Thin_Lizzy_sbDie bereits 1969 gegründete Rockband um den 1986 verstorbenen charismatischen Bandkopf, Sänger und Bassisten Phil Lynott hat zwar seit 1983 kein neues Studioalbum mehr veröffentlicht, tourt aber seit 1999 in wechselnder Besetzung immer mal wieder um den Globus. Aktuell besteht die irische Legende aus dem Urgestein Scott Gorham (Gitarre), Brian Downey (Schlagzeug), Darren Wharton (Keyboard), Damon Johnson, Marco Mendoza (Bass) und Ricky Warwick von THE ALMIGHTY an Gesang und stellenweise dritter Gitarre. In diesem Lineup eröffneten die älteren Herren gerade erst für JUDAS PRIEST auf deren Tour und machten an einem schönen Sonntag im Mai in der Garage Saarbrücken Station. Den Anheizer durften an diesem Abend die aus Karlsruhe stammenden PUSSY SISSTER geben. Wie der Name vermuten lässt, spielen die vier Burschen Glam/Sleaze Metal und stehen auch optisch ganz im Zeichen dieser Zeit. Negativ fiel sofort der dumpfe Sound und der schlecht abgemischte Gesang auf, was sich jedoch während des 35 minütigen Sets etwas verbesserte. Das Quartett ging engagiert zu Werke, animierte die bereits knapp dreiviertel gefüllte Garage zum mitmachen und mitklatschen, doch der Funke wollte nicht wirklich überspringen. Musikalisch gibt es außer einer zweiten Klampfe für mehr Druck während des (guten) Solierens nichts auszusetzen, aber die Songs zünden für diese Art von Musik nicht schnell genug. Das liegt eventuell auch an der unvoluminösen Stimme des Fronters. Da nützen auch der obligatorische Griff in den Schritt und die Backing-Vocals der Saitenfraktion wenig. Posen können diese Pussys, aber in Sachen Songwriting ist da noch Luft nach oben.
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Um 21:00 Uhr war dann Zeit für den Headliner. THIN LIZZY starteten ihr Programm mit dem kurzen und knackigen "Are You Ready", welches sich als Opener prima eignet, da es direkt und unverblümt fragt, ob die Leute bereit für eine Rock´n´Roll-Party sind. Gefangene wurden erst gar nicht gemacht, denn es ging pausenlos weiter mit dem Kracher "Jailbreak", "Don´t Believe A Word" und "Killer On The Loose" vom 1980er Albumklassiker "Chinatown". Ruhiger wurde es dann erst mit "Dancing In The Moonlight", welches mit dem dazugehörigen Saxophon noch um einiges lässiger rüberkommen würde. Die Iren fanden in ihrer Setlist die richtige Mischung und so folgte mit "Massacre" und "Angel Of Death" wieder ein härteres Doppel. Für die zärteren Gemüter gab es dann die wunderschöne Ballade "Still In Love With You" an deren Ende Gitarrist Damon Johnson solieren durfte. Das Ganze hielt sich aber in Grenzen. In der Kürze liegt halt manchmal doch die Würze und so wurde direkt in den wohl bekanntesten Hit der Bandhistorie - "Whiskey In The Jar" übergeleitet. Schon von unzähligen Coverbands auf Stadtfesten mehr oder weniger misshandelt, kam das Teil von THIN LIZZY gut und wurde von der Menge ebenso lauthals mitgesungen wie das simple aber brutal nach vorne treibende "Sha La La La La La". Das in den Song integrierte Drumsolo war zwar nicht wirklich nötig, aber die folgenden kurzweiligen Knallersongs entschädigten. Man sah der Band an, dass sie Spaß daran hatte, "Suicide", "Waiting For An Alibi", "Cowboy Song" (mitsamt Mundharmonika-Einlage) und "The Boys Are Back In Town" zu spielen. Die enorme Spielfreude übertrug sich direkt auf das Publikum und machte den Abend zu einem tollen Ereignis.

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Selbstverständlich ist Ricky Warwick nicht Phil Lynott, aber das soll er ja auch gar nicht. Der Mann hat genug Ausstrahlung und Charakter um diese Songs glaubhaft und stimmlich sogar relativ nah am Original rüberzubringen. Der zwischen Akustikklampfe und E-Gitarre wechselnde THE ALMIGHTY-Fronter versprach, dass die Boys in diese Stadt zurückkehren würden. Zur Zugabe ließ sich das Sextett nicht lange bitten und brachte mir mit dem unglaublich genialen "Emerald" dank den sagenhaft erhabenen Twin-Leads eine Gänsehaut bei. An die verstorbenen Helden Lynott und Gitarrengott GARY MOORE (der das meisterhafte "Black Rose"-Album einspielte) wurde mit "Rosalie" erinnert. Nach dem wahnsinnig emotionalen Titelsong des besagten Longplayers fand die Show dann ihr fantastisches Ende. Ich persönlich hätte sehr gerne noch den metallischen Kracher "Cold Sweat" vom letzten Studiowerk "Thunder And Lightning" gehört, aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler eines ansonsten wunderbaren Classic Rock-Konzerts, nach dem die Leute zufrieden die Halle verlassen konnten. (Kevin)

Setlist THIN LIZZY:

Are You Ready
Jailbreak
Don't Believe A Word
Killer On The Loose
Dancing In The Moonlight
Massacre
Angel Of Death
Still In Love With You
Whiskey In The Jar
Sha La La
Suicide
Waiting For An Alibi
Cowboy Song
Boys Are Back In Town

Emerald
Rosalie
Black Rose

Fotos: Jochen

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