marillion_straburgMeine allerersten ernsthaften Musikerfahrungen sind ja alle im Prog-Bereich angesiedelt, und so war es nicht verwunderlich, dass ich auch auf die erste MARILLION-Single "Garden Party" aufmerksam wurde. Richtig lieb gewonnen habe ich die Band zu ihrer populärsten Phase mit "Misplaced Childhood" zwei Jahre später. Eine Liebe, die bis heute anhält, vor allem, weil MARILLION sich auch immer wieder verändert, sich immer wieder neu erfunden haben und dadurch immer spannend blieben. Keine Ahnung wie oft ich die Truppe aus Aylesbury schon gesehen habe, aber eben wegen jener Eigenart wirklich innovativ zu sein, sind Konzerte von ihnen immer ein Erlebnis. So verschlug es uns an diesem Abend ins benachbarte Frankreich, wo ich endlich das erste Mal den bekannten Club "La Laiterie" besuchen konnte. Als Vorband durften die recht unbekannten GARMENTS aus den Niederlanden ran.

Pünktlich um 20:30 Uhr begannen die fünf Niederländer von GARMENTS die Bühne zu entern. Auch wenn das Alter der Mitglieder eventuell einen anderen Rückschluss zuließe, handelte es sich hierbei um Debütanten, aber nur was die Anzahl ihrer Alben angeht. Denn das, was Sänger und Gitarrist Sjoerd van Kamen, Gitarrist Derek Kuipers, Basser Erik van Veen, Schlagzeuger Erik Schippers und Keyboarderin Marjo Douma dem Straßburger Publikum boten, war musikalische Kompetenz auf höchstem Niveau.
Dabei ist es nicht einfach den Stil des Quintetts zu beschreiben und selbst die eigene Beschreibung Indie Pop ist noch viel zu vage. New Art Rock, Postrock und selbst ein Schuss Britpop finden sich in GARMENT's Kompositionen, ohne dass auch nur für einen Augenblick der Anschein von Heterogenität aufkäme. Ein vollkommen sympathisches Auftreten ohne jegliche Borniertheit trug zum mehr als gelungenen Gesamtbild selbstverständlich auch bei.

Wie die Truppe getragene und sich stets aufbauende Melodien in dynamischer und nie überladener Weise vortrug, zeugt ebenfalls von ihrer Finesse. Positiv gestaltete sich zudem der Umstand, dass die fünf Künstler trotz ihrer dreißigminütigen Spielzeit eine Vielzahl an Effektgeräten mitgebracht hatten. Diese Band konnte in ihrer knapp bemessenen Zeit ein großes kompositorisches und – wie schon mehrfach erwähnt -  musikalisches Können vorweisen und trotz des anspruchsvollen Stils wirkte nichts aufgesetzt, nichts zu viel. Im Gegenteil, der Hörer konnte die Wärme und Authentizität in jeder Note spüren.
Somit bleibt zu wünschen, dass Nummern wie „Colors", „Both Feet In Quicksand" oder „Six" öfter in den Konzertsälen zu vernehmen sein werden. Letzterer ist ein Song über Erfahrungen einer Sozialarbeiterin, was zeigt, dass auch bei den Texten Hochklassigkeit und Feingefühl herrschen. Interessant ist ebenfalls Doumas Miniaturausgabe eines alten Karussellpferdes, welches sich die ganze Zeit über auf ihrem Instrument befand und das einen auch von der Homepage der Formation begrüßt. Wer diesen Ausführungen keinen Glauben schenken will, dem sei gesagt, dass er/sie ja auch nicht den frenetischen Applaus des Laterie-Publikums miterlebt hat.(David)

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Ebenso pünktlich erschienen die Fünf zum Intro ihrer neuen Scheibe "Sounds That Can´t Be Made" auf der Bühne. Dass man mit deren Opener beginnen würde, war sicherlich zu erwarten, ebenso wie das emotionale Feuerwerk, dass der leider derzeit sehr aktuelle Song abbrennen würde. Seine Kraft, seine ungewöhnlich aggressive Herangehensweise beeindruckte auch das Publikum. Hier muss man auch wieder den Mut bewundern, mit so einem Mammut-Track zu beginnen, aber das ist bei MARILLION nichts Ungewöhnliches.
Doch dann noch direkt einen zweiten nachzulegen, das ist schon starker Stoff, so hatte man nach zwei Liedern die Spielzeit des Supports schon überboten. Aber sie können sich mittlerweile auf eine treu ergebene Fanbasis verlassen, die auch das goutiert, die es zu schätzen weiß, dass sich die Band absolut im Hier und Jetzt befindet. Und sind nicht Longtracks seit jeher die Königsdisziplin des progressiven Rock?
Und die Fünf hier beherrschen sie perfekt, unglaublich wie sie die vielen Details zusammen setzen und so einen atmosphärisch dichten Soundteppich weben, mit dem sie die Zuschauer einhüllen. Wo viele heute mit dem Anschwellen lassen der Laut/Leise-Dynamik arbeiten, sind die Musiker hier mit ihrem sanfteren Ansatz eigentlich schon immer einen Schritt weiter. Man hielt sich immer vornehm zurück und steigerte sich nie bis zum vollendeten Ausbruch, was noch mehr Spannung erzeugte. Dafür gab es mehr als einmal Szenenapplaus.

Natürlich half dabei auch der wirklich tolle Sound, der alle Feinheiten plastisch hervor hob und auch richtig ausgepegelt war. Aber nach so vielen gemeinsamen Jahren ist das Verständnis unter den Musikern perfekt, jeder konnte sich voll in sein Spiel hinein versetzen, an dem die Herren sichtlich Freude hatten. Zu den edlen Klängen gesellte sich auch edles Equipment wie etwa der doppelhalsige Rickenbacker-Bass von Pete Trewavas, alles nur vom feinsten.
Wie vor allem das Spiel von Gitarrist Steve Rothery, der einer der wenigen ist, die jemals in die Fußstapfen von David Glimour treten konnten. Dieses unglaubliche Gefühl, dieser unverwechselbare, warme Ton sorgten für etliche magische Momente an diesem Abend. In jenem zweiten Song vom "Marbles"-Meisterwerk zauberte er einem öfter eine Gänsehaut auf den ganzen Körper als andere mit ihrem kompletten Backkatalog.

Und inmitten des Szenarios stand mit Steve Hogarth einer der besten Frontmänner der Szene. Natürlich wird er auch nach fast einem Vierteljahrhundert ewig der neue bleiben, aber die wahren Fans haben ihn längst in ihr Herz geschlossen. Der Schatten des übergroßen FISH (nicht nur weil er "h" um einen Kopf überragt) ist eben schwer abzuschütteln. Aber der Mann lässt sich davon nicht beirren, sondern lieferte wie gewohnt eine großartige Leistung ab. So unterschiedlich sind die beiden gar nicht, zumindest in ihrer Performance, die viel Theatralik bietet. Auch Hogarth lebte und litt seine Songs mit, beherrschte all die großen Gesten. Da stand er mahnend mit dem Maschinengewehr, warf sich in die ersten Reihen und probte den exzellenten Kniefall.

Mit dem zweiten Song des aktuellen Longplayers nahm man erstmals ein wenig die Spannung heraus und schob ein wenig leichter verdauliches ein. Überhaupt bestimmte "Sounds That Can´t Be Made" mit vier Titeln erwartungsgemäß das Programm. Der Rest war wie gehabt völlig offen, neben ein paar fixen Stücken wurde munter variiert, nicht nur während der Tour, sondern auch direkt auf der Bühne. Als mir ein Zuschauer den Wunsch nach dem einzigen "Holidays In Eden"-Beitrag vorweg nahm, unterstrichen weitere Anhänger diesen Wunsch. Nach kurzer Beratung baute man die Nummer einfach ins Set ein, so etwas erlebt man sonst nur bei der E-STREET-BAND.
Das bereits erwähnte "Marbles" hat seit seiner Veröffentlichung 2004 immer mehrere Einsätze, wie an dem Abend in Straßburg. Leider fehlten dieses Mal Stücke ihres Überwerks "Seasons End", aber insgesamt war das Set wenig songorientiert, sondern ganz auf Atmosphäre ausgelegt. In jüngster Zeit scheint man sich auch wieder zu erinnern, dass man einmal "Raditation" aufgenommen hatte. Zum zweiten Mal in Folge gab es einen Titel davon, erstmals seit der damaligen Tour, und passend zu dem Abend natürlich den längsten.

Den Anhängern war das wie erwähnt egal, da wurde einfach alles abgefeiert, denn MARILLION bürgen immer für Qualität, und jeder entdeckt einen seiner Favoriten. Das Publikum in der "Laiterie" ist ähnlich wie dem im Aschaffenburger Colos-Saal von Beginn an voll dabei, ein Eindruck, der mir schon öfter zugetragen wurde, und der sich im Laufe der zwei Stunden voll bestätigte. Dieses enorme Feedback schien die Band zu beflügeln und gerade am Ende des regulären Sets kochte die Stimmung noch einmal richtig hoch.
Auch eines anderen Drehers scheint sich das Quintett zu erinnern, nämlich dem Hitalbum, das keines sein will. Von dem Image haben sie sich längst emanzipiert und sind ihren eigenen Weg unbeirrt und erfolgreich gegangen. Doch seit der Support-Tour für DEEP PURPLE taucht die bekannteste Single sehr oft im Programm auf, in Straßburg wurde bei der zweiten Zugabe sogar noch einer drauf gesetzt, was dem großartigen Konzert den würdigen Abschluss verlieh. Eigentlich hätte Steve Hogarth gar nicht mehr auf die Bühne kommen zu brauchen, die Fans erledigten diese Aufgabe mit Bravour. (Pfälzer)

Setlist MARILLION:
Gaza
Ocean Cloud
Pour My Love
Neverland
Power
No One Can
Sounds That Can´t Be Made
King
Man Of A Thousand Faces
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A Few Words For The Dead
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Kayleigh
Lavender

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