joebonamassa_flyerVom Wunderkind zum Global Player des Blues, so ähnlich ließe sich kurz und knapp der Werdegang von JOE BONAMASSA beschreiben. Was der Mann in den letzten 13 Jahren seit seinem Debüt einen Aufstieg hingelegt hat, ist schon unglaublich, vor allem weil er nie ansatzweise einen Hit hatte, der ihm Airplay beschert hätte. Wenn man sich ein wenig genauer mit dem Mann beschäftigt, stellt man fest, dass der Erfolg nicht von ungefähr kommt, aber auch hart erarbeitet wurde. Es hält sich die Legende, dass er als Knirps schon einer Gitarre Töne entlocken bevor er Laufen konnte. Und auch wenn dies ein wenig übertrieben ist, aber mit 12 Jahren stand er bereits mit B.B. KING auf einer Bühne. Und mit dem Tempo arbeitete er auch weiter, in den letzten Jahren standen jährlich mehrere Veröffentlichungen von ihm in den Läden. Damit hält er sich immer im Gespräch, es ist mittlerweile unmöglich an seinem Namen vorbei zu kommen. Wer ihn erstmals zu Gehör bekommen hat, wird ihn nicht mehr los, so dass er nun auch größere Hallen füllt. Es dürfte in den vergangenen Jahren kein Künstler öfter von mir aufgelegt worden sein, nun wurde es Zeit dem Mann auch live nachzuspüren. Die Liederhalle in Stuttgart schien der ideale Rahmen dafür zu sein.

Denn wie bei den letzten Touren legt JOE BONAMASSA viel Wert auf den Komfort seines Publikums und lässt die Säle bestuhlen. Ein eher ungewöhnlicher Rahmen für einen Konzert, über das NECKBREAKER berichtet, aber mir nicht fremd, schließlich konnte ich in eben jenem Beethoven-Saal bereits YES im Sitzen bewundern. Der einzige Nachteil war die ziemliche Beschneidung der Photographenfreiheit, die nur von halblinks Bilder machen konnten, aber damit war zurecht zu kommen.

Als das Licht ausging nahm der Meister erst einmal selbst Platz und legte die Akustische auf seinen Schoß. Wie schon bei seiner neuesten DVD zeigte er auch hier sein Faible für diese reduzierte Spielweise, die aber noch viel mehr abverlangt, weil sich der Künstler nicht hinter Effekten verstecken kann. Er meisterte diese Hürde mit Bravour und offenbarte schon hier sein herausragendes Spiel, bei dem auch in schnelleren Passagen immer dieses unglaubliche Feeling durchschien. Nach und nach gesellten sich sein Schlagzeuger Tal Bergman an den Congas und Arlan Schierbaum an einem kleinen Piano, das einem Westernsaloon entstammt sein könnte, zu ihm an den vorderen rechten Bühnenrand.

Schon bei dem BAD COMPANY-Cover zeigte sich das blinde Verständnis zwischen den Musikern, da wurde ständig Augenkontakt gehalten und spontan mit der Dynamik gespielt. Jeder war komplett in seinem Spiel versunken und so blieb der Kontakt zum Publikum eher gering. Wenn sich JOE BONAMASSA dann zu seinen Fans wandte, war er sehr höflich und hatte auch einige witzige Anekdoten auf Lager. Das verlieh dem Ganzen eine intime Atmosphäre, da die Musiker auf der großen Bühne auf engem Raum zusammen saßen und nur von ein paar weißen Spots angestrahlt wurden. Gerade weil die Titel so auf ihre Seele kaschiert wurden, konnten sie einen Zauber entfachen, der aber nur ein Vorspiel war, auf das was kommen sollte.

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Als der Bluesrockerneuerer seine Elektrische auspackte kam auch sein langjähriger Partner am Bass, Carmine Rojas auf die Bühne. Gemeinsam standen sie beim Intro des zweiten Teils vor dem Drumkit und ließen den Zug langsam in Fahrt kommen. Und der hatte Dampf in den Kesseln, endlich schallten die Blueslicks durch den Raum, da war er dieser wunderbare, saubere Ton, mit dem der Mann berühmt wurde. Welch ein brillantes Spiel, welch ein Gefühl, traumhaft zuzuschauen, wie seine Finger über das Griffbrett gleiten und noch viel traumhafter anzuhören. Er weiß so genau, wie er einen Ton setzen muss, wie er die Dynamik auch bei den atmosphärischern Nummern stets im Griff hält.

Und da standen seine Mitstreiter in nichts nach, das Spiel miteinander war so präzise und dennoch nie verkopft, sondern einfach nur beseelt. Bei langen Improvisationen wie etwa im Opener der neuen Scheibe spielten sich JOE BONAMASSA und Schierbaum ihre Solospots nur so zu, ergänzten sich perfekt. Am Ende erhielten sie, nicht zum letzten Mal verdientermaßen offenen Szenenapplaus. Auch wie man dann wieder in den Song zurück fand, wie man das knackige Hauptriff erneut aufnahm war großartig.
Hier zeigte sich die wahre Größe einer Rockband, dass sie auch leise spielen kann. Tal Bergman haute zu den krachenden Akkorden seines Bandleaders wuchtig in die Felle, da rauchte es nur so, dass man sich hinter niemanden verstecken muss. Aber er kann sich auch wunderbar zurück nehmen, seinen Ton ausspielen und damit den Führungsinstrumenten mehr Entfaltungsspielraum einräumen. Der Gitarrist stolzierte dabei immer auf der Bühne herum und suchte den direkten Kontakt zu seinen Mitmusikern, kommunizierte mit ständigem Blickkontakt.

Dabei fühlte er jeden Ton, den er seinen Sechssaitern entlockte, lebte ihn förmlich mit, was auch im Publikum zu spüren war. An edlen Arbeitsgeräten bediente er sich einem Arsenal von Klassikern, den legendären Modellen aus dem Hause Fender und Gibson, welche auch schon die Altmeister gespielt haben. Auch ein Zeichen, dass er sich der Tradition des Blues verpflichtet fühlt. Als Sänger ist er ebenfalls gewachsen, wie vor allem der Titelsong seines aktuellen Albums belegte. Er verband traumwandlerische Melodiebogen mit seinem warmen Timbre und einem tollen Ausdruck. Ein Übersong, der in zwanzig Jahren noch an Relevanz gewinnen wird, dessen Schönheit nicht nur beim Verfasser dieser Zeilen für feuchte Augen gesorgt haben dürfte. Ironischerweise packte er bei diesem Stück einen Telecaster aus, den ein bekannter US-Rocker bevorzugt spielt.

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So war es nicht verwunderlich, dass die Vier nach jedem Song riesigen Beifall ernteten, wenn auch große Reaktionen ausblieben. Die Leute zogen es vor, völlig in den Rausch der Klänge abzutauchen, und wurden absolut verwöhnt. Vor allem in Sachen Sound haben meine Ohren nur selten etwas Besseres vernommen. Laut, nie übersteuert, kristallklar, aber nie steril, jede Note war klar zu hören, jedes Detail wurde plastisch heraus gebildet. Das ist auch nötig, um dieses ganze Gefühl zu vermitteln, gerade bei bestuhlten Konzerten, bei denen die Fans noch konzentrierter zuhören, fällt eine schwache Abmischung noch mehr ins Gewicht. Dem schloss sich die Lightshow an, welche die Stimmung unterstützte, aber nie effekthascherisch wirkte.

Nein, das hatte JOE BONAMASSA nicht nötig, er setzte auf die Macht seiner Lieder oder den Interpretationen. Wenn Carmine Rojas mit einer stoischen, minimalen Basslinie einen Slow Blues anstimmt, entsteht eine herrliche Spannung. Ich mag diese Art von Songs und mit dem GARY MOORE-Tribut zockte man eine der genialsten Kompositionen dieses Genres. Der Meister selbst suchte jeden Ton, fand ihn, ließ ihn in sein Publikum hinaus, wo er eine wohlige Gänsehaut erzeugte. Ein Gefühl, welches lange anhielt, so lange, bis irgendwo der nächste Ton herab schwebte. Unfassbar wie man mit so wenig Mitteln eine solche Wirkung erzeugen kann, ganz großes Kino.

Zum Ende des regulären Sets stellte er beim Titelsong seines Meisterwerks noch sein Können als Arrangeur unter Beweis. Ist die aufgenommene Version vor allem von einer Dobro geprägt, so haut er hier die Akkorde mit seiner Les Paul Goldtop heraus. Die druckvollere Ausrichtung gibt der Nummer noch mehr Strahlkraft, ein grandioses, ergreifendes Epos, welchem Arlan Schierbaum mit einem minutenlangen Hammond-Solo noch eine weitere besondere Note hinzufügt. Da gab es auch im Publikum kein Halten mehr, der neue Großmeister des Blues wurde mit stehenden Ovationen abgefeiert.
Vor der letzten Zugabe, dem obligatorischen Rausschmeißer, warf er seine Brille ins Rund, um danach noch einmal seine phantastischen Solokünste unter Beweis zu stellen. In die ZZ TOP-Hommage wurden mit "Still Of The Night" und "Dazed And Confused" zwei weitere Rockklassiker eingefügt. Lieder, die jeder, der Anwesenden kennen dürfte, die jeder mitleben kann. Die Band war längst im Rausch und auch die Zuschauer waren nach mehr als zwei Stunden dort angekommen, es hielt keinen mehr auf den Sitzen. Ein Abend voll magischer Momente, der nur eine Frage offen lässt: Wie groß wird JOE BONAMASSA noch werden? (Pfälzer)

Setlist JOE BONAMASSA:
Palm Trees
Seagull
Jelly Roll
Athens To Athens
Woke Up Dreaming
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Slow Train
Dust Bowl
Dislocated Boy
Driving Towards The Daylight
 
Who´s Been Talking
Midnight Blues
Lonesome Road Blues
Young Man´s Blues
Look Over Yonders Wall
The Ballad Of John Henry
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Asking Around For You
Just Got Paid

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