bluespills tourplakatWenn man mich fragt, ist es vom Gefühl her etwas ruhig geworden um die multinationale Sensation, seitdem sie Anfang August ihr zweites Studioalbum „Lady In Gold“ veröffentlicht und damit wenig überraschend Platz 1 der deutschen Albumcharts erzielen konnte. Inzwischen muss man sich als Rock- oder Metalband fast schon entschuldigen, wenn man nicht mindestens Top 50 notiert ist, wer kauft halt schon Platten von gesichtslosen Songproduzenten, die trotzdem aktuell Geld ohne Ende verdienen können. Die BLUES PILLS stehen wie die beiden Supportbands KADAVAR und STRAY TRAIN, die an diesem 09.10. in Saarbrücken zu Gast waren, für handgemachte, ehrliche Musik, wobei KADAVAR quasi Co-Headliner und deutlich mehr als nur Support waren.

STRAY TRAIN
Leider ist so ein Konzertbeginn um sieben Uhr selbst an einem Sonntag doch recht früh, wenn man zu den geschäftigeren Teilen der Bevölkerung zählt oder die Familie ruft. So kam unsere Redaktion lediglich zum letzten Song in die Halle. Wie eine Familie kamen einem die fünf Herren auch vor, denn einer der beiden Axtmänner sah aus wie der Vater der restlichen Truppe, KELLY FAMILY goes Retro Rock? Zum Glück orientierte sich die Formation am Rest des Billings, so dass man angenehmen Blues Rock zu hören bekam, der vor allem aufgrund der Soloarbeit auch im gängigen Hard Rock verwurzelt ist.
Mittlerweile scheint die Retrowelle auch über die Alpen geschwappt zu sein, die Slowenen wussten auf jeden Fall ansprechende Songs ihres Debüts "Just ‘Cause You Got The Monkey Off Your Back Doesn’t Mean The Circus Has Left Town" zu präsentieren. War die Bühnenarbeit durchaus engagiert und auch ansatzweise professionell, so kam einem das Auftreten von Frontmann Luka Lamut doch ein wenig androgyn vor. Nicht nur Teile seines Outfits, auch seine Gestik biss sich ein wenig mit dem kernigen Material seiner Band, was aber seiner guten Gesangsleistung keinen Abbruch tat. (Pfälzer)

KADAVAR
Die Wahl von KADAVAR als Tourbegleiter kann vor allem damit erklärt werden, dass die in Berlin ansässige Band beim gleichen Label unter Vertrag steht (Nuclear Blast), rein musikalisch hätten Bands wie WUCAN, die aktuell kreuz und quer die Republik bespielen, oder PRISTINE, die womöglich im nächsten Jahr das große Ding sein werden, besser gepasst als ein Trio, das auf nicht ganz unanstrengende Art und Weise Stoner Rock mit Doom Metal verknüpft.

Dabei bringen KADAVAR gleich zwei Vorteile mit, erstens ist sowohl ihr Sound als auch die Optik authentisch, die Gitarre von Christoph Lindemann klingt original nach den Siebzigern, und die Bärte der drei Burschen werden auch immer länger. Zweitens hat die Band mit Christoph Bartelt einen Schlagzeuger in ihren Reihen, der weit mehr ist als nur der „Drummer“, das was der Kerl hinter seinem Kit abzieht, ist wirklich sehenswert, dabei fragt man sich häufiger ist das jetzt ein Mensch oder ein Tier, denn vor lauter Haaren ist vom Gesicht zumeist kaum etwas zu erkennen und diese monoton-rhythmischen Kopfbewegungen haben auch etwas unmenschliches.
Dabei schwingt der „Tiger“ höchst präzise seine Stöcke, die Band hinterließ während ihres etwa 1-stündigen Sets einen enorm eingespielten Eindruck, jeder Musiker wirkte wie mit seinem Instrument verschmolzen, so dass ich wirklich nichts zu meckern habe, außer vielleicht, dass ich gerne mehr Songs vom „Abra Kadavar“ Album gehört hätte, von diesem gab es lediglich „Come Back Life“ als Opener und im weiteren Verlauf noch „Eye Of The Storm“, eine der stärksten KADAVAR Kompositionen.

Der Rest des Sets stammte vom 2012er Debütalbum sowie vom letztjährigen Charterfolg „Berlin“ (siehe auch meine einleitenden Worte). Mit dem obligatorischen, ruppigen, THE BEATLES Cover „Helter Skelter“ endete dann nach 60 überraschend spannenden und kurzweiligen Minuten mit hypnotischer Wirkung ein Gig, der vielen Beteiligten noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Setlist KADAVAR:
Come Back Life
Pale Blue Eyes
Last Living Dinosaur
Living In Your Head
The Old Man
Black Sun
Forgotten Past
Eye Of The Storm
Thousand Miles Away From Home
All Our Thoughts
Creature Of The Demon
Helter Skelter

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BLUES PILLS
Dass der anschließende Auftritt der inzwischen in Schweden ansässigen Band keine Enttäuschung werden wird, davon konnte man vorher bereits ausgehen, denn die BLUES PILLS haben sich im Laufe der letzten paar Jahre zu einer bereits routinierten und sympathischen Liveband gearbeitet und das Songmaterial der ersten beiden Alben ist durchweg so stark, dass man damit problemlos auch eine 90-minütige Headlinershow spannend füllen kann. Eigentlich muss ich sagen „könnte“, denn als größter Kritikpunkt muss man gleich zu Beginn festhalten, dass nach knapp 80 Minuten der Gig der fünf Musiker/-innen, inklusive einem namenlosen Begleiter an Gitarre und Keyboard, bereits wieder vorbei war. Etwas zu kurz, wenn man mich fragt, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Band großartige Songs wie „No Hope Left For Me“, „Dig In“ oder „River“ (jetzt drei Mal live gesehen, drei Mal nicht dabei) außen vor gelassen hat.

Die spannendsten Fragen an diesem Abend waren demnach, wie werden die neuen Songs vom dezent überproduzierten „Lady In Gold“ Album live dargeboten, singt Elin, die sich inzwischen das „kleine Schwarze“ als ihr Bühnenoutfit festgelegt hat, immer noch in ihrer eigenen Welt und wird Dorian an der Gitarre immer noch so viel improvisieren wie auf den vorherigen Touren.
Der Reihe nach kann man sagen, dass die Songs von „Lady In Gold“, das bis auf die Nummer „Burned Out“ komplett gespielt wurde, auf der Bühne besser wirken als in ihrer Studiofassung, ganz einfach, weil die Band einiges an Ballast abwerfen kann, die Songs klingen live deutlich roher und dadurch nicht mehr so sehr wie ein Studioprodukt, bei dem man versucht hat, jede Kleinigkeit richtig zu machen. Der Hauptkritikpunkt, so sehr ich „Lady In Gold“ auch schätze, kann aber auch live nicht verborgen gehalten werden, Dorian wirkt bei diesen Songs wie unter Wert verkauft, außer ein paar schrammeligen Riffs hat er beim aktuellen Material kaum etwas zu tun, auch weil auf die eingangs angesprochenen Improvisationen leider verzichtet wurde, bei den gespielten „alten“ Songs, war er dann wieder voll in seinem Element und konnte sich nach Lust und Laune austoben. Es bleibt zu hoffen, dass die Band auf dem nächsten Longplayer etwas besser den Spagat hinbekommt, denn sonst entsteht zunehmend der Eindruck, dass es sich hier um ein Soloprojekt von Elin handelt, die noch mehr als in der Vergangenheit die Blicke auf sich zieht.

Ihren größten Moment hatte Elin, die zeitweise etwas überdreht wirkte, dann bei der ruhigen Soulnummer „I Felt A Change“, welche sie alleine mit eigener Keyboard-/Orgelbegleitung vom Bühnenrand aus präsentierte, das war einer der wenigen Augenblicke des Konzertes, wo man als Zuhörer wirklich Gänsehaut hatte, das „Lady In Gold“ Highlight klingt dabei so sehr nach einer gewissen ADELE, dass sie das selber wahrscheinlich gar nicht hinbekommen würde, wenn sie versuchen würde, eine solche 70er Jahre Ballade zu schreiben.

Ansonsten entfaltete der Gig der BLUES PILLS relativ wenige Überraschungen, das Bühnenbild gestaltete sich mit diesem etwas kühlen schwarz/weiß Kontrast als gewöhnungsbedürftig, wirklich was zu hadern gab es nicht, 15 Songs in 80 Minuten sind nicht das Maximum des Möglichen gewesen, aber immerhin auch mehr als das Minimum des Machbaren. Ausgesprochen positiv fidne ich, dass die Band trotz ihrer Erfolge nicht sich selber, sondern nach wie vor die Musik in den Fokus rückt. Insgesamt fällt auf, dass die BLUES PILLS im fünften Jahr ihres Bestehens immer noch etwas Besonderes sind, aber nicht mehr so außergewöhnlich wie noch zu Debützeiten 2014, was man auch daran merkt, dass die Songs dieser Zeit wie „Devil Man“, „High Class Woman“ oder „Black Smoke“ (zu Recht!) mehr gefeiert wurden, als das aktuelle Material. Schaut man sich das Publikum an, scheint es der Band aber nach wie vor zu gelingen, Szenen miteinander zu verbinden und dass das reine Mainstream Publikum draußen blieb, ist sicherlich für die echten Musikliebhaber kein Nachteil. (Maik)

Setlist BLUES PILLS:
Lady In Gold
Little Boy Preacher
Bad Talkers
Won’t Go Back
Black Smoke
Ain’t No Change
Little Sun
Elements And Things
You Gotta Try
Bliss
High Class Woman
Devil Man
------------------------
I Felt A Change
Rejection
Gone So Long

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