edguy20111018EDGUY die Zweite in Saarbrücken! Nach einer One-Off Show im Sommer 2009 zur Vorbereitung auf die Wacken Rocks Festivals, die nach einem einzigen Versuch auch schon wieder Geschichte zu sein scheinen, gastierten die Fuldaer Gute-Laune-Rocker an einem herbstlich ungemütlichen Dienstag erneut in der Saarbrücker Garage und Neckbreaker war für euch vor und hinter der Bühne vor Ort (ein Interview meiner Kollegin Anne mit EDGUY Bassist Tobias "Eggi" Exxel steht bereits in den Startlöchern).

Stand bereits das letzte Gastspiel in Saarbrücken unter keinen so guten Vorzeichen und musste kurzerhand verschoben werden, so war man auch dieses Mal nicht ganz sicher, ob das Konzert überhaupt stattfinden würde.  Eine Kehlkopfentzündung ist per se doof, bei einem Sänger allerdings ein No-Go, so dass die Shows in Essen, Fulda und Bamberg ans Tourende geschoben werden mussten. Nach mehrtägiger Auszeit ging die Reise für EDGUY dann wieder weiter, zu 100% fit schien Tobi Sammet, der nur zur Show sein Hotelzimmer verließ (Rockstar lässt grüßen), nach wie vor nicht zu sein, aber selbst 90% sollten ausreichen, um die Garage später zum Kochen zu bringen.

KOTTAK 
„Manus manum lavat“, so sagt es ein lateinisches Sprichwort, das mit dafür verantwortlich war, dass der SCORPIONS Drummer James Kottak samt seiner Band KOTTAK als Special Guest der Tour mitreisen durfte, sozusagen ein nachträgliches Dankeschön dafür, dass EDGUY wochenlang die SCORPIONS durch die größten Hallen begleiten durften. Im Vorfeld durfte man ob dieser Entscheidung durchaus skeptisch sein, denn die beiden KOTTAK Alben aus 2010 und 2011 („Rock & Roll Forever“, „Kottak Attack“) besitzen in Insiderkreisen nicht den besten Ruf. Zudem passt der Mix aus Sleaze, Punk und Rock ’n‘ Roll auf den ersten Blick nicht wirklich zu einer Melodic Metal Band; das „Power“ lassen wir inzwischen besser weg.
Doch schon nach den ersten paar Takten  des Openers waren diese Bedenken wie weggewischt, denn bei druckvollstem Sound legten Kottak und Co. eine 50-minütige Show auf die Bretter, die bei anderen Bands als Headliner-Gig durchgegangen wäre und was soll ich lügen? Den Leuten gefiel es zum überwiegenden Teil.
Eine gewisse Portion Arroganz kann man dem Gehabe und den Posen von James Kottak, der bei seiner eigenen Band als Sänger und Gitarrist im Mittelpunkt steht, es sich aber trotzdem nicht nehmen ließ bei  zwei Nummern auf dem Drumhocker Platz zu nehmen und die Felle zu verdreschen, sicher nicht absprechen. Ganz zu schweigen, dass der Kerl im Laufe der Show öfter sein Outfit wechselt als Lady Gaga, und das vermutlich sowieso nur, um zum Schluss sein Rückentattoo zu präsentieren. Bei diesen Songs übernahm Gitarristin Stephanie Smith den Gesang und stellte mit diesem ihren Chef mal locker in den Schatten. 
Eines wurde jedoch auch klar, KOTTAK leben live von ihrer Energie und von der Show, denn die gespielten Songs wie „Let’s Do It Tonite“, „Time To Say Goodbey“ (Ronnie James Dio und dem kürzlich verstorbenen Jari Lane von WARRANT gewidmet), oder „Scream With Me“ sind im Vergleich zu Rockklassikern B-Ware und die Interpretation der SCORPIONS Ballade „Holiday“ (angeblich James‘ Lieblingsstück der SCORPIONS  [Anm.ieS: schlechter Geschmack]) war auch eher zweifelhaft. Einzig die gegen Ende gespielte Bandhymne „Rock & Roll Forever“ hat das Zeug zu mehr! Der Spaßfaktor war trotzdem enorm und ich kann mich nicht erinnern in letzter Zeit einen ähnlich selbstbewussten Support erlebt zu haben, der so gut angekommen ist. Da kann man nur sagen: Alles richtig gemacht!

EDGUY
Wie groß EDGUY inzwischen sind, sieht man nicht nur daran, dass die Band (zu Recht!?) als offizieller SCORPIONS Nachfolger gehandelt wird oder daran, dass einige Konzerte der Tour bereits im Vorfeld ausverkauft sind, sondern auch daran, dass das Backdrop mit dem „Joker Konterfei“ für die vergleichsweise kleine Garagenkulisse zu groß war. Ansonsten war die Bühnendeko sehr spartanisch, keine Bildschirme, keine Videoleinwand und auch keine größeren Aufbauten wie noch einen Monat zuvor bei SABATON. Da geht sicherlich noch so einiges mehr, doch auch diese Gedanken verflogen, als es um Punkt acht Uhr und dreißig Minuten hieß: „Welcome To The Freakshow“. Als Opener wählten EDGUY mit „Nobody’s Hero“ was Schnelles, um direkt darauf „The Arcane Guild“ nachzulegen, das sich ebenso ausgezeichnet zum gemeinsamen Kopfbangen eignet. Spätestens ab dieser zweiten Nummer war der Sound auch wieder so gut wie zuvor bei KOTTAK, so dass der erste Ausflug in die Vergangenheit mit „Tears Of A Mandrake“ richtig zum genießen war. Das war auch der Moment, den Tobi Sammet zu seinen ersten Scherzen nutze (laut eigener Aussage „immer die gleiche scheiße“), die nicht die einzigen bleiben sollten. Im Gegensatz zu früher scheint Herr Sammet, der frisurenmäßig mehr und mehr zu einem BRUCE DICKINSON Lookalike wird (was das Singen angeht, heißt es da weiterhin kräftig üben), nun aber eine gesunde Mischung gefunden haben, man kann jedenfalls nicht mehr behaupten, dass er die Leute totlaberte (so wie Andi Deris vor einiger Zeit an gleicher Stelle). Und dass man sich sogar beim Anzählen eines Songs verhaspeln kann, wollte uns Tobias Sammet an diesem Abend auch noch zeigen. Schön, wenn man selbst drüber lachen kann.

Kommen wir wieder zurück zur melodischen Mucke oder genauer gesagt zum neuen Album „Age Of The Joker“, das ganz im Mittelpunkt stand, und von dem insgesamt 6 Nummern gespielt wurden. Neben „Nobody*s Hero“ und „The Arcane Guild“ waren das „Pandora’s Box“, „Rock Of Cashel“, „Behind The Gates To Midnight World“, der legitime Nachfolger zu „The Piper Never Dies“ und live mit seinen teils doomigen Parts überraschend fantastisch sowie das von IRON MAIDEN inspirierte Mid-Temp-Stück „Robin Hood“, in dessen Mittelteil man den „Seventh Son Of A Seventh Son“ Spoken-Word Part integrierte. Cool. Beim nächsten Mal will ich bei „Robin Hood“ allerdings die Bühnenaufführung mit Bernhard Hoecker sehen. Ohne Witz, trotz der Vielzahl der neuen Songs, machte jede Nummer Laune, gutes Stichwort für das ca. 10-minütige Drum-Solo von Bum Bum Bunny Bohnke…boah und schnarsch war das langweilig. Schwamm drüber.

Aufgelockert wurde das Set durch einige ältere Songs, die natürlich besonders lautstark abgefeiert wurden. Im Mittelteil „Lavatory Love Machine“ und „Superheroes“, welches der Tobi, von einem seltsam ausschauenden Fahrstuhl in die Höhe gehoben, von einer Art Kanzel in der Mitte der Garage aus singen durfte und nach „Ministry Of Saints“, bei dessen Ansage die geographische Feststellung getroffen wurde, dass Saarbrücken nicht Losheim sei (korrekt!), war’s auch schon Zeit für die letzte reguläre Nummer des Sets, die bereits EUROPE in den Achtzigern geschrieben haben und EDGUY dann noch einmal 1997; „Vain Glory Opera“, nicht ganz so erfolgreich wie „The Final Countdown“. Für die „ganz spontan geplante“ Zugabe kamen EDGUY dann noch einmal auf die Bretter zurück, um mit „Land Of The Miracle“ die einzige Ballade des Abends zu spielen, die Freude darüber steht mir heute noch ins Gesicht geschrieben. Den Abschluss nach knapp 100 Minuten Unterhaltung der EDGUY’schen Art und Weise bildete wie nicht anders zu erwarten „King Of Fools“. Für Tobi Sammet war’s in Saarbrücken „fantastisch“ und da wir nicht zu Übertreibungen neigen, halten wir fest, es war „fast fantastisch“, so dass EDGUY gerne noch ein drittes und viertes und … Mal nach Saarbrücken kommen dürfen. (Maik)


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