Kamelot - Pandemonium Over EuropeNachdem KAMELOT ihr aktuelles Album „Poetry For The Poisoned“ bereits im letzten Jahr ausgiebig auf einer Tour in Europa sowie auf diversen Sommerfestivals beworben haben, ging es in diesem Jahr zunächst auf Südamerikatour. Nun ist man nach Europa zurückgekehrt um den Kontinent noch einmal zu beackern und im Herbst wird man mit den Vereinigten Staaten auch das Heimatland der Band beehren. Am 29.04. machte der Tourtross im Luxemburger Den Atelier Station.

Offizieller Beginn war für 20:00 Uhr angesetzt. Als wir um kurz vor Acht das Atelier betreten, müssen wir jedoch feststellen, dass SONS OF SEASONS bereits spielen. Und das nicht erst seit gerade eben, sondern wohl schon seit geraumer Zeit, denn wir erleben gerade mal noch zwei Songs („Fallen Family“ und „Tales Of Greed“). Sehr, sehr schade, denn die Band hätte ich wirklich gerne gesehen.

 

Als zweite Band betreten AMARANTHE die Bühne. Zu Beginn hat man mit leichten Problemen zu kämpfen, als während „Enter The Maze“ der Bass mal kurzerhand den Geist aufgibt, doch insgesamt kann man sich soundmäßig eigentlich nicht beklagen. Die Skandinavier beeindrucken mit geballter Sangeskraft: Mit weiblichen Vocals, männlichen Clean Vocals und männlichen Screams hat man gleich 3 Personen am Mikrofon stehen. Daneben erscheinen Gitarre und Bass schon fast als untergeordnete Instrumente. Doch das wirkt nur optisch so, denn die Band schafft es eigentlich ziemlich gut, die Vokalisten musikalisch nicht zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Auch beim Stageacting schafft man es, ständig alle einzubinden und im Gegensatz zu manch anderen Bands steht hier nie einer der Sänger gelangweilt in der Gegend rum. Im Gegenteil: vor lauter Enthusiasmus kommt es auf der engen Bühne öfter mal zu Fast-Kollisionen. Ein klein wenig gezwungen wirkt die ganze Action zwar schon, ich denke aber, das liegt einfach daran, dass die Band noch keine Unmengen an Konzerten bestritten hat und noch etwas unsicher ist. Leider verzichtet man trotz der vielen Sänger weitestgehend auf Ansagen und lässt eher die Musik für sich sprechen. Dennoch konnte die Band live durchaus überzeugen und macht Lust auf mehr.

Mit EVERGREY tritt das erste Highlight des Abends auf. Einige Fans scheinen auch nur wegen den Schweden gekommen zu sein; der Großteil des Publikums jedoch ist eher träge. Faszinierend ist wie immer die Tatsache, dass Sänger Tom S. Englund es schafft, bereits beim ersten Song so fertig und verschwitzt auszusehen wie andere nach einer Stunde. Mit „Leave It Behind Us“ beginnt man den Auftritt mit einem Song des neuen Albums „Glorious Collision“, bevor es mit „Monday Morning Apocalypse“ und der aktuellen Singleauskopplung „Wrong“ weitergeht. Die Band sucht den Kontakt zum Publikum, Tom Englund sagt jeden Song einzeln an und gibt auch immer ein paar lustige Sprüche zum Besten. Bei „Blinded“ kommt zum ersten Mal so etwas wie Stimmung auf, doch der Großteil des Publikums scheint einfach nur auf KAMELOT zu warten. Sehr schade für EVERGREY, die sich alle Mühe geben die Zuschauer mitzureißen. Mitreißend sind jedoch auf jeden Fall des Sängers Haare, die sich öfter mal im Mikroständer verfangen, diesen dann umzureißen drohen und den Mann zu dem Ausspruch „I hate this fucking hair!“ verleiten. Junge, mach bloß keine Dummheiten! Mit „Frozen“ gibt es noch einen weiteren Song der neuen Scheibe auf die Ohren und mit „Broken Wings“ kann man die Stimmung langsam steigern, die dann mit dem EVERGREY-Hit „A Touch Of Blessing“ ihren Höhepunkt erreicht. Sofern man bei dem doch recht lahmen Publikum von Stimmung sprechen kann, den kaum einer schafft es, zu den genialen Songs der Band mal die Haare kreisen zu lassen. Leider ist der Auftritt damit auch schon zu Ende. Viel zu kurz! Doch Tom Englund erzählt, dass die Band im Herbst wieder auf Tour geht und verspricht zurückzukommen. Das lässt hoffen. 

Setlist EVERGREY:

Leave It Behind Us
Monday Morning Apocalypse
Wrong
Blinded
The Masterplan
Recreation Day
Frozen
Broken Wings
A Touch Of Blessing

KAMELOT ist ganz eindeutig die Band, auf die das Luxemburger Publikum gewartet hat. Als Sänger ist nach dem kürzlich erfolgten offiziellen Ausstieg von Roy Khan wie schon auf den letzten Touren Fabio Lione, seines Zeichens Sänger bei den Italienern RHAPSODY OF FIRE, am Start. Mit „Rule The World“ und „Ghost Opera“ startet man gleich mit zwei Songs des Vorgängeralbums in den Auftritt, bevor es mit „The Great Pandemonium“ den Titelsong der Tour und den ersten Song des aktuellen Albums „Poetry For The Poisoned“ zu hören gibt. Für „The Human Stain“ bittet man Tommy Karevik, Sänger der schwedischen Prog Metaller SEVENTH WONDER auf die Bühne und Fabio Lione kann mal verschnaufen. Von der Publikumswirksamkeit her kann er mit dem Lione jedoch leider nicht mithalten. Der wirkt absolut professionell, sucht zwar den Kontakt zum Publikum, macht aber nur wenige Ansagen. Das ist vielleicht auch besser so, denn der Mann beweist einmal mehr, dass Italiener einfach kein Englisch können. Zum Glück macht er auch einige Ansagen auf Französisch, so dass man wenigstens das versteht. Bei „Nights Of Arabia“ hat man auch eine Sängerin auf der Bühne, die nicht nur singt, sondern auch schauspielert und damit die Aussagen des Songs noch deutlicher hervorhebt. Auch bei „A Sailorman’s Hymn“ singt sie ein wunderschönes Duett mit Fabio Lione. Nach „Soul Society“ gibt es ein Keyboardsolo, über das man sich freut, weil es mal was anderes ist und zudem auch noch wirklich gut. Zu „The Haunting (Somewhere In Time)“ holt man sich mit Simone Simons einen weiteren Gast auf die Bühne und zelebriert den Song gemeinsam mit dem Publikum. Anschließend gibt es ein Drumsolo, das dann doch recht nervig ist. Mit „Forever“, das mittlerweile auch schon 10 Jahre auf dem Buckel hat, beschließt man den Auftritt. Die Fans rufen die Band jedoch auf die Bühne zurück (auch wenn es die Luxemburger nicht schaffen, „Zugabe“, „Encore“, „We want more“ oder irgendetwas in der Art zu rufen sondern einfach stumm vor sich hin pfeifen) und mit einem Bassolo (visuell untermalt mit typisch amerikanischen Blinklichtern) beginnt dann der Zugabenblock. Mit „Karma“ und „March Of Mephisto“ fällt der aber recht kurz aus und irgendwie ist der Auftritt der US-Amerikaner dann recht plötzlich vorbei. Da hätte man sich anstatt diverser Instrumentalsoli und eher minder aufregender Mitsingspielchen doch lieber ein oder zwei Songs mehr gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben. Kamelot konnten live auf jeden Fall einmal mehr überzeugend, obwohl gegen Ende irgendwie die Luft raus war und sich auch der Saal schon etwas geleert hatte. 

Setlist KAMELOT:

Rule The World                    
Ghost Opera                        
The Great Pandemonium                
The Human Stain    
Center Of The Universe                 
Nights Of Arabia                    
A Sailorman’s Hymn                    
When The Lights Are Down                
Soul Society                        
Descent Of The Archangel                
EdenEcho                        
Necropolis                        
The Haunting (Somewhere In Time)                 
Forever                        
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Karma                            
March Of Mephisto

Insgesamt war es ein für Luxemburger Verhältnisse recht typisches Konzert. Die Bands geben sich alle Mühe, das Publikum mitzureißen, aber dem muss man wohl erst eine Pistole an den Kopf halten, damit es mal die Hände hebt. Auch geklatscht wurde recht wenig und gebangt erst recht. Das Konzert war sowieso ziemlich schlecht besucht, man konnte immer recht locker durch die Reihen schlendern. Und zum Ende des KAMELOT-Auftritts hatten wohl alle, die nicht wegen der Band auf dem Konzert waren, den Saal schon verlassen. Irgendwie traurig, auch wenn man bedenkt, dass (mit Ausnahme von KAMELOT) alle Bands laut eigener Aussage noch nie in Luxemburg gespielt haben. Da erwartet man schon etwas mehr Enthusiasmus. Dennoch war es ein gutes Konzert mit durchweg guten bis sehr guten Bands, das aber eben noch mehr Spaß gemacht hätte, wenn im Publikum mehr Stimmung aufgekommen wäre. Erwähnenswert sind aber auch noch die T-Shirt-Preise. Verkauften KAMELOT ihre Shirts für inzwischen fast schon normale 20 € das Stück, wollten EVERGREY gar 25 € für ein läppisches T-Shirt. Absoluter Wucher! (Anne)

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