Kreator TourplakatImmer zum Jahresende hin rollen noch einmal die fetten Packages durch die Hallen der Republik. Die deutschen Thrash-Fürsten KREATOR haben auf ihrer scheinbar endlosen Tour zu „Phantom Antichrist" noch einmal ein paar starke Acts zusammen getrommelt. Mit SODOM haben Mille und Co. mal wieder ihre alten Weggefährten aus seligen Aufbruchszeiten ins Billing gehievt. Dass diese nicht den Co-Headlinerslot bekamen sagt alles über die Stärke des Programms aus. Den Part übernimmt die internationale Melodic Death-Truppe ARCH ENEMY, welche seit Jahren zu den führenden Extrembands gehören. Als Opener fungierten die Polen VADER, die als Urgesteine auch eine führende Position in der Szene innehaben. Wie schon vor zwei Jahren schauten KREATOR wieder in der Garage vorbei, mittlerweile sind sie schon oft im Saarland unterwegs.

VADER
Eigentlich hätte ich die Polen gerne von Anfang an gesehen, weil mein letztes Konzert von ihnen schon mehr als zehn Jahre her ist, und sich die Herren in letzter Zeit ohnehin rar gemacht haben. Doch der Verkehr machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich kann ja verstehen, dass wegen des Weihnachtsmarkts viel los war in der Stadt. Nur wenn es sich dann schon staut, dann schaue ich, dass ich jede kleine Lücke erwische, um vorwärts zu kommen. Leider war das Gegenteil der Fall und so mancher machte es sich noch bei grüner Ampel gemütlich. Davon abgesehen, dass es unverschämt gegen den dahinter stehenden ist, es zeugt nicht gerade von Ehrgeiz. Aber diese Lustlosigkeit sehe ich täglich im Straßenverkehr, leider wollen gewisse Kräfte nichts davon wissen, wie gefährlich das ist.

Wo draußen Lustlosigkeit herrschte, war drinnen eher die Armee der Willigen und Motivierten in Marsch gesetzt worden. Noch nie sah man die Garage um sechs Uhr abends so brechend voll, was vor allem der ersten Band gut tat, die sonst oft untergeht. Und die Polen hatten die Halle schon auf Betriebstemperatur gebracht, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit den ersten Songs wurde schon ordentlich Mörtel angerührt, die ersten Reihen standen wie eine Wand. Eine Todesmauer wurde zwar noch nicht errichtet, aber die ersten Pits hatten sich schon gebildet.

Und VADER sorgten auch kräftig dafür, diese weiter anzurühren, denn ihr Todesstahl walzte Fett über die Zuschauer hinweg. Für einen Opener in der Garage verfügten sie über einen sehr guten und lauten Sound, welcher den ganzen Abend vor herrschte. Dadurch trafen die Riffsalven von Titeln wie „Sothis" oder Wings" genau ins Schwarze. Auch Stücke vom neuen, fast schon als Comeback zu bezeichnenden „Tibi Et Igni" kamen gut an. Großartigen Auslauf hatten die Musiker leider nicht auf der noch minimal ausgeleuchteten Bühne noch nicht.
Hinter ihrem Drumkit standen noch die der beiden letzten Acts des Abends. So beschränkte sich die runderneuerte Mannschaft von Peter Wiwczarek darauf die Haarrotoren synchron anzuwerfen, was sehr mächtig rüber kam. Ebenso wie optisch präsentierten sich die Vier auch spielerisch sehr tight und lieferten ein tolles Brett. Der Frontmann selbst stand vorne unverrückbar in der Mitte und schrie seine Hassbatzen heraus, die Finale „Helleluyah!!! (God Is Dead) gipfelten. Dessen Refrain wurde auf Deutsch dargeboten, was noch einmal zusätzlich für Jubel sorgte.

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SODOM
Von den guten vorherrschenden Bedingungen konnten sich die Drei aus dem Kohlepott vor allem die nun gut vorgeheizte Halle zu Nutzen machen. Hier im Saarland, wo ja auch lange Kohle abgebaut wurde, fühlte sich Tom Angelripper wohl, auch wenn er sich nicht sicher war, überhaupt schon mal dort gespielt zu haben. Soundtechnisch konnten SODOM noch nie das volle Brett fahren, weil nur eine Gitarre oft ein paar Löcher lässt. Das rumpelt immer ein wenig, doch hier hat das durchaus Charme. Auch das Licht war schon voll da, was von den Technikern auch gut in Szene gesetzt wurde.

Los ging es mit „Agent Orange", das schon alle Fronten klärte, es handelt sich nicht umsonst um den Titeltrack des erfolgreichsten deutschen Thrashalbums. Die Herren waren gut drauf, Bernemann legte sich Posingtechnisch richtig ins Zeug, auch wenn er seinen Bewegungsdrang einschränken musste. Das Schlagzeug stand immer noch in der Mitte rum, die obligatorischen Seitenwechsel fielen aus, ab und zu trafen sich die Zwei in der Mitte, die meiste Zeit hing der Frontmann aber nur lässig hinterm Mikro. Diesen Umstand konnte vor alle Drummer Markus „Makka" Freiwald sehr gut für sich nutzen, der quasi als dritte Frontfigur agierte. So suchte auch er immer den Kontakt zum Publikum, kommunizierte viel und machte allerhand Faxen. Dabei schien er einen Heidenspaß zu haben, während er sein forderndes Spiel recht lässig runter zockte.

So sprang auch direkt der Funke auf das Publikum über, das ja vermehrt aus der Thrashfraktion bestand. Wer mit so viel Spaß bei der Sache ist, hat es nicht schwer, diesen auf seine Fans zu übertragen. Normalerweise ist ja Saarbrücken nicht gerade für sein euphorisches Publikum bekannt, aber an dem Sonntag gab es bereits bei der zweiten Band um sieben Uhr die ersten Skandierungen des Bandnamens.
Dabei machte es das Trio seinen Fans nicht gerade leicht, denn die Setlist fiel schon ungewöhnlich aus. Zwar hatten speziell Fans der ganz alten Schule ihre Freude an „Blasphemer", „Outbreak Of Evil" und „Sodomy & Lust", doch das angekündigte Jubiläum von „Agent Orange" blieb aus. Zwei Songs, darunter noch nicht einmal „Remember The Fallen" und „Ausgebombt". Auch das Pendant „Bombenhagel" fehlte und die vielfachen Rufe nach „Napalm In The Morning" wurden überhört.
Dazu gab es neueres Zeug, auch von der aktuellen EP, dafür hätten sie sich das THE TRASHMEN-Cover von „Surfin´ Bird" sparen können. Geschenkt, denn die Fans feierten das was kam auch so ab, enttäuscht dürfte keiner gewesen sein. Das Bier floss auf und vor der Bühne, wobei der Angelripper weniger Probleme mit Nachschub gehabt haben dürfte, denn inzwischen standen alle Reihen dicht.

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ARCH ENEMY
Die Frage war wie sich die Melodic Deather mittlerweile ohne Ruhrpottdame im Ruhrpottthrashsandwich schlagen würden. Gefallen ist der Stimmungslevel auf keinen Fall, denn auch die multikulturelle Formation verfügt über eine breite Anhängerschaft, die sich auch direkt bemerkbar machte. Dabei lag das Hauptaugenmerk der Zuschauer nicht nur unbedingt auf der neuen Dame am Mikro. Erst kürzlich haben ARCH ENEMY einen weiteren spektakulären Wechsel im Line-Up verzeichnen können. Niemand Geringeres als der frühere NEVERMORE-Gitarrist Jeff Loomis ist neuer Partner von Michael Amott.

Warum man sich von Nick Cordle trennte ist ja unklar, aber nun hatte man hier ein Gipfeltreffen von zwei der besten Axtschwinger der Szene. Dabei hatte der Mann aus Seattle gerade mal zwei Wochen Zeit sich das Material drauf zu schaffen. Da fielen dann auch ein paar Instrumentals wie „Vox Stellarum" unter den Tisch, aber die Sicherheit mit der der neue Mann agiert ist doch erstaunlich. Gerade das Zusammenspiel ist hervorragend, die doppelten Leadgitarren, ohnehin eine der Stärken der Band schlicht atemberaubend. Bei diesen Einlagen standen beide vorne in der Mitte, während Loomis ansonsten optisch noch nicht ganz die Bindung an seine Nebenleute gefunden hatte.

Jene Probleme schien die nun nicht mehr so neue Dame am Mikro nicht zu haben, denn ihr Auftreten war noch selbstbewusster und sicherer als beim Gig auf dem Sweden Rock im Juni. Da dürfte sich das viele Touren in den letzten Monaten ausgezahlt haben, den Alyssa White-Gluz übernahm von Beginn an das Zepter auf der Bühne. Wie eine Wilde gebärdete sich das Energiebündel, war ständig unterwegs und kletterte auch mal gerne auf das Drumkit von Daniel Erlandsson. Sie schrie, sie grunzte, sie fauchte und warf sich dabei in alle möglichen Posen. Leider ging sie nicht so auf das Publikum ein, feuerte dieses zwar an, aber der direkte Kontakt fehlte ein wenig. Allerdings konnte sich die Frontfrau auch auf ihre Erscheinung verlassen, die mit dem zerschlissenen Oberteil und engen Hosen sehr heiß ausfiel.

Ihre Mitstreiter waren zwar ebenfalls sehr aktiv und nutzten den Platz, der sich ihnen nun bot, da eine Schießbude nun weggeräumt war. Dazu kamen ein paar tolle Lichteffekte, bei denen aber vornehmlich das weiße Licht benutzt wurde. Doch die Jungs inszenierten sich mehr, zogen ihre Show durch und wirkten distanzierter als die launigen SODOM zuvor. Das änderte nichts daran, dass sie vom Publikum abgefeiert wurden, die mächtigen Groovewalzen sorgten für entsprechenden Hüpfalarm vor der Bühne.
Im Vordergrund standen die Stücke vom neuen Album „War Eternal", die schon fast genauso gut ankamen wie die Klassiker am Ende. Nur warum sie vom eher schwachen letzten Dreher „Khaos Legions" so viel spielen, während das bärenstarke „Rise Of The Tyrant" außen vor blieb wissen nur Amott und Co. selbst. Nach mehr als einer Stunde war die Stimmung dann am Kochen, die Mischung aus Mitgrölkompatibilität und musikalischem Anspruch beherrscht kaum ein Metalact so gut wie ARCH ENEMY.

Setlist ARCH ENEMY:
War Eternal
Ravenous
My Apocalypse
You Will Know My Name
Bloodstained Cross
Under Black Flags We March
As The Pages Burn
Dead Eyes See No Future
No Gods, No Masters
We Will Rise
Nemesis

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KREATOR
Wer nun dachte, dass es nicht mehr kuscheliger gehen würde, der sah sich schnell eines Besseren belehrt. Zwar konnten nicht mehr Menschen in die Halle strömen, doch wenn sich die Pits ausweiten, dann bleibt woanders weniger Platz. Ganz so groß wie es Mille verlangte, fielen diese nicht aus, aber das sagt nicht unbedingt etwas über die Stimmung aus. Die Fans der Thrasher sind auch schon etwas älter, so dass sich der Kuttenträger das Treiben lieber aus der Distanz ansah und dabei gepflegt die Matte schüttelte.
Vom ersten Ton an herrschte eine Riesenstimmung in der Bude, obwohl alle schon ein paar Stunden Geknüppel in den Beinen hatten. Aber wenn der KREATOR ruft, folgen alle. Es ist schon unglaublich wie groß die Truppe mittlerweile geworden ist. Aber wer so einen Sack voll Hits im Gepäck hat, der kann nichts falsch machen. Schon der Titelsong des Albums, dass ihnen die reine Thrashlehre zurück brachte, klärte alle Fronten. Die Fäuste flogen und spätestens beim Refrain tönte es aus hunderten von Kehlen.

Was die Vier von ihrer Konkurrenz unterscheidet ist vor allem ihre Präsenz. Das wurde heute im direkten Vergleich noch einmal deutlich. Natürlich hat der Headliner die besseren Bedingungen, aber es ist einfach die Ausstrahlung und Power der Musiker die wirkt. Wenn Speesy und Mille im typischen Altenessener Katzenbuckel ihre Moshparts in die Menge prügeln, kommt diese zwangsläufig ins Hüpfen. Lediglich Sami Ily-Sirniö bleibt in der Senkrechten, während er seine feinen Leads zockt, sein Spiel ist ein weiterer Punkt, den seine Jungs Voraus haben. Und natürlich ihr Frontmann, der im jeden einzelnen Zuschauer kämpft, immer sehr engagiert ist und jeden Winkel der Bühne abschreitet. Dazu kommt dieses unfassbare Organ, keiner schreit mit solch einer Inbrunst wie Mille, egal ob in den pathetischen Ansagen oder bei seinem Gesang.

So sehr eine Show der Essener Spaß macht, darf man nicht verhehlen, dass auch viel Business as usual herrscht. Auch wenn man dem Sänger abnimmt, was er mit seinen Ansagen ausdrücken will, ein wenig variieren könnte er da schon. Das habe ich schon beim letzten Mal moniert, womöglich stört das aber auch nicht viele. Ebenso verhält es sich mit der Songauswahl, die sich seit der letzten Tournee kaum verändert hat. Positiv muss man das verstärkte Zurückgreifen auf Material ihres sicherlich stärksten Werks „Enemy Of God" hervor heben. Insgesamt konzentrierte sich die Truppe auf die jüngeren Alben, holt nicht so die Old School-Keule raus wie SODOM.

Zwar kann man sich über neunzig Minuten Spielzeit nicht beschweren, aber wenn man das Publikum schon so früh vom Glühwein losreißt, ist es schade, wenn man am Ende von der Zeit her noch einen Song verschenkt. Wenn man sieht, dass einige Titel nur angespielt wurden und es von „Extreme Aggressions" sowie „Coma Of Souls" nur je einen Song gab, wäre da mehr drin gewesen. Und warum man IRON MAIDEN covern muss, wissen nur die Vier selbst; klar ist die Nummer Kult, aber auch ziemlich abgenudelt. Sorry Mille, so was hast Du eigentlich nicht nötig, Du hast genug tolle eigene Lieder!
Klar kann man das als Jammern auf hohem Niveau einordnen, denn KREATOR liefern wie immer ordentlich ab. Da ich ja schon anmerkte, dass es viele Fans auch nicht stört, ebenso wenig wie eine kleinere Bühnenproduktion als beim letzten Gastspiel. Die Garage kochte auch so, die Anfeuerungen von der Bühne wurden angenommen und in Form von Sprechchören zurück gegeben. Die Enge in der Halle trieb auch viele in die zweite Etage, wo man sich auf Händen nach vorne tragen ließ. Auch hier waren mit der Zeit ein paar bekannte Gesichter auszumachen, die daran viel Freude gefunden hatten. Mit dem obligatorischen Doppelschlag endete ein gelungener Adventsabend im Zeichen der extremen Klänge. (Pfälzer)

Setlist KREATOR:
Violent Revolution
Civilization Collapse
From Flood Into Fire
Enemy Of God
Phobia
Voices Of The Dead
Hordes Of Chaos
Awakening The Gods (Intro)/Endless Pain
Suicide Terrorists
Impossible Brutality
Phantom Antichrist
Pleasure To Kill
Number Of The Beast
Warcurse
People Of The Lie
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Flag Of Hate
Tormentor

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