Manchmal braucht es eben einen wenig längeren Anlauf, so dass das eine Woche zuvor geplante GAMMA RAY-Konzert doch noch stattfinden konnte. Der Schreiber dieser Zeilen musste nicht wie sieben Tage zuvor unverrichteter Dinge den Heimweg antreten. Eine Notoperation am Auge von Gitarrist Henjo Richter machte die Verlegung notwendig. Dadurch fielen wohl auch die italienischen Powermetaller SECRET SPHERE aus dem Programm, zumindest hat sie keiner gesehen.
Blieb also ein rein deutsches Paket an melodischem Heavy Metal, welches aus zwei Szenegrößen bestand. Die Headliner wurden von Kai Hansen nach seinem Ausstieg bei HELLOWEEN aus der Taufe gehoben und avancierten zu den Kronprinzen hierzulande. FREEDOM CALL waren einer der großen Gewinner des Powermetalbooms zu Beginn des letzten Jahrzehnts, mussten aber in jüngster Zeit kleinere Brötchen backen. Nach der Produktion ihres letzten Albums "Legend Of The Shadowking" stieg noch Drummer Daniel Zimmermann aus, um sich fortan nur noch seiner Hauptband zu widmen, die an jenem Abend nach den Franken auf die Bühne musste. Dennoch gibt es kein böese Blut zwischen den beiden Bans, die sich an dem Abend als Vollbedienung für Genrefreunde anboten.

Kurz vor 20 Uhr enterten dann FREEDOM CALL die Bretter und legten direkt mit viel Energie und Spielfreude los. Frontmann Chris Bay war sofort Mittelpunkt des Geschehens und dirigierte seine nicht unerhebliche Anzahl an Fans. Sofort kam Stimmung in der Bude auf, auch wenn niemand den Job des Einheizers erledigte. Egal was Bay verlangte, Mitklatschspielchen oder Publikumschöre, er bekam es. Manchmal musste er der Meute erst erklären was er genau wollte, aber die war recht lernfähig.
Seine Nebenleute standen dem Bewegungsdrang nicht viel nach und begaben sich auch desöfteren auf die vor der Bühne angebrachten Rampen. Vor allem Lars Rettkowitz glänzte mit tollem Gepose und dabei sauber intonierten feinen Soli.

Als neuer Mann an den Drums wurde mit Klaus Sperling kein Unbekannter vorgestellt, der Mann ist vielen von SINNER her bekannt. Doch auch wenn er reichlich Erfahrung hat, so ist er doch ein wenig der Schwachpunkt. Sauber spielen ist eine Sache, der nötige Druck eine andere und da haperte es bei ihm, hier konnte er seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen was hinterher deutlich werden sollte.

Dennoch war die Trupe gut eingespielt und konnte die Laune mit ihrem für Metalverhältnisse oft sehr fröhlichen Liedern immer oben halten und erntete zurecht Sprechchöre. Die Keyboards kamen zwar vom Band, aber das fiel kaum auf, es sind halt mittlerweile auch Kostenfaktoren im immer härter umkämpften Business.
Bei der Songauswahl gab es auch wenig zu meckern, alle Alben wurden bedacht und jeder dürfte seinen ein oder anderen Favoriten bekommen haben. Mit einer Stunde hatte man auch genug Spielzeit zur Verfügung, ein durchaus fairer Zug des Hauptacts. Auch der Sound spielte so gut es ging mit, war zwar etwas trocken, aber wenigstens differenziert, da hat sich in letzter zeit schon so mancher an der Garage die Zähne ausgebissen. Nachdem man mit massig Beifall der etwa 400 verabschiedet wurde waren die Zuschauer bestens eingestimmt für GAMMA RAY.

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Diese Stimmung konnten GAMMA RAY trotz mehr als halbstündiger Umbaupause in ihr Set rüber retten. Schon beim Intro gab es Anfeuerungen und beim Opener sah man allerhand glückliche Gesichter, obwohl ich zumindest mit dem "Powerplant"-Album nie so warm wurde. Der Quasititeltrack von "No World Order" war da schon eher nach meinem Geschmack, aber auch nach dem vieler anderer, der Pegel stieg weiter und auch die Band war bester Dinge und alberte viel herum.
An der Stelle von Henjo Richter wurde mit Kaspari Heikkinen ein starker Ersatz vorgestellt, der sich das Material in zwei Tagen drauf schaffte. Nur an seiner Performance muss er noch üben, was aufgrund seiner notwendigen Konzentration in Ordnung geht. Manchmal schimmerte so unterschwellig durch, dass er sich über den vielen Beifall freute, aber müssen alle Finnen so unbeeindruckt dreingucken wie ihr Landsmann Janne Ahonen auf dem Schanzentisch. Technisch war er voll auf der Höhe, sogar die Doppelleads mit dem Frontmann klappten und der Solospot fiel mehr als einmal auf ihn.

Dann wandte man sich zu sehr dem umstrittenen neuen Album zu, dass mit fünf Titel überpräsent war. Man muss dem Material zu Gute halten, dass es live knackiger rüberkam als auf der glatt polierten Konserve. Dafür fehlten doch einige Freudenbringer auf der Setlist, die drei ersten Alben wurden komplett aussen vor gelassen. Noch schwerwiegender war die Entscheidung für ein Lied vom mittelprächtigen "Majestic" anstatt wenigstens einem von "Somewhere Out Of Space".
Der zweite Schwachpunkt von "To The Metal" wurde ebenfalls deutlich, denn die Stimme von Kai Hansen war äußerst schwach an dem Abend. Der Mann hat mittlerwile arge Probleme mit den Höhen, lag oft daneben, konnte aber seinen Bassisten beim ohnehin überflüssigen "No Need To Cry" nicht unterbieten.

Erst mit Stücken vom Meisterwerk "Land Of The Free" konnte man verlorenen Boden wieder gut machen, obwohl viele das Titelstück gewünscht hätten. Ich nicht, ohnehin oft gehört und damit hätte ich nicht gerechnet. Beim Solo durfte dann Daniel Zimmermann zeigen warum er bei FREEDOM CALL eine Lücke hinterlassen hat. Der Mann hat eindeutig mehr Punch als sein Nachfolger und lässt es ordentlich krachen.
Gegen Ende gab es dann die unvermeidlichen Klassiker, so dass die Euphorie bei den meisten wieder zurück kehrte. Auch die Band schien ihren Spaß zu haben, manchmal schon fast so viel, dass sich kleine Fehler einschlichen.

Natürlich hat man sie schon einmal besser gesehen, doch wer darüber und über die anderen Makel hinweg sehen konnte, hatte schon Freude mit dem Auftritt der Hamburger. Klar gab es ein paar negative Stimmen, aber um mich herum war alles am Feiern, vor allem vorne wurde gut Gas gegeben. Belohnt wurde man zum Schluß mit einer weiteren lautstark geforderten Zugabe, mit der das ansonsten strenge 23 Uhr-Diktat der Garage überzogen wurde. Weitere Punkte auf der Sympathieskala gab es für Herr Hansens Hände schüttlen im Photograben. Wenn er nur in Zukunft noch ein wenig an seinem musikalischen Vortrag arbeiten würde. (Pfälzer)

Setlist GAMMA RAY:
Gardens Of The Sinner
New World Order
Empathy
Deadlands
Fight
Mother Angel
No Need To Cry
Abyss Of The Void
-Drumsolo-
Armageddon
-Guitarsolo-
Armageddon (Reprise)
To The Metal
Rebellion In Dreamland
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I Want Out
Man On A Mission
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Send Me A Sign

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Alle Bilder von Maik. Weitere Bilder findet ihr in der Galerie.

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