kreator_tourflyerNachdem in der Vergangenheit nicht jedes Tourpackage der deutschen Thrash-Helden KREATOR so richtig zusammen passen wollte - man denke nur mal an die „Chaos Over Europe Tour 2009" mit ELUVEITIE, CALIBAN und EMERGENCY GATE als Vorbands – so war das Lineup des 2010er „Thrashfests" mit EXODUS, DEATH ANGEL und SUICIDAL ANGELS deutlich ansprechender für den Thrash-Gourmet. Vor circa einem halben Jahr haben die Ruhrpott-Thrasher ihre aktuelle Platte „Phantom Antichrist" auf die Menschheit losgelassen und jetzt folgte die Tour, bei der sie zusammen mit MORBID ANGEL, NILE und FUELED BY FIRE durch die Lande zogen. Letzte Station dieser Tour war kurz vor Weihnachten die Turbinenhalle in Oberhausen.

FUELED BY FIRE
Über die jungen Wilden aus Kalifornien kann ich leider nichts berichten, da die Schlange am Presseeingang zu lang war und die old school Thrasher bereits früher anfingen, als eigentlich geplant war. Das, was ich durch die sich immer wieder öffnenden Türen zum Hauptraum hören konnte, klang jedoch gut.

NILE
Nach Jahren des Wartens hatte ich an diesem Abend endlich die Möglichkeit, die Pyramidenliebhaber live zu sehen. Das Ritual begann mit dem mächtigen „Sacrifice Unto Sebek" und eins wurde direkt klar: spielerisch macht dieser Band so schnell keiner was vor. Egal ob Schlagzeugwunder George Kollias, der mit der Präzision einer Nähmaschine in Hochgeschwindigkeit die Doublebassdrum malträtiert, der ständig mit dem Kopf kreisende Bassist oder die Kabinettstückchen der beiden Saitenhexer. Alle vier Musiker sind Meister ihres Fachs. Man könnte meinen, Karl Sanders und Dallas Toler-Wade würden in ihrer Freizeit nichs anderes machen als Geschichtsbücher zu studieren und Gitarrespielen zu üben. Die zu etwa 75 Prozent gefüllte Turbinenhalle schien zu einem Großteil mit den Songs vertraut zu sein, denn Stücke wie „Kafir", aktuelles Material wie „Enduring The Eternal Molestation Of Flame", oder altehrwürdiges wie „Sarcophago" kamen prächtig an. Doch neben all den technischen Fertigkeiten, konnten auch die vom Band eingespielten ruhigeren Zwischenparts überzeugen und schafften wahre Gänsehautatmosphäre. Dallas, der den Mittelpunkt der Bühne einnahm, brauchte sich mit der Anzahl der in den Ansagen benutzen „Fucks" nicht hinter CHILDREN OF BODOM´s Alexi Laiho zu verstecken, glänzte aber auch mit tiefen Growls, die Anubis sicherlich ebenfalls beeindrucken würden. Die Hobby-Ägyptologen zelebrierten ihre epischen und mächtigen Stücke gestenreich und trieben das Publikum zu mehr Bewegung an. Die Fans gingen darauf ein, reagierten mit einem Moshpit und beim Klassiker „Black Seeds Of Vengeance" gab's kein Halten mehr. NILE sind auch live göttlich und agieren nicht so statisch wie z.B. ihre Technichal Death Metal-Kollegen CANNIBAL CORPSE.

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MORBID ANGEL
Die Death Metal-Legende, die im letzten Jahr mit ihrem Album „Illud Divium Insanus" bei den Fans nicht besonders gut wegkam, setzte eher auf altbekanntes und legte deswegen mit „Immortal Rites" vom Kultalbum „Altars Of Madness" los. Das 2011er Werk wurde mit Ausnahme des ordentlich knatternden „Existo Vulgoré" und „Nevermore" gar nicht weiter beachtet. Ebenso wie NILE spielten die Herren sauber und tight, wobei man zugeben muss, dass die Stücke zwar meist rasend schnell, aber nicht ganz so anspruchsvoll wie das Material der Hohepriester vom Nil ist. David Vincent, der sein rot-schwarzes Lederoutfit passend zu seinem Bass ausgewählt hatte, punktete mit charismatischen Ansagen zum Weltuntergang und meinte, wenn er "old school" sagt, nichts anderes als 1989 "old school". Deshalb gab es weitere Kracher des Debüts, wie „Maze Of Torment" und „Chapel Of Ghouls", aber auch fiese Todesblei-Batzen wie „Where The Slime Live" und „Dawn Of The Angry" wurden vom Publikum abgefeiert. Trey Azagthoth fiel mit seinem Bühnenoutfit bzw. seinen mit Panzertape geklebten Turnschuhen etwas aus der Reihe, bestach aber mit furiosen Gitarrensoli und schädelspaltenden Riffs. David Vincent forderte einen größeren Moshpit und bekam diesen auch prompt. Die Stimmung wurde nochmals besser und die Halle füllte sich noch mehr. Eine starke Show der Amerikaner.

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KREATOR
Im Vorfeld kündigten die Ruhrpottler an, die letzte Show der Tour für einen DVD/Blu-Ray-Release mitfilmen zu lassen. Das Konzert wurde mit 24 Kameras gefilmt und soll das ultimative KREATOR-Live-Erlebnis ins Wohnzimmer bringen. Auf einem weißen Vorhang wurde eine Retrospektive der Bandgeschichte per Video eingespielt, die mit dem JOHNNY CASH-Song „Personal Jesus" unterlegt wurde. Nach einigen Minuten fiel der Vorhang und es war nur ein riesiges Banner mit dem gelungenen Albumartwork zu „Phantom Antichrist" zu sehen. Mit einem Knall fiel auch dieser Vorhang und die Band war zu sehen. Der Titeltrack war auch gleich Programm und passend dazu war die Bühne imposant ausgestattet. Die knöchernen Höllenkreaturen, die auf dem Albumcover zu sehen sind, zierten das Drumpodest von Jürgen „Ventor" Reil. Die Plastikviecher sahen allerdings nicht billig aus, sondern machten wirklich etwas daher. Ihre Augen leuchteten passend zur Bühnenbeleuchtung mal feuerrot oder blau. Passend dazu hingen an den rechts und links neben dem Drumset positionierten Mikrofonständern abgetrennte Köpfe.

Die Band selbst ließ ebenfalls nichts anbrennen und geizte von Anfang an nicht mit Knallern. Im wahrsten Sinne des Wortes kamen immer wieder Rauchfontänen während diversen Songs. „Enemy Of God", „Hordes Of Chaos" oder „Phobia" sind die Namen der Stücke, zu denen die Masse im Kollektiv durchdrehte. Die prall gefüllte Halle ließ sich nicht lange bitten, sondern reckte artig die Fäuste oder wahlweise die Pommesgabeln in die Luft. Neben einigen Nummern vom aktullen Langspieler wurden natürlich auch viele Klassiker gespielt. Darunter Hits wie „People Of The Lie", „Coma Of Souls" und natürlich „Pleasure To Kill". Die Zugabe bestand aus Schmankerln wie „Violent Revolution", „Betrayer", „Flag Of Hate" und dem finalen „Tormentor". Mastermind Mille brachte zwar diverse Standard-Ansagen („Seid ihr bereit, euch umzubringen?"), aber er hatte die wilde Meute jederzeit im Griff. Basser Speesy und Gitarrenvirtuose Sami Yil-Sirniö legten zwar nicht ganz so viele Meter zurück, wie Bandkopf Petrozza, posten aber trotzdem reichlich. Jürgen „Ventor" Reil, der Mann hinter der Schießbude, rackerte sich einen ab und verlor gefühlte vier Liter Schweiß pro Song. KREATOR ließen keine Wünsche offen und haben mit diesem Konzert als Gesamtkunstwerk neue Maßstäbe im deutschen Thrash Metal gesetzt. (Kevin)

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