In den letzten Jahren hat sich die Metal-Szene leider etwas gewandelt, die Vorlieben der Nachwuchshörer liegen heutzutage eher bei extremem Stoff. Diese Entwicklung bekommt vor allem der traditionelle Hardrock zu spüren. Formationen wie THUNDER oder AXEL RUDI PELL schmecken den Besuchern von Festivals immer weniger, weswegen sie meist für Classic-Rock-Events gebucht werden, wo sie nicht immer ihr Publikum erreichen. Bleiben als Alternative nur noch eigene Touren, die eben AXEL RUDI PELL fast jährlich durch die Lande ziehen lassen. Und auf denen beweist der Meister mit seinen Nebenleuten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.
Im Gegenteil, gerade seine Shows sind immer gut besucht und werden von Fans wie Kritikern gelobt. Den Beweis trat er auch nach der Veröffentlichung seines neuen Albums „Tales of the Crown“ an, mit dem er zu Beginn des Jahres unterwegs war. Im Gepäck alte Weggefährten aus STEELER-Tagen, MAD MAX, die in den letzten Jahren wieder von sich hören ließen. Schon im Vorfeld zeichnete sich eine erfolgreiche Gastspielreise an, denn so mancher Club meldete Wochen zuvor „ausverkauft“, in der heimatlichen „Zeche“ gab es gleich zwei Zusatzkonzerte. Ganz so abgeschrieben scheinen Hardrockformationen doch nicht zu sein, wie NECKBREAKER aus Andernach zu berichten weiß.

Gut gefüllt und kuschelig warm präsentierte sich die Beton-Wellblechhütte vor den Toren der Kleinstadt. Optimale Bedingungen für einen Konzertabend, wenngleich ich vor dem Support skeptisch war. Denn die Bauweise der vermutlich früheren Lagerhalle zerballerte schon so manchen Sound, vor allem den der Vorbands. Doch als MAD MAX die Bretter enterten war davon weder was zu hören noch zu sehen. Von der Produktion her fast wie bei einem Headliner-Gig, was Ton und Licht anbelangt. Lediglich die Bühne war aufgrund von Mike Terranas Drumkit doch etwas zu klein, was einen Ausflug auf die andere Seite zum Balanceakt machte.
Die Truppe um das Urgestein Michael Voss störte das wenig, sie legten gleich ordentlich los und nutzen die guten Verhältnisse. Ihre Mischung aus treibenden Rocknummern mit einem leichten AC/DC-Groove und Mainstream-lastigen Titeln ging sofort ins Ohr und zeigte gute Handwerkskunst. Dabei kam die Mucke weniger Bubblegum-mässig rüber als ich aufgrund der Achtziger-Vergangenheit erwartet hätte. Gerade das mit Don Airey geschriebene „Where the Winds blow“ zeigte Tiefgang und ließ mit dezenten Hammond-Einsätzen aufhorchen.

Voss ist natürlich mit all seiner Erfahrung von Projekten wie CASANOVA oder SILVER ein ausgezeichneter Frontmann, der den Draht zum Publikum sucht. Ihm zur Seite standen seine alten Mitstreiter Roland Bergemann am Bass und Jürgen Breforth an der zweiten Gitarre, die ebenfalls immer den engen Raum am Bühnenrand suchten. Spieltechnisch sehr tight vorgetragen, punktete die Band vor allem mit ihren mehrstimmigen Chören, die alle saßen und ihrer Spielfreude. Ohne viel Firlefanz wurde einfach gerockt, was beim Publikum immer besser ankam, denn dieses nahm nach anfänglicher Reserviertheit immer mehr Fahrt auf.
Nur einmal wurde das Tempo rausgenommen, und zwar bei der Ballade „Open the Eyes of my Heart“ als sich die Musiker bis auf Voss und den Tourkeyboarder verabschiedeten. So etwas wurde in den Achtzigern zuhauf praktiziert, ich war allerdings nie ein großer Freund davon, weil die Arrangements auf der Strecke blieben. Heute wirkt das aber wie eine gute, alte Gewohnheit.
Überhaupt setzten MAD MAX fast ausschließlich auf neueres Material, welches nach der Reunion aufgenommen wurde. Die einzige Coverversion, war zum Glück SWEET´s „Fox on the Run“, während das doch arg abgenudelte „Highway to Hell“ nur kurz angespielt wurde. Am Ende gab es dann sogar noch ein Stück aus CASANOVA-Tagen zu hören, bevor man sich nach einer guten Stunde mit verdientem Applaus verabschiedete.

Setlist MAD MAX:
Caravan
Where the Winds blow
Here we are
Night of Passion
Family of Rock
Little Princess
Say goodbye to Hollywood
Open the Eyes of my Heart
Don´t talk it over
Hope to see you
Fox on the Run
Hollywood Angels

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Eine knappe halbe Stunde später ging das Licht wieder aus und zu dem pompösen Intro erschienen die Musiker, welche dann sofort in den Opener einstiegen, doch nach ein paar Sekunden war Axel wieder verschwunden und seine Gitarre nicht mehr zu hören. Irgendwo hakte es, die Mucker ließen sich aber nichts anmerken und spielten den Rhythmus, garniert mit ein paar Tastenimprovisationen weiter. Nach kurzer Zeit war auch das behoben und die Stimmung sofort wieder da. Kleinere Abstimmungsprobleme beim Monitorsound wurde dank wildem Gestikulieren ebenso schnell wieder behoben.

Und der vollbesetzte Club stand wie eine Eins hinter dem Fünfer, Bewegungsdrang war zwar nicht so viel auszumachen, dafür umso mehr Textsicherheit. Oft brauchte Frontmann Johnny Gioeli gar nicht selbst zu singen und nur sein Mikro ins Publikum zu halten. Er war der unbestrittene Mittelpunkt der Show, sprang ständig herum, feuerte die Menge an, auch wenn die Bühne immer noch zu klein war (immer noch wegen Mike Terranas Drum-Kit). Die Frontmonitore standen vor der Bühne auf Flightcases, welche das Sangeswunder des öfteren bestieg, um ganz nah bei seinen Anhängern zu sein. Bei soviel Agilität suchte Basser Volker Krawczak ständig Schutz hinter Ferdy Doernberg´s Keyboards.
Nebenbei sorgte er mit seinen ständigen Scherzen für allgemeine Heiterkeit, ohne dabei die Qualität der Show leiden zu lassen. Im Gegenteil, er zeigte sich wieder super bei Stimme, vor allem in den ruhigen Passagen hat seine kraftvolle Röhre eine Gänsehautgarantie. Und hier zeichnete sich die über die Jahre entstandene Eingespieltheit ab, problemlos wurden Improvisationen eingefügt und miteinander oder mit dem Publikum kommuniziert. Der Formation kommt zu Gute, dass sie doch schon seit zehn Jahren zusammen spielt, nach all den vielen Umbesetzungen in der Anfangszeit von Axel´ s Solokarriere.

Das zahlt sich vor allem beim obligatorischen, 25-minütigen Medley aus mehreren Longtracks aus, welches den Musikern blind von der Hand ging. Doernberg lehnte meist lässig hinter seiner Tastenburg, immer das für ihn so typische schelmische Grinsen auf den Lippen. Seinen Instrumenten erlaubte er es nur selten an einem Platz zu verharren, mal beugte er sich weit nach vorne, legte sie über das Knie, stellte sie schräg auf den Boden und spielte im Sitzen oder schulterte das Teil einfach und trug es mit sich herum.
Terrana mimte wie immer das Drum-Tier, drosch unnachgiebig in die Felle und zeigte so manchen Knüppelvertreter wo der Hammer hängt. Sein Solo gehörte zweifelsohne zu den besten, die ich bisher gesehen habe, der fuhr mittendrin mal so ab, das mir echt die Lade runter klappte. Sein Kompanion Krawczak, ist da noch der ruhigste, ein versierter Viersaiter, der für das notwendige Fundament sorgt, oft als Studiomusiker gebucht und laut seinem Chef unterschätzt wird.

Der Herr der sechs Saiten selbst hält sich dezent zurück, steht meistens am rechten Bühnenrand, optisch immer rausgeputzt mit seinen Cowboystiefeln, Designerhemd und viel Silberschmuck. Auf ein Armband wurde heute verzichtet, aber die tiefen Kratzer im Korpus seiner Strat zeigen, dass oft eines getragen wurde. Zu den Soli kam er dann in die Mitte, ohne sich wirklich in den Vordergrund drängen zu wollen. Da stand er dann mit geschlossenen Augen und hatte seine Axt ganz lieb. Vom Feeling her schon beängstigend nah dran an seinem Idol Blackmore, auch immer schön anzusehen sein Spiel.
Ständig streute er Zitate aus dem DEEP PURPLE/RAINBOW-Backkatalog so geschickt ein, dass es manchen Zuschauern gar nicht auffiel. „Mistreated“ hatten alle schon mitgekriegt aber bei „Knocking at your Backdoor“ wurden viele nicht fündig. Später gab es dann noch das folklastige „Temple of the King“ in der Voll-Version, seine Verehrung hält Pell selten zurück.
Gegen Ende nahm auch AXEL RUDI PELL das Tempo heraus und interpretierte ein Akustikset mit drei Gitarren und Terrana an der „Bongo“. Über Gioelis Kommentare schweige ich mich aus, das hier könnten Kinder lesen. Doch die traute Intimität herrschte nicht lange und zum Ende gab es wieder das deftige Rockbrett, Pell´s legendäre Duelle mit seinem Tastenmann inklusive.

In der Form des 110-minütigen Auftritts ist diese Band noch lange nicht aus der Rock – und Metalszene wegzudenken. Neben der Gewissheit, dass hier auch Double-Bass-getriebenes Headbangerfutter am Start ist, dürfte die Mucke nicht nur für Altfans interessant sein. Zum Glück fand sich auch viel Jungvolk im JuZ wieder. Grosses Rockentertainement wird genau so geschrieben, da auch die Vorband uneingeschränkt Spaß verbreitete. Und musikalisch ist AXEL RUDI PELL sowieso weit vorne, mit das beste was unsere Nation zu bieten hat. (MetalPfälzer)

Setlist AXEL RUDI PELL:
Tear down the Walls
Higher
Warrior
Medley:
 - Masquerade Ball
 - Casbah
 - Black Moon Pyramid
 - Tales of the Crown
 - Casbah
 - Black Moon Pyramid
-Drumsolo-
Strong as a Rock
-Keysolo-
Temple of the King
Northern Lights -akustisch-
Oceans of Time -akustisch-
Rock the Nation
Mystica
-----------------------------------
Medley:
 - Fool Fool
 - Eternal Prisoner

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Alle Bilder von Maik.

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