eop2009.jpgDer Oktober diesen Jahres stand ganz eindeutig im Zeichen des PROG! Zum einen ging in diesem Monat ein großer Teil des europäischen Abschnitts der Progressive Nation Tour mit DREAM THEATER und OPETH (u.a.) über die Bühne, zum anderen startete zwei Nummern kleiner die Essence Of Progression Tour, die die drei Bands THRESHOLD, SERENITY und SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE durch Deutschland, die Schweiz, Polen, Belgien, die Niederlande und zum Abschluss nach England führte. Die Hälfte der Shows (fünf) fanden auf deutschem Boden statt, was mal wieder beweist, dass Deutschland nach wie vor einen großen Stellenwert hat. Leider machte die Rundreise keine Station im Südwesten des Landes, so dass ich mich kurzerhand an einem herbstlichen Freitag ins bayerische Aschaffenburg aufmachte, um ein tolles Konzert zu erleben und um euch von diesem zu berichten! 

Den Anfang an diesem Abend machten die Franzosen mit dem unaussprechlichen Namen SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE und so ähnlich komplex kann man sich auch ihre Musik vorstellen. Da trifft stellenweise brettharter Prog Metal auf atmosphärische von Keyboardklängen untermalte Passagen, und da wird gefrickelt, was die Finger hergeben. Besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang die beiden Herren an den Saiteninstrumenten, die im Laufe ihres Lebens mit Sicherheit eine Menge DREAM THEATER gehört haben. So weit kann ich SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE also Klasse attestieren, was mir jetzt noch fehlt, sind die Melodien in den Songs oder so etwas wie ein Wiedererkennungswert; etwas worüber die später noch auftrumpfenden SERENITY und THRESHOLD verfügen. Von daher dauerte es eine Weile, bis man sich in das sperrige Material eingehört hatte, ich gehe mal davon aus, dass 90% aller Zuschauer bislang noch nichts von den Franzosen gehört hatten. Insgesamt präsentierte sich der französische Fünfer gut eingespielt, auch wenn dies die erste größere Tour der Band war, und dazu auch noch symphatisch. Warum man allerdings vor jeglichen Ansagen zurückschreckte, will mir nicht in den Kopf. Wie gesagt, von Song zu Song wurde die Sache angenehmer, da war es fast schade, dass nach 30 Minuten bereits wieder Schluss war.
Mir haben am Ende SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE dann sogar so gut gefallen, dass ich mir gleich mal die letzten beiden Alben „Anima“ und „Unreal“ unter den Nagel gerissen habe, die zu einem freundlichen Preis von 12;- Euro angeboten wurden. Bleibt zu hoffen, dass die Franzosen mit ihrem nächsten Album bei einem besseren Label landen (wie wär's mit INSIDE OUT?), denn Potential haben die Jungs und ihre Musik ist zumindest nicht uninteressant.

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Hatten es SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE erwartungsgemäß schwer als Opener, so lag das Aschaffenburger Publikum den Österreichern von SERENITY, die als zweites aufspielten, quasi zu Füßen. Nach dem furiosen letzten Studiowerk des Fünfers („Fallen Sanctuary“) hätte ich mit vielem gerechnet, aber nicht damit. SERENITY wurden über 45 Minuten abgefeiert, vielleicht hatten sie auch einfach nur das Glück bereits auf der letzten THRESHOLD Tour 2007 als Support dabei gewesen zu sein. Zu gut sind bei mir noch die Erinnerungen daran, wie SERENITY damals im Saarbrücker Roxy ignoriert wurden, als gerade mal 20 Leute mit einem gewaltigen Sicherheitsabstand zur Bühne das Geschehen auf selbiger anschauten, und die Band einem fast schon Leid tun konnte.
Als Opener wählten SERENITY dieses Mal mit „Reduced To Nothingness“ einen Song vom Quasi-Debütalbum „Words Untold And Dreams Unlived“, der Rest des Sets stand dann ausschließlich im Zeichen des 2008er Studioalbums „Fallen Sanctuary“. Von diesem gab's „Rust Of Coming Ages“, „Coldness Kills“, „Sheltered (By The Obscure)“, „Velatum“ und als abschließenden Hammer noch den SERENITY Song schlechthin „All Lights Reversed“. Besonders gefreut habe ich mich, dass man mit der Überbllade „Fairytale“ auch ein sanftes Stückchen in die Setlist integriert hat.  
Die Band selber präsentierte sich top motiviert und hatte sichtlich ihren Spaß. Vor allem Sänger Georg Neuhauser schien das Grinsen ins Gesicht gemeißelt zu sein, und Witze über den Namen der Stadt, in der man gerade spielt, muss man auch erst einmal bringen. Derweil schwitze er sich fast zu Tode, weil er den kompletten Gig im Mantel absolvierte; selber Schuld sag ich da mal.
Insgesamt ein bärenstarker Gig von SERENITY, den ich nach den beiden Auftritten, die ich bislang von den Ösis gesehen habe, so nicht erwartet hatte. Im nächsten Jahr dann mit neuem Album im Rücken dann bitte auch ein paar Headlinershows in unserem Lande dranhängen.

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Nach diesen überzeugenden 45 Minuten von SERENITY, war erst einmal Umbaupause angesagt, es musste schließlich alles Equipment der ersten beiden Bands wieder runter, und das von THRESHOLD dafür rauf. Ca. 20 Minuten dauerte diese Schufterei, dann ertönten die ersten Klängen des Intros, das optisch auf der Videoleinwand hinter der Bühne untermalt wurde, und man überlegte schon mal mit welchem Song THRESHOLD gleich einsteigen werden. So weit, so gut...10 Minuten später machte man sich Sorgen, ob THRESHOLD überhaupt noch ihren Gig beginnen würden, denn das Intro lief immer noch und zehrte kräftig an den Nerven. Da wollten sechs Herrschaften scheinbar ins „Buch der Rekorde“! Doch gottlob hat irgendwann jedes Intro sein Ende, und unter lautem Jubel kamen nacheinander die sechs THRESHOLD Musiker auf die Bühne, um mit dem uralten „Consume To Live“ in eine etwa 2-stündige Reise durch die Bandgeschichte zu starten.    
Die Stimmung bei den grob geschätzt 400-500 Anhängern (eine Schätzung aus der ersten Reihe heraus ist immer etwas schwierig) der progressiven Musik, war nach dem langen Warten von Beginn an gut, nur der mäßige Sound im Colos-Saal machte Sorgen. Zum Glück wurde dieser rasch besser, aber so richtig gut wurde er den ganzen Abend nicht. Was war da denn los? Normalerweise erweist sich der Colos-Saal nämlich als Klangoase. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass THRESHOLD einen astreinen und sehr unterhaltsamen Gig hinlegten, bei dem wieder einmal bewusst wurde, dass es kaum eine andere Band gibt, die so gut den Spagat zwischen Anspruch und Eingängigkeit schafft wie die Briten.

Hatten THRESHOLD vor der Tour bereits ein episches Set angekündigt, so machten sie auf der Essence Of Progression Tour diese Ankündigung auch wahr. Mit „Part Of The Chaos“, „dem dreiteiligen „Critical Mass“ (mit wunderbarem Akustik-Mittelteil), „Art Of Reason“ (von Wilson als bester THREHOLD Song angekündigt, womit er nicht ganz Unrecht hat) und „Pilot In The Sky Of Dreams“ gab's gleich vier längere Songs auf die Ohren. Einfach nur großartig, Meisterwerke wie „Art Of Reason“ oder „Critical Mass“ live zu erleben, da lässt es sich auch verschmerzen, dass mit „Long Way Home“ nur ein Song von „Hypothetical“, dem besten THRESHOLD Album aller Zeiten, gespielt wurde. 
Eine Setlist vom Allerfeinsten kann ich da nur sagen, und auch auf die sonst im progressiven Sektor so üblichen Spielerien wie Drum- oder Gitarrensolso verzichtetet die Mannen von der Insel, stattdessen gab's lieber selten gespieltes wie „Avalon“.
Wiedersänger Damian Wilson präsentierte sich auch an diesem Abend als Fronter der Extraklasse, der über die Bühne und durch die Menge (!) tobte, der auf Tische kletterte, und redete, was die Zunge hergab. Was seine gesangliche Darbietung angeht, werden die Meinungen vermutlich nach wie vor auseinander gehen. Die Songs aus seiner Ära klangen in meinen Ohren richtig stark, bei den McDermott Nummern, die natürlich ganz klar die Überhand hatten, fehlte teilweise ein wenig die Seele; dazu sind die Stimmen und Gesangsstile dieser beiden einfach zu unterschiedlich.

Auch sonst präsentierten sich THRESHOLD als Einheit, und man merkte, dass jeder der sechs Musiker wichtig ist, so unterschiedlich auch das Auftreten sein mag. Ganz zum Schluss spannte man dann wieder den Bogen zum 1993er Debüt „Wounded Land“ und sorgte mit „Paradox“ für die letzte Begeisterung. Unter gebührendem Applaus verabschiedeten sich THRESHOLD um kutz nach halb 12 und machten Platz für das Partyvolk, das kurz darauf den Colos-Saal unsicher machen sollte.

Was bleibt, ist ein großartiger Konzertabend mit drei interessanten Bands und die Erkenntnis, dass Aschaffenburg nach wie vor die Hochburg des Progs ist. (Maik)

Setlist Threshold:
Consume To Life
Fighting For Breath
Stop Dead
Part Of The Chaos
Avalon
One Degree Down
Critical Mass
Smile At The Moon (new song)
Art Of Reason
Long Way Home
Pilot In The Sky Of Dreams
Slipstream
Mission Profile
Paradox

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Mehr Bilder findet ihr wie immer in unserer Galerie.

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