in_flames_oberhausenNach 2 Jahren Tourpause und einem neuen Album bereits im Juni war es für die tourfreudigen IN FLAMES wirklich an der Zeit für eine neue Tour. Mit im Gepäck haben sie mit TRIVIUM einen hochkarätigen Support, der dieses Jahr auch ein sehr gutes Album veröffentlicht hat sowie 3 weitere Bands. Damit ist diese Tour auch wieder eines der Packages mit vielen Bands, viel Umbauzeit und wenig Spielzeit für die einzelnen Bands. Daß das zumindest für IN FLAMES zum Glück nicht zutrifft, davon konnte ich mich schon vor ein paar Tagen in Offenbach überzeugen. Dort haben wir aufgrund eines Staus jedoch leider die ersten beiden Bands verpaßt. Das soll heute nicht passieren und obwohl die Autobahnen im Pott unter dem Freitagsfeierabendverkehr leiden und der Verkehr mehr als einmal stockt, schaffe ich es gerade noch pünktlich in die Oberhausener Turbinenhalle.

 


 


INSENSE

Und so beginnen INSENSE bereits kurze Zeit nachdem ich die Halle betreten habe mit ihrem Auftritt. Schon jetzt ist die Turbinenhalle gut gefüllt, der hintere Saal ist offen und auch auf der Empore sitzen schon Leute. Es scheint heute abend voll zu werden. Unter Glockenläuten betreten die Norweger die Bühne und arbeiten sich durch ihre Diskographie. Den Schwerpunkt legt man natürlich auf das aktuelle Album „Burn In Beautiful Fire“, von dem man neben dem Titelsong auch „Surviving Self Resentment“ und andere spielt. Aber auch „Welcome Whore“ vom 2007er Album „The Silent Epidemic“ und „Gasping For Air“ vom 2005er „Soothing Torture“ fehlen nicht. Die Band kommt beim Publikum ganz gut an und kann auch die ersten Stagediver verzeichnen, doch irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Sänger nur deshalb growlt, weil er nicht singen kann. Auch die etwas Core-lastige Musik ist nicht wirklich mein Fall und so fallen INSENSE eher in die Kategorie „nett, aber verzichtbar“.

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RISE TO REMAIN
RISE TO REMAIN aus dem vereinigten Königreich sind dann die zweite Band des Abends. Die gehen noch mehr Richtung Core und der Sänger ist besser als der von INSENSE. Aber das heißt noch lange nicht, daß er auch gut ist. Die Band wurde 2006 gegründet, und hat dieses Jahr mit „City Of Vultures“ ihr erstes Studioalbum veröffentlicht. Und so gibt es natürlich nur Songs von diesem Album zu hören. Auf „This Day Is Mine“, „City Of Vultures“, „Nothing Left“ oder „Bridges Will Burn“ fahren doch viele der jungen Zuschauer ab. Die Band, deren Sänger Austin Dickinson erzählt, daß sie bereits mit BULLET FOR MY VALENTINE in Oberhausen gespielt hat, ist sehr engagiert unterwegs, kann die Fans auch zu Mitsingspielchen animieren und spielt vor einer sehr gut gefüllten Turbinenhalle. Trotzdem – auch RISE TO REMAIN sind eigentlich nichts Besonderes und verzichtbar.

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GHOST
Somit stellen GHOST die erste wirklich brauchbare Band des Abends dar. Und darstellen ist hier der richtige Ausdruck, denn alle Musiker sind maskiert und anonym unterwegs. Die Instrumentalisten, „nameless Ghouls“ genannt, tragen Mönchskutten, der Sänger selbst tritt in einem „leicht“ abgewandelten Papstornat auf und nennt sich Papa Emeritus. Mit dem Weihrauchfaß, bei dem ich mir noch nicht mal sicher bin, ob da wirklich Weihrauch drin war, wirken die Schweden etwas wie POWERWOLF für Arme. Auch das Stageacting läßt etwas zu wünschen übrig. Während die „Mönche“ nur starr auf ihren Plätzen stehen, schreitet der Papa Emeritus über die Bühne und vollführt übertrieben theatralische, teilweise schon fast lächerliche, Bewegungen. Aber immerhin kann er singen und die Musik ist eigentlich auch nicht so schlecht, wenn man sich mal darauf einläßt. Und man muß durchaus anerkennen, daß der Sänger das Publikum ohne Ansagen, allein mit Gesten, dirigieren kann. Die einzige Ansage gibt es dann beim letzten Song – Verzeihung – beim letzten Ritual, denn so nennen GHOST die Livedarbietung ihrer Songs. GHOST waren auf jeden Fall besser als in Offenbach, der Auftritt würde mich jetzt aber nicht zum Kauf einer CD verleiten. Aber hier hatte man mal nicht das Gefühl, seine Zeit zu verschwenden.

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TRIVIUM
TRIVIUM sind dann die erste wirklich interessante Band. Und das nicht zuletzt wegen ihres sympathischen Frontmanns Matthew Heafy, der zwischen den Songs allerlei sinnvolles und sinnloses Zeug erzählt und seine Ansagen teilweise auf deutsch macht, was ihm beim Publikum gleich Pluspunkte einbringt. Aber auch ohne diese würde das Publikum wohl von den US-Amerikanern begeistert sein. Mit „In Waves“, dem wohl stärksten Song auf ihrem aktuellen, gleichnamigen Longplayer eröffnet man die Show, um anschließend ein paar ältere Songs auszupacken. Aber dann kommt mit der neuen Single „Built To Fall“ auch schon wieder ein neuer Song. Sänger Heafy spornt derweil das wirklich gut mitgehende Publikum weiter an und bezeichnet es als das beste Publikum bisher (aber tun das nicht alle Sänger?). Naja, wie auch immer, vor „Dusk Dismantled“ erzählt der Frontmann ganz begeistert vom Oberhausener Weihnachtsmarkt, den die Band gestern auf dem Day-Off besucht hat und auf dem er angeblich alles gegessen und alles getrunken hat, was es dort so zu kaufen gab. Mit „Black“ gibt es anschließend einen weiteren neuen Song, bevor man mit „Dying In Your Arms“, „Pull Harder on the Strings of Your Martyr” und „Down From The Sky“ ein paar ältere Stücke spielt. Mit diesem Auftritt konnten TRIVIUM ihre Position, die sie mittlerweile inne haben, noch einmal unterstreichen und wirklich überzeugen. So wird denn auch vehement eine Zugabe gefordert, die aber im eng gesteckten Zeitplan leider nicht drin ist. Ersatzweise verteilt die Band kiloweise Plektren unter den Fans. TRIVIUM kommen wirklich sympathisch rüber und eine tolle Liveband, die man sich jederzeit noch mal ansehen kann.

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IN FLAMES
Doch das alles ist natürlich nichts gegen die Hauptband dieses Abends. Schon bevor die Band überhaupt die mit einem schwarzen Tuch verhangene Bühne betritt, ist das Gedränge vor selbiger so groß, daß bereits die ersten Leute (Männlein wie Weiblein) von der Security aus der Menge gezogen und teilweise sogar weggetragen werden müssen. Da kommt Boygroupfeeling auf. Auffällig auch, daß in den ersten Reihen kaum Langhaarige stehen und dass überhaupt sehr viele sehr junge Fans anwesend sind, während meine Alterklasse kaum vertreten ist. Und daß die jungen Fans auch scheinbar nur die neueren Songs kennen, das merkt man während des Auftritts immer wieder. Doch IN FLAMES starten erstmal mit „Sounds Of A Playground Fading“, „Deliver Us“ und „All For Me“ in gleicher Reihenfolge wie auf der aktuellen Scheibe in den Auftritt und können damit schon ordentlich Stimmung machen, was Anders Fridén zu der Aussage veranlasst, daß Oberhausen das beste – zumindest unter den Deutschen – Publikum der laufenden Tour ist. Und wenn man die Stimmung in der Turbinenhalle mit der Stimmung in Offenbach vergleicht, dann glaubt man das auch gerne.

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Überhaupt, Anders Fridén: Man ist es ja von ihm gewohnt, daß er von CD zu CD immer häßlicher wird. So besticht er auch auf den Promofotos zur aktuellen Scheibe "Sounds Of A Playground Fading" mit dem Bauer-aus-der-Kerrygold-Werbung-Look. Und wer dachte, es geht nicht mehr schlimmer, der wird heute Abend eines besseren belehrt: Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Anders her. Und der sieht jetzt aus wie ein kanadischer Trucker. Vielleicht will er sich aber auch einfach musikalisch neu orientieren und bereitet schon mal seinen Einstieg bei ZZ TOP im Jahr 2016 vor. Andererseits würde das aber auch den riesigen Tourtross von 4 Bussen, 3 großen und mehreren kleinen Trucks erklären – denn was die ansonsten da alles drin haben wollen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Doch genug geschwafelt, weiter im Programm. Dort bietet man dem Publikum jetzt drei ältere Songs, „Colony“ vom gleichnamigen Album, „Swim“ vom Album „Clayman“ und „The Hive“ von „Whoracle“. Und Sänger Anders Fridén kann es wieder mal nicht lassen, über die neuen Fans zu lästern, die die alten Songs nicht kennen. Herrlich. Wobei es aber schon armselig ist, daß Fans, die in der ersten Reihe stehen, es nicht mal hinbekommen, wenigstens anerkennend mit dem Kopf zu nicken. Da muß man sich dann schon mal ein „confused motherfucker“ an den Kopf werfen lassen. Wie auch immer, „The Quiet Place“ ist dann wieder jedermann bekannt und entsprechend sind die Fanreaktionen.

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Sehr begeistert bin ich persönlich, daß es „Where The Dead Ships Dwell“ und „Fear Is The Weakness“, zwei meiner Favoriten auf dem neuen Album, auf die Setlist geschafft haben. Aber die ist sowieso ziemlich „Sounds From A Playground Fading“-lastig. Insgesamt 8 von 13 Songs stehen auf der Setlist. Macht aber nix, da das neue Album durchweg genial ist. Bei „Fear Is The Weakness“ verfährt Anders Fridén getreu dem Motto seiner Landsleute IKEA, „Entdecke die Möglichkeiten!“, und singt von einer der Emporen aus hoch über den Fans. So kommt er nicht nur in den Genuß des perfekten Überblicks, sondern kann auch zum ersten Mal im Leben (laut eigener Aussage) selber IN FLAMES auf der Bühne sehen. Deutlich geringer ist der Genuß offenbar beim Gerstensaft: „Premium Alt! Hm….Premium…but, you HAVE great beer in Germany!“ Ich als Nicht-Ruhrpottler habe da gut lachen. Bei uns gibt es schließlich gutes Bier. Wie wohl auf allen Konzerten der Tour fordert der Sänger die Fans zu „Ropes“ zum Stagediven auf, da die Herren Securities etwas unterbeschäftigt seien. In Offenbach wurde das zur Kenntnis genommen – in Oberhausen bricht die Hölle aus.

 

Sowas hab’ ich echt seit Jahren nicht mehr erlebt. Selbst in den Randbereichen folgt Stagediver auf Stagediver, so daß man kaum noch zum bangen kommt (gut, das geht sowieso nicht so doll, da erstens der Platz fehlt und zweitens die Haare immer bei mindestens 3 Mitmenschen unter den Armen klemmen). Jetzt hat die Security wirklich zu tun. Genial. Der absolute Höhepunkt eines jeden IN FLAMES-Konzertes stellt jedoch nach wie vor „Only For The Weak“ dar, bei dem die ganze Turbinenhalle im Takt hüpft. Den Song kennen dann auch die Jungspunde. Auch die folgenden Songs, „Delight And Angers“, „Cloud Connected“ und „The Mirror’s Truth“ sind allererste Sahne, leider ist der Auftritt damit auch schon zu Ende. Als finaler Höhepunkt dient „Take This Life“, zu dem es dann endlich Pyros gibt, und zwar sternförmig herausschießende. Hab’ ich so auch noch nicht gesehen. Ganz zum Schluß darf natürlich der imposante Funkenregen nicht fehlen. Schade nur, daß man nicht mehr Pyrotechnik verwendet hat. Nichtsdestotrotz wollen die Fans die Band am liebsten gar nicht gehen lassen, die letzten anderthalb Stunden sind wie im Flug vergangen. Die Schweden lassen sich noch eine Weile feiern, bevor sie die Bühne verlassen und ein herrlicher Konzertabend zu Ende ist.

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Setlist IN FLAMES:
Sounds of a Playground Fading
Deliver Us
All for Me
Trigger
Alias
Colony
Swim
The Hive
The Quiet Place
Where the Dead Ships Dwell
Fear Is the Weakness
Come Clarity
Ropes
Darker Times
Liberation
Only for the Weak
Delight and Angers
Cloud Connected
The Mirror's Truth
Take This Life


Zwar hätte ich gerne mehr alte Songs gehört, insbesondere einen Vertreter von „The Jester Race“ habe ich vermisst, aber auch von den anderen Alben aus den Neunzigern hätte ich gerne mehr gehört. Naja, man kann nicht alles haben, die letzten beiden Alben waren ja wieder großartig und die Stimmung auf dem Konzert war auch einfach nur umwerfend. Wenig Gepoge, viel Stagediving, textsichere Fans, die nicht nur Refrains mitsingen können - man fühlte sich in die Vergangenheit zurückversetzt und an den genialen Auftritt der Band in Wacken 2001 erinnert. Herrlich. Genauso will ich IN FLAMES immer sehen (nur mit mehr Pyros). Etwas sinnfrei waren nur die vielen Vorbands, von denen die ersten drei gerade mal 30 Minuten Spielzeit hatten. Das war nur wenig mehr als die Umbauzeit zwischen den Bands. Da hätte ich lieber nur 3 Bands gesehen und dafür jeder noch mal 30 Minuten Spielzeit dazugelegt. Konzerte mit mehr als 3 Band sind einfach nicht das Gelbe vom Ei.

Daneben danke ich der Marek Lieberberg Konzertagentur (die noch nichteinmal weiß, daß Jesper Strömblad kein Mitglied mehr bei IN FLAMES ist, und daß er gar nicht bei der neuen Platte mitgewirkt hat) dafür, daß man sich seitenlang per Fax (!) um einen Fotopaß bewerben muß, um dann doch eine Absage zu erhalten. Ehrlicher, ganz herzlicher Dank geht an Martin Zowislok von der Matrix Bochum für die Vermittlung und an Jörg Litges für das freundliche Bereitstellen der Fotos! (Anne)

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