live 20140422 05Wenn die Speerspitze des finnischen Symphonic Metal mal in der Stadt ist, lasse ich mich nicht lange bitten und schaue mir das Spektakel gerne an, schließlich genießen SONATA ARCTICA den Ruf einer exzellenten Live-Band. Also habe ich mich um kurz vor 20 Uhr in der leider nicht einmal zur Hälfte gefüllten Garage in Saarbrücken eingefunden, um mir die Jungs zum für mich dritten Mal anzusehen.

TRICK OR TREAT
Pünktlich um 20 Uhr ging dann das Licht aus und die fünfköpfige Vorgruppe TRICK OR TREAT aus Italien betrat die Bühne. Wenn man die Website der Band konsultiert, erfährt man, dass Gitarrist Luca Cabri die Gruppe 2002 als Tribute-Band für HELLOWEEN gegründet hat. Für mich ist diese Information keine große Überraschung, denn schon beim ersten Song war mein erster Gedanke: "Das klingt wie HELLOWEEN oder RHAPSODY gegen Ende der Neunziger, nur nicht so virtuos." Das fasst den gesamten Auftritt von TRICK OR TREAT eigentlich ziemlich gut zusammen - geboten wurde recht anspruchsloser und angestaubt wirkender Power Metal, wie er Ende der Neunziger von allen Seiten zu hören war.

Versteht das nicht falsch, TRICK OR TREAT haben ihre Sache als Vorgruppe wirklich gut gemacht - nämlich das Publikum in Stimmung zu bringen und für den Main Act des Abends anzuheizen. Mit einer ordentlichen Portion Humor und Selbstironie hat die Truppe aus Italien eine unterhaltsame Warm-Up-Show geboten und wohl auch einigen Leuten im Publikum einiges an Spaß bereitet, klares Highlight war hier definitiv eine Coverversion von CYNDI LAUPER's "Girls just want to have fun". Aber insgesamt war der Auftritt nach sechs Songs kein großes Spektakel - sehr lustig war es aber definitiv, den Sänger mal mit weißen Plüsch-Pfoten, mal mit rosa Aufblasgitarre über die Bühne springen zu sehen. Insgesamt gut vorgeheizt und unterhaltsam.

Bedauerlicherweise war auch der Sound, vorsichtig formuliert, nicht gerade vorteilhaft für die Band - jede Menge Geknarze und Gestampfe haben mir die Sache nicht gerade schmackhafter machen können. Nach den ersten Songs wurde es dann etwas besser, aber der Gesang ging immer noch ziemlich unter und die Gitarren waren auch eher zurückhaltend abgemischt, die Drums haben leider fast alles überstampft.

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SONATA ARCTICA
Nach kurzer Umbaupause ging dann pünktlich um 21 Uhr das Licht zum zweiten Mal für diesen Abend aus und unter großem Jubel und Applaus des Publikums betraten die finnischen Obersympathen von SONATA ARCTICA zu den Klängen ihres Intros die Bühne und legten gleich mächtig mit "The Wolves Die Young" und gleich im Anschluss mit "Losing My Insanity" los. Das Publikum war gleich von Anfang an gut motiviert und ging entsprechend mit, die Arme schossen in die Höhe und man sah den Jungs auf der Bühne an, dass sie richtig Bock hatten. Wer schon einmal das Vergnügen mit SONATA ARCTICA hatte, der weiß auch, dass diese Band einfach immer hundertprozentige Spielfreude und Einsatzbereitschaft mitbringt, so auch an diesem Abend.

Sänger Tony Kakko zeigte wieder einmal, warum er einer der besten Fronter im Metal ist und demonstrierte nicht nur stimmlich überragendes Können, sondern auch im Bereich Stage Acting. Auch die restliche Band demonstrierte herausragendes Können, allen voran Gitarrist Elias Viljanen und Keyboarder Henrik Klingenberg, die im Genre ganz klar zu den Besten ihres Faches gehören.

Das klare erste Highlight der Setlist dieses Abends war dann als siebter Song "What Did You Do In The War, Dad?" vom neuen Album "Pariah's Child", dicht gefolgt vom Klassiker "Fullmoon", der vom Publikum ordentlich gefeiert wurde. Nach "X Marks The Spot" folgte eine sehr ruhige Verschnaufpause in Form der großartigen Ballade "Tallulah" vom zweiten Album "Silence". Das war bereits ein wahrer Gänsehautmoment dieses Abends, es sollte aber nicht der letzte sein. Denn was folgte, war ein absoluter Kracher, und jetzt verzeiht mir bitte wenn ich jegliche Objektivität über Bord werfe - die meiner Meinung nach ultimative Hymne der Band, "White Pearl, Black Oceans" wurde in einer fantastischen Version ungekürzt und absolut genial live zelebriert, wie es sich für einen Song dieser Dimension gehört. Ich für meinen Teil wäre hier am liebsten auf die Bühne gestürmt und hätte die gesamte Band kollektiv umarmt, handelt es sich doch schließlich um mein absolutes Lieblingslied von Kakko und Co. Einfach großartig!

Überhaupt zeigten sich die Finnen den ganzen Abend über von ihrer besten Seite. Man merkt einfach, dass die Jungs, mit Ausnahme des neuen Bassers Pasi Kauppinen, schon ewig zusammen unterwegs sind und hier einfach alles blind aufeinander abgestimmt ist. Apropos Bass: es ist ja oft so, dass es manchmal etwas holprig wird, wenn ein langjähriges Mitglied eine Band verlässt und dafür jemand Neues dazu stößt - davon kann hier keine Rede sein. Pasi spielt bei SONATA ARCTICA mit, als hätte er nie etwas anderes gemacht und passt perfekt zum Rest der Band, soweit man es vom Zuschauer-Standpunkt beurteilen kann. Nach "I Have A Right", "Kingdom For A Heart" und "Wolf & Raven" war das reguläre Set dann auch zu Ende, die Band verließ die abgedunkelte Bühne.

Nach begeistertem Applaus und frenetischen "Zugabe"-Rufen des Publikums ließ man sich aber nicht lange bitten und kehrte nach wenigen Minuten wieder zurück, um mit "Blood" und "San Sebastian" noch zwei Zugaben zu liefern und den Abend dann mit dem bisher sicher von allen vermissten "Don't Say A Word" krachend enden zu lassen. Selbstverständlich aber nicht ohne das schon obligatorische "Vodka", das natürlich vom gesamten Publikum mitgesungen wurde. Unter donnerndem Applaus und lautem Jubel verneigten sich die Herren dann natürlich noch und Sänger Tony zeigte uns allen mit seiner Gestik und Mimik ganz deutlich, dass er alle am liebsten umarmt hätte. Insgesamt war es also sowohl für das Publikum als auch für die Band wohl ein gelungener und großartiger Abend. Einziger Wermutstropfen: der Sound, der schon bei TRICK OR TREAT nicht gut war, verbesserte sich leider nur geringfügig, so dass auch SONATA ARCTICA unter viel zu lauten Drums, schlecht abgemischten Gitarren und Keys und einem viel zu leisen Gesang zu leiden hatten. Sehr schade, denn von vorherigen Konzerten in der Garage weiß man bereits, dass das auch erheblich besser klingen kann. So bleibt ein gelungener, sehr guter und emotionaler Gig, der einem vom miesen Sound ein bisschen verdorben wurde. Insgesamt hat es sich aber doch gelohnt. (Dennis)

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Setlist SONATA ARCTICA:
Intro
The Wolves Die Young
Losing My Insanity
My Land
Black Sheep
In The Dark
What Did You Do In The War, Dad?
Fullmoon
X Marks The Spot
Tallulah
White Pearl, Black Oceans
I Have A Right
Kingdom For A Heart
Wolf & Raven
-------------------
Blood
San Sebastian
Don't Say A Word
Vodka
Outro

Alle Bilder von Maik.

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