Waren wir wirklich so lange weg???

Obwohl der 62jährige Altmeister des Shock-Rock, ALICE COOPER, endlich mal wieder auf Hallentour in Deutschland unterwegs ist, scheinen in diesem Jahr nicht all zu viele Fans der klassischen Rockmusik unter uns zu weilen, denn bei Betreten der Jako-Arena stellen wir verwundert fest, dass diese vielleicht gerade einmal zur Hälfte gefüllt ist. Wo gibt's denn so etwas? Nun ja, vielleicht ändert sich das ja noch....Was uns aber noch mehr verblüfft sind die USB-Stick-Armbänder mit silbernem ALICE COOPER-Schriftzug, auf welchen man gleich nach dem Konzert einen Mitschnitt mit nach Hause nehmen kann – unglaublich, aber wahr, was sich in lückenhaften 2 Jahren so alles tut. Doch das alles nur so am Rande, nun wollen wir erst mal wieder einen Schritt zurück gehen...

live_20101115_eisbrecher1.jpgAls wir nach einer zweistündigen Irrfahrt durch schier unbändigen Regen endlich die Jako-Arena in Bamberg erreichen, geht es mit der Tortur weiter. Nachdem wir am A... der Welt endlich unser Auto geparkt haben, eilen wir durch den anhaltenden Dauerregen zum Eingang, wo uns der nette Verwalter der Gäste-/Presseliste freundlich mitteilt, dass man ihm nicht genug Fotopässe gegeben habe, und er somit den Onlinern leider keinen Fotopass aushändigen könne. SUPER!!!! Also Kommando zurück, im Stechschritt wieder zum Auto hasten, Kamera im Inneren sicher verstauen, zurück düsen, um dann festzustellen, dass die Bayern von EISBRECHER mit „This Is Deutsch" und „Miststück" (der Dauerbrenner von Alexander Wesselskys Vorgängerband MEGAHERZ) bereits am Ende ihres Neue-Deutsche-Härte-Sets angekommen sind. APPLAUS! Zumindest von den jüngeren, zumeist weiblichen Zuschauern in der spärlich gefüllten Halle. Ob das Eis so wirklich gebrochen ist, sei mal dahingestellt, aber man wurde zumindest kurzweilig unterhalten. [Tanja & Alex]

 

live_20101115_tarja.jpgNun gut, die letzten werdend die Ersten sein – zumindest bei dem zweiten Supportakt TARJA TURUNEN. Wir müssen gestehen, dass wir schon sehr gespannt auf die ehemalige NIGHTWISH-Sängerin waren – auch wenn dieser epische Gothic-Metal mit prunkvollem Bombast und symphonischer Schlagseite für meine Ohren doch ein wenig zu viel des Guten ist. Nach einem schier unendlichen Intro geben die Herren (am Schlagzeug mal wieder Überall-Trommler Mike Terrana..*fg*) rund um Madam Turunen auch gleich mächtig Gas und als sie dann in Gewandung einer gothischen Prinzessin auf die Bühne schwebt, ihre erstklassige Sopran-Stimme erhebt und das orientalische „Dark Star" erklingen lässt, werde ich doch etwas in ihren Bann gezogen – muss ich gestehen!
Schnell merkt man jedoch, dass die finnische Ausnahmesängerin irgendwie verloren auf der Bühne wirkt. Mal schmeißt sie urplötzlich ihre Mähne nach vorne, hämmert sich auf den Oberschenkel, rockt fetzig ab – aber irgendwie sieht es aufgesetzt aus, unpassend und so gar nicht zu ihr gehörend. Ob sie einfach ausgelaugt ist nach der Tour und heute, an ihrem letzten Tourkonzert, einfach nicht mehr die nötige Energie hat, oder ob sie als Solistin noch nicht so ganz ihren Weg gefunden hat, lasse ich einfach mal offen. Vielleicht sehe ja auch nur ich das so?!?!?
Die Menge direkt vor der Bühne freut sich auf jeden Fall über die ausgelassen-freundliche Begrüßung auf Deutsch, doch die Animationsversuche laufen meist ins Leere und man sieht ihr zwar zu, wirkt aber stellenweise etwas teilnahmslos. Alle Songs, ob härter oder auch getragener, werden von pathetischem Keyboard-Sound unterlegt und könnten alle auch auf einem weniger guten NIGHTWISH-Album vertreten sein. Apropos NIGHTWISH, als sie nach zweimaligem Umziehen dann „Nemo" und „Wishmaster" performt, bebt plötzlich die Jako-Arena, die Raucher schmeißen fast ungerauchte Zigaretten weg und der Zulauf ist beeindruckend. Schade, wo es doch um TARJA TURUNEN als Solokünstlerin geht. Das anschließende „I Walk Alone" können wir dann als für uns besten Song des Sets küren.

Alles in allem nett anzusehen, vor allem die Soli von Gitarrist Alex Scholpp wissen zu gefallen, der Cello-Einsatz ist gelungen und ob das ständig wiederkehrende Drumsolo von Mike wirklich immer wieder sein muss, wage ich zu bezweifeln. [Tanja]

 

Aber ehrlich gesagt, ist dass auch alles völlig nebensächlich, denn eigentlich haben wir ja den Weg wegen dem lebenden Untoten ALICE COOPER auf uns genommen. So oft wie dieser Herr schon den Kopf verloren hat, durchlöchert wurde oder durch die Giftspritze hingerichtet wurde, muss er einfach in einem unbekannten Schattenreich wandeln. In eben diesem Zwischenreich hat ALICE COOPER nun vor 2 Jahren seinen unglaublichen 60ten Geburtstag gefeiert und kann damit nun auf eine 42jährige Bühnenpräsenz zurückblicken. Man oh man, seit über 40 Jahren shockt und rockt er auf den Bühnen dieser Welt, aber ans Aufhören denkt Herr Cooper jedoch Gott sein Dank noch lange nicht. Der Mann, der seit Anfang der 70er Jahre die oftmals biedere Öffentlichkeit mit makabren und aufwendigen Bühnenshows schockierte, kann nicht nur auf vier Jahrzehnte, sondern ebenfalls auf zahlreiche Hits zurückblicken, welche die Musikwelt nachhaltig geprägt haben. Seinen allerersten Top Ten Hit hatte er bereits im Jahr 1972 mit „School's Out", doch vor allem der Überhit „Poison", welcher damals wie heute in den Radiostationen rauf und runter gelaufen ist und immer noch läuft, dürfte wohl jedem ein Begriff sein. Doch auch die Ballade „Only Women Bleed" ist kein unbeschriebenes Blatt und auch der durch den Film Waynes World bekannt gewordene Song „Feed My Frankenstein" schwirrt wohl in so manchem Kopf umher.

live_20101115_alice1.jpgDoch heute Abend hat er nicht nur seine Klamottenkiste vom Dachboden geholt, sondern hat ebenfalls sein aktuelles 2008er-Werk „Along Comes A Spider" im Reisegepäck, von welchem wir dann wohl den einen oder anderen Titel, nebst neueren Bühnenelementen, zu hören bekommen werden. Allerdings sollten Cooper-Show-Klassiker, wie zum Beispiel seine eigene Enthauptung unter der Guillotine, ebenfalls nicht fehlen. Aber wir werden ja gleich sehen, was Mister Supershock so alles in seinem heutigen Repertoire mitführt. Neben zahlreichen Requisiten und spitzen Musik ist das vor allem seine älteste Tochter Calico, welche sich tänzerisch und schauspielerisch bereits seit dem Jahr 2000 die Bühne mit dem berühmten Daddy teilt.

Genug gelabert, zurück nach Bamberg.
Gespannt starren wir das blutrote Banner an, welches die Bühne vor allzu neugierigen Blicken schützt. Nch wenigen Minuten wird es dann endlich von zwei armen Seelen mit Henkerskapuze herunter gerissen, die ersten Klänge von „School´s Out" erklingen und ALICE COOPER eröffnet stilsicher das Theater des Todes. Spinnweben, Skelette, ein Hauch Tod und eine morbide Grundstimmung lassen alle Sinne wackeln und Herr COOPER stolziert mit edlem Spazierstock, Gehrock & Zylinder am Bühnenrand auf und ab, gestikuliert theatralisch und liefert einfach einen Einstand wie aus dem gruseligen Bilderbuch ab. Pure Begeisterung macht sich in der ganzen Halle breit, zieht auch in die letzten Winkel und erfasst bald das Publikum gleichermaßen. Ein gelungener Einstieg würden wir sagen. Zusammen mit seinen beiden Saitenhexern Keri Kelli und Damon Johnson, welche sich ebenfalls in überaus guter Stimmung befinden, gibt COOPER ein phantastisches Bild ab und das folgende „No More Mr. Nice Guy" kracht exquisit aus den Boxen, wobei er gar nicht so nice ist. Während anfänglich noch der Spot auf die Musik gerichtet ist, so werden ab der Hälfte des Songs die arme, kranke Schwester, sowie die skelettierten Bühnenhelfer übel mit Reitpeitsche und Degen traktiert. Aber kleine & auch große Sünden werden sofort bestraft und somit bekommt ALICE COOPER sofort seine Quittung, indem er in eine nicht bequem aussehende Zwangsjacke verfrachtet wird. In dieser darf er dann erst einmal ausharren, bissig sitzt er auf einem Zirkushocker und gleitet so zu „Wicked Young Man" hinüber. Hier wird dann abgerechnet und trotz der höllischen „I've got to get out of here!"-Rufe wird die Enthauptung in der Guillotine durchgezogen – das Beil fällt, COOPER zappelt, geht ins Reich der Schatten, steht nur ein wenig mitgenommen auf und singt mit seinem eigenen, abgeschlagenen Kopf in der Hand weiter! Theatershow at its´ best!
Bei der Parodie „I´m Eighteen" humpelt der sonst so unbändige und agile Vater Cooper mit Krücke über die Bretter und ärgert damit seine hochkarätigen Bandkollegen & Nurse Rozetta, bevor er diese dann sogar stranguliert.

Man weiß einfach gar nicht, was man alles schreiben, erzählen oder bildlich darstellen soll, da einfach alles klasse ist. Zusammen mit seiner Tochter, welche ihn, während der durchwegs aufwendig gestalteten Show, mehrfach aus dem Leben reißt, und seinen elitären Musikern, gibt es eine fast 90minütige, sehr realistische Inszenierung für die Augen & Ohren. ALICE COOPER findet den Tod noch im Erhängen, bei Tanjas persönlichem Lieblingssong „Poison" wird er mit einer riesigen Todesspritze hingerichtet, im dritten Teil der Schose wird er dann noch á la David Copperfield in einer weißen Kiste, von einem Brett mit langen Stacheln durchbohrt.

live_20101115_alice2Aber der Tod ist längst nicht alles, was bei einer ALICE COOPER-Show den Weg vor den Theatervorhang findet. Seine Tochter strippt neckisch hinter einer Schattenwand, besteigt dann das Schlagzeugpult, holt einen Winkelschleifer hervor, setzt ihn an ihrem metallischen Schlüpper an, und versprüht zur Freude vieler männlicher Besucher einen Funkenregen! Aber Nurse Rozetta hat auch ein Auge auf den Alkoholkonsum ihres Vaters ALICE und so entreißt sie ihm bei „From The Inside" die Whiskeyflasche und COOPER landet im Rollstuhl. „Vengeance Is Mine" – ALICE COOPER wird auf einem enorm hohen, rollbaren Jägersitz auf die Bühne geschoben und von dort aus intoniert er diesen Song dramatisch in seinem Spinnengewand. Bei dem twistigen „Dirty Diamonds" werden wieder Geschenke an das hiesige Publikum verteilt. Nach und nach wirft Herr Cooper nämlich weiße Perlenketten in die Meute und ob diese ganz geblieben sind, wage ich zu bezweifeln! Bei „Billion Dollar Babies" muss leider ein Billion Dollar Baby dran glauben und wird erbarmungslos geköpft, bevor Herr Cooper einen Degen in die Hand nimmt, auf welchem Bündelweise die Dollarscheine aufgereiht sind und diese dann ganz spendabel zu seinen Fans heruntergleiten lässt. Bei "Feed My Frankenstein" entert ein riesiger Zyklon die Bühne und erschlägt ALICE COOPER. Bald kann man seine Tode an einem Abend nicht mehr zählen...

Abschließend entert er im Stechschritt, im silbrigen Frack und mit deutscher Flagge bewaffnet, für eine letzte Runde die Bühne, performt „Elected" und, um den Kreis zu schließen, noch einmal „School's Out". SCHADE!!! MEHR MEHR MEHR!!!
Nun ja, was bleibt ist die Erinnerung! Oh, sehr dramatisch heute! Auf jeden Fall haben wir heute Abend ein richtig geiles, schaurig-schönes, fantastisches & mit nichts zu vergleichendes Rockspektakel mit viel Herzblut und spitzen Musik miterleben dürfen!

Immer wieder gerne & hätte der gute Herr Cooper nicht so viele Falten, würde man in garantiert nicht auf über 60 schätzen! *zwinker* [Tanja & Alex]

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