scorpionchild-tour-eu-2014Nachdem ich SCORPION CHILD bereits in Trier, zusammen mit ORCHID und den BLUES PILLS sehen konnte, haben es die Texaner am 10. April auch in den Kleinen Klub der Garage geschafft. Mit dabei sind die Schweden HORISONT und die Australier JACKSON FIREBIRD. Beide Vorbands stellten sich als sehr gute Wahl heraus. Zusammen mit SCORPION CHILD wurde dem Publikum ein wirklich wertiges Paket präsentiert. Einen kleinen Wermutstropfen gab es dennoch, aber dazu später mehr.

JACKSON FIREBIRD

Pünktlich um 19:30 Uhr begeben sich die beiden Australier auf die Bühne und steigen mit dem ersten Knaller „Goin Out West" in ihr Set ein. Moment, die beiden Australier? Bestehen JACKSON FIREBIRD also nur aus zwei Personen? Richtig gelesen, so verwunderlich dies auf den ersten Blick klingen mag, viel bemerkenswerter ist das, was die beiden Herren auf der Bühne zustande bringen. Schlicht als „Cock-Rock" betitelt stellt sich nämlich bereits nach dem ersten Song heraus, dass man hier wesentlich mehr erwarten kann! Gitarrist Brendan Harvey steht links vom Schlagzeug und hinter den Drums sitzt... niemand. Denn Drummer Dale Hudak sitzt links daneben und bearbeitet zwei vor sich liegende „Kisten"! Dazu wird über ein Mikro gesungen, das mittels Megaphon verstärkt wird. Wo gibt es denn sowas? Allein damit ziehen JACKSON FIREBIRD bereits die Aufmerksamkeit auf sich, nachdem dann noch ihre Musik einsetzt, gibt es kein Halten mehr. Hier passt einfach alles, eine rundum perfekte 2-Mann-Show. Während des Konzertes entpuppen sich die beiden Australier zudem als sehr unterhaltsame, humorvolle Typen, die sich keinen Gag verkneifen. Drummer Dale bearbeitet seine Drums außerdem bevorzugt ohne Schuhe, und die Solos von Brendan sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Soviel Energie erlebt man selten auf der Bühne! Musikalisch bieten die Jungs einen sehr interessanten Mix, von klassischem Rock bis hin zu Alternative Metal der Marke RAGE AGAINST THE MACHINE fahren die Jungs ein richtiges genreübergreifendes Feuerwerk auf. Bitte mehr davon! Eine ausführliche Albumkritik folgt. Schade nur, dass nach 45 Minuten mit der Sirene des Megaphons bereits Schluss ist. Vorhang auf für HORISONT.

Setlist JACKSON FIREBIRD:
Goin Out West
Can Roll
Monkey
Little Missy
She Said
Quan Dang
Hey Ho
Sweet Ela
Cock Rockin
Shake The Break

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HORISONT

Nach diesem guten Auftakt haben es die Schweden wirklich schwer zu fünft auf der kleinen Bühne eine gute Figur abzugeben. Dementsprechend wirkt der Auftritt im Vergleich zu JACKSON FIREBIRD eher unspektakulär. Dennoch spielen HORISONT ein wirklich gutes Konzert, welches auch dem Rest des Publikums gut gefällt. Dennoch mag sich während des gesamten Sets die Energie der Band nicht wirklich auf die Fans übertragen. Dabei wirkt Sänger Axel auf der doch recht kleinen Bühne etwas verloren. Große Gesten wie später bei SCORPION CHILD hätten hier sicherlich wahre Wunder bewirkt, auch der Kontakt zum Publikum wirkt recht distanziert. Glänzen HORISONT nicht durch ihre Show, so tun sie dies durch ihre Musik! Denn diese kann sich sehen lassen. Ich selbst hatte bisher über die Band mehr gelesen als gehört, was sich nun aber wohl ändern wird. Musikalisch in dem Rock der 70er verankert, erinnert mich die Band zum Teil etwas an JUDAS PRIEST zu „Rocka Rolla"-Zeiten. Hohe Töne sind für Sänger Axel kein Problem, sein STATUS QUO-Backpatch zeigt zudem deutlich, wo die Reise hingeht. Musikalisch sind HORISONT an diesem Abend wohl die interessanteste Band. Anspruchsvolle Riffs und komplexe, melodietragende Solos lassen das Musikerherz höher schlagen. „Nightrider" stellt gegen Ende des Sets dabei den Höhepunkt dar. Auffallend ist außerdem der gleichartige Kleidungsstil der Band, welcher ganz klar an die 70er erinnert. Drummer Pontus trägt z.B. ein Oberteil mit Blumen! Nach 45 Minuten ist auch für HORISONT Schluss und die Fans bereiten sich für SCORPION CHILD vor.

Setlist HORISONT:
Wolf
Unseen
On the Run
Du Röde
Writing on the Wall
Second Assault
Crusaders
Time Warrior
Just Ain't Right
(Dio cover)
Visa Vägen
Nightrider
Eyes of the Father

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SCORPION CHILD

Gegen 21:30 Uhr startet die Band mit dem Opener „I Might Be A Man" ein wenig holprig in ihr Set. Beim darauf folgenden „Liquor" hingegen haben die Texaner das Publikum bereits voll im Griff. Was unter anderem an dem unglaublichen Charisma von Sänger Aryn Jonathan Black liegt. SCORPION CHILD schaffen es direkt zu Beginn eine ganz besondere Atmosphäre aufzubauen, die jeden sofort in ihren Bann zieht. Dennoch fehlt beim Livesound der Band die zweite Gitarre, eventuell sollte sich die Band doch noch nach einem weiteren Gitarristen umschauen. Der Sound ist zwar nicht schlecht, aber weniger druckvoll als beim letzten Mal (Anm. d. Red.: die Band hat sich von ihrem ehemaligen Gitarristen getrennt und dazu entschieden, diesen vorerst nicht auszutauschen). Zudem fehlen natürlich diverse Parts, welche es auf der Platte zu hören gibt. Besonders schmerzlich fühlt sich dabei das Solo bei „Antioch" an, welches nun gar nicht mehr vorhanden ist. 

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Nach dem zweiten Song klärt Sänger Aryn das Publikum außerdem über den Ausstieg von Basser Shaun auf. Dieser habe sich vor zwei Tagen dazu entschlossen, nie wieder Musik zu machen. Allerdings hat die Band aus ihrem Tourtross insgesamt zwei Personen am Bass trainiert. Dadurch können die restlichen Konzerte wenigstens stattfinden. Auch wenn die Band dafür eine kürzere Spielzeit von nur 60 Minuten aufbringt (der eingangs erwähnte Wermutstropfen), macht sie aus der Situation das Beste. Bis auf ein paar kleinere Änderungen und Spielfehler fällt der fehlende bzw. sporadische Bassist nicht weiter auf. Ich für meinen Teil bin froh darüber, dass sich die Band zu dieser mutigen Entscheidung durchgerungen hat. Die Atmosphäre an diesem Abend ist jedenfalls genauso umwerfend wie zuletzt. Die treibenden Riffs von „Salvation Slave" oder auch „The Secret Spot" animieren zum Mitmachen und lassen die ersten Reihen ordentlich mittanzen. Mr. Black geht dabei immer wieder auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe und animiert zum Mitklatschen. Als er um einen Jägermeister bittet, bekommt er diesen auch prompt von einem Fan gereicht. Im Gegenzug erhält dieser das Angebot als „Jägermeister-Guy", die Band für den Rest der Tour zu begleiten. Ob daraus allerdings was wurde ist mir unbekannt. Bei „Kings Highway" singt das Publikum lautstark mit, und Aryn hält das Mikro der ersten Reihe mehrmals zum Mitsingen hin, bevor er gegen Ende des Songs dann noch einmal kurz in die Menge abtaucht.
Als letzten Song präsentiert die Band noch den Bonustrack „Keep Goin" von ihrem Debütalbum, welcher rein vom Titel her wohl sehr passend für ihre aktuelle Situation ist. Zum Abschluss entschuldigt sich die Band noch einmal beim Publikum für die Umstände, bedankt sich für das Verständnis und verspricht fürs nächste Mal eine zweieinhalbstündige Show. Diese Entschuldigung nimmt das Publikum ohne zu murren an, schließlich hat die Band alles gemacht, damit der Abend unvergesslich wird. Und auch in diesen 60 Minuten haben SCORPION CHILD ein weit besseres Konzert gespielt als manch andere Bands.

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Ein rundum gelungener Abend mit dem kleinen Wermutstropfen, dass SCORPION CHILD leider ein relativ kurzes Set spielen mussten, dafür aber ein sehr energiegeladenes. Die Band hat wirklich das Beste daraus gemacht. Hinzu kommt noch, dass das Gesamtpaket an diesem Abend gestimmt hat, was heute auch eher selten der Fall ist. Bleibt zu hoffen, dass SCORPION CHILD ihr Besetzungschaos wieder in den Griff bekommen und dann, wie versprochen, nächstes Jahr wieder kommen und zweieinhalb Stunden spielen. (Pascal)

Setlist SCORPION CHILD:
I Might Be A Man
Liquor
Secret Spot
Salvation Slave
In The Arms Of Ecstasy
Antioch
Kings Highway
Polygon Of Eyes
Keep Goin

(Alle Fotos von Pascal)

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