ZZ-Top-live 2014Sie sind Kult, sie gehören zum Rock´n´Roll fast so untrennbar dazu wie Gitarre, Bass und Schlagzeug, die Texasbärte von ZZ TOP. Ob mit ihrem kauzigen Bluesrock in den Siebzigern oder den dicken Produktionen der Achtziger, sie fanden stets den richtigen Ton und musizieren nun schon seit Ende der Sechziger in unveränderter Besetzung. Zwar wurde es in den letzten Jahren stiller um sie, doch ein paar kleine Touren auf dem alten Kontinent genügten als Lebenszeichen. Umso überraschender hauten sie vor knapp zwei Jahren mit "La Futura" ihr bestes Album seit mindest zwanzig Jahren heraus. Dass die Tour dazu erst jetzt erfolgt, ist weniger störend, in der Wüste mahlen die Mühlen ein wenig langsamer und dem Business unterordnen müssen sich die Drei ohnehin nicht mehr. Nachdem sie 2002 die Bühne des E-Werk unsicher gemacht hatten, beehrten sie nun erneut die saarländische Landeshauptstadt. Bei ihrem Gig in der Saarlandhalle wurde sie von der BEN MILLER BAND begleitet.

BEN MILLER BAND
Viele Gerüchte rankten sich um diese Band, seit bekannt wurde, dass sie den Supportact für ZZ Top machen werden. Aber man wurde schnell eines Besseren belehrt, denn wie sich herausstellte, war es eben nicht diese oder jene Band, die man vermutete, sondern einfach nur eine verdammt gute Band aus Missouri, die den Sound der Rednecks hochleben lässt.
Bewaffnet mit mehreren verschiedenen Instrumenten fangen die Südstaatler pünktlich um 19 Uhr mit ihrem Set an.

Drei Leute an verschiedenen Instrumenten, meist handgemacht und unmodern. So stehen neben dem Minimal-Schlagzeug nur noch der „Fass-Bass" plus Hocker parat sowie ein weiterer für Bandkopf Ben Miller, der mal mit abgeranzter Akustikgitarre, mal mit „Cigar Box"-Gitarre bewaffnet seine geschmeidige und dennoch kraftvolle Stimme begleitet. Das bärtige Trio bedient sich jedoch verschiedener weiterer Instrumente wie Mundharmonika, Posaune und dem klassischen Waschbrett. Dieses wird von verschiedenen Effekten aufgepeppt, was dem traditionellen Hillbilly-Instrument etwas seinen Glanz nimmt. Aber ebenso geschickt bedient Doug Dicharry auch die „electronic spoons", das akustisch abgenommene Löffelinstrument.

Grob lässt sich die Musik in die Rock-, Blues- und Westernecke packen, aber die BEN MILLER BAND setzt immer noch gerne einen drauf und macht ihr eigenes Ding. Die Stimmung war auf jeden Fall schon direkt zu ihrem Bonanza-Intro sehr gut und zeigte sich in frenetischem Applaus des überwiegend älteren Publikums. Bis auf den Schluss-Song „Black Betty", der gelinde gesagt nicht gerade gelungen erschien, waren die Songs des Dreiers allesamt sehr abwechslungsreich und mitreißend. Die Band bedankte sich dafür mehrfach und war sichtlich erfreut, dass ihr Traum nun in Erfüllung ging. Da bleibt die Frage, ob ZZ TOP das noch toppen können. (Jochen)

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ZZ TOP
Nachdem die Jungs aus Missouri überraschend gut angeheizt hatten, stieg natürlich die Spannung deutlich, während das ungewöhnliche Instrumentarium von der Bühne geräumt wurde. Erzeugten Ben Miller und seine zwei Kumpanen damit auf sehr minimalistische Weise ihre Klänge kamen mit dem Trio nun die wahren Meister des Minimalismus. So simpel, so trocken kommt keine andere Band auf den Punkt und kann damit so viel Wirkung erzeugen. Völlig egal, wenn auch der Auftakt vorhersehbar war, doch warum sollte man diesen ändern, wenn man damit sein Publikum sofort am Haken hat.
Man kann diverse Setlists von ZZ TOP durchgehen, in den letzten Jahren ist dieses Triple Standard und besser kann man nicht eröffnen. Oder doch, wie der Abend zeigte, als sie direkt noch einen ihrer ganz große Hits einschoben, und sie die Menge endgültig abfeierte. Für Saarbrücker Verhältnisse war das schon fast Euphorie, so einen Publikumschor habe ich in der Stadt schon seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt. Und so sollte es auch weitergehen, auch nicht ganz so bekannte Nummern sorgten für lautstarke Reaktionen der mehr als 3000 Anwesenden.

Dabei lässt es die Band auf der Bühne eher ruhig angehen, oder sagen wir besser lässig. Große Gesten oder irgendwelches Gehabe war noch nie das Ding ihres bodenständigen Auftretens, ebenso wenig großartig viel Bewegung auf der Bühne. Die wäre heutzutage auch aufgrund der nicht gerade wenigen Lebensjahre ohnehin eingeschränkt. DaSs sie nicht mehr die jüngsten sind war Billy Gibbons und Dusty Hill anzusehen, und auch das Equipment gab Hinweise darauf. Wo sonst die Backline steht, waren bei ZZ TOP mehre Klimageräte aufgereiht, damit es den Herren nicht so heiß wurde. Da stellt sich die Frage, ob sie dies tun, weil sie es wirklich brauchen oder weil sie es einfach können.
Immerhin hätten sie sich auch luftiger kleiden können, statt in schwarzen Jacken - mit schwarzen Kreuzen. Dazu kamen mehrere Kopfbedeckungen, Bandana, Mütze, Stetson übereinander, was wiederum bei Hill rätseln ließ, ob die Haare nun echt sind oder nur irgendwo angeklebt. Sein Partner an der Sechssaitigen hatte noch etliche Klunker umhängen, unter anderem Sporen, die er wohl seinem Kumpel am Bass von dessen Boots gestohlen hat. Schräge Vögel waren die beiden ja immer, viel war nicht von ihnen zu sehen, die Sonnenbrillen blieben die ganze Zeit auf und durch die Bärte fiel schon ewig kein Licht mehr.
Die beiden Leinwände rechts und links vom Drumkit bildeten so auch die einzigen Showelemente. Da gab es natürlich die legendären Videos aus ihren Hochzeiten in den Achtzigern - und noch mehr heiße Bräute, ach ja, und Kakteen. Ihre Show lebt von den kleinen Gesten, den typischen ulkigen Verrenkungen, die auch in ihren Clips zu sehen sind. Die beiden Frontleute feierten sich immer wieder gegenseitig ab und präsentierten nur gerne den Solospot des anderen. Hier wurde das blinde Verständnis zwischen den Zweien, die sich seit 45 Jahren die Bühne teilen, offensichtlich, hier greift eins ins andere, alles läuft so gut geölt wie der Motor ihres Hot Rod.

Das galt auch für den Sound, der bei der "Lil´ Ole Band From Texas" dicker ist als bei ihren Kollegen. Wo andere Südstaatler drei Äxte brauchen, benötigte Billy Gibbons nur seine rote, reichlich verzierte Gibson. Dieser entlockte er dampfende, druckvolle Bluestöne, die gerade in ihrer Schlichtheit so kraftvoll wirkten. Sein Solospiel war ebenso geschmackvoll wie beseelt, vor allem bei den ruhigen Stücken ließ er sein unglaubliches Feeling durchscheinen. Dabei ist ihr Texas Blues einer der lauteren Sorte, der immer den direkten Weg zu Hörer sucht. Sein Nebenmann untermauert diese treibenden Riffs noch mit seinen Tönen aus seinem Linkshänder-Fender Bass. Interessanterweise wechselten die beiden ihre Arbeitsgeräte bis zum letzten Song des regulären Sets nicht, obwohl sie normalerweise über eine schöne Sammlung edelster Instrumente verfügen. Verzichten konnte man dann aber dennoch nicht auf die mit Plüsch überzogenen Gitarren, die einmal mehr den sehr gewöhnungsbedürftigen Humor der Texaner belegten.

Hinter den beiden saß auch noch Frank Beard, der den Bart nur im Namen trägt und mit seinen Grooves die Stücke richtig antrieb. Ob nun mit klassischen, lässigen Bluesrhythmen oder den fast discomäßigen Beats der Achtzigerhits, der Mann beherrschte beides perfekt. Seine Toms waren zwar mit viel Hall ein wenig steril abgenommen, doch gerade seine Beckenarbeit rockte amtlich. Neben der supertighten und absolut überzeugenden Bandleistung war es natürlich das Hitfeuerwerk, welches die Saarlandhalle zum Beben brachte. Selbst die neuen Stücke fügten sich nahtlos ein und kamen teilweise erfrischender rüber als so mancher Standard.
Ich weiß, dass das im Blues durchaus dazu gehört, aber bei so einer Anzahl eigener Kracher hätte man sich vielleicht eines der drei Cover schenken können, zumal "Sleeping Bag", "Tube Snake Boogie" und vor allem "Beerdrinkers And Hellraisers" vermisst wurden. Oder diese zusätzlich noch einbauen, ein wenig mehr als 85 Minuten hätte Saarbrücken sicherlich vertragen, aber wer so ohne Umschweife auf den Punkt kommt, dessen Songs sind eben nicht die längsten. Dafür sind sie die coolsten, wie auch ihre drei Interpreten, das ideale Kontrastprogramm zur bevorstehenden heißen Phase der Fußball-WM wurde am Ende verdient mit Ovationen bedacht. (Pfälzer)

Setlist ZZ TOP:
Got Me Under Pressure
Waitin´ For The Bus
Jesus Just Left Chicago
Gimme All Your Lovin´
I´m Bad, I´m Nationwide
Pincushion
I Gotsta Get Paid
Flyin´High
Foxy Lady
Catfish Blues
My Head´s In Mississippi
Cheap Sunglasas
Chartreuse
Sharp Dressed Man
Legs
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La Grange/Sloppy Drunk Jam
Tush
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Jailhouse Rock

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