anthrax.jpgMein lieber Herr Gesangsverein, so langsam nehmen die Auslandsausflüge aber wirklich zu. Das ist allerdings nicht verwunderlich, wenn die Luxemburger ROCKHAL ständig solch saftige Happen vorsetzt. Den Tag zuvor wurde auf leckerste Art und Weise KORN serviert, so stand doch auch schon das nächste metallische Gourmetmenü an. Diesmal in Form eines Dreigespanns bei welchem von einer Vor- und Nachspeise keine Rede sein kann. Hier wurden hörbar drei Hauptgerichte auf die hungrige Meute losgelassen. GOD FORBID, DEVILDRIVER und ANTHRAX standen auf dem Programm. Gerade letztere hatten mich enorm gereizt, um endlich einmal den neuen Mann am Mikro sehen zu können. Dieser ist zwar bereits seit Dezember 2007 fester Bestandteil der alteingesessenen Truppe, aber dennoch hatte ich bisher keine Gelegenheit mir den Herren Dan Nelson einmal stimmlich zu Gemüte zu führen.

Den Startschuss lieferte der Fünfer GOD FORBID aus New Jersey, welche seit ihrer Gründung Ende der Neunziger bereits so einige Touren mit hochkarätigen Truppen hinter sich gebracht haben. An diesem Abend haben sie aber einen gewaltigen Schuss hingelegt, der wohl einer Artillerie gleich kam. Unbekannte waren die Herren anscheinend auch keine, denn vor der Bühne hatte sich schon der erste Pulk versammelt. So rappelte es auch sogleich ordentlich corelastig aus der Clubanlage der ROCKHAL, welche sich keineswegs verstecken muss. Ordentlich klarer Sound in einer anständigen Lautstärke wurde einem hier mehr als prächtig vor den Latz geknallt. Mit dem zweiten Song „War of Attrition“ von dem neuesten Output „Earthsblood“ wurde auf den Opener noch einiges an Energie raufgehauen. Das neue Material ist einfach deutlich thrashlastiger als die Vorgängeralben. Hier hat sich schon deutlich was bei den Jungs getan und sowohl Coreschläge als auch Thrashgerumpel ballern einem um die Birne. Ein wirklich langes Set konnten die Herren aus den Staaten wie man sich denken kann nicht spielen so lag der Fokus selbstverständlich auf den beiden letzten Alben. GOD FORBID haben jedenfalls einen ordentlichen Einstand in den Abend verbretzelt.

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Nach kurzer Umbaupause durfte gleich die nächste Artillerie auf die Bretter steigen. Mittlerweile versammelten sich auch deutlich mehr Fanscharen vor der Bühne. So ist das aber nun wenn sich die Thrash/Death Kombo DEVILDRIVER blicken lässt und das Stand-MG ins Anlaufen kommt. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich mit den Jungs bisher noch gar nicht wirklich auseinander gesetzt habe und mir die Sachen die ich von Platte gehört habe einfach zu langweilig waren, aber live haben sie schon ordentlich was weggerotzt. Mit „Clouds Over California“ von dem letzten Output „The Last Kind Words“ begann der Zerstörungsfeldzug der Herren. Routiniert peitschten die Riffs aus den Lautsprechern und der Wumms des Schlagzeugs konnte sich ganz und gar entfalten. Die Routine kommt auch nicht von ungefähr, so konnte man im Jahre 2007 eine Tour mit sehr bekannten Bands wie LACUNA COIL, STATIC-X und MEGADETH bestreiten. An diesem Abend lag der Schwerpunkt eindeutig auf dem aktuellen Output. Von der im Juli erscheinenden Platte wurde leider nur der Titeltrack „Pray For Villains“ präsentiert, welcher schon ordentlich reinhaut. Hier hätte man sich doch etwas mehr Futter gewünscht um sich vorab als Fan eine Meinung über die neue Scheibe zu bilden. Ansonsten wurde aber jede der drei Veröffentlichungen berücksichtigt und eine saftige Show hingelegt. Für meinen Geschmack etablierte sich nach geraumer Zeit die Selbe Problematik wie beim Hören der CDs: Für mich persönlich kam einfach eine Monotonie auf und das machte trotz des enormen Rumps, den DEVILDRIVER abgelegt haben, die Sache langweilig.
Aber über eins muss ich noch ganz besonders, gerade bei dem Aufritt der Thrasher, anmerken: Die Lichtanlage in dem kleinen Club der ROCKHAL ist ja einfach mal extrem geil und kommt bei einem solch druckvollen Sound einfach extrem genial. Die kurz angerissenen Doublebass Passagen waren pefekt mit Blitzlichtgewitter hinterlegt und so manch andere Location wird sich nach einer solchen Anlage für einen Club mehr als nur die Finger lecken. Dahingehend war das Konzert in der ROCKHAL wieder ein ganz besonderes Ereignis, denn sowohl das Licht, als auch der brachiale Sound und die genialen Vorbands haben diesen Abend schon jetzt lohnenswert gestaltet.

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Setlist:

Clouds Over California
Die (And Die Now)
I Could Care Less
Pray For Villains
Not All Who Wander Are Lost
End Of The Line
Meet The Wretched

Dann war es endlich an der Zeit für die Helden des Abends. Die Umbaupause schien sich zu ziehen wie Gummi. Ich für meinen Teil muss ehrlich sagen, dass ich tierisch auf den neuen Sänger der Kulttruppe gespannt war, allerdings das schlimmste befürchtete. Ich konnte sowohl mit Belladonna als auch mit Bush verdammt gut leben, aber bei einer weiteren Stimme war ich absolut skeptisch.
Ich kann die Erfahrung des Abends mal wirklich gänzlich aus meiner Perspektive erzählen: Oftmals sind Konzerte bei mir wirklich eine seltsame Sache. Ich liebe Konzerte zwar über alles, aber meist bin ich wirklich komplett übermüdet und infolge dessen macht sich sehr schnell eine Null-Bock-Stimmung breit. Die meisten Konzerte finde ich deshalb am nächsten Tag erst richtig genial, wenn ich wirklich mal wieder Schlaf gefunden habe. Auch diesmal stand ich gänzlich übermüdet vor der Bühne. Ein Teil des vorher an der Tanke gekauften Red Bulls Viererpacks war schon in der Birne und der jämmerliche Versuch mit Cola auf Touren zu kommen blieb vergebens. Deshalb steh ich auch meist vor der Bühne und beweg mich keinen Millimeter, nicke vielleicht mit dem Kopf, aber es muss in dieser Phase schon etwas kommen um mich aus dem komatösen Zustand zu befreien.
Diesen Gedanken hatte ich, bis das erste Riff der Livemacht aus den Lautsprechern schallt…

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Waaaaaaahhhhhhhhh wie schweinegeil! In meinem Hirn macht es einfach nur KLICK! Die Hand greift reflexartig nach hinten und zieht das gottverfluchte Gummi aus meinen Haaren. Noch bevor Neusänger Dan Nelson überhaupt zu Wort kommen kann macht sich meine Matte aufgrund akuter Geilheit selbstständig. Zurückgeworfen in das Jahr 1987 schallte das Riff von „Indians“ der Götterscheibe „Among The Living“ aus den Lautsprechern. Somit ist auch gleich die Zeit der ersten Feuerprobe für den neuen Jüngling (denn im Vergleich zum Rest der Band scheint er wirklich mit Abstand der Jüngste zu sein) gekommen. Meine Skepsis bleibt… Wie darf er es überhaupt wagen sich auch nur ansatzweise an dem erhabenen Joey Belladonna zu versuchen? Ich halte kurz inne und warte auf den ersten einsetzenden Gesang.
Scheiße, meine Skepsis ist dahin! Direkt mit dem ersten ertönen von Dan Nelsons Stimme wandelt sich das Nichtserwartende in pure Glückseeligkeit. Natürlich ist klar dass er kein Belladonna ist, aber verflucht er ist verdammt gut! Nach kurzem Moment der Erleichterung, Verzückung und dem wohl enormen Grinsen über beide Ohren wird die Matte bereits weitergeschüttelt. Nach Ende von „Indians“ merkt man, dass es mir keineswegs allein so ging. Der übermäßige Applaus den die New Yorker vorgelegt bekommen spricht einfach für sich.
Zeit zum Ausruhe bleibt aber keineswegs. „Zeit“ trifft es auch recht gut, denn das Joe Jackson „Got The Time“ - Cover von der Persistance of Time wurde ausgepackt. Auch hier konnte die neue Frontsau problemlos glänzen. Er ist dabei auch noch so was von sympathisch und macht ordentlich Stimmung. Warum hab ich von dem Herrn bisher noch nichts gehört? Er war definitiv maßgeblich mitverantwortlich, dass der Club der ROCKHAL in eine pure Sauna verwandelt wurde. Es kochte gewaltig, das Publikum war voller Elan und es hatte sichtlich JEDER Spaß an der Sache.

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Für ANTHRAX war es sogar eine Premiere, denn die Livemacht hat es bisher tatsächlich noch nicht nach Luxemburg geschafft. Das erklärt vielleicht auch weshalb man Gitarrenhengst Rob Caggiano vor Konzertbeginn in der ortsansässigen Mall mal ausgiebig shoppen sah. Teilweise stand er zwar ein bisschen hilflos und alleingelassen da, aber glücklicherweise hatte er ja seinen Weg zurück in die ROCKHAL gefunden. ;-)
Ich weiß gar nicht mehr was ich euch noch sagen soll. So langsam müsste einfach jeder von euch, der nicht dort gewesen ist mitbekommen haben wie verdammt scheiße ultra geil der Abend war!!! Wie verflucht noch mal ANTHRAX wieder unter Beweis gestellt haben, dass sie nach wie vor Feuer unterm Arsch haben und richtig Druck machen können. Bei der vorgesetzten Setlist konnte man auch wirklich nur ganz wenig meckern. So wurde von fast jedem Output ein Track gespielt, sei es „Madhouse“ von der „Spreading the Disease“, den bereits oben genannten Tracks, „Antisocial“ von der „State Of Euphoria“, „Room For One More“ von der „Sound Of White Noise“ oder gar zwei Tracks vom im Oktober erscheinenden neuen Album „Worship Music“. Diese beiden Songs bewirken, dass ich kaum den Oktober erwarten kann, denn wenn das ganze Album von diesem Kaliber ist, dann geht es richtig zur Sache und haut einem phänomenal in die Schnauze!
Nach ca. 70 - 80 min Spielzeit verließen die New Yorker mit „What Doesn´t Die“ und „I Am The Law“, von Band- als auch Fanseite zufrieden, die Bühne.

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Es tut mir furchtbar Leid, ich würde euch gerne noch mehr von diesem Gig berichten, aber ich verfalle gerade wieder in eine solche Euphorie, dass ich die ANTHRAX Platten auskramen und sie SOFORT durchhören muss!!! Nur noch eins am Rande: Mit Dan Nelson haben die Herren einen wahnsinnigen Glücksgriff getätigt. Nicht nur dass er gesangstechnisch einen schönen Spagat zwischen Joey Belladonna und John Bush raushaut, er ist auch noch enorm sympathisch und wird von den Fans perfekt aufgenommen und in die Band integriert. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass während einem Auftritt so viele Signierbücher von Fans nach vorne gereicht werden und ein Sänger, während er sich musikalisch total die Klatsche gibt nebenher seinen Fans noch Autogramme zu geben. Daumen hoch! Danke ANTHRAX und natürlich auch wieder Danke an die ROCKHAL für diesen Abend! (Sebastian)

Mehr Bilder gibt es wie immer in unserer Galerie . Alle Bilder von Brix

Setlist:

Indians
Got The Time
Madhouse
Antisocial
Fight´em ´Til You Can´t
Caught In A Mosh
New Noise
Safe Home
Room For One More
Only
What Doesn´t Die
I Am The Law 

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