live 20160915 Kyle Gass Band 00Vor gerade mal einem Jahr war die KYLE GASS BAND das letzte Mal in Deutschland auf Tour und machte in der Garage Saarbrücken Station. Mit ihrem neuen Album „Thundering Herd“ kehrt die Band zurück, die mir eines der besten Konzerte des vergangenen Jahres bescherte. An diesem Abend sollte es sogar noch besser kommen.

Doch davon war zunächst nichts zu spüren, aufgrund der Schweizer Grenzbeamten (wie die Band später berichtete), kam sie leider stark verspätet an der Halle an. Daher konnte das Konzert erst um 21:15 Uhr beginnen, statt wie geplant um 20:00 Uhr. Manch andere Band ist dann schon mal derart genervt, dass das Konzert richtig mies wird. Ganz anders bei der KYLE GASS BAND, diese scherzt über den Vorfall, entschuldigt sich mehrfach bei den Fans und missachtet sogar die Sperrstunde von 23 Uhr. Doch dazu später mehr.

Die neue Platte „Thundering Herd“ wurde nicht überall mit Freudentänzen gefeiert, das hält die Band aber glücklicherweise nicht davon ab, dennoch sieben Songs davon zu spielen. Live kommen alle Stücke verdammt gut an, fast genauso gut wie die sieben gespielten Stücke des Debüts. Wobei „Manchild“, das heute als Opener fungiert, natürlich nur schwer zu toppen ist. „Hell Or High Water“ stellt sich live als absoluter Volltreffer heraus. Auch auf Platte hatte der Song bereits Potenzial, live entfaltet sich dieses dann völlig. Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas skeptisch, ob die Band den Erfolg des letzten Konzerts wiederholen könnte. Doch alle Bedenken wurden bereits nach dem ersten Song vergessen. Denn erneut strahlen die fünf Herren derart viel gute Laune und Spielfreude aus, dass es nur ein fantastisches Konzert werden kann. Auch die Angst, dass die Wiederholung einiger Showelemente zu ständigen Toilettengängen anregt, bestätigt sich nicht. Stattdessen steigt sogar die Vorfreude auf die bereits bekannte Pop-Rap-Einlage von Schlagzeuger Tim, dem im Übrigen der Song „Bone“ von der neuen Platte gewidmet ist; wer den Text kennt, kann die Puzzleteile nun endlich zusammensetzen – phänomenal, ich liebe diesen Humor. Für die Zugaben wechselt sogar Kyle Gass selbst mal die Klamotten, es ist allerdings nicht zu erkennen, ob er die Badelatschen weiterhin trägt. Diese konnte man übrigens am Merch-Stand erwerben.

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Der Sound ist an diesem Abend nicht ganz so perfekt wie bei dem letzten Besuch der Band. Das ist aber gänzlich zu verschmerzen, schließlich gab es im Vorfeld dank der Verspätung sicherlich mehr als genug Stress. Was die beiden Gitarristen Mike Bray und John Konesky auf der Gitarre anstellen ist jenseits von Gut und Böse. Vermutlich haben die beiden ihre Seele dem Teufel verkauft, dem gleichen Teufel, dem Kyle Gass seine Seele fürs Flöte-Spielen verkauft haben muss. Hier ist alles vertreten, Classic-Rock-Solos, Dual-Lead-Solos, Metal-Solos, Harmonika-Solos von Jason Keene, und auch irischer Folk klingt hin und wieder raus. Unfassbar wie verdammt musikalisch diese Band ist, die Jungs sind sich dessen durchaus bewusst. So posen Mike und John nicht ohne Grund ähnlich wie einst THIN LIZZY.

Darüber, dass sie an der Grenze so lange festsaßen, wird nach mindestens jedem dritten Song ein kleiner Gag gemacht. Diese eskalieren letzten Endes in „Fuck Switzerland“-Rufen, die dann schnell von der Band wieder ruhig gestellt werden. Kommentar von Mike: „Just the border, the fans and the people are very nice.“ Auch alle restlichen Gags, die meistens auf die Konten der einzelnen Bandmitglieder gehen, sitzen perfekt. Die Jungs nehmen sich zu keinem Zeitpunkt wirklich ernst, und eben das macht richtig Spaß. Bei einem Ausflug ins Publikum täuscht Kyle Gass mehrfach Selfies an und flüchtet in der letzten Sekunde. Ein Fan tippt mit dem Finger auf seine Glatze, er reagiert, indem er ihm über den Kopf streichelt. Auch wenn der Gute mittlerweile aufgrund des weißen Barts schon leicht gealtert wirkt, hat er von seinem Spaß kein bisschen verloren. Wenn doch nur jede Band so ticken würde.

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Nun könnte man natürlich dennoch behaupten „Das ist doch alles nur Show!“. Mag sein, wenn der Veranstalter aber um 23:00 Uhr mitteilt, dass das Konzert beendet werden muss und die Band dennoch weiterspielt, hat das in meinen Augen nur bedingt was mit Show zu tun. „Then we do it unplugged...“ sind die einleitenden Worte von Kyle. Was dann kommt ist Gänsehaut pur: „Fuck Her Gently“ von TENACIOUS D wird angestimmt, und die gesamte Halle singt mit. Noch nie habe ich einen derart perversen Song derart romantisch erlebt. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Konzertabend. Kyle und die Band flitzen anschließend zum Merch-Stand, wo sie noch fleißig Autogramme geben. Besser geht es nicht.

Die Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Die Songs der neuen Platte kommen live noch stärker rüber, und ich bete zum Rock-Gott, dass diese Band weiterhin in Europa touren wird. Denn eines weiß ich, wenn sie nächstes Jahr noch mal kommen, darf ich es mir nicht entgehen lassen. (Pascal)

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Setlist:

Manchild
Gettin' the Band Back Together
Our Job to Rock
Cakey
Regretta
Tremendous
Bring Her Back Better
Bro Code
Road Chops
Bone
Hell (Or High Water)
Bro Ho
Questionable
Just Dropped In (To See What Condition My Condition Was In)
Green Eyed Lady
25 or 6 to 4
Gypsy Scroll

Zugabe 1:
Gypsy Scroll II: Toot of the Valley
I Wanna Kiss You All Over
Pony
I Want You Back / Black or White / Yo Home to Bel-Air (Medley mit Drummer Tim)
Vehicle

Zugabe 2:
Fuck Her Gently

(Fotos: Klaus)

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