talesfromtheunderground_logo.jpgAm 29. September fand in den ehrwürdigen Kellern des Trierer Ex-Hauses die dritte Auflage des Tales from the Underground Festivals statt. Wie schon bei den Veranstaltungen zuvor setzten die Veranstalter vor allem auf Bands aus der Viking - und Black-Metal-Szene. Kernstück des Programms in diesem Jahr war die Warriors-Raid-Tour, die in ganz Europa unterwegs war. Diese bestand aus den Färingern TÝR und den beiden deutschen Formationen BLACK MESSIAH sowie ODROERIR. Dazu noch weitere Bands aus diesem Genre, unter anderem ein paar nette Überraschungen. Dieses Billing sollte doch einige Leute in die Mosel-Stadt ziehen, zumal es bei aller stilistischen Enge doch Platz für Abwechslung ließ. Das Exil war auch gut gefüllt, aber eben nur gut.

Probleme hatte auch der große Tour-Tross bei der Anreise, die Bands standen länger im Stau, so dass erst spät mit dem Aufbau begonnen werden konnte. Dadurch verzögerte sich der Beginn um fast eine Stunde, wodurch bei den einzelnen Akteuren doch das Programm etwas gekürzt werden musste. 

Den Anfang machten die Fast-Lokalmatadoren, die mit ihrem „echt saarländischen Todesblei“ so etwas wie die Exoten waren. Nur auf die Fresse, das waren auch die Worte von Frontmann Thomas Pickard, der wie gewohnt zwischen Wahn und Ulk wankte. Und so gaben die Fünf eine halbe Stunde Vollgas vom feinsten. Klassischer, leicht groovender Death-Metal war angesagt, die Axte marschierten ordentlich nach vorne, was auch dem Publikum gefiel. In den ersten beiden Reihen des zu dem Zeitpunkt noch dünn bevölkerten Clubs waren schon fleißig die Matten am Kreisen. Auch die Jungs auf der Bühne gingen gut mit und zeigten sich gewohnt spielfreudig.
Nur Sangesderwisch Pickard war das noch nicht Action genug und so ließ er den Worten „Wenn ihr nicht zu uns kommt, komme ich eben zu euch“ Taten folgen und sang einen Song im Publikum stehend. Daneben überzeugte er mit lustigen Ansagen, konterte den Einwand seines Gitarristen wegen dem Nebel mit „Mehr Nebel“. Weiter konnte die Axtfraktion um Bernhard Lorig mit flinken Soli aufwarten. Und der von DAWN AFTER DEATH ausgeliehene Schlagwerker Chris meisterte seine Aufgabe auch vorzüglich, sorgte für ein ballerndes Fundament, so dass die Truppe zurecht gefeiert wurde.

Setlist ICON:
Blinded by fear (At the the Gates - Cover)
Reign of Fire
Harvest of Hate
Misantrophic Mayhem
My private Hell
Blindzone
Beast
Pain

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Die Hagener könnte man einfach auf einen Nenner bringen, wenn man ihnen bös wollte: DISSECTION sind tot, es lebe INSIGNIUM. Doch ganz so einfach kann man es sich nicht machen, dennoch ist der Einfluss der Schweden nicht zu verleugnen. Dass dies nun nicht das schlechteste ist, dürfte klar sein. Und so zelebrierten sie ihren atmosphärischen Black-Metal recht engagiert. Die beiden Gitarristen Apollyon und Shoggoth teilen sich die krächzenden, zum Teil auch gegrunzten Vocals. Leider hatte die Band Probleme mit einem Mikro, das kaum was brauchbares von sich gab. Dadurch waren sie gezwungen, wenn möglich die Positionen zu tauschen.
Auch ein herbeieilender Techniker konnte den Schaden nicht ganz beheben, kickte dafür ein paar Getränke von den Boxen. Doch die Formation ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und feuerte ihre präzisen, leicht tödlichen Riffsalven ins Publikum. Dieses war zwar zahlreicher als beim Opener, entfachte aber nicht ganz so viel Stimmung. Songmaterial wie „Moorleiche“ oder „Bunkerkrieg“ wirkte doch ziemlich sperrig, was nichts an der Klasse oder seiner tiefen Bösartigkeit ändern konnte. Auch hier wurde eine Zugabe von wahrscheinlich dem Tourmanager untersagt.

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Das selbe Schicksal ereilte auch CROM, die auch nicht ihren ganzen geplanten Set durchziehen konnten. Trotz des Mitwirkens bei DARK FORTRESS war die Truppe musikalisch noch weiter draußen als ICON, denn Frontmann und Namensgeber Crom setzt auf klassische Metalkost. Tief in den Achtzigern verwurzelt mit einer leicht rotzigen Schlagseite war von Black Metal nicht viel zu hören. Ein bisschen VENOM und spätere BATHORY in den elegischen Passagen könnte man hineininterpretieren, aber viel eher lag der Vergleich zur NWOBHM. Auch Power-Metal ihrer Landsleute hat in deren Sound Spuren hinterlassen.
Und so setzten CROM den rockigen Contrapunkt, präsentierten traditionelle Soli. Die Stimmung war nun deutlich besser, die Band war von vielen bei einem ihrer seltenen Auftritte als Geheimtipp gehandelt worden. Auch wenn sie nicht über viel Konzerterfahrung verfügen, so strahlt der Mann am Mikro und der Gitarre doch einiges Charisma aus. Sehr engagiert zeigten sich auch seine Mitstreiter und zogen die Leute zurecht auf ihre Seite. Zumindest vom Hymnenfaktor passte das Material zum Rest der Veranstaltung, was uns die ersten Singalongs und lauteren Zugabe-Rufe bescherte.

Setlist CROM:
Wings of Fire
The restless King
Vengeance Part I
Vengeance Part II
My Destiny
Unchain the Hero

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Nach dem Streifzug in die Vergangenheit des Heavy Metal folgte nun ein noch viel weiter zurückliegendes Zeitalter. Denn die Herren und die Dame aus Thüringen ließen schon augenscheinlich das Mittelalter hochleben. Traditionell gewandet bis auf authentisches Schuhwerk standen die Sechs auf der Bühne. Und genau so klang ihr Sound auch, die Texte sowie die Melodielinien in typischem Stil. Getragene Gesänge, mit denen die Geschichten von alter Zeit kundgetan wurden, füllten den Raum, während die Band ein episches Klanggerüst herum baute, welches sowohl im Mittelalterlichen als auch im harten Rock zuhause war.
Neben vielem Klargesang, beherrschen die beiden Frontfiguren Fix uns Stickel auch derbes Gegrunze. Das Tempo der Songs war trotzdem zumeist verhalten und zum klassischen Instrumentarium kamen auch noch Flöte, Mandoline und die Geige zum Einsatz, was den Songs noch mehr Tiefe und Abwechslung verlieh. Den Fans schien dass, obwohl nicht ganz so heftig daherkommend wie der Rest gut zu gefallen und auch hier ließen wieder viele die Matten kreisen. Die Songs machten aber auch Spaß und waren trotz des opulenten Klangs recht eingängig. Positiv machte sich hier auch der gute und differenzierte Sound bemerkbar, der bei einer so vielschichtigen Mucke einfach unabdingbar ist. Genauso obligatorisch aber auch wieder der Tourmanager mit der Verweigerung der heftig geforderten Zugabe.

Setlist ODROERIR:
Heimdall
Odroerir
Menosgada
Zwergenschmiede
Des Thorshammers Heimholung
Zur Taverne

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Mit ihren sogenannten Waffenbrüdern von MENHIR, von vielen als der heimliche Headliner gehandelt ging es dann weiter. Und Brüder nicht zu Unrecht, denn Gitarrist Fix stand auch bei Pagan-Black-Metalern auf den Brettern. Auch der Anspruch an die Band war berechtigt, denn nun kam das Publikum voll auf seine Kosten. Die schnellen von Leadgitarren nach vorne getriebenen Songs sorgten für die ersten Pits des Abends. Frontmann Heiko mimte den grimmigen Zwerg perfekt und keifte seine Songs in die Meute. Aber auch mit klaren Vocals trug er seine Lieder, die ebenso von längst vergangenen Tagen erzählten vor.
Im übrigen musste sich Fix noch nicht mal umziehen, denn auch MENHIR erschienen gewandet. Die Keyboardfanfaren trugen die hymnischen Refrains schön in die Gehörgänge der Zuschauer. Besonders stark auch die langen, instrumentalen epischeren Momente, wenn die Äxte mit den Tasten schöne bombastische Harmonien bildeten. Hier traf einem schon eine fulminante Soundwucht, welche die Stimmung kochen ließ. So muss der Ritt in die Ruhmeshallen aussehen. Lediglich die etwas zu konzentrierte Arbeit störte etwas, denn viel in Bewegung waren MENHIR nicht, aber das ist auch auf der Bühne nicht gut möglich.

Setlist MENHIR:
Einherjer
Wotans Runenlied
Menhir
Die Kelten
Des Krieger´s Gesicht
Das verborgene Reich
Hildebrandslied

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Aus ähnlichem Holz geschnitzt waren BLACK MESSIAH, gingen musikalisch ähnlich zu Werke. Sie hatten nicht ganz so die Rasanz von ihren Vorgängern auf der Bühne, agierte dafür noch hymnenhafter. So konnte auch der Stimmungspegel hoch gehalten werden. Frontmann Zagan brachte zudem, wenn er sich nicht gerade mit seinen Nebenleuten zur Triple-Axe-Attack formierte, mit der Geige weitere Abwechslung ins Spiel. In diesen Passagen zeigten die Lieder deutlicher ihre Folkeinflüsse. Das brachte das Publikum fast zum Schunkeln, was der Stimmung einen lustigeren Touch gab.
Dazu zeigte sich die Formation bewegungsfreudiger, obwohl sie immerhin zu sechst auf den Brettern waren. Songs wie „Sühne des Feuerbringers" Erik, der Rote" oder „Irminsol" luden dann auch so einige zum Mitsingen ein. Doch den größten Applaus ernteten die Sauflieder, „Blutsbrüder" mit seinem beschwingten Mittelalter-Touch ließ schon die Hörner hoch kreisen. Doch das abschließende Cover des Disco-Klassikers „Moskau" war auch an diesem Abend unschlagbar und ließ die Leute vollends ausrasten.

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Es war schon kurz vor eins, als die Färinger auf die Rampe kamen, zu spät für viele, schade eigentlich. Doch zumindest die Damen harrten aus, bekamen sie doch mit den beiden Beaus an den sechs Saiten einiges für ihr Auge geboten. Natürlich stilecht die Heldenbrust entblößt. Mit Metal hat ihre Musik allerdings eher wenig zu tun, vielmehr sind sie im härteren Rock angesiedelt, der manchmal sogar alternative Züge zeigt. Und gerade in diesen Passagen wirkte der Gesang von Heri doch etwas gequält und tranig, konnte bei den Anwesenden kein großes Feuer mehr entfachen. Dazu mischen sie neben Folk auch noch einige Ethno-Elemente wie tribal-artige Drums, die den Songs eine spezielle Note verpassen. Und gerade in den sphärischeren Abschnitten, mit einigen Lead-Fills garniert, wussten sie zu überzeugen.
Überzeugen konnte auch die Bühnenpräsenz, vor allem wenn Terji zu seinen tollen Soli ansetzte. Da bekamen Männlein und Weiblein gleichermaßen was zu bestaunen. Leider flachte aber gegenüber den beiden vorherigen Bands die Stimmung deutlich ab, was TÝR aber routiniert wegsteckten und posten was die letzten Hörner hergaben. Auch hier gab ein Cover, oder besser ein umarrangiertes Traditional den meisten Zuspruch, bei dem einige Fans eines norddeutschen Fussballclubs den „originalen" Text sangen.

Setlist TÝR:
The Edge
Regin Smidur
Olavur Ridderaros
Lord of Lies
Hail to the Hammer
Sand in the Wind
Ragnarok
Wings of Time
---------------------
The wild Rover
Ramund him ung

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Wieder einmal war das Tales from the Underground eine gelungene Veranstaltung, die eine reiche Vielfalt für Fans von Folk-beeinflusstem Metal bot. Leider waren wie schon eingangs erwähnt zu wenige Zuschauer bereit sich dieses Spektakel anzuschauen. Dabei standen eine ganze Riege der besten Bands aus diesem Genre auf der Bühne. An mangelnder Werbung kann es nicht gelegen haben vielmehr daran, dass das Konzept einigen doch zu gewagt ist. Die haben aber einen sehr unterhaltsamen Abend verpasst.
Ebenfalls problematisch waren die kurzen Spielzeiten und die vergleichsweise langen Pausen. Aber da der Bus mit den Headlinern eben sehr spät eintraf, konnte kein vernünftiger Soundcheck durchgeführt werden, so dass sich der Line-Check vor den Auftritten in die Länge zog.
Löblich war natürlich noch, daß bei dem Event ausdrücklich niemand Zugang hatte, der eine rechte Gesinnung nach ausen trug. Diese Szene wird leider immer mehr von ewig gestrigen unterwandert, aber schon am Eingang war deutlich zu lesen, daß solche Leute nicht erwünscht sind. So muss das sein!(MetalPfälzer)

Mehr Bilder findet ihr wie immer in unserer Galerie. Alle Bilder von Katharina. 

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