freedomcall tourflyerSie werden nicht müde, ihre Vision vom Happy Metal unter das Volk zu bringen, und sind damit ständig auf Tour. Aktuell gilt es den neuen Longplayer „Master Of Light“ zu bewerben, der nicht zu ihren Glanztaten zählt, doch das hält FREEDOM CALL nicht auf. Ein gesundes Selbstvertrauen haben die Vier, müssen sie auch, denn manche ihrer Aktionen werden von der Szene kritisch beäugt. Vor allem die Teilnahme bei „Sing meinen Song“, bei dem sie mit den Wildecker Herzbuben die Lieder tauschten, rief einige Wächter auf den Plan. Das prallt an Chris Bay und seinen Jungs ab, die voll hinter ihrer Sache stehen. Und ihrer Popularität tut das keinen Abbruch, das „Le Grillen“ in Colmar war gut ein Jahr nach ihrem letzten Besuch wieder sehr gut gefüllt. Klar lag das auch daran, dass man die Local Heroes von SYR DARIA erneut als Support dabei hatte, in dem Sandwich fiel dieses Mal den Schweizer Hardrockern CRYSTAL BALL der Slot in der Mitte zu.

SYR DARIA
Somit war der Club natürlich schon direkt beim Startschuss für die einheimische Kapelle sehr gut gefüllt. Obwohl der Eingang erst eine viertel Stunde zuvor geöffnet wurde, kam man nach dem Rückweg von der Toilette kaum mehr durch. Das sorgte umgehend für gute Stimmung, die Freunde und Familie der Band waren alle gekommen, um ihre Jungs anzufeuern. Ohnehin war es eine Art Familientreffen, irgendwie scheint sich da jeder zu kennen und selbst die Kleinsten durften an diesem Freitagabend lange aufbleiben.
Die Vier auf der Bühne taten auch alles dafür, um diejenigen zu begeistern, die mit ihrer Musik nicht so vertraut sind. Obwohl aufgrund der guten Beziehungen zwischen den Franzosen und dem Hauptact dürften die meisten Anwesenden SYR DARIA schon mal gesehen haben, mich eingeschlossen. Am Agilsten war erneut Sänger und Bassist Guillaume Hesse, der ständig auf der Bühne umher sprang, und gerne etwas mehr Platz gehabt hätte. Dieses Problem hatte aber nicht nur er, sondern alle Musiker der Vorbands.

Leider gibt die Bühne im Le Grillen nicht mehr her und der Headliner hatte seine kompletten Aufbauten am Start, die er auch in größeren Venues benutzt. So schaffte es Gitarrist Michel Erhart nur selten herüber zu seinem Partner Thomas Haessy, welcher der ruhigere der beiden war. Aber sie hatten ja noch Christophe Brunner an der Schießbude sitzen, der die Nähe zum Publikum nutzte, um dieses ständig anzufeuern. So war die Stimmung von Beginn an hoch, und Colmar feierte seine Helden.
Dabei setzten sie vor allem auf Material aus ihrem aktuellen Album „Voices“, das schon länger im Mittelpunkt ihrer Shows steht. Als Opener hat sich „Back To The Circus“ bewährt, der die Mischung aus modernen und traditionellen Elementen gut hinbekommt. Im Titelstück oder „Beast Within“ hat NWOBHM-affines Riffing die Oberhand, bei dem sich die beiden Gitarristen gut ergänzten. Hier wirkte die Truppe auch stärker als bei punkigen Nummern wie „Pornstar“. Von ihren Anhängern wurde das abwechslungsreiche Material ohnehin ausgiebig abgefeiert.

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CRYSTAL BALL
Den Eidgenossen hatte ich einst den Titel „Meiste Vorband Der Welt“ verliehen, ein Status an dem sich bis heute nicht viel geändert hat. Nach einer Durststrecke hauen sie aber derzeit fast jährlich ein neues Album heraus, auch das letzte „Deja Voodoo“ konnte sich sehen lassen. So war es nicht verwunderlich, dass sie sich auf die letzten drei Scheiben, welche die Truppe mit Steve Mageney einspielten konzentrierten. Aus der Phase mit Mark Sweeney gab es lediglich „Hellvetia“ zu hören, andere alte Hits wie „Queen Of The Night“ blieben außen vor. Das war aber nicht so schlimm, denn live kommen die Stücke wie „Hold Your Flag“ und „Suspended“ viel rauer und knackiger rüber als auf den zu polierten Studiodrehern.
Die Erfahrung merkte man den Fünf an, die aber keinesfalls in Routine erstarrten, sondern viel mehr selbst beim ausgiebigsten Posing immer noch sehr sauber spielten. So gaben die Jungs an den Saiten durchweg Vollgas und zogen ein ganzes Arsenal an Posen aus dem Hut. Vor allem Leadgitarrist Scott Leach legte sich mächtig ins Zeug, und lieferte dabei immer wieder tolle Soli ab. Es wurde auch mehr auf der Bühne rotiert, auch weil Mageney in den Solopassagen immer wieder das Feld frei gab, damit sich seine Mitstreiter in Szene setzen konnten.
Der wiederum zelebrierte das zurück auf die Bühne kommen jedes Mal mit einem Sprung vom neben dem Kit des Headliners aufgebauten Riser. Zwar war der Platz dahinter eng zum darauf steigen, und vorne herunter musste er aufpassen, weder im Drumkit noch vor der Bühne zu landen. Das schien ihm aber völlig egal, er fühlte sich offensichtlich wie in einem Arenenaufbau der Achtziger. Auch optisch waren CRYSTAL BALL komplett in der Dekade des Hair Metal hängen geblieben, enge Hosen mit viel Ketten und Nieten, alte Armeejacken, wie sie Yngwie Malmsteen zu gerne auftrug, dazu noch Föndauerwelle.
Mit so viel Elan und Rockstarglanz war es ein Leichtes, das Publikum hinter sich zu bringen. Die Fünf rockten richtig druckvoll nach vorne, die Refrains gingen sofort ins Ohr, so dass es viel Unterstützung vor der Bühne gab. Steve Mageney war immer an vorderster Front, schüttelte ständig Hände, wenn er seine Arme nicht gerade für die großen Gesten brauchte. So war es nicht verwunderlich, dass die Herren nicht im Sandwich aus lokaler Kultband und Hauptact untergingen wie DRAGONHAMMER zuletzt an dieser Stelle. Bei dem hohen Spaßfaktor und gleichzeitiger Klasse fragte ich mich schon früher, warum diese Truppe keine größeren Bühnen bespielt, hinter GOTTHARD hängen sie nicht weit zurück.

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FREEDOM CALL
Trotz eines sehr guten Vorprogramms machten die ersten Sprechchöre klar, wegen wem die meisten Anwesenden an dem Abend hier waren. Zum Intro der neuen Platte stiegen Bassist Ilker Ersin und Gitarrist Lars Rettkowitz auf die beiden Türme zu beiden Seiten des Schlagzeugs. Zwar nahm dieses das neue Album vorweg, doch die ersten Songs waren dann doch überraschend gewählt. Zwei Titel aus der mittleren Karrierephase eröffneten das Set, wobei der Opener mittlerweile in den Shows gesetzt ist und sich an der Position auch gut einfügt.
Es zeigt aber auch, über welches Repertoire das Quartett nach dem neunten Studioalbum verfügt, die Bandhymne gab es auch schon recht früh. Gegenüber den Konzerten zum letzten Longplayer gab es nur sechs Überschneidungen in der Setlist. Dabei wurden die letzten beiden Einspielungen nur mit einem Lied bedacht, dieses Mal konzentrierte man sich eben auch die Zeit, als man durchaus in der Kritik stand, der aber zu trotzen wusste. Mittlerweile sind die Franken dank ihrer Qualitäten ein hoch geschätzter Act.

Zu jenen Qualitäten zählen vor allem die von Chris Bay als Frontmann, der eine gute Präsenz hatte. Bei seinen Ansagen verstand er es auch wichtige und tiefgehende Botschaften witzig und unterhaltsam zu verpacken, ganz im Sinne seiner Musik. Auch die vielen theatralischen, ausladenden und kraftvollen Gesten kamen immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Darüber hinaus schienen alle Musiker körperlich in richtig guter Verfassung zu sein, ein Indiz für die Professionalität, die anderen zuweil etwas abgeht.
Spielerisch war das auch wieder in der obersten Liga angesiedelt, immer wieder duellierten sich Bay und Rettkowitz oder fanden zu schönen Twin-Leads zusammen. Die Rhythmusfraktion pumpte ebenso ordentlich, wobei sich Rami Ali auf dem Riser zusätzlich viele Showpunkte verdiente. Selbst bei hoher Schlagfrequenz ließ er immer wieder die Stöcke in seinen Fingern kreisen. Einzig dass die Keyboards weiterhin aus der Konserve kommen, störte den Gesamteindruck, hier müsste die Band mal nachbessern.

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Immerhin schienen sie es sich leisten zu können, einen Satz innenbeleuchteter Riser mitnehmen zu können, die eher auf größere Bühnen ausgelegt sind. Doch auch an dem Abend verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Der Pathos mit den erhobenen Musikern gehört einfach bei FREEDOM CALL dazu, schließlich transportieren die Songs genau diesen. Das animierte die Zuschauer natürlich die Fäuste permanent nach oben zu recken, um die Band damit anzutreiben. Der Club war nun bis hinten voll und schon der erste Song forderte die ersten Zuschauerchöre. Überhaupt setzten die Vier auf Material, welches für Singalongs geeignet war.

So sehr Spaßkapelle sie auch sind, die Sache auf der Bühne nehmen sie verdammt ernst, halbgare Konzerte gibt es bei ihnen nicht. Und manchmal wurde auch der Vortrag etwas ernster, wenn auch da immer der Schalk im Nacken saß. Die Leonard Cohen-Hommage mit den Textzeilen „Hallelujah Heavy Metal, Hallelujah FREEDOM CALL“ muss man erst mal ohne Fremdschämalarm hinbekommen. Als die Party dann mit der ultimativen Hüpfnummer nach mehr als eineinhalb Stunden ihr Ende fand, begaben sich die Mucker noch nach vorne, um die Hand jedes Fans zu schütteln und die vielen jungen und sehr jungen Fans in den ersten Reihen zu beschenken, da war es wieder das familiäre Feeling, das ich eingangs angesprochen hatte. (Pfälzer)

Setlist FREEDOM CALL:
Intro
Tears Of Babylon
United Alliance
Kings Rise And Fall
Union Of The Strong
Freedom Call
Hammer Of The Gods
Master Of Light
Carry On
Mr. Evil
A Perfect Day
High Up
Metal Is For Everyone
-----------------------------
Circle Of Life
Power & Glory
Warriors
Land Of Light

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