Megadeth Rockhal SmallMit ihrem neuen Album im Rücken kehrten MEGADETH am 16.06.2016 in die Rockhal zurück. Aufgrund des Verlusts von David Ellefsons Bruder wurden die 2015er Tourpläne abgesagt, weshalb der letzte Rockhal-Besuch ausfiel. Als Nachholkonzert würde ich diese Show dennoch nicht bezeichnen. Das Vorprogramm bot mit HAVOK ordentlichen US-Thrash-Metal, den ich zunächst etwas anders erwartet hätte.

HAVOK
Da ich von HAVOK zuvor noch nicht wirklich etwas gehört hatte, bestritten wir die Anreise mit der 2007er EP „Pwn’em All“. Dass der Name eine Anspielung auf METALLICAs Großtat „Kill’Em All“ ist, kommt nicht von ungefähr, die Riffs, der Gesang, einfach alles ist an dieses Meisterwerk angelehnt. Laut Ticket sollte die Show um 20:30 Uhr starten, vor Ort starteten HAVOK leider bereits um 19:50 Uhr, weshalb die Halle noch nicht wirklich gefüllt war. So mussten die Jungs leider vor einer überschaubaren Menge spielen.

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Der Spielfreude der Band tat dies allerdings keinen Abbruch, die Band gab alles und föhnten mit ihrem äußerst modernen Groove-Thrash-Metal das Haupthaar. Groove-Thrash-Metal daher, weil die Band seit dem Jahr 2007 offensichtlich einige Stilveränderungen durchlebt hat. Der Kern ist zwar immer noch zu spüren, aber die häufigen Besetzungswechsel haben auch einen deutlich moderneren Sound zur Folge. Negativ wirkt sich das nicht aus, eben nur etwas unerwartet. Die Band strotzt nur so vor Energie, und besonders Bassist Jesse De Los Santos flitzt wie ein Derwisch über die Bretter. Dabei fällt er so schon genügend durch seinen sehr markanten Bass auf. Auch Gitarrist Reece Scruggs hat sichtlich Spaß auf der Bühne und soliert, was das Zeug hält. Sänger und Gründungsmitglied David Sanchez weiß, wie er das Publikum im Griff hat und überzeugt durch sein sehr markantes Organ, welches den US-Thrash hervorragend rüberbringt.

Leider reagiert das Publikum nicht ganz so enthusiastisch auf die Band. Auf die Frage hin, wer im Publikum alles für Frieden stände, heben gerade mal drei Fans die Hände. David Sanchez nimmt es professionell und erlaubt sich die ironische Antwort „Wow, ganze drei Leute hier im Publikum stehen auf Frieden. Super!“

Wirklich schade, dass die Band so früh auf die Bretter musste, HAVOK werde ich auf jeden Fall auf dem Schirm behalten. Klassischer US-Thrash im modernen Gewand, eine neue Platte ist bereits in Arbeit.

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MEGADETH
Nach kurzer Umbaupause starten MEGADETH um 21:15 Uhr mit drei Killernummern, auf „Hangar 18“ folgt das grandiose „Wake Up Dead“ und mit „In My Darkest Hour“ wird noch mal eine Schippe draufgelegt. Bereits nach diesen drei Nummern ist klar, dass Dave Mustaine auch live sehr gut mit Kiko Loureiro harmonisiert. Gerade die Dual-Lead-Parts bei einigen Songs klingen extrem gut. MEGADETH wirken trotzt SOILWORK-Ersatzmann Dirk Verbeuren wie eine Einheit und spielen sich gekonnt durch ihr Set. Die technisch sehr anspruchsvollen Songs der neuen Platte „Dystopia“ hinken hier und da ein wenig, gerade beim Einsatz von Playbacks. Das fällt aber nur den absoluten Die-Hard-Fans auf und ist so gesehen nicht der Rede wert. Dave Mustaine scheint gut gelaunt und redet sogar mehrmals zum Publikum, etwas, das man nicht wirklich gewohnt ist. Nur allzu oft macht sich der Rotschopf auch bei den eigenen Fans unbeliebt, doch diesbezüglich hält er sich an diesem Abend zurück. Lediglich „Holy Wars“ wird damit angekündigt, dass der Song trotz seines Alters heute aktueller denn je ist. Und ganz im Ernst, da wird man Dave wohl kaum widersprechen können, auch wenn ich das selbst nur ungerne zugebe.

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Nach dem starken Dreiergespann zum Einstieg folgt mit „The Threat Is Real“ das erste von insgesamt fünf „Dystopia“-Stücken, die an diesem Abend gespielt werden. MEGADETH scheinen sich der Qualität ihrer neuen Platte durchaus bewusst zu sein. Auch das 1997er „Cryptic Writings“ wird bedacht und mit „She-Wolf“ ein Riff-Monster gespielt, dass live einen unglaublichen Groove besitzt. Auch das neue „Post American World“ kommt gut an, kann aber mit dem darauf folgenden „Sweating Bullets“ nicht mithalten. Mustaines Performance zu dem Song ist nach wie vor einzigartig und macht jedes Mal aufs Neue Spaß. Mit „Trust“ folgt der zweite Song von „Cryptic Writings“ für diesen Abend, nach wie vor live ein besonderer Schmankerl durch das sehr coole Schlagzeugintro. Nicht alles an den Neunzigern war also schlecht. Dass in Luxemburg das teils auf Französisch vorgetragene „A Tout Le Monde“ nicht fehlen darf, ist wohl auch für MEGADETH klar. Das Publikum dankt und singt lauthals mit, was an diesem Abend nicht bei jedem Song der Fall ist. Dave selbst bezeichnet das Publikum zu Beginn des Konzertes grinsend als „leisestes Publikum der Tour“. Nach dem live sehr überzeugenden „Fatal Illusion“ und „Poisonous Shadows“ folgt mit „Symphony Of Destruction“ ein weiterer Klassiker. Das Titelstück der neuen Platte „Dystopia“ reiht sich anschließend nahtlos ein und zeigt, dass das neue Album gut zu den klassischen MEGADETH-Alben passt. Anschließend folgt mit „Peace Sells“ und „Holy Wars...The Punishment Due“ bereits der Abschluss des Konzertes.

Zum Schluss singt das Publikum noch absolut einheitlich und mit vollem Elan (Ironie) Gitarrist Kiko Loureiro ein Geburtstagsständchen, und damit verschwindet die Band hinter der Bühne. Und genau an diesem Punkt macht sich dann ein wenig Wehmut breit, die Band hat nämlich nicht einmal volle 90 Minuten gespielt. Überraschenderweise scheint sich auch das Publikum damit zufriedenzugeben, denn nach einer Zugabe wird nicht gerufen. Auch als riesiger MEGADETH-Fan bin ich von dieser Tatsache etwas enttäuscht, genügend Material hat die Band schließlich. Ob dies nun am Ersatzschlagzeuger liegen mag, bezweifele ich. MEGADETH zählen für mich eigentlich zu den großen Nummern im Thrash-Metal-Geschäft, dann könnte die Band auch gut und gerne solange spielen wie die werten Kollegen. Offensichtlich orientieren sie sich dabei aber eher an den mittelgroßen US-Bands, für die 90 Minuten eben vollkommen ausreichend sind. Mir wird dies als Musiker immer ein Rätsel bleiben, ist man nach 90 Minuten doch gerade erst richtig warm gespielt.

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Dies bleibt aber auch die einzige Kritik an diesem Abend, über die Setlist kann man sich wie gewohnt streiten. Auffallend ist jedoch, dass von den Frühwerken relativ wenige Songs gespielt wurden und auch auf Klassiker wie „Skin O‘ My Teeth“ verzichtet wurde. Hierfür stand „Dystopia“ mit insgesamt fünf Stücken deutlich im Vordergrund, was natürlich mehr als berechtigt ist, schließlich handelt es sich um eine gute Platte. Und dass eine Band von diesem Kaliber nicht alle Klassiker an einem Abend bringen kann, dürfte jedem Fan klar sein. Aber ein Zugabenblock mit ein bis drei Songs wären dennoch schön gewesen. Auch eine Widmung an den kürzlich verstorbenen Nick Menza in Form von „Tornado Of Souls“, wie auf anderen Konzerten, hätte gepasst.

Der Bühnenaufbau konnte sich sehen lassen, insgesamt vier LED-Screens (zwei kleine, zwei große) ersetzen die reguläre Position der Verstärker und zeigen passende Videoeinspielungen. Der Sound passt und das Licht sorgt je nach Song für die passende Atmosphäre. Gesanglich ist Dave Mustaine nach wie vor auf der Höhe, seine typischen Gesichtsgrimassen gehören ebenso zum Standard wie sein manchmal etwas schwer verständlicher Gesang. Als waschechter Fan sieht man über die kleineren Nuschler aber gerne hinweg.

Das Gesamtpaket aus HAVOK und MEGADETH passte an diesem Abend gut zusammen. Auch wenn mich die Spielzeit ein wenig gestört hat, ist nicht von der Hand zu weisen, dass MEGADETH trotz der vielen Besetzungswechsel von ihrer Stärke nichts eingebüßt haben. Berücksichtigt man die Tatsache, dass an den Drums ein Ersatzmann sitzt, der sich das technisch sehr fordernde Material in kurzer Zeit drauf schaffen musste, war es ein hervorragendes Konzert. Ich für meinen Teil hoffe, dass in dieser Besetzung mit Gitarrist Kiko Loureiro noch ein paar Alben zustande kommen, denn offensichtlich versteht er sich mit Dave ziemlich gut. Doch das war zuvor bei Chris Broderick anfangs auch der Fall. Ein gelungener, wenn auch etwas kurz geratener Konzertabend. (Pascal)

Setlist MEGADETH:
Prince Of Darkness (Intro)
Hangar 18
Wake Up Dead
In My Darkest Hour
She-Wolf
Post American World
Sweating Bullets
Trust
A Tout Le Monde
Fatal Illusion
Poisonous Shadows
Symphony Of Destruction
Dystopia
Peace Sells
Holy Wars... The Punishment Due

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