freedomcall tourflyerTrotz des vielen Gegenwindes haben sich die Franken nie beirren lassen und sind konsequent ihren Weg gegangen. So haben es FREEDOM CALL auf mittlerweile acht Studioalben gebracht, wovon vor allem das brandneue "Beyond" wieder voll überzeugen konnte. Mit dem sind die Powermetaler auf Europatour, auf welcher sie im Aschaffenburger Colos-Saal Station machten. Vor allem live konnte man kaum Kritikpunkte an Chris Bay und seinen Mannen finden, weswegen man sehr gespannt sein durfte. An dem Abend wurde ein feines deutsches Metalpaket geschnürt, neben den ebenfalls schon altgedienten AT VANCE begleiteten die Youngster VICTORIUS den Tross.

VICTORIUS
Und die hatten gerade losgelegt, als der Verfasser dieser Zeilen den bereits gut gefüllten Club im Herzen der Altstadt betrat. Was da schon zu vernehmen war, war die unbändige Power, mit welcher die Fünf ihren Stahl durch die Boxen jagten. Und die mussten schon zu früher Stunde Schwerstarbeit leisten, denn der Lautstärkepegel bewegte sich im oberen Bereich. Dennoch war das ganz sehr ausgewogen abgemischt und erzeugte viel Druck.
Doch das war nicht die einzige Trumpfkarte, mit der VICTORIUS glänzen konnten. Denn alleine eine hohe Lautstärke reicht nicht aus, um den Hörer direkt auf seine Seite zu ziehen, da muss auch das entsprechende Songmaterial her, und das hatten die Leipziger in Form von "Black Sun" oder "Starfire". Hier hieß es fast die ganze Zeit Vollgas, aber das mit Klasse, denn die Melodien gingen sofort in Ohren, Bein und Nacken. Zwar bietet man nichts Neues, aber die Lieder erwiesen sich als sehr schmissig und eingängig.

Natürlich wurden hier sämtliche Klischees bedient, aber eben auch jenes, dass man mit der Mucke großen Spaß haben kann. Die Truppe legte vor, und ging sehr engagiert zu Werke. Vor allem spielerisch hatte man schon eine gewisse Reife vorzuweisen, weswegen das Zusammenspiel auch geschlossen rüber kam. Zwar waren nicht alle Musiker selbstsicher in ihrem Auftreten, Frontmann David Baßin jedoch gab schon einen guten Showman ab. So poste er die ganze Zeit, suchte den Kontakt zum Publikum und wies schon eine gewisse Ausstrahlung auf.

Neben ihm verdienten sich vor allem Leadgitarrist Dirk Scharsich und Schlagzeuger Rene Wähler besondere Aufmerksamkeit. Scharsich brillierte in einigen Läufen wie ein Großer und der Drummer trieb die Jungs so richtig nach vorne. Ständig die DoubleBass durchgetreten, haut er dennoch eine ganze Reihe knallige Breaks in die Menge, was den Songs viel Dynamik verlieh. Doch es war vor allem die frische Power, welche die Jungs versprühten, die sofort auf das Publikum überging. Diese Unbekümmertheit steckte einfach an, und so war es nicht verwunderlich, dass Am Ende alle Hände nach oben gingen.

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AT VANCE
Als die deutschen mit dem schwedischen Frontmann anfingen, war ich noch oben beim Interview mit Chris Bay, welches hier demnächst nachzulesen ist. Nach drei oder vier Titeln stellte ich fest, dass die Stimmung weiterhin gut ist, aber nicht unbedingt ausgebaut werden konnte. Die Truppe um Gitarrist Olaf Lenk sucht ihr Heil eher ausgereiften Songstrukturen und sehr feinem, abgeklärten Spiel, als in jugendlichem Elan. Da können sie schon augrund ihres Alters nicht mithalten.
Ein wenig zu routiniert absolvierten AT VANCE ihre Performance, viel Bewegung war da nicht zu sehen. Chris Hill bangte zwar die ganze Zeit und ließ seinen Viersaiter dabei kreisen, hielt aber die ganze Zeit die Position links auf der Bühne. Das letzte verbleibende Gründungsmitglied brillierte eher mit variablen Riffs, starken Soli und einer sehr sauberen Technik, aber den letzten Funken brachte auch er nicht zum Zünden.

Somit war es an Rick Altzi die ganze Show zu tragen, was sich als recht schwierig heraus stellte. Mit seinen witzigen Ansagen konnte er teilweise punkten, doch auch wenn er den Kontakt zum Publikum suchte, der große Entertainer ist er nicht. Dafür war er stimmlich in umso besserer Form und veredelte das sehr ansprechende Songmaterial noch mehr. Da war es schon bezeichnend, dass ausgerechnet der hinter seinem Kit wirbelnde Kevin Kott den größten Blickfang darstellte.
Von der Songauswahl her legte man den Schwerpunkt auf die Hochphase der Band zu Beginn des Jahrtausends, als sie vor dem Durchbruch stand, aber sich nie ganz durchsetzen konnte. Vom aktuellen Album "Facing Your Enemy" gab es lediglich den Titelsong, dafür viel Abwechslung. "Take Me Away" ging ordentlich nach vorne los, "Only Human" sah die größten Publikumschöre bis dahin, "Heart Of Steel" sorgte für Drama und der Showstopper "Dragonchaser" für MALMSTEEN-Flair.
Das alles bei dem schon beim Opener zu lobenden Sound, der den ganzen Abend vorherrschte. Für klassischen Power Metal ist diese direkte und dennoch transparente Abmischung ideal. Nur dass die Keyboards alle von der Konserve kamen, störte ein wenig, auch wenn sich ein fester Tastenmann eher gelangweilt hätte. Musikalisch auf alle Fälle eine ansprechende Show, die mit viel Applaus bedacht wurde.

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FREEDOM CALL
Derart gut aufgeheizt konnte der Headliner im inzwischen gut vollen Saal nichts mehr falsch machen, zumal sie die Stärken der beiden Vorbands in sich vereinen. Auf der einen Seite beeindrucken sie mit einer enormen Spielfreude, auf der anderen mit griffigen und dennoch ansprechenden Songs. Klar, dass die neue Scheibe im Vordergrund steht, doch der Rest ist ein super Querschnitt durch die komplette Diskographie. Lediglich vom schwächsten Dreher "Dimensions", der auf den letzten Touren immer zum Zuge kam, gab es kein Stück. Aber schon alleine anhand der bärenstarken Setlist waren das sehr unterhaltsame 105 Minuten, die da kommen sollten.

Es war einfach das gesamte Auftreten der Band, welche dieses Konzert zu etwas Besonderem machte, den die Jungs präsentierten sich als Einheit. Der Sänger wurde nicht müde zu erwähnen, wie sehr er es genießt in der aktuellen Besetzung zu spielen, und wenn man das Miteinander auf der Bühne sah, konnte man seinen Worten Glauben schenken, das Bandgefüge wirkte sehr eng. Überhaupt kommen FREEDOM CALL authentisch rüber, und sind kein Klischeeprodukt, wie ihnen immer wieder vorgeworfen wird. Es wird ständig welche geben, die diese Happy Metal-Attitüde als aufgesetzt betrachten, aber die Vier leben diese Musik. Strahlemann Bay hat einfach eine so positive Ausstrahlung, ständig den Spaß in den Backen, dass man ihm das abnimmt.

Und das steckt auch an, so ging die Menge von Beginn an begeistert mit, während sich die Geschlossenheit der Formation in ihrem kompakten und tighten Spiel bemerkbar machte. Vor allem dann, wenn der Frontmann und sein langjähriger Axtpartner Lars Rettkowitz am vorderen Bühnenrand ihre doppelten Leads mit Hingabe zockten. Vom guten Sound des Abends profitierte man auch, denn der verlieh den Kompositionen ein paar mehr Kanten. Die Jungs hauten ein ordentliches Brett von der Rampe, welches viele gereckte Fäuste und kreisende Matten hervor rief.
Einzig das schon bei AT VANCE angesprochene Manko musste man ankreiden, denn so manche Fanfare kam aus der Konserve. Doch bei den Pianoparts im Titeltrack des neuen Albums setzte sich Meister Bay persönlich hinter die Tasten, und wusste auch da zu glänzen. Der epische Chorus verlieh dem wohl besten Stück der Karriere einen Hauch von SAVATAGE, Ramy Ali haute dazu ungeheuer wuchtig in seine Felle. Wie auch die beiden anderen Schlagwerker zuvor war auch er sehr präsent und trommelte mit vollem Körpereinsatz, das die Stöcke nur so flogen.

Mindestens ebenso gut wie die Gitarrenarbeit funktionierten auch die mehrstimmigen Chöre, welche den Melodien erst die richtige Würze gaben. Da ließ sich das Publikum nicht zweimal bitten, und fiel zur Unterstützung immer wieder mit ein. FREEDOM CALL verstehen es einfach, mitsingkompatible Songs mit dem nötigen Biss und Anspruch zu versehen und alles so lebendig rüberzubringen. Dazu kam ein überzeugendes Stageacting, bei dem die Musiker viel unterwegs waren, die kleinen Rampen neben dem Drumriser beackerten, und dabei unglaublich viel den direkten Kontakt zu ihren Anhängern suchten. Chris Bay unterhielt auch noch mit seinen witzigen Ansprachen, so dass der Spaßfaktor enorm hoch war. Und darauf kommt es an, die Zuschauer jedenfalls hatten so viel Spaß, dass sie nach der Bandhymne noch lange nicht satt waren, und sich noch einen weiteren Block verdienten. (Pfälzer)

Setlist FREEDOM CALL:
Union Of The Strong
We Are One
Age Of The Phoenix
Hero Nation
Farewell
Tears Of Taragon
Beyond
The Quest
Warriors Of Light
Heart Of The Warrior
Power And The Glory
Come On Home
Tears Of Babylon
Freedom Call
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Paladin
Warriors
Land Of Light

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