threshold-tour2013-flyerProg Metal wird ja im Allgemeinen keine so hohe Livequalität nachgesagt, zu kopflastig sei diese Spielart, die Musiker zu sehr auf ihre Instrumente bedacht. Zum Teil trifft jenes Klischee sogar zu, aber vor allem THRESHOLD bewiesen in der Vergangenheit, dass es auch anders geht. In den letzten Jahren haben sich die Briten aber rar gemacht auf den Bühnen, was diverse Gründe hat, wie wir im Interview vor dem Konzert erfahren konnten. Nun haben die Sechs aber mit „March Of Progress" nicht nur ein neues Album am Start, sondern gehen auch endlich wieder auf Headliner-Tour. Auf dieser machten sie in einem der in Prog-Kreisen beliebtesten Clubs, dem Aschaffenburger Colos-Saal Station. Begleitet wurden sie dabei von ihren Landsleuten ENOCHIAN THEORY und den deutschen CRYPTEX.



CRYPTEX

Als wir nach dem Interview wieder runter in den Club kamen, waren die Norddeutschen bereits in ihrem Set. Dabei fiel vor allem die Optik auf, bereits backstage haben sich meine Kollegin Anne und ich ein wenig über das Outfit gewundert. Anscheinend kommt die Truppe aus derselben Epoche wie die MY DYING BRIDE-Saitenfraktion, dem viktorianischen England.

Der Kleidungsstil kam gar nicht so unpassend zu den ersten Klängen, denen wir lauschen konnten. Sänger Simon Moskon saß in der Bühnenmitte hinter seinen Tasten und feuerte ein paar feine Pianostaccato heraus. Im Verbund mit den offenen Akkorden seines Gitaristen Martin Linke erinnerten Songs wie „Dance Of The Strange Folks" sehr an MEAT LOAF. Die kraftvolle Stimme des Frontmanns verstärkte diesen Eindruck noch angenehm.

Mit „It´s Mine" gab es dann eine sehr reduzierte Akustiknummer, die zum vorher gehörten nicht so recht passen wollte. Weiter ging der Exkurs durch die blühende Stillandschaft mit dem groovigen Instrumental „Romper Stomper", bei dem sich Moskon dann den Bass umschnallte. Mit dieser Instrumentierung zeigte das Pendel mehr in Richtung New Artrock, was ebenso immer weitere Facetten des CRYPTEX-Sounds offenbarte wie das harte „Leviathan". Normalerweise bin ich ja ein Freund von vielfältigen Einflüssen, aber das war mir doch ein wenig zuviel des Eklektizismus. Hier fehlte einfach der rote Faden, die eigene Charakteristik, welche die Kompositionen zusammen hielt.

Dabei waren die Titel alle miteinander gelungen und die junge Band spielte tight zusammen. Der Mann am Mikro entpuppte sich als wahrer Multiinstrumentalist und obendrein als redseliges Energiebündel. Dem Sechssaiter gelang es gut mit der Dynamik zu spielen und sich in den Dienst der Songs zu stellen. Und am rechten Bühnenrand bearbeitete Ramon Fleig, den Moskon als den schönsten Mann der Welt vorstellte, sehr versiert sein Kit, glänzte mit interessanten Grooves. Leider kam das hohe Engagement nur bedingt beim Publikum an, ich denke viele wurden einfach von dem wilden Klanggemisch erschlagen. Dennoch könnte da in Zukunft was gehen, wenn man so homogen Songs schreibt wie man musiziert.

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ENOCHIAN THEORY
Mit der ersten Band von der Insel an dem Abend wurde es ruhiger und auch stilsicherer, auch wenn es etwas dauerte bis das Trio bei „This Aching Isolation" auf den Punkt kam. Hier wurde vor allem auf Atmosphäre gesetzt, welche sich eher langsam entfaltete. Einflüsse von MARILLION und späten FATES WARNING waren nicht von der Hand zu weisen, im weiteren Verlauf kamen in den härteren Passagen auch TOOL dazu. Hier packte Sänger und Gitarrist Ben Harris-Haynes auch mal ein paar Grunts aus.

Insgesamt standen ruhige und harmonische Klänge im Vordergrund, die von den Drei konzentriert gespielt wurden. In Sachen Bühnenpräsentation konnten sie keine Akzente setzen, während der Frontmann am äußersten Bühnenrand verharrte, war der Bewegungsradius des Mannes am Langholz auch nicht der größte. So hatte man es schwer das Publikum auf seine Seite zu ziehen, die Kommunikation beschränkte sich auf wenige Ansagen.
Dem Publikum blieb daher nur sich in die Klangwelten, welche ENOCHIAN THEORY aufbauten zu begeben. Jene hätten etwas druckvoller ausfallen könne, wenn man nicht so viele Spuren vom Band hätte mitlaufen lassen. Ein weiterer Gitarrist und ein Keyboarder würden das Klanggewand organischer und voller gestalten, und auch die Bühne besser ausfüllen. Doch das ist heutzutage auch eine Kostenfrage, wenn man auf Tour unterwegs ist.

Musikalisch konnten die Briten mit sehr feinem Spiel überzeugen, doch dann schlich sich der Fehlerteufel ein. Erst versagte die Bassanlage den Dienst und machte deutlich, welche Tiefe Shaun Rayment den Songs verleiht. Die technische Pause versuchte Harris-Haynes mit ein paar Anekdoten zu überbrücken, bis ihn später das gleiche Schicksal ereilte. Wegen der eingespielten Parts ist es schwierig einen Song wieder von vorne zu beginnen, und so wurden ein paar Strophen nur instrumental gezockt. Die Musiker waren über das Pech sichtlich angesäuert, letzten Endes ging es mit einem Ersatzmikrofon weiter. Die Zuschauer zeigten sich indes sehr fair und spendeten aufmunternden Beifall, als es wieder weiterging. Dennoch schade, mit dem starken Material ihrer beiden letzten Scheiben wie "Tedium" oder " Distances" wäre mehr drin gewesen.

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THRESHOLD
Von derlei Missgeschicken blieb der Hauptact an dem Abend verschont, dazu verfügte der über die nötige Mannstärke, um ihre Kompositionen komplett auf die Bühne zu bringen. Von Beginn an war klar, für wen die Zuschauer an dem Abend hier waren, denn sie standen von Beginn an hinter THRESHOLD. Natürlich machten sie es ihren Fans einfach und wählten mit dem Opener von „Subsurface" einen Titel zum Einstieg, der allen Anwesenden in Fleisch und Blut übergegangen sein dürfte. Das wurde vor allem beim hymnischen Chorus deutlich, der von vielen mitgesungen wurde.
Dabei war es für Fans gar nicht so einfach, sich bemerkbar zu machen, denn der Sound drückte an dem Abend mächtig, ließ dennoch die gewohnte Qualität vom Colos-Saal nicht vermissen. Gerade bei den Refrains wurden sie oft vom tollen Satzgesang der Truppe übertönt. Dies ist eine der Stärken, mit denen sich die Engländer von ihrer Konkurrenz absetzen. Dadurch erhalten ihre Songs eine gewisse Zugänglichkeit, welche sich aber bislang nicht genug auf die Popularität ausgewirkt hat.

Doch nicht nur bei den mehrstimmigen Gesangsarrangements demonstrierte die Formation eine außerordentliche Geschlossenheit. Gerade das Auftreten, das Agieren miteinander zeigte, dass sich hier trotz einiger Besetzungswechsel in jüngster Zeit eine Band auf der Bühne befand. Die Saitenfraktion war ständig unterwegs und kommunizierte sowohl untereinander als auch mit den Mitgliedern hinten an Tasten und Schlagzeug. Die Spielfreude war zu jeder Sekunde spürbar, von der bei vielen Progacts üblichen introvertierten Selbstverliebtheit war nichts zu sehen.
Die beiden Gitarristen Karl Groom und Pete Morton harmonierten vom Zusammenspiel her sehr gut, wechselten sich bei den Solospots ab. Sie beherrschten die komplette Palette von warmen gefühlvollen Soli bis hin zu filigranem Geschredder und webten zusammen mit Keyboarder Richard West einen dichten Soundteppich. Dabei standen sie sich oft gegenüber, spielten sich ihre Parts zu und bearbeiteten auch mal das Griffbrett des Partners. Morton packte dabei alle möglichen Rockstarposen aus, während Groom eher den coolen Rocker mimte.

Ihr Frontmann verließ während den langen Instrumentalparts nur selten die Bühne, sondern schaute seinen Kollegen gespannt zu oder animierte immer wieder das Publikum. Das war eigentlich gar nicht nötig, denn das ging von alleine steil. Bei den thrashigen Parts flogen die Matten und zwischen den Songs gab es immer wieder Ovationen, die Damian Wilson gerührt zur Kenntnis nahm. Immer wieder nutzte er den intimen Rahmen und suchte den direkten Augenkontakt zu den ersten Reihen, der Mann liebt seine Fans, was er nach dem Konzert mit einem Bad in der Menge mehr als bewies. Auch seine stimmlichen Fähigkeiten sind nach wie vor über jeden Zweifel erhaben, ausdrucksstark interpretiert er jede Silbe.

THRESHOLD stellten an dem Abend wieder mal ihre Ausnahmestellung als eine der besten Progmetalbands unter Beweis. Niemand verbindet so geschickt musikalische Finesse mit Spaß und Power. Dieser Funke sprang in Aschaffenburg sofort auf die Fans über und hielt sich die gesamten 100 Minuten. Immer wieder angetrieben von einer tighten Rhythmusfraktion, dem quirligen Johanne James an den Drums und Basser Steve Anderton mit seinem versierten Fingerpicking.
Einziger Wermutstropfen war die Songauswahl, die mir zu sehr den Fokus auf den letzten beiden Scheiben hatte. Ein wenig mehr aus der kreativen Hochphase zu Beginn des Jahrtausends hätte es schon sein dürfen. „Critical Mass" blieb ebenso außen vor wie auch das von Wilson eingesungene Debüt „Wounded Land". Man setzte dazu eher auf selten Gespieltes von Alben wie „Extinct Instinct" oder „Clone". Doch das konnte den Genuss nicht schmälern, in der Darbietung konnten alle Songs nur gewinnen. (Pfälzer)

Setlist THRESHOLD:
Mission Profile
Don´t Look Down
Hollow
Coda
Parts Of The Chaos
Colophon
Pilot In The Sky Of Dreams
Ashes
Angels
Staring At The Sun
Rubicon
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Lights & Space
Slipstream

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