vorbericht thresholdTiming ist manchmal alles. Und so haben die Organisatoren diverser Konzerte es hinbekommen, dass in Saarland und Umgebung am 06.11. gleich zwei Metalkonzerte stattfinden. Natürlich an dem Tag, an dem THRESHOLD in Aschaffenburg spielen. Und so bin ich dann gezwungen, nach Essen zu pilgern, denn das ist an einem Samstag. Perfekt für ungestresste An- und Abreise. Doch da hab‘ ich den Plan ohne den Verkehr und die Baustellen auf deutschen Straßen gemacht und brauche trotz großzügig bemessenem Spielraum mehr als vier Stunden bis nach Essen, und komme gerade rechtzeitig zum ersten Song von AMICELLI, nee, ANCILOTTI  (warum will ich die eigentlich immer Amicelli nennen? Weil ich Hunger habe?) im Essener Turock an. Womit wir wieder beim Timing wären…


ANCILOTTI

Als ich den Saal betrete, sind die Italiener ANCILOTTI schon mitten im ersten Song. Im Turock ist es noch relativ leer und die Leute halten lieber mal einen Sicherheitsabstand zur Bühne ein. Immerhin sind das ja Italiener. Vielleicht beißen die ja. Da der Einlaß nur 15 Minuten vor dem Beginn angefangen hat, stehen natürlich auch noch einige Leute draußen in der Schlange. So füllt sich der Laden nach und nach und die Band bekommt durchaus mehr als nur Höflichkeitsapplaus zu hören. Mit ihrem mehr oder weniger traditionellen Heavy Metal macht die Band Spaß – der ist aber auch schon rum, bevor er richtig begonnen hat. Nach gerade einmal vier Songs muß der Vierer schon wieder von der Bühne. Das hat sich eigentlich kaum gelohnt. Schade, jetzt war man gerade in Stimmung.

Setlist ANCILOTTI:
-
Devil Inside         
Victims Of The Future    
Warrior          

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THE SILENT WEDDING
Als nächste Band kommt die erste Truppe, die auf der regulären THRESHOLD-Tour dabei ist, zum Zug. THE SILENT WEDDING stammen aus Griechenland und spielen ebenfalls mehr oder weniger traditionellen Heavy Metal. Gespielt werden vor allem Songs vom noch aktuellen Album „Livin Experiments“. Sehr gut kommt das SAVATAGE-Cover „Gutter Ballet“ an, obwohl ich ja gestehen muß, dass ich das auch schon besser gecovert gehört habe. Nachdem ich aber gestern schon CIRCLE II CIRCLE live gesehen habe und die das nicht gespielt haben, ist es eine nette Ergänzung. Mir persönlich ist die Band ja etwas zu übertrieben theatralisch und ich finde auch, daß Sänger Marios K. nun wirklich nicht zu den besten Sängern gehört – aber dem Publikum gefällt es trotzdem so gut, dass später sogar eine Zugabe gefordert wird. Die ist beim eng gestrickten Zeitplan natürlich nicht drin – auch THE SILENT WEDDING durften nur zwischen 25 und 30 Minuten auf die Bühne.

Setlist THE SILENT WEDDING:
To Them             
The Tale of Strahd         
The Return (To Ithaca)         
Gutter Ballet (SAVATAGE-Cover)
Real Temptations        

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OVERTURES
OVERTURES sind die nächste reguläre Vorband der THRESHOLD-Tour. Die Italiener beginnen etwas schwach, können sich dann aber enorm steigern und bieten richtig genialen italienischen Power Metal mit ordentlich Power und Biss und ohne den üblichen Kitsch und das Keyboardgeklimper, das man meist befürchtet, wenn sich die Kombination Power Metal + Italien ergibt. Auch OVERTURES beschränken sich auf Material ihrer aktuellen Scheibe „Entering The Maze“, einzig der letzte Song, „Fly, Angel“ stammt vom Vorgänger „Rebirth“. Die Band macht ihre Sache richtig gut und kann den ganzen Saal mitreißen. Zum ersten Mal kommt wirklich richtig Stimmung auf. Das ändert aber nichts daran, daß auch der Fünfer nach gerade einmal 35 Minuten wieder von der Bühne muß. Immerhin haben sie ein paar mehr Songs als die beiden Bands vor ihnen untergebracht. Trotzdem war das hier eindeutig zu kurz.

Setlist OVERTURES:
The Maze             
Under The Northern Star     
Saviour             
A Different Point of View     
The Oracle             
Fly, Angel           

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TYGERS OF PAN TANG
Die britischen NWOBHM-Urgesteine TYGERS OF PAN TANG sind eigentlich mit eigener Tour unterwegs, heute sind sie nur Co-Headliner. Das bedeutet unter anderem, daß ihr Set kürzer ist, was Fans der Band sicher sehr bedauern. Insbesondere, da das Set vor allem aus alten Songs besteht. Das letzte Album, „Ambush“, wird nur mit einem Song bedacht („Mr. Indispensable“ findet sich später noch in einem Medley), ansonsten konzentriert man sich vor allem auf die Alben „Wild Cat“, „Spellbound“ und „Crazy Nights“ von Anfang der 80er Jahre. Die Songs haben schon über 30 Jahre auf dem Buckel, rocken heute aber noch so gut wie gestern. Die Band zeigt ihre Spielfreude, die sich auch problemlos auf das Publikum überträgt; insbesondere Gitarrist Robb Weir hüpft und springt über die Bühne als wäre er locker 35 Jahre jünger und posiert auch gerne für die Fotografen. Sänger Jacopo Meille sagt fast jeden Song an und findet auch immer einen Bezug der Songtitel zum aktuellen Geschehen, z.B. „Running Out Of Time“, denn das ist man heute wirklich. Bei der Ankündigung von „Don’t Touch Me There“ spielt ein Fan in der ersten Reihe herrlich mit; leider dürften das wohl die wenigsten der Zuschauer überhaupt mitbekommen haben. Doch die Zeit ist nicht auf der Seite der TYGERS, und so müssen sie, sehr zum Missfallen des Publikums, das gerne noch ein paar Songs gehört hätte, sogar das eigentlich geplante „Hellbound“ streichen und früher als ursprünglich vorgesehen von der Bühne gehen. Das ist doch weder für die Band, noch für die Zuschauer eine befriedigende Situation. Aber frei nach dem Motto „besser kurz als gar nicht“ war das doch ein sehr schöner Auftritt, der richtig Spaß gemacht hat.

Setlist TYGERS OF PAN TANG:
Gangland                 
Insanity / Suzie Smiled             
Keeping Me Alive            
Love Don't Stay             
Running Out Of Time             
Raised on Rock                 
Mr. Indispensable / Paris by Air / Euthanasia     
Don't Touch Me There  

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THRESHOLD
Doch jetzt kommt die Band, auf die die allermeisten hier gespannt warten. Der ein oder andere klagt schon über schmerzende Füße, aber ich kann euch sagen: Das ist gleich vorbei. Sänger Damian Wilson räumt noch während des ersten Songs die Bühne auf, bittet Zuschauer, ihre Getränkebecher wegzuräumen und legt Jacken ans hintere Ende der Bühne. Ein bißchen bin ich ja traurig, aber andererseits auch verdammt froh, daß Damian das silberne Sakko aus dem Video zu "Unforgiven" heute nicht trägt. Der Auftritt beginnt verdammt stark mit „Slipstream“ – es gibt Bands, die würden für einen solchen Song töten; THRESHOLD hauen ihn mal eben als Opener raus. Schon bei „The Hours“ gibt es Probleme mit Karl Grooms Gitarre, die jedoch zum Glück schnell behoben werden können. Bei „Ground Control“ scheint sich Drummer Johanne James zu langweilen – er macht Faxen fürs Publikum und übt sich im Brustschwimmen. Und das, ohne daß ein Schlag daneben geht. Bei „Long Way Home“ setzt Damian Wilson zum Stagediven an – doch das Publikum scheint das mit dem „Long Way Home“ etwas zu wörtlich zu nehmen und trägt ihn munter Richtung Ausgang, bis dann Karl Groom mal einschreiten muß: „Hey! Bring him back, please!“ Nö, das macht keiner, Damian muß sich schon den Weg durchs Publikum selber suchen. Macht aber nix, denn der Mann ist heute wieder einmal ausgesprochen kontaktfreudig und unternimmt während des Auftritts noch so manchen Ausflug ins Publikum. Das ist meistens freiwillig, kann aber auch schon mal unfreiwillig sein, wenn die fiese Monitorbox keinen Bock mehr hat, als Tritthocker zu fungieren. Damian Wilson steht keine Sekunde still, läuft die ganze Bühne ab – da kommt es natürlich auch mal zu Verlusten und so muß das Bier eines besonders uneinsichtigen Fans irgendwann dran glauben und rinnt munter über die Bühne, die dann von Damian höchstselbst trockengewischt wird – während er natürlich trotzdem weiter singt. Naja, das ist wohl „Part Of The Chaos“. Die Stimmung im Essener Turock ist jetzt auf dem Höhepunkt, „Pilot In The Sky Of Dreams“ wird begeistert mitgesungen. Da kommt das Ende des Auftritts viel zu schnell, man ist überrascht, als Damian schon den letzten Song ankündigt. Gut, das ist „The Box“ und dauert gut 12 Minuten - aber trotzdem. Immerhin gibt es mit „Turn To Dust“ und „Ashes“ noch zwei Zugaben, nach denen sich die Band noch einmal ordentlich feiern läßt, bevor sie sich per Handschlag von den Fans verabschiedet. Bis auf Damian – der geht mal wieder seinem Hobby Stagediven nach und wird, an der Empore angekommen, auch noch dort hinaufgezogen. Von dort wieder runter ins Publikum zu springen, traut er sich dann aber doch nicht. Ist vielleicht auch besser so für alle Beteiligten. Der Auftritt von THRESHOLD hat so richtig Spaß gemacht, die Band hat von Anfang bis Ende absolute Spielfreude und Begeisterung ausgestrahlt, was sich auch aufs Publikum übertragen hat. Leider war der Auftritt nur einfach viel zu kurz.

Setlist THRESHOLD:
Slipstream                 
The Hours                 
Liberty, Complacency, Dependency     
Ground Control             
Unforgiven                 
Long Way Home             
Part Of The Chaos             
Lost In Your Memory             
Watchtower On The Moon         
Pilot In The Sky Of Dreams         
Mission Profile                 
The Box                 
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Turned To Dust             
Ashes                     

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Und das ist auch das größte Manko dieses Konzertabends. Zwar hatten THRESHOLD, schaut man sich im Internet so um, ihr Set im Vergleich zu anderen Konzerten der Tour nicht gekürzt,  aber vor allem die TYGERS OF PAN TANG mußten ihr Set ordentlich zusammenstreichen. Ich bin kein Fan von diesen Konzertabenden mit fünf oder gar noch mehr Bands. Man steht einfach nur stundenlang rum, muß unzählige Umbauzeiten über sich ergehen lassen und am Ende hat man eigentlich keine Lust mehr. Man muß hetzen, um hinzukommen, weil diese Konzerte entsprechend früh anfangen und man muß hetzen, um heimzukommen, weil die Konzerte spät zu Ende sind.

Ich finde es auch immer schade, wenn eine Band noch keine 30 Minuten auf der Bühne steht und mehr Zeit für Auf- und Abbau braucht als für das Spielen selbst. Das ist doch ein sehr undankbarer Job. Und der Headliner trifft dann auf ein müdes Publikum. Im Grunde ist das eine Lose-Lose-Situation. Der einzige, der hier ein Win erreicht, ist wohl der Veranstalter. (Anne)

 

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