headbangersball tourplakat„Headbangers Ball“, das war in der Frühzeit des MTV-Empfangs immer eine Feierstunde oder besser zweieinhalb. Bei Büchsenbier und Chips wurde das jeden Sonntag, meist unter Kumpels zelebriert. Was aus MTV geworden ist, weiß ich absolut nicht, seitdem es ein PayTV-Sender ist, aber die fünfzehn Jahre davor ließen kaum Hoffnung zu. Auf jeden Fall scheint es irgendwo da draußen in den unendlichen Weiten des zeitgenössischen Medienüberangebotes wieder etwas wie „Headbangers Ball“ zu geben, denn derzeit läuft eine Tour unter dem Motto durch den Kontinent. Diese ist mit ICED EARTH, ENSIFERUM, KATAKLYSM und UNEARTH prominent, wenngleich stilistisch etwas inhomogen besetzt. Da wir ja bei NECKBREAKER keine stilistischen Scheuklappen haben, ließen es uns nicht entgehen, als der Tross in der Saarbrücker Garage Station machte.

UNEARTH
Den ersten Kontakt mit einer der wichtigsten Protagonisten der NWOAHM an dem Abend gab es bereits am Merchstand. Da fragte ein Bekannter, ob das Shirt mit dem von MANOWAR geklauten Cover witzig sein soll. Ich hatte es da noch gar nicht erspäht, aber mein Lachanfall in dem Moment gab eine eindeutige Antwort. Drinnen in der Halle war das Geschehen grad in vollem Gange, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich weiß nicht, wo die beiden Gitarristen Ken Sui und Buz McGrath überall noch ein paar Meter fanden, die sie entlang sprinten konnten. Wenn man bedenkt, dass die Bühne durch das vorm Riser für die anderen Bands stehende Schlagzeug noch kleiner wurde, war das schon eine reife Leistung. Die kleinen Podeste, die bei allen Bands irgendwo auf der Bühne standen dienten den beiden als Aufgangshilfe zu den Boxentürmen, wobei sie Gefahr liefen, sich an der hängenden PA den Kopf zu stoßen.
Das störte den Spieltrieb der beiden kaum, die auch immer schön synchron zu beiden Seiten auf die Aufbauten kletterten. So wie sie optisch harmonierten, so gut sind die beiden eingespielt waren sie auch an ihren sieben Saiten. Da wurde fein geschreddert und die typischen Leads aus der Göteborg-Schule schön in den Groove integriert. Für noch mehr Abwechslung sorgten gelegentliche Ausflüge ins Thrash-Fach.

Hinten trieb sie ihr Ersatzdrummer Jordan Mancino unbarmherzig an, wobei dessen ungelenker Stil schon etwas seltsam anmutete. Der Mann sah nicht nur aus wie ein kanadischer Holzfäller, er schwang auch die Stöcke wie eben jene ihre Axt. In der Mitte gab Trevor Pipps den Brüllwürfel, der ebenso wie die Saitenfraktion ständig in Bewegung war. Stimmlich etwas limitierter wie diese tankte er sich durch einen Haufen Brecher, die vor allem vom Durchbruchszweitwerk „The Oncoming Storm“ stammten. Aber auch mit Titeln wie dem abschließende „My Will Be Done“ konnten sie trotz noch geringem Zuschauerinteresse überzeugen.

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KATAKLYSM
Bis die Franko-Kanadier loslegten füllte sich die Halle zusehends, draußen war es selbst trotz Glühwein auf dem angrenzenden Weihnachtsmarkt zu kalt geworden. Wie schon der Eröffnungsact hatten sie schon bei Gang auf die Bühne beste Laune, die Tour scheint richtig gut zu laufen. Schon der Opener machte klar, dass die Zeiten des puren Northern Hyperblast vorbei sind, es war der Groove, der einfach alles regierte. Zwar hatte auch der neue Schlagzeuger Oli Beaudoin immer wieder Passagen, bei denen er die Snareblasts voll durchzog, aber es waren diese ultrafiesen, tiefen Riffs von J.F. Dagenais, die die Szenerie bestimmten.

Wie kaum eine andere Band können die Death Metaller mit nur einer Gitarre einen solchen Sog entfachen, dem sich von Beginn an keiner entziehen konnte. Auch wenn man nicht so offensichtlich auf Breakdowns setzte wie UNEARTH, herrschte doch oft genug Hüpfalarm. Wie sie aber da mit der Dynamik spielten war unglaublich, immer wieder wurde ein Riff ohne Rhythmusbegleitung gezockt, um dann plötzlich wie ein Orkan loszulegen. Der Groove walzte alles platt, was sich ihm in den Weg stellte, und die Garage ging ordentlich mit, so dass die ersten Pits und gereckte Fäuste nicht lange auf sich warten ließen.

Als dann auch noch Klassiker ihrer Hochphase angestimmt wurden, zeigte sich Saarbrücken sehr text – und stimmfest. Dabei ist gar nicht so einfach mit den Vocals von Maurizio Iacono mitzuhalten, denn in Sachen Brüllwürfel legt er auf seinen Vorgänger auf den Brettern noch einen drauf. Neben seinen Growls, wusste er sich auch mittels Gekeife und Schreien differenzierter zu artikulieren. Dazu verfügt er über eine ungeheure Präsenz, so dass er die Menge blind diktieren konnte. Auch mit einem Mann weniger wusste die Truppe die Bühne auszufüllen.
Neben der Verlagerung hin zu Groove setzte man an dem Abend auch deutlich auf eher atmosphärischere Nummern, wobei die Setlist nicht jeden überzeugen konnte. KATAKLYSM versuchten natürlich etwas aus ihrem Standrad-Schema auszubrechen und brachten von den jeweiligen Alben nicht die populärsten Stücke. Kann man machen, doch das komplette Fehlen von „Shadows And Dust“-Material enttäuschte einige, aber gegen Ende gab ihnen einer der großen Hits noch einmal alles.

Dennoch muss man der Band hoch anrechnen, dass sie ihr gesamtes Spektrum ausgelotet haben, durch sphärische und melodische Einschübe gewann die Gewalt noch an Intensität. Wenn es dann wieder los knüppelte, gingen die Fans steil und feuerten die Truppe unentwegt an. Nicht nur musikalisch war dieses Spiel großes Kino, sondern konnte auch den Kopf in seiner Umlaufbahn erreichen. Diesen Abriss nach allen Regeln der Kunst bekam auch der Rücken des Autors zu spüren.

Setlist KATAKLYSM:
Breaching The Asylum
The Black Sheep
As I Slither
Taking The World By Storm
At The Edge Of The World
It Turns To Rust
Blood In Heaven
Thy Serpent Tongue
Crippled And Broken
The World Is A Dying Insect

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ENSIFERUM
Dieses Stimmungslevel zu halten war eine harte Nuss, welche die Finnen zu knacken hatten, doch sie nahmen den Kampf gerne auf. Mit der gleichen Spielfreude konnte man zumindest nahe an die Reaktionen zuvor heran reichen, auch wenn das Publikum gespalten war. Nicht jeder, der mit dem Rest des Billings etwas anfangen konnte, wusste den Folk Metal zu schätzen. Allerdings machten es sich ENSIFERUM auch selbst schwer und setzte vor allem auf neueren Stoff. Da darf man sich nichts vormachen, in den letzten Jahren dümpelt die Paganwelle vor sich hin und auch ihre Ergüsse in der Zeit waren nicht die stärksten.

Ein paar Gassenhauer der frühen Scheiben hätte da einige mehr als nur die Die Hard-Fraktion aus der Reserve gelockt. So befanden sich zwischen den meisten gereckten Pommesgabeln die typische Kriegsbemalung im Gesicht. Ob sich der Herr, der mit einer mit Fellkragen besetzten Winterjacke durch den Pit tobte, sich jetzt besonders authentisch gekleidet fand, wissen allein die Götter in Valhall. Trotz guter Stimmung in den ersten Reihen gab es sicherlich Verbesserungspotential, was aber nicht an der Darbietung lag.
Vor allem Bassist Sami Hinkka sprang wie wild über die Bühne und erklomm auch oft die Boxenaufbauten auf der Seite. Frontmann Petri Lindroos profitierte davon, dass seine beiden Nebenleute an den Saiten Nebenleute über eigene Mikrofone verfügten, so konnte er je nach Position deren verwenden. Mit seinem Partner Markus Toivonen teilte er sich die Soli, die deutlich klassische Metalwurzeln offenbarten. Das war ja durchaus nach dem Geschmack der Traditionalisten, ähnlich wie die Thrashfragmente einiger Songs.

Speziell wurde es aber dann, wenn man sich neben der folkloristischen Anleihen weiter in metalfremde Gefilde begab. Der Scherz mit ein paar Discobeats war noch nicht mal in den Neunzigern lustig. Dabei machte aber wenigstens Nette Skoog, die neue Frau an den Tasten eine gute Figur, auch wenn man sich bei manchen Sounds schon fragte, ob die von ihr oder vom Band kamen. Mit ihrem Akkordeon ließ sie sich nicht mehr so leicht ins hintere Glied drängen wie ihre Vorgängerinnen und war immer an der Bühnenfront präsent, was dem Stageacting sehr gut tat, der Sound verhinderte leider noch mehr Präsenz. Als dann gegen Ende auch die vertrauten Hits auftauchten, ging die Schunkelparty richtig ab.

Setlist ENSIFERUM:
From Afar
Warrior Without A War
In My Sword I Trust
Two Of Spades
Heathen Horde
Twilight Tavern
Ahti
Lai Lai Hei

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ICED EARTH
Schon beim Intro war klar, wer heute die Herren im Ring sein würden, wegen dem Tampa-Boys waren die meisten Anwesenden gekommen. Insofern kann man schon das Risiko eingehen und mit dem Titeltrack des im Mai erscheinenden Albums eröffnen. Da dieser nach einem von Chören getragenen Intro sich dann problemlos in die Historie der Band einreiht, war dieses Experiment geglückt. Zumal man direkt im Anschluss mit einer der bekanntesten Nummern die Geduld der Anhänger nicht weiter strapazierte.
Natürlich waren es wieder die Songs von „The Dark Saga“ und „Something Wicked This Way Comes“, welche am lautesten abgefeiert wurden und die Hälfte des Sets einnahmen. Auch die beiden letzten Alben wurden bedacht, während die verunglückte „Something Wicked“-Fortsetzung wohl für immer in der Rumpelkammer verstaubt. Bei der kurzen Spielzeit, welche dieses Package zuließ gab es von der Frühphase nur ein Stück, die Bandhymne wurde allerdings schon vermisst.

So engagiert die Fans vor der Bühne waren, so gaben sich auch die Fünf da oben Mühe, wobei sie körperlich nicht immer auf der Höhe schienen. Dass Jon Schaffer kaum noch headbangen kann, dürfte bekannt sein, sein Rücken erlaubt nur die aufrecht stolze Position, bei der er seine Riffs cool und präzise runter zockte. Und Frontmann Stu Block wirkte im Gesicht, als hätte er seit fünf Wochen nicht mehr geschlafen. Zwar war er viel unterwegs und feuerte die Menge immer wieder an, doch auch seine Stimme schien etwas zu leiden. Bei den hohen Tönen fehlte das Volumen, was ein wenig mit Halleffekten aufgebessert werden musste.
So war es vor allem an Bassist Luke Appleton und dem neuen Gitarristen Jake Dreyer, auf der Bühne für Action zu sorgen. Der Viersaiter schüttelte unablässig seine Mähne und übernahm viele mehrstimmige Shouts. Bis sich der neue Mann richtig eingelebt hat, dauert es wohl noch ein wenig, aber ICED EARTH zeigten ein stabileres Bandgefüge als noch vor Jahren. Sein Posing, besonders bei seinen Soli war sehr lässig und bot ein paar optische Reize. Mit Schaffer agierte er auch sehr gut, nach so kurzer Zeit saßen die doppelten Leads schon sehr ordentlich.

Da war es nicht verwunderlich, dass die Halle nun komplett mitging, wenn Schaffer und seine Mannen die thrashigen Salven ansetzten, flogen Fäuste und Haare im gleichen Takt. Oft hielt Block dem Publikum das Mikro hin und ließ es Teil der Songs werden, was diese mit lauten Gesängen zurückgaben. Wenn dann vor einem Song die Singalongs schon angekündigt wurden, war jedem klar, dass es wieder Zeit für eine Ballade ist. Es mag etwas seltsam für eine Metalband anmuten, wenn man mit einem ruhigen Stück das Set beendet, aber der Rausschmeißer ist eben eine besondere Nummer. Eine der stärksten Titel, die in den Neunzigern geschrieben wurden, ich frage mich nur, warum dieser nicht schon lange in die Ahnengalerie des Rock einging. Der Refrain schreit nach Stadion und die Fans sorgten zum krönenden Abschluss für eine passende Atmosphäre. (Pfälzer)

Setlist ICED EARTH:
Incorruptible
Burning Times
Plagues Of Babylon
Dystopia
I Died For You
Vengeance Is Mine
V
My Own Saviour
The Hunter
Boiling Point
Pure Evil
Watching Over Me

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Alle Photos von Klaus

 

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