mh0MOTÖRHEAD rufen, und alle kommen. So kennt man es und so mag man es. Die legendäre Band um ihren legendären Frontmann lädt traditionell zum Jahresende in den deutschen Südwesten ein, wobei auch Trier fast immer auf der Speisekarte steht. Auch zur diesjährigen Jubiläumstour (MOTÖRHEAD wird 35 Jahre, Lemmy am Heiligabend satte 65 Lenze alt, und das 21. Studioalbum ist am Start) führt der Weg in die Trierer Arena, einer gewaltigen Veranstaltungshalle mit anliegendem Bistro. Mit zu Gast ist die Langzeitverbündete DORO mit Band sowie die Doomster GRAND MAGUS, die ebenfalls ein neues Album vorzuweisen haben.

Gerne hätte ich diese Formation live gesehen, nachdem sie auf Platte schon recht vielversprechend klang, was uns aber leider nicht vergönnt war, denn unser traditioneller Motörbus brauchte aufgrund der Witterung und den widrigen Parkbedingungen länger als geplant, und so standen wir erst zum Auftakt von DORO vor den Eingangstüren.

Drinnen angekommen musste man sich erstmal durch die zahlreichen Besucher kämpfen, die im Foyer entweder biertrinkend auf ihre Favoriten warteten, in Scharen die Toiletten besuchten oder wegen mangelnden Interesses erstmal das Bistro zum Biergenuss aufsuchten.

Derweil moshte sich Frau Pesch auf der Bühne wie gewohnt die Seele aus dem Leib und zelebrierte ihre Songs der neuen und alten Zeit zusammen mit dem dankbaren Publikum. Dabei durften die Hits der Solokarierre ebenso fehlen wie das obligatorische „Für Immer" und den weiteren WARLOCK –Klassiker „All We Are" in der moderneren Version zum Schluss. Auch wenn Ansagen und Bühnengehabe zuweilen recht schnell zum Fremdschämen ausarteten und DORO auf der riesigen Bühne mit ihrer doch geringen Körpergröße etwas arg verloren wirkte, so muss man dennoch gestehen: die Frau hat es gesanglich immer noch voll drauf. Die Stimme erklingt ohne Alterserscheinungen, sehr professionell und druckvoll. Schon beachtlich, was aus dieser kleinen Frau mittels großer Stimme herauskommt. Somit zählt DORO immer noch zu den besten deutschen Metalfrauen, nicht nur aufgrund der gesanglichen Leistung, sondern auch aufgrund ihrer Beharrlichkeit und ihres Durchhaltevermögens. Das Publikum dankte es ihr ebenbürtig.

Nach einer etwas längeren Umbaupause war es dann Punkt 21 Uhr soweit: Das Rock-Dreigestirn betritt die Bühne, und Lemmy kündigt wie gewohnt an: „Good Evening! We are MOTÖRHEAD, and we play Rock'n'Roll!" Der Opener danach bleibt immer spannend, dieses Mal entschied man sich sehr passend für „We Are Motörhead". Nach "Stay Clean" bekam man schon direkt die erste positive Überraschung: einer der besten Songs des neuen Albums wird angekündigt: "Get Back In Line". Die Singleauskopplung ist bereits als Videoclip zu sehen und kann auch live voll und ganz überzeugen.

mh2Im späteren Verlauf bekommt man mit „I Know How To Die" einen zweiten Vorgeschmack auf das kommende Album. Für mich die Hymne und der beste Song von „The Wörld Is Yours". Die Playlist lässt aber auch ansonsten nichts zu wünschen übrig, von alten bis neueren Klassikern kommen alle auf ihre Kosten. Showtechnisch haben MOTÖRHEAD nicht viel Neues am Start, das obligatorische Drumset wird von einigen Pyroeffekten begleitet, und Ausnahmedrummer Mikkey Dee zeigt ein weiteres Mal, dass man auch stramm in Richtung 50 gehen kann und dabei gleichzeitig immer noch exzellent Schlagzeug spielen kann.

mh1Lemmy hält sich mit Ansagen eher knapp und lässt das Publikum zur Hochform auflaufen. Nach dem nicht mehr wegzudenkenden „Ace Of Spades" ist dann erstmal Raucherpause, bis die Zugabe erfolgt und in dem Übersong und Evergreen „Overkill" endet. Lemmy verabschiedet sich davor wie immer mit „Don't Forget Us!", aber diese Rhetorik ist eh überflüssig, denn wer der gut 2000 Zuschauer will das schon? Sollte auch Lemmy wider Erwarten irgendwann den Löffel reichen, er und MOTÖRHEAD sind schon lange unsterblich.

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Ein gebührender Abend endet nach ca. 70 Minuten Rock'n'Roll-Vollbedienung, und zufriedene und von Erschöpfung und Alkohol gezeichnete Gesichter treten ihren teils langen Heimweg an. Fertig, aber glücklich, was will man von einem Freitagabend mehr? (Jochen)

Fotos: Jochen

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