen, denn Geschichte wird im Nachhinein geschrieben. Auch die teils sehr ehrlichen, teils heiteren Musikerstatements werten die Sache auf.

Dazu gibt es eine Auflistung der dreißig besten Songs, die ebenfalls eher denen nützt, die nicht das Albumformat favorisieren. Spezifisch für jede Band wurden noch drei Top 5-Listen angelegt, die je nachdem, die besten Longtracks, Partyhits, Instrumentals, Coverversionen, Raritäten oder Songs mit demselben Thema präsentieren. Ein Stammbaum zeigt die Stilarten auf, welche die Bands beeinflusst haben bzw. artverwandt sind, mit Nennung jeweiliger Referenzacts. Dazu werden die wichtigsten musikalischen Erben gelistet und ein paar Anspieltipps anderer Bands für Anhänger der jeweiligen Formation gegeben.
Am Ende der einzelnen Kapitel gibt es dann noch ein Ranking der erfolgreichsten Singles, was einen Einblick gibt, dass nicht immer die besten und bekanntesten Nummern auch am stärksten verkauft haben. Das sind natürlich alles Fakten und Überlegungen, die nur Menschen anstellen, die sich sehr intensiv mit der Materie beschäftigen. Ebenso auf der letzten Seite kommt eine komplette Diskographie mit wirklich allem, was es zu kaufen gibt, bis hin zu offiziellen Bootlegs, da entdeckt so mancher noch Lücken in seiner Sammlung.

Mit "Rock - Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check" haben die Macher ein ultimatives Nachschlagewerk geliefert, die ideale Anleitung zur perfekten Sammlung. Darüber hinaus nähert man sich selbst eher weniger gelungenen Entwürfen mit Respekt. Die Texte der Reviews sind wie vom Eclipsed her gewohnt sehr gut verfasst und weisen auch auf die Bedeutung der Scheiben hin. Gerade bei solchen Autoren wie Ernst Hofacker oder Wolf Kampmann merkt man, dass auch die viel gescholtenen Schreiberlinge sehr kreativ sein können.
"Teil 2" ist somit die logische Fortsetzung, in der man auch Künstlern unterschiedlicher Genres wie ERIC CLAPTON, DREAM THEATER, THE WHO, GRATEFUL DEAD oder AC/DC die gebotene Aufmerksamkeit entgegen bringt. Ein dritter Teil soll sogar schon in Planung sein, ich kann es schon jetzt nicht erwarten, es gibt noch viel zu entdecken. Die Wälzer im Großformat 297x240 mm passen gerade so in mein unterstes Fach im Bücherregal, das kann von mir aus mit einer ganzen Serie davon voll werden. Muss ich halt nur ein paar Eisenträger unterlegen, soviel Information kann kein Holz tragen. (Pfälzer)

Bewertung: 9 / 10

Seitenzahl: 288
ISBN: 9-783944-957012
Verlag: Sysyphus Verlag
Erscheinungsdatum: 12.11.2014

 

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