Manchmal dauert es immer ein bisschen länger, eine Devise welche MAGNUM in ihrer Karriere schon oft ausgeben mussten. Zwar schon 1972 gegründet dauerte es 7 Jahre bis mit „Kingdom Of Madness“ das Debüt auf dem Markt war. Weitere sechs Jahre und drei Alben sollten ins Land ziehen ehe man die Lorbeeren für die konsequent hochwertige Arbeit ernten konnte. Ende der Achtziger ging es mit „Vigilante“ und „Wings Of Heaven“ in die großen Hallen bevor in den Neunzigern der Absturz für jeglichen bombastischen Hardrock kam.
Der Split war die logische Folge und auch die Reunion lief eher schleppend an und wurde beinahe durch gesundheitliche Probleme gefährdet. Doch mittlerweile läuft es immer besser, die Briten schwingen sich zu ihrem dritten Frühling auf, was im Frühjahr mit der Scheibe „Into The Valley Of The Moonking“ und nun einer großen Tour manifestiert wurde. Dabei schlugen sie am 10. Oktober im von Liebhabern klassischer Rockklänge immer wieder gerne besuchten Aschaffenburger Colos-Saal auf. Unterstützt wurden sie dabei von der schwäbischen Melodicmetal-Formation SAIDIAN, die ich bisher so gar nicht auf dem Radar hatte.

Was sich als Bildungslücke heraus stellen sollte, denn die Truppe gab mir und vielen anderen Zuschauern etwas von der Frische zurück, die viele schon etwas eingebüßt haben. Von Beginn an gaben die Jungs ordentlich Gas, zumindest sofern es die Begebenheiten zuließen. Denn der Platz auf der Bühne ist für die Support-Acts doch ein wenig knapp bemessen. Umso gravierender fällt dies ins Gewicht, wenn man solch einen Fronter wie Markus Engelfried in seinen Reihen hat. Dessen Energie sind die Bretter gar nicht gewachsen, er macht das Beste aus der Sache ist von Beginn an auf das Publikum fixiert, weiß es zu animieren und zusehends auf seine Seite zu ziehen.

Dabei hat er es mit den melodischen Metalgranaten, die immer am Rande zum Hardrock wandeln in der Hinterhand natürlich einfach. Der direkte, kraftvolle und dennoch sehr geschliffene Sound kommt auch beim MAGNUM-Publikum bestens an. Ob hymnisch, von der DoubleBass getrieben oder von Keyboardflächen getragen, SAIDIAN beherrschen alle Facetten ihres Genres und sorgen somit für die nötige Abwechslung.
Die Band agiert sauber und profitiert vom gewohnt guten Sound im Colos-Saal. Während „Engel“ den Blickfang gibt, wozu er durchaus auch mit seiner Optik und Präsenz prädestiniert ist, beschränkt sich die Saitenfraktion Rodrigo Blattert und Frank Herold auf ihr Spiel. Wie eingangs schon erwähnt waren auch die Versuche von Positionswechseln zum Scheitern verurteilt. Das minderte dennoch nicht den Spaß, den sie an der Sache hatten.
Ein weiteres Plus von SAIDIAN ist Schlagwerker Bernd Heining, der ungeheuer kräftig in seine Felle drischt und dabei eine gute Figur macht. Hier merkt man die Erfahrung an, die der Mann mittlerweile haben dürfte, macht Freude ihm zuzusehen.

Dass sein Instrument etwas lauter in den vorderen Reihen tönt, stört dabei weniger, hier bekommt man den Ton direkt vom Kit und nicht über die PA. Und auch diese Kleinigkeit erinnerte mich an lang vergangene Zeiten, als zwei Orte weiter noch ein Metalclub stand, in dem jeden Samstag Konzerte statt fanden. Da war auch alles so wie an diesem Abend, kleine Bühne, Mucke zwischen Metal und Hardrock, laute Drums und gute Stimmung.
Dies soll aber kein Nostalgietrip sein, und wenn dann nur im besten Sinne, denn was früher gut war muss heute nicht schlecht sein, nur weil der Zeitgeist gedreht hat. Zumal man Nummern wie die Titel vom neuen Longplayer „Evercircle“ auf dem letzten EDGUY-Output doch suchen muss. Ich habe mich gefreut so etwas wieder, und das keinesfalls angestaubt geboten bekommen zu haben. Und auch der Rest des Publikums feierte die Mannen aus dem Ländle gebührend ab, hoffentlich nächstes Mal auf einer größeren Bühne.

Setlist SAIDIAN:
Fallen Hero
Phoenix
State Of Euphoria
Out Of The Shadows
Solomon´s Dance
Tokyo
Pale Moon Rider
Burn Down The Night

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Und das Publikum sollte sich auch beim Headliner als sehr begeisterungsfähig heraus stellen. Kaum war das Saallicht erloschen wurde es laut, die Fans forderten ihre Helden. Diese kamen zum Intro der neuen Scheibe nacheinander auf die Bühne marschiert und legten mit dem anschließenden Opener los. Und sofort war das Publikum voll hinter ihnen, sang auch die neuen Nummern lauthals mit. Und von denen gab es reichlich im Laufe des Abends, alleine sechs von „In The Valley Of The Moon King“, nur „If I Ever Lose My Mind“ hätte ich gerne noch gehört.
Dabei könnte die Band aus ihrem reichhaltigen Fundus schöpfen, doch sie verlässt sich fast ausschließlich auf die letzten drei Alben. Jene, die laut Mainman Tony Clarkin den alten Spirit von MAGNUM seit langem wieder verkörpern. Dieser positionierte sich wie gewohnt am rechten Bühnenrand und ging vollständig in seinen Kompositionen auf, vergaß dabei aber nicht ab und an Kontakt zu seinem Publikum zu halten. Die Charakterglatze wirkte zwar meist etwas stoisch und mürrisch, ließ sich aber immer wieder zu einem Lächeln hinreißen und faxte gerne mit Drummer Harry James, der ein paar Monate zuvor noch mit THUNDER die herrliche Altstadthalle gespielt hatte.

Auch hier war es mit Bob Catley der Sänger, der im Mittelpunkt des Geschehens stand. Dabei ist er doch sichtlich in die Jahre gekommen und recht dünn auf den Rippen. Auch wenn sich an seiner Gestik die Geister scheiden, führt er immer noch souverän durch die Songs. Dabei kann er sich nach wie vor auf seine stimmlichen Fähigkeiten verlassen, gefühlvoll intonierte er die Kompositionen als wären es die eigenen.
Meist stand er hinter seinem Ventilator, welcher das zu weite Hemd und die immer noch ansehnliche Haarpracht nach oben wehte. Seine Animationsversuche fielen auf fruchtbaren Boden, die Stimmung blieb unverändert gut, die Leute klebten an seinen Lippen während er immer wieder Augenkontakt suchte. Jede Nummer wurde frenetisch abgefeiert, der Lärmpegel zwischen den Songs war enorm hoch.
Ebenfalls ein Aktivposten auf der Bühne war der glänzend aufgelegte Basser Al Barrow, der den Spaß in den Backen hatte. Überhaupt war der gesamten Formation die Spielfreude anzusehen, das übertrug sich natürlich ebenso auf das Publikum.

Erst gegen Ende herrschte Klassikeralarm, auch wenn es hier einige Überraschungen gab. Kein Song von „Chase The Dragon“, von „Vigilante“ nur das Titelstück mit der unfassbaren Bridge und von „Wings Of Heaven“ servierte man, allerdings sehr zu meiner Freude, lediglich das sphärische Abschluss-Epos. Auch bei „On A Storyteller´s Night“ sparte man sich die größten Hits und interpretierte seltener gespieltes, wobei der Klassiker nun wahrlich keine B-Nummern besitzt.
Die Fokussierung auf die Lieder neueren Datums war aber bestimmt nicht die schlechteste Wahl. Gerade weil man in den letzten Jahren zwei Jubiläumstouren zu den Karriere-Highlights abgeliefert hat, dürstet es dem landjährigen Fan nach Abwechslung. Und sehen lassen kann sich das Material sowieso, transportiert es doch die gleiche Magie wie die All-Time-Faves. Das funktioniert aber auch nur weil hier absolute Könner am Werk sind, die über die 95 Minuten alles geben, die jeden Ton zelebrierten und die ausladenden Arrangements punktgenau intonierten.

Für die Zugabe ließ man sich zwar lange bitten, aber das Publikum bewies hier enorme Ausdauer. Dabei hatten die Leute im rappelvollen Colos-Saal ihre Stimmbänder schon ziemlich strapaziert. Einmal noch der unverzichtbare Showstopper und alle waren glücklich, Bob Catley verabschiedete noch brav die Band, versuchte sich an der deutschen Sprache und versprach wiederzukommen. In ihrem dritten Frühling sollten sie damit nicht zu lange warten, in der Form sieht man sie gerne öfter. (Pfälzer)

Setlist MAGNUM:
Cry To Yourself
Take Me To The Edge
Brand New Morning
The Moonking
When We Were Younger
No One Knows His Name
Dragons Are Real
A Face In The Crowd
We All Run
Les Morts Dansant
All My Bridges
All England´s Eyes
Vigilante
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Don´t Wake The Lion (Too Old To Die Young)
Kingdom Of Madness

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