runrig tourplakatAuch wenn sich die Karriere der Schotten so langsam dem Ende zuneigt, stehen die Musiker noch voll im Saft. Wobei das Ende der Band ja nach wie vor offen ist, denn es wurde ja lediglich „The Story“ als letztes Album angekündigt. Bei der Melancholie, denn der Longplayer versprüht merkt man, dass die Formation weiß, dass sie wohl keine neue Scheibe mehr drin hat. Live sind RUNRIG dagegen ausgiebig unterwegs, im Herbst wird die aktuelle Platte auf großer Deutschland-Tournee vorgestellt. Was danach kommt weiß noch keiner, doch ein paar Festivals im nächsten Sommer sind im Rahmen des Möglichen. Interessant ist ja auch immer wieder, dass die Herren außerhalb der Linie Schottland Dänemark, Deutschland nahezu unbekannt sind, dafür darf man sich dort immer auf enthusiastische und passionierte Fans freuen. NECKBREAKER mischte sich in der Stuttgarter Porsche-Arena unter diese, wobei die Band von EMILY BARKER supportet wurde.

EMILY BARKER
Dass die Support Acts von RUNRIG gerne einmal minimalistisch aufgestellt sind was Besetzung, bzw. Instrumentierung betrifft, ist keine Seltenheit. Demgemäß war es wenig überraschend dass mit EMILY BARKER ein Duo dem Publikum in der Porsche-Arena einheizen sollte. Besagte Dame, ihres Zeichens Singer/Songwriterin aus Australien, doch in England beheimatet, bot gemeinsam mit ihrem männlichen Side-Kick den Anwesenden eine halbe Stunde voller ruhiger Songs mit starker Folk-Schlagseite. Obwohl nur mit Kontrabass, Akustikgitarre und Keyboard zugegen, konnten die beiden Musiker vollauf überzeugen, was zu einem Großteil der wundervollen und kraftvollen Stimme der Sängerin geschuldet war.
Harmonieselig und gefühlvoll konnte das Auditorium ruhigen Folkklängen lauschen, die mehr als einmal an Altmeister Bob Dylan erinnerten. Besonders "Nostalgia", welches der BBC-Produktion der filmischen Adaption der Wallander-Krimis die Themenmusik verleiht und die abschließende Nummer "Precious Times" waren die definitiven Höhepunkte. Letzteres insbesondere dadurch, dass es sich um ein a-Capella-Stück handelte, welches Emilys traumhaftes Organ in voller Brillanz zeigte. Der Applaus des Publikums während der Show und am Ende war mehr als lediglich Höflichkeit und untermauerten, dass diese Dame absolut zu Recht bereits einen Preis für ihre Musik erhalten hat. (David)

RUNRIG
Nachdem das Saallicht ein zweites Mal gelöscht wurde, erinnerte man sich an das gute alte Motto der „Disco“-Fernsehshow: „Licht aus, Spot an!“. Der lag auf Gitarrist Malcolm Jones, der mit feinen Leads den Opener einleitete, bevor seine Mitstreiter die Bretter enterten. Was folgte war ein einziger, nicht enden wollender Jubelorkan, wie ich ihn von einem doch eher gesetzten Publikum nur selten gehört habe. Die Männer aus dem Norden des vereinigten Königreiches pflegen eine Beziehung zu ihren Anhängern wie kaum ein anderer Künstler, der Austausch zwischen Bühne und Publikum war wie immer besonders intensiv.

Da war es egal, dass es zu Beginn erst einmal zwei neue Songs gab, die „Riggies“, wie sich ihre Fans nennen haben die vor einem dreiviertel Jahr erschienene Scheibe schon verinnerlicht. Als es dann den ersten ganz großen Hit gab, schien die Porsche-Arena endgültig zu platzen. Rory McDonald unterstützte seinen Leadsänger Bruce Guthro oft, die beiden lieferten sich schöne Duette. Der Zuhörer schien sich allerdings zu fragen, warum die Band nicht rein instrumental auftritt, die Menge würde gerne komplett übernehmen.
Da wurden teilweise schon ganze Strophen intoniert und die zahlreichen Singalongs mussten von der Band selbst beendet werden, sonst würde Stuttgart jetzt noch singen. Hier hat sich über die Jahre eine Einheit gebildet, die ihresgleichen sucht, die vielen Klatschspiele, mit denen das Publikum Rhythmus und Atmosphäre unterstützt, sind mittlerweile feste Rituale in den Shows. Die Dankbarkeit für so viel Hingabe war immer zu spüren und wurde ständig wertgeschätzt.

Es ist genau das, was RUNRIG ausmacht, dass sie diesen Zuspruch eben nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern allabendlich auf der Bühne wirklich alles geben. Da gibt es kein Rockstargetue, sondern einen sehr offenen Draht zu den Fans. Die Formation ist sehr geerdet, sieht sich als Kulturbotschafter, zwischen den Songs unterhielt Rory gerne mit ein paar Anekdoten. Es wurden auch keine Mühen gescheut, im Hintergrund flimmerten die ganze Zeit Filme und Bilder auf der LED-Wand, welche die Emotionen der Songs unterstützten. Neben vielen Landschaftsaufnahmen, denen eine ähnliche Weite innewohnt wie den Kompositionen gab es auch ganze Videoclips zu den Liedern. Das Ganze wurde von einer sehr stilvollen und wuchtigen Lightshow noch zusätzlich unterstützt.

Und musikalisch legte die Truppe zu der riesigen Produktion noch eine ganze Menge drauf. Nach so vielen gemeinsamen Gigs, so endlosen Touren ist alles aufeinander eingespielt, da saß jeder Ton blind. Immer wieder schwebten traumhafte Arrangements durch den Raum, bei denen jedes einzelne Feinheit Sinn ergab und die Wirkung weiter steigerte. Natürlich profitierte man von einem unfassbar sauberen Klang, welcher selbst dem zuletzt so hochgelobten von THE WHO ebenbürtig war. Alles war so detailgenau heraus zu hören, die Musiker hatten immer den nötigen Ton und Lautstärke, um alles ineinander zu vermengen. Speziell bei den ruhigen Songs konnte man jedes einzelne Rasseln von Calum McDonalds Percussion-Arsenal klar erkennen.

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Dabei handelte es sich nicht nur um einen funktionierenden Verbund von Musikern, jeder einzelne von ihnen war an dem Abend herausragend. Alleine das wunderbare Organ von Guthro sorgte immer wieder für wohlige Schauer in einer ohnehin an Gänsehautmomenten nicht armen Musik. Was für ein Glücksgriff der Mann für diesen Sechser ist, kann man gar nicht abschätzen. Nach dem Weggang von Donnie Munroe stand es schlecht um die Zukunft, doch ihm gelang es sich in die Herzen der Fans zu singen.
Sein weiches Timbre, welches doch so kraftvoll rockig daher kommt, sucht seinesgleichen, seine Stimmfärbung hebt die Songs auf eine weitere Stufe. Dazu verfügt er über eine ungeheure Ausstrahlung, ohne dabei unnahbar rüber zu kommen, vielmehr wirkte er auch im feinen Zwirn immer noch kumpelhaft. Ihm war in jedem Moment der Spaß anzusehen, den er immer noch bei seinen Gigs hat. Oft kam er an den Rand der Bühne, suchte den direkten Kontakt oder poste auf den Monitoren mit seiner Klampfe.

In Sachen Spielfreude standen ihm seine Kollegen in nichts nach, vor allem der permanent tänzelnde Rory McDonald an seinem Bass. Witziger weise wirkte mit Brian Hurren der mit Anstand Jüngste noch als der stoischste hinter seinen Tasten. Er legte aber die sphärischen Teppiche aus, auf denen die Lieder hinweg glitten. Neben ihm sorgte Ian Bayne für den nötigen Punch, der sehr geschickt Tempo und Dynamik varrierte. Zusammen mit dem guten Calum brachte er tolle rhythmische Impulse und verdichtete den Sound zusätzlich. Beim einigen Titeln und dem Solo von Jones durften beide mit Umhängetrommeln ganz nach vorne, wobei sie sichtlichen Spaß hatten.

Warum jener nie in den Hitlisten der großen Gitarristen genannt wird, bleibt mir immer noch ein Rätsel. Ist es sein Understatement oder seine Nähe zu Gilmour, die höhere Weihen verhindern. Im Gegensatz zum PINK FLOYD-Mann verfügt er über einen mehr jubilierenden Ton, weiß aber genau wie er mit wenigen Noten wahre Magie zu erschaffen. Von seinem Spiel lebten die Songs, er setzte sein Können aber sehr pointiert ein, während er verträumt hinter einem Arsenal an hochwertigen Äxten völlig versank. Wie er einmal vor der Leinwand stand, über die schwarz-weiße Blumenwiesen flimmerten, bei denen nur die Tulpenköpfe rot waren, und mit seinem Solo abhob, war ganz großes Kino. Für Bauch, Hirn und den Kopf, ebenso wie bei den vielen prägnanten Melodien, die er einstreute.

Der Level wurde über das gesamte Konzert hinweg hoch gehalten, selbst wenn die Formation nicht so songdienlich spielte wie auf der letzten Open-Air-Tour. Doch es störte niemanden, dass manche Nummer in die Länge gezogen wurde, den meist waren die Parts zu interagieren. Und an der Klangmauer, welche sie am Ende des regulären Sets aufbauten, scheitern die meisten Port-Rock-Combos. Vielleicht liest man da ein klein wenig Kritik heraus, aber bei der Setlist und zwei Stunden Spielzeit kann das nur unter Suche nach dem Haar in der Suppe verbucht werden. Es zeigt aber, auf welchem Niveau RUNRIG agierten, die Grenze zur absoluten Perfektion wurde oft mehr als nur gestreift. Am Ende sang dann alles zusammen die größte Hymne a capella, ein Moment für die Ewigkeit. Eine überragende Band, die hoffentlich noch lange auf Abschiedstournee unterwegs ist. (Pfälzer)

Setlist RUNRIG:
Onar
The Years We Shared
Pride Of Summer
Harvest Moon
Rise And Fall/Elegy
Dance Called America
Maymorning/Hearts Of Olden Glory/Maymorning
Every River
Rocket To The Moon
The Place Where The Rivers Run
What Time
The Story
Flower Of The West
Only The Brave
Alba
Skye
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When The Beauty
Clash Of The Ash
Loch Lomond
Hearts Of Olden Glory

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