Für das diesjährige Heavy Christmas Meeting haben die Veranstalter Ordentliches aufgefahren. Es ist praktisch nur dabei, wer im Heavy-Sektor Rang und Namen hat. Da kann es dann durchaus passieren, dass Größen wie PRIMAL FEAR schon früh am Abend und mit Startnummer drei auf die Bühne müssen. Aber wenn danach eben Urgesteine wie U.D.O. oder W.A.S.P. auflaufen, ist das zum Einen nicht verwunderlich und zum Anderen auch nicht wirklich schlimm.
Der Verlauf des Abends bleibt steigerungsfähig – schließlich folgen mit SAXON noch mehr Rockdinosaurier, die immer eine gute Show garantieren, sowie schließlich die Lokalmatadorin DORO mit Headlinerposition.
Vorweg sollen HIGH´n´DRY sowie die Dänen von IRON FIRE die Stimmung schonmal ein wenig anheizen.
Und das ist bitter nötig – bei einer Riesenschlange, die sich zu konzertuntypischer Zeit von 16:15 Uhr und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt vor dem Einlass drängelt.

Während die Halle noch so gut wie leer ist, entern HIGH´n´DRY um Punkt 16:45 Uhr die Bühne. Das Quintett aus nicht mehr ganz frisch wirkenden Musikern haut aber ganz amtliche Musik aus den Boxen. Kopf hinter HIGH´n´DRY ist ein gewisser Detlef Kowalewski – und nach extrem langer Funkstille (das erste und gleichzeitig letzte Album „Hands Off My Toy“ datiert immerhin bereits von 1988) hat es den Guten wieder „on stage“ gezogen. Mit neuer Frontfrau Eyreen Sue und neuer, passend betitelter Platte „The Return“ machen die Fünf mächtig Dampf. Bei glasklarem Sound und mit knackiger Stimme präsentiert man sowohl Neues („Rainbow Children“ oder „I Want Your Love“) als auch Älteres, aber mitnichten Angestaubtes – so z. B. die Hammerballade „Too Much To Lose“. Einzig das aus besten Glam-Rock-Zeiten stammende Outfit von Herrn Kowaleski wirkt angestaubt, ansonsten kann die Band auf jeden Fall beim Publikum punkten – wenngleich die „Zugabe“-Rufe etwas verhalten wirken, als Punkt 17:15 der Stage-Manager dafür sorgen muss, dass der Auftritt von HIGH´n´DRY sein Ende findet.

Während des Umbaus herrscht auf der Bühne qualvolle Enge – da hilft wirklich jeder mit, der irgendwo aufzutreiben war. Interessant auch zu sehen, dass jede Band ein großes Backdrop mitgebracht hat – allerdings in unterschiedlichen Dimensionen – und so ist bei IRON FIRE bereits rechts und links etwas von PRIMAL FEAR zu sehen – und unten lugt sogar schon das von U.D.O hervor.
Die Dänen legen um 17:30 mit ihrem straighten Powermetal los – wie bei HIGH´n´DRY sind 5 Leute auf der Bühne, allerdings wurde der Keyboarder gegen einen zweiten Gitarristen getauscht – und das macht sich am Sound deutlich bemerkbar – gehen die Herren doch deutlich härter zur Sache. Einzig die Vocals von Sänger Martin geraten doch sehr melodisch.
„Are you ready for heavy metal?“ ist eine der wenigen Ansagen von Martin, danach rockt man mit „Bridges Will Burn“ vom aktuellen Opus schonmal einen Großteil der Philipshalle in Schutt und Asche. Mittlerweile vier Alben haben die Jungs ja schon am Start – und so holen sie auch Material von älteren Werken auf die Bühne – beispielsweise das 2001er „Prince Of Agony“. Aber auch mit Songs aus dem aktuellen Jahr zeigen IRON FIRE durchaus Klasse – „Steel Invaders“ macht schließlich keine Gefangenen. Zum Ende setzen die Jungs mit „Thunderstorm“ von ihrem gleichnamigen Erstling einen krönenden Abschluss und empfehlen sich durchaus für mehr.

Um die Umbaupause so kurz wie möglich zu halten, lassen PRIMAL FEAR dann ihr vorbereitetes Drumkit einrollen – dennoch dauert der Soundcheck mit Drummer Randy höchstpersönlich gefühlte Ewigkeiten, bis schließlich um 18:20 Uhr die Lichter für die Mannen um Ralf Scheepers und Mat Sinner ausgehen.
Nach dem kurzen Intro vom Band hebt man den Härtegrad des Abends direkt auf ein neues Level und brettert mit „Sign Of Fear“ vom aktuellen Release brachial los. Allerdings scheinen die extrem hohen Stimmlagen Shouter Ralf heute nicht so zu liegen.
Bei dem nahtlos nachgeschobenen „Nuclear Fire“ hört er sich da schon deutlich besser an.
Oft genug haben die Jungs ja mittlerweile die Headlinerposition gespielt, heute müssen sie mit knappen 40 Minuten Spielzeit auskommen. Da macht Shouter Ralf auch nicht viel Federlesens und so geht´s nach einem kurzen „Guten Abend, Düsseldorf!“ direkt weiter mit „Running In The Dust“ vom letzten Studiowerk. Dabei erweist sich Drummer Randy Black ein ums andere Mal als wahre Präzisionsmaschine.
Zwischen den Songs lässt man sich immer mal kurz feiern, Scheepers reckt immer schön Metalhead-like die Fäuste gen Himmel – und dann lässt man es wieder ordentlich krachen. Lediglich das monumentale „Fighting The Darkness“ nimmt kurzzeitig etwas Power aus der Show, aber der immer weiter aufdrehende Instrumentalpart macht auch die Nummer zu einer Granate. Das extrem fette Brett runden PRIMAL FEAR dann noch mit dem Klassiker „Final Embrace“ vom 99er Album „Jaws Of Death“ sowie (Zitat Scheepers:) „dem Grund, warum wir das hier machen“ „Metal Is Forever“ perfekt ab.

Setlist PRIMAL FEAR (18:20 – 19:00):
1) Sign Of Fear
2) Nuclear Fire
3) Running In The Dust
4) Demons And Angels
5) Fighting The Darkness
6) Final Embrace
7) Metal Is Forever

Auch U.D.O. brauchen für den Umbau 20 Minuten, so dass es 19:20 Uhr wird, bevor das Intro zum aktuellen Album „Mastercutor“ eingespielt wird. Immerhin eine Stunde haben Udo Dirkschneider & Co. zur Verfügung, aber auch hier heißt es: Wenig Gerede, viel Musik. So braucht es ganze vier nahtlos durchgespielte Songs, bis Udo sich endlich mit einem „Guten Abend, Düsseldorf – geht´s Euch gut?!?!“ an die Fans wendet. Und dass es den Fans gut geht, ist nicht zu überhören, alle Hände recken sich der Band entgegen und aus allen Kehlen wird lautstark geantwortet. Grund genug für U.D.O. zu recht früher Position im Set mit „Princess Of The Dawn“ einen der Überhammer schlechthin aus dem Ärmel zu schütteln. Der obligatorische Mitsingteil überzeugt den Mann im Tarnanzug dann aber zunächst nicht ganz „das könnt Ihr bestimmt noch viel lauter!“ – und erst im dritten Anlauf ist Udo zufrieden.
In gewohnter Manier bieten die Gitarristen Igor und Stefan haufenweise Posing und nutzen die gesamte Bühnenfläche für ihren Bewegungsdrang – und auch Bassist Fitty steht dem in nichts nach. Die kurze Spielzeit schreit nach Klassikern – und die bieten U.D.O. nach „Princess“ gerne auf – seien es „eigene“ Songs wie „Animal House“ oder weitere ACCEPT-Nummern wie „Metal Heart“ – souverän hat man das Publikum im Griff und rockt ohne Pause durch.
Eine Besonderheit bietet der Set dann doch noch – zu „I´m A Rebel“ (einem zugegebenermaßen nicht soooo schwierigen Song) holt Udo seinen Nachwuchs auf die Bühne, der mit flammendroten Haaren dann ordentlich das Drumkit vermöbeln darf. Und mit einem weiteren ACCEPT-Kracher „Balls To The Walls“ ist dann nach exakt einer Stunde die U.D.O.-Party wieder vorbei.

Setlist U.D.O. (19:20 – 20:20):
1) Mastercutor
2) 24/7
3) Midnight Mover
4) Vendetta
5) Princess Of The Dawn
6) Man And Machine
7) Animal House
8) Metal Heart
9) Holy
10) I´m A Rebel
11) Balls To The Wall

Woran es liegt, dass die von vielen am meisten herbeigesehnten W.A.S.P. über eine halbe Stunde benötigen, um loszulegen, erschließt sich dem Hallenpublikum leider nicht. Dass dann von der Stunde Spielzeit auch noch über fünf Minuten für ein viel zu lang dahin dümpelndes Intro vom Band verschwendet wird, irritiert dann noch mehr – aber als Blackie & Co. dann endlich loslegen, entschädigt die Setlist fast für alles. Fast ausnahmslos beschränkt man sich auf alte Klassiker vom Kaliber „On Your Knees“ oder „L.O.V.E. Machine“ – und so findet mit dem balladesken „Take Me Up“ lediglich ein aktueller Track den Weg in die Setlist. Was man davon halten soll, dass ein deutlich gealterter und mit mittlerweile doch deutlichem Bauch gesegneter Blackie immer noch in Schaftstiefeln mit hohem Absatz über die Bühne stakst sei mal dahin gestellt, Fakt ist aber, dass die Songs überzeugen. Die Fans feiern ohnehin jede Bewegung, jede Note frenetisch ab – und spätestens mit „Chainsaw Charlie“ hat die Stimmung den Höhepunkt erreicht. Über ein geniales „The Idol“ und den straighten Mitgröhler „I Wanna Be Somebody“ flaut die Stimmung auch bis zum furiosen Ende in Form von „Blind In Texas“ keine Nuance mehr ab.
Eine hervorragende Show mit schön vielen Klassikern - abgesehen von der langen Verzögerung zu Beginn definitiv ein Gewinner des Abends.

Setlist W.A.S.P. (20:50 – 21:50):
1) On Your Knees
2) Inside The Electric Circus
3) Hate To Love Me
4) L.O.V.E. Machine
5) Wild Child
6) Take Me Up
7) Chainsaw Charlie
8) The Idol
9) I Wanna Be Somebody
10) Blind In Texas

Auch SAXON lassen sich ein wenig Zeit, so dass die Uhr stetig weiter bis auf 22:15 Uhr wandert. Und auch hier beginnt der Auftritt mit einem vom Band eingespielten Intro – erfreulicherweise deutlich kürzer als noch W.A.S.P. zuvor. Allerdings zündet der Funke im Publikum mit dem etwas sperrigen Opener „State Of Grace“ nicht wirklich. Stimmung kommt erst auf, als die Band direkt im Anschluss mit der betagten Granate „Motorcycle Man“ nachlegt. Ab diesem Zeitpunkt haben Biff & Co. dann aber das Publikum doch völlig im Griff und geben abgesehen von einer kurzen Ausnahme in Form von „Red Star Falling“ auch durchweg Vollgas. Sänger Biff versteht es, auch bei knapper Zeit ein wenig Konversation zu betreiben – und wenn er denn ankündigt, der nächste Song werde „really a slow one“, dann weiß man, dass genau Gegenteiliges kommt – und so brettert „Let Me Feel Your Power“ vom aktuellen Opus auch entsprechend kraftvoll daher. SAXON haben so viele Klassiker geschrieben, da ist es schon schwer, die Wünsche der Fans während einer Fulltime-Show zu befriedigen – hier müssen sie sich ungleich mehr einschränken, aber die unverzichtbaren Klassiker wie „Strong Arm Of The Law“ und „Wheels Of Steel“ mit dem ebenso unverzichtbaren Mitsingteil „We´ll do it three times…“ sind natürlich mit dabei. Zwischendurch spielt Biff freudig mit ein paar auf die Bühne geworfenen Nikolausmützen, rennt zeitweise gar mit einem Mützchen durch die Gegend und entscheidet sich schließlich, das Drumkit von Nigel Glockler damit zu dekorieren. Insgesamt schafft es das Quintett wieder so spielfreudig zu wirken, als dürften sie nach ewiger Pause endlich mal wieder auf die Bühne. Da bleibt es unverständlich, warum man sich schon fünf Minuten vor der Zeit verabschiedet – auch wenn es nach „Princess Of The Night“ natürlich selbst für SAXON schwer wird, noch einen Track draufzulegen.

Setlist SAXON (22:15 – 23:10):
1) State Of Grace
2) Motorcycle Man
3) Let Me Feel Your Power
4) 747 – Strangers In The Night
5) To Hell And Back Again
6) Red Star Falling
7) Witchfinder General
8) Strong Arm Of The Law
9) Wheels Of Steel
10) Princess Of The Night

DORO konnte ich mir leider nicht mehr anschauen, da ich einen Kumpel wegen akuter Magenprobleme schnellstmöglich nach Hause fahren musste. Aber egal wie Frau Pesch & Konsorten den Abend noch gestaltet haben mögen – die ersten sechs Bands haben für ein geniales Heavy Christmas Meeting gesorgt, das selbst ein Super-GAU zum Abschluss nicht mehr hätte zerstören können. Wann hat man eben schonmal die Gelegenheit, so viele hochkarätige Bands auf einen Schlag zu erleben? Hoffentlich gibt es so ein Meeting im kommenden Jahr wieder!

(Naglagor)

 

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