Die Polen RIVERSIDE sind ja nun schon länger keine Unbekannten mehr in der progressiven Szene. Seit ihrem Debüt „Out of Myself" ging es mit der ambitionierten NeoProg-Formation steil bergauf. Mittlerweile können sie schon zum zweiten Mal in diesem Jahr in unseren Landen auf Headliner-Tour gehen. Im Gepäck haben sie unter anderem ihr neues, drittes Album „Rapid Eye Movement" mit dem sie ihre „Reality Dream" - Trilogie beendeten. Am Samstag, den 08. Dezember traten sie im Rüsselsheimer Club „Das Rind" auf, in dem sie schon im März gastierten. Mit dabei waren noch die Kanadier von „The last Supper", die bisher hierzulande unbekannt waren. Trotz der gestiegenen Popularität von RIVERSIDE waren etwas weniger Leute anwesend als noch bei ihrem letzten Konzert an gleicher Stelle, was aber vor allem an dem etwas unglücklichen Tourplan mit zwei weiteren Konzerten in der Nähe lag.

Die Vorband von der anderen Seite des großen Teiches ließ ihre Sache dann mal gemächlich angehen. Zuerst kam Gitarrist Peter Walker auf die Bühne und präsentierte minutenlang ein Solo, welches man durchaus von dem Hauptact des Abends hätte erwarten können. Nach und nach gesellten sich seine Mitstreiter auf die Bühne, die diese psychedelischen Töne begleiteten. Doch kaum war die Truppe komplett auf der Bühne legten sie ein paar Gänge zu. Hier wurde eher krachender Alternative-Rock der Marke PEARL JAM oder NICKELBACK als sphärische Klangwelten gepflegt.
Zwischendurch kamen immer wieder schwebende Klänge zum Vorschein, aber die Hauptlast lag auf rauen Gitarrenakkorden. Ein paar Songs drifteten sogar in die punkige Richtung ab, was zwar nicht ganz zum Abend passte, aber trotzdem gefiel.

Die Vier bemühten sich auch trotz der engen Bühne eine ordentliche Rockshow abzuliefern. Vor allem Basser Brian Hendricks war viel unterwegs und warf sich in manchmal affektiert wirkende Posen. Frontmann Dan Shwetz, der auch öfter die zweite Gitarre bediente hampelte und sprang viel herum, konnte aber trotzdem mit seiner kraftvollen Stimme überzeugen. Dazu versuchte er das Publikum mit witzigen Ansagen auf seine Seite zu ziehen. Deren Thema war neben der Musik seiner Band vor allem die Trinkgewohnheiten der Deutschen und seine Vorliebe für Glühwein.

Ebenso ein Blickfang war der bullige Drummer Frankie Biggz, der wie ein Berserker auf sein Drumkit eindrosch. Manchmal benutzte er dazu das dicke Ende seiner Sticks, so dass man um seine Felle Angst haben musste. Trotzdem spielte er einen feinen Rhythmus und viele Breaks.
Seine Nebenleute an den Sechssaitigen zeigten neben den modernen Einflüssen viele Querverweise an die Sechziger und Siebziger, vor allem wenn sie ihre Instrumente dröhnen ließen. Da wurde mit Effekten wie Wah-Wah oder Feedback nicht gegeizt, da erinnerten einige Riffstrukturen an die großen Bands dieser Zeit.
Für das Publikum, das auf ihre Favoriten wartete war das natürlich gewöhnungsbedürftig. Trotzdem taute es gegen Ende des Sets mehr und mehr auf, vor allem das treibende „Undone" konnte überzeugen. Das Set bestand zumeist aus Nummern von ihrem aktuellen Album, das vielleicht für einige ein Kaufanreiz darstellte.
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Als dann die polnischen Prog-Hopefulls die Bühne enterten war der Applaus von einem anderen Kaliber. Und wie nicht anders zu erwarten eröffneten sie mit den ersten Songs ihrer neuen Langrille. Sofort war zu erkennen, dass die Band dazugelernt hat was die Bühnenpräsenz angeht. Hier dürfte auch die Support-Tour mit DREAM THEATER ihre Spuren hinterlassen haben. Allen voran versprühte Frontmann Mariusz Duda viel mehr Energie als bei ihren frühren Auftritten.
Was nichts an der ungeheuren Magie ihrer Songs änderte, nach wie vor stehen diese fein gesponnenen Klanggebäude im Vordergrund, die sich wie ein warmer Schauer über die Zuschauer legten. Von der technischen Brillanz und ihrem gekonnten Zusammenspiel ganz zu schweigen. Die Kompositionen strotzten daher nur so von bezaubernder Atmosphäre ließ die Polen ein ums andere mal auf den Spuren der Großen im Prog-Zirkus wandeln.

Mariusz Duda, der Mann der sich bisher immer schüchtern hinter seinem Bass und seinem Mikrofon versteckt hatte, ging mehr aus sich heraus, animierte des öfteren sein Publikum. Beim traumhaften „Conceiving you" forderte er die Fans zu Mitsingspielchen auf, nicht das letzte mal an dem Abend. Seine gesteigerten Entertainmentfähigkeiten bescherten seinen Mannen dann auch „RIVERSIDE"-Sprechchöre von den etwa 200 Besuchern.
Es ist auch immer wieder faszinierend ihm zuzusehen, wie er seine Songs durchlebt, mit all ihren Emotionen. Wie er verträumt auf seinem Langholz herumklimpert, während er in den Soundwogen von Tasten und Saiten schwelgt. Genauso wie seine unglaublich variable, gefühlvolle Stimme, die von Flüstern über betörende Gesänge bis zu tiefen Growls alles parat hat.
Sein Mann im Hintergrund Michal Lapaj an den Tasten, mimt in seiner Keyboard-Burg den Soundtüftler. Die Art, wie er auf seinen analogen Synthesizern geradezu nach den perfekten Tönen sucht erinnert an die legendäre Garde mit den Herren Emerson, Wakeman oder Wright. Dazu scheint er mir der fröhlichste der noch recht jungen Truppe zu sein.

Kaum eine Miene verziehen indes die beiden Pjotrs an der Gitarre sowie an den Kesseln. Von der Statur auch sehr massig rüberkommend würden sie optisch kaum in einer New Yorker Hardcore-Combo auffallen. Doch weit gefehlt, beide spielen so butterweich, das exakte Gegenteil davon. Grudzinski scheint geradezu in seine Axt verliebt zu sein, dass er trotz einiger Probleme mit seinem Monitor manchmal in einer anderen Welt scheint. Sein ungemein warmer Ton passt so gut zu der Musik, verleiht den düsteren Songs einen ganz eigenen Glanz.
Skinsman Kozieradzki vermag trotz der unzähligen Breaks unglaublich flüssig seine Stöcke zu schwingen, dass es eine wahre Augenweide ist. Sein Punch hat zwar schon ordentlich Power, doch in seinen Bewegungen gibt es kaum ein Absetzen oder Stocken zu sehen, was für eine rhythmusführende Position sehr ungewöhnlich ist. Seine Hände gleiten fast über die Toms und Becken, es scheint als würde er seine Drumfiguren malen.

Dass diese Band immer noch in der Entwicklung ist war auch daran zu sehen, dass man heuer etwas anders spielte. Vor allem der Bass war wesentlich höher gestimmt als früher und übernahm einige Melodieparts. Bei „Believe" wurden die Arrangements etwas entschlackt, was der Melodie mehr Raum gab. Die Produktion von „Rapid Eye Movement" hat hier ihre Spuren hinterlassen, es wurde mehr improvisiert als bei den Konzerten vorher. Es scheint, als hätte die Formation den Psychedelic für sich entdeckt, bezeichnenderweise heißt der vierte Teil ihrer Instrumentalreihe „Lucid Dream IV".
Das macht natürlich auch gespannt auf die weitere Arbeit der Band, die sich noch nicht auf einen Sound festlegen will. Wohin wird die Reise nach ihrer Trilogie führen? RIVERSIDE modifizieren ihren Sound ohne dabei an Identität zu verlieren, große Kunst. Das alles wurde vom Publikum begeistert zur Kenntnis genommen, das sich auch als textsicher bewies.

Höhepunkt des Abends war wie so oft das geniale viertelstündige Epos „Second Life Syndrome", mit diesem wunderbaren Solo am Ende. Gleichzeitig markierte die Nummer auch das Ende des regulären Sets, doch die Rüsselsheimer wollten das Quartett gar nicht von der Bühne lassen, so dass sie noch zweimal rauskommen mussten, bevor sie sich fast schon traditionsgemäß mit „The Curtain falls" verabschiedeten. Auch das Prozedere ist großes Kino, nacheinander verlassen die Musiker die Bühne, bis zum Schluss nur noch ein paar flächige Tastentöne verhallen.
Mit dieser Gruppe wird in den kommenden Jahren zu rechnen sein, denn ihre Anhängerschaft wächst immer mehr, so dass sie mittlerweile mehr als ein Liebhaberthema sind. Bleibt zu hoffen, dass sie ihre liebenswert bescheidene Art beibehalten und ihre Fähigkeiten Emotion so gut in Klänge zu packen. Das Zeug zu mehr haben sie und es sind Menschen, denen man gerne zuhört, weil sie sich nicht aufdrängen, sondern über ihre Kunst subtil einschmeicheln. (MetalPfälzer)
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Setlist RIVERSIDE:
            
Beyond the Eyelids
Rainbow Box
I turned you down
Ultimate Trip
Conceiving you
Loose Heart
Parasomnia
Believe
Volte-Face
Second Life Syndrome
----------------------------
02 Panic Room
Lucid Dream IV
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The Curtain falls

 

 

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